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Der Israelit · 1923-08-02 · Heft 31 (2.8.1923) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 31 (2.8.1923)
Date
1923-08-02
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 4 Nr. 16 Blätter Agudas Jisroel in Holland v Bon einem Agudi st en. (Ilebersetzung aus Nr. 51 des „Nieuw Israelietisch Weekblad" in Amsterdam.) (Schluß.) Durch welche positiven Erwägungen geleitet, wenn nicht allein als Reaktion auf die zionistische Aktivität, ° kann die Aguda für den materiellen Aufbau von Palästina arbeiten? So ungefähr fragten wir am Ende unseres vorigen Artikels. Im Jahre 1917 erklärte die Aguda, daß der durch England angebotene selbständige Staat sich in Wahrheit zwischen Hammer und Amboß der feindlichen Mächte und des Arabertums befindet und deshalb ein Abenteuer sein sollte, das das an Tränen reiche Golusgeschehnis des jüdischen Volkes nur mit einer neuen Blattseite vermehren würde; ist es nicht inkonsequent, daß dieselbe Organisation in 1919 die Notwendigkeit eines aktiven ausgebreiteten Palästinaprogramms verteidigt? Wenn man die Sache genau besieht, ist diese Inkonsequenz jedoch nur scheinbar. Man kann die Balfour-Deklaration ein Abenteuer nennen — eine neue Gefahr auch, so wie wir sie zur Zeit charakterisierten — und doch, ohne danach zu trachten, der Gefahr zu entlaufen, versuchen, alles zum guten zu wenden. Das Judentum hat mehrmals solche Gefahren gekannt und hat sie nicht nur überwunden, sondern hat zum Schlüsse aus den Gefahren noch gute Dinge geboren werden sehen. In Maß-Soferim 1, 7 finden wir zum Beispiel erwähnt, daß einst 70 Gelehrte die Heilige Schrift für Ptolemäus in das Griechische übersetzt haben und dieser Tag, so zