Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 36-37 (7.9.1923)
- Date
- 1923-09-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 36__ September-Abonnement. Nachdem die August-Abonnements im Laufe dieser Woche durch Nachnahme erhoben worden sind» bitten wir unsere Leser, uns für den Monat September eine Anzahlung von Mark 800,000.— bis spätestens 15. September überweisen zu wollenab 15. September erheben wir durch Nachnahme zuzüglich Nachnahmespesen. Diejenigen Leser, die ihre Abonnements vom Postscheckkonto abbuchen lassen (verkürztes Abbuchungsverfahren) wollen freundlichst für ausreichendes Guthaben (1,070.000 für August- Abonnement und September-Anzahlung) Sorge tragen. Wir sind zur Aufrechterhaltung unsres Betriebes auf rasche Zahlung angewiesen. Frankfurt g. M., 2. September 1923. Verlag des „Zsraelit" G.m.b. H. Inserat-Preise. Vom 1. September an berechnen wir die 7 gespaltene Nonpareille-Zeile mit 10 Goldpfennigen (Friedenspreis 30 Pfg.), multipliziert mit der am Montag der ErscheinungswoKe geltenden Schlüsselzahl des Börsenvereins. Rosch-ha-schono-Glückwünsche werden jedoch zu dem in voriger Nummer bekanntgegebenen Satze berechnet. Für Reklame-Anzeigen auf den drei letzten Tertseiten jeder Nummer wird berechnet: letzte Tertseite 30 Pfg., vorletzte 35 Pfg., drittletzte 40 Pfg., multipliziert mit der Schlüsselzahl, für die dreigespaltene Tertzeile. Zur Jahreswende. Don Dr. W. Levin in Kamöurg. Am letzten Sabbate des Jahres, an der Scheidegrenze zweier Zeiten vernehmen wir immer jenes Thorawort, das der erste und größte Lehrer Israels als Ergebnis seiner Mahnungen vor seinem. Scheiden seiner Gemeinde zuruft.- irja'h nV:uni nb nintnn •nstn mwn nm Vd ns jtiewV tibw iv „Das Verborgene ist des Ewigen unseres Gottes, das Offenbare ist aber für uns und unsere Binder bis ewig, um alle Worte dieser Lehre zu erfüllen." Kann es ein gehaltvolleres und Aktuelles aus Jesaja. Von Rabb. Dr. V. Cohen in Berlin. Zweites Kapitel. 1. „Das Wort, das Jesaja ben Amoz über Juda und Jerusalem sah." Diese Ueberschrift ist dadurch notwendig, weil es eine ähnliche Prophezeiung des Micha (IV 1) gibt; durch die Uebersckrift unseres Kapitels wird deutlich festgestellt, daß Jesaja sein Wort nicht durch Ueberlieferung, sondern durch eigene Sehergabe aussprach. Dem Micha hat man, weil seine Prophetie (IV 5) jedem Volke den eigenen Gott belassen zu wollen» scheint, eine national beschränkte Gottesidee nachgesagt, — wobei man nur die zwei Worte -jjn obiy.’ übersieht. in denen er das endliche Aebrigbleiben der Gottesidee Israels deutlich genug prophezeit. Beide Propheten haben ihr Friedensbild übrigens nicht als- Menschheitstraum hinausgerufen, sondern dem eigenen Volke als Ziel seiner Sendung verkündet, ja als Folie zur strengsten Zurechtweisung ihrer Generation verwendet. _D e r Israelit__ geeigneteres Wort geben, um den Sturm der Gefühle in unseren Herzen zu beschwichtigen und die Wogen der Erregung in uns zu glätten, wenn der Gedanke an den Wandel aller Schicksale wie an die Flüchtigkeit alles Irdischen unser Inneres mit banger Sorge und Zagnis erfüllt und unser Auge sehnsüchtig das Kommende zu erspähen strebet? Keinen Iahreswechsel gibt es, an dem nicht ein Rückblick darüber belehrt, wie hart Freude und Trauer beieinander wohnen und daß mnn das Weltenrad sich dreht, das die einen in die Tiefe schleudert und andere in die Höhe treibt. Menschlich, allzumenschlich ist das Fürchten vor der ungewissen Zukunft. Dieses Zagen und Bangen ist sogar ein Zeugnis von innerer Würde und Größe, wenn die Sorge um die Gesamtheit jene Empfindungen auslöst. Sie verraten Gemeingefühl und Selbstlosigkeit und bekunden Verständnis für unsere heiligen Gebete, die auch unsere ersten Gedanken auf das Größere und Größte hinleiten, ehe wir für unser persönliches Wohl und das unserer Lieben beten. Wir sollen jedoch nicht dem unfruchtbaren Grübeln verfallen und uns nicht in lähmender Furcht um die Zukunft verzehren, deren Schleier kein Sterblicher zu lüsten vermag. Darum erscheint uns Moses' Wort wie ein Mahner zur rechten Zeit. Nicht ängstlich vorwärtsschauen, sondern voller Hoffnung emporblicken zu Ihm, der uns trägt und hält und der feste Pol in der Erscheinungen Flucht bleibt! Wir tragen leichter die Last, wenn wir ihren Urheber in dem gütigen Vater im Himmel sehen, und wir lassen den Becher der Freude nicht überschäumen, wenn wir ihn aus Gottes Hand entgegennehmen. Diesem Gotte, „der das Licht bildet und die Finsternis schafft", sei all das anheimgegeben, was die kommende Zeit in ihrem Schoße birgt, nb ninrn.i' Aber .uV rtoan aVisr w Äas Offenbare tft für uns und unsere Kinder bis ewig! Das „Offenbaren", das ist das Vergangene, was wir erfahren, was sich auswirken soll aus vergangenen Tagen in der Zukunft. Nicht so sehr, was die Zukunft uns bringen wird, soll unsere Sorge sein. Was wir ihr bringen» wie wir sie zu formen gedenken, ist entscheidend. Gleich einem Künstler, der dem Marmorblock, den er bearbeitet, seinen Geist einhaucht, sind wir berufen, der neuen Zeit, die sich aus den unendlichen Tiefen der Ewigkeit erhebt, unsere eigenen Züge zu verleihen, — und das neue Iahr wird uns das werden, was wir aus ihm zu gestalten vermögen. Heil uns, wenn wir da das Midrafchwort beherzi- 2. „Am Ende der Zeiten wird es geschehen, daß fest stehen wird der Berg des Hauses des Allgütigen an der Spitze der Berge stehen und über Hügel erhaben sein wird und zu ihm strömen alle Nationen." Trennt man dies völlig von dem Gedanken des ersten Kapitels, so klingt das erste Kapitel in eine trostlose Niederwerfung menschlichen Stolzes aus. In noch verstärktem Grade geschieht dies mit dem zweiten Kapitel dadurch, daß es, wie es uns vorliegt, mit der Schilderung des Ideales der Zukunft zu beginnen und mit der gänzlichen Brechung menschlicher Hoheit, der gänzlichen Verachtung selbst „menschlichen Atems" zu endigen scheint. Richtiger dürfte es also sein, der Massora zu folgen, welche zwischen dem Anfangskapitel und K. 2, 1—4 einen nicht so tiefen Einschnitt setzt wie hinter 2, 4 und welche aus 2, 5—4, 6 wiederum einen ganzen, tröstlich ausklingenden Gedanken formt. Es ist eben nicht im Sinne eines Propheten Israels, das Vollgewicht einer ausklingenden Rede auf die Niederbrechung menschlichen Selbstbewußtseins zu werfen; dies entspricht vielmehr den ästhetischen Anschauungen nichtjüdischer Bibelforscher der ersten Jahrhunderte heutiger Zeitrechnung, von denen, wie erwähnt, stellenweise die heute übliche Kapiteleinteilung geschaffen wurde. Während die voraufgegangene traurige Zeitschilderung jjn „Erschautes" heißt, also prophetisch, mit höherem Blick durchleuchtetes Wirklichkeitsbild, nennt sich das zweite Kapitel „Wort". Das ist scheinbar eine allgemeinere Bezeichnung; in Wirklichkeit bedeutet zugleich auch einen Befehl, eine. Anweisung zu gehorsamem Tun. Durch diese Nebenbedeutung lernen wir, daß es Pflicht jedes Menschen ist, nach Möglichkeit an der Erreichung des idealen Zieles der Menschheit mitzuarbeiten. Im ganzen göttlichen Worte finden wir keine „ekstatische Zukunftsvision", kein Idealbild der > . 7. September 1923 gen:. v'2iv mffxravmwn Das Dffenbare, das sind „Umkehr" und „güte Werke". Die vergangenen Tage, vollends das zu Ende gehende Iahr haben uns doch zur Genüge davon überzeugt, daß nur die Rückkehr zu Gott der Welt und Menschheit die Erlösung bringen können von dem Drucke, der überall herrscht. Da sollten wir an der Wende der Zeilen, wir, die Kinder vom alten Stamme, ein anderes Ziel erstreben als jenes, das^der 'v'2V.i iznn das sabbatlicher Monat uns steckt? Die drei Feste, bei Beginn des Monats und dann, wenn das Licht des Mondes bereits gewachsen und schließlich in der Fülle und im Glanze des abendlichen Himmels, rufen jedes in seiner. Sprache uns um das Banner Gottes. an ^sb". Vor Gott, „hin zu Ihm", das ist der Sammelruf des Schofar, das Gnadenwort des Engels der Versöhnung und auch der Freudenklang am Erntefeste. Dieser Dreiklang ist der eine und gleiche Ton: Werdet Gottes Kinder, des himmlischen Vaters getreue Diener, Pfadweiser zu allen Tugenden.und das Menschentum bezeugenden Werken. Mögen die Menschen und Völker, der Krankheit Wurzel noch nicht erkennen und darum vergeblich die Heilung suchen, wir dürfen nicht den Glauben verlieren, daß schließlich doch der Allweise und Allgütige am Webestuhl der Geschichte wirkt, bis aus allen Irrungen und Wirrungen neues Heil aufsprießt. Diese Zuversicht soll einen jeden in Israel an unsere jüdische Pflicht erinnern, der Zeuge Gottes zu werden. Seines Waltens Verkünder und Maßstab. Das ist die große Verpflichtung, die wir fürs neue Iahr übernehmen, um die Erbschaft vergangener Geschlechter zu hüten, „für uns und für unsere Kinder", — ns nwsV nst.i nnnn in „alle Worte dieser Thora zu erfüllen." Da ist es wie eine Verheißung, die zu uns herüberklingt aus dem Nulerlebnis dieses Jahres. Die Edelsten und Besten unserer Gemeinschaft haben sich zusammengefunden, um Saaten des Heiles für die Zukunft Israels — aber auch zum Segen der Menschheit — auszustreuen. Nun ist geschlungen das Band, das die zerstreuten Brüder auf dem weilen Erdenrund vereinigen soll zur Verherrlichung der Thora, zur Erfüllung der Aufgabe, die uns geworden. Heilverkündend, segenfördernd wird sich die Aenessio Gedaulo im neuen Iahre erweisen, wenn sie sich so auswirkt, wie es ihre Spuren erwarten lassen. Sammlung um die alte Sinaifahne, Belebung des Klalgedankens, Schaffung neuer Lebenswerte und reicher Bewährungsgebiete, das sollen die kommenden Tage Menschheit, zu dessen Verwirklichung nicht diese selber ode^ ein Teil von ihr mit aufgerusen würde. Nichts, ist bloßer Traum, alles Ansporn. Näher bestimmt wird nirgends im Gottesworte die Zeit der Erlösung Israels; dennoch ist „am Ende , der Zeiten" kein ganz vager Begriff. Gemeint ist, wie aus dem Darauffolgenden deutlich zu ersehen, daß Israels Gostesstaat genau zu der Zeit Wiedererstehen wird, in welcher das Schicksal keines Staates mehr von Politik oder von Gewalt abhängig sein wird. Den Anfang wird diese neue Weltordnung in Israel selber nehmen. Aus vielen Hügeln ist Jerusalem erbaut; der Berg des Hauses Gottes wird sie alle überragen. Das heißt: Auf vielen Säulen ruht Israels Staat; alle aber fußen in der Lehre, deren Gedanken der Opferdienst symbolisiert und sichtbar das ganze Volksleben überragen. Den Zustrom der Völker kann nur das Aeberragendfichtbare anlocken; dies aber wird der Berg des H a u - s e s Gottes sein, d. i. ■ die Anerkennung der Erhabenheit jüdischen häuslichen Lebens vor aller Welt. Ist erst in aller Welt erkannt und anerkannt, daß nicht Gewalt, sondern reiner Familiensinn die Stühe des Staates ist und die wirksamste Erziehung zur Rechtschaffenheit ermöglicht, dann, aber dann ganz von selber, ist des Gottesvolkes Erlösung gekommen. 3. „Viele Völker werden gehen und sagen: Wohlan, laßt uns zum Berge des Allgütigen hinaufziehen, zum Hause des Gottes Jakobs, und er soll uns von seinen Wegen lehren, und wir wollen in seinen Pfaden wandeln; denn von Zion wird Thora ausgehn und des Allgütigen Wort von Jerusalem." | Nicht nur QV|j (vgl. »Körper") die verschiedensten, von den Menschen „Rasse" genannten, - körperlich durch das Klima differenzierten Einzelgruppen, sondern auch Qifty die durch Gesittung und Gesellschaftsform (ny) verschiedenen Kulturkreise werden im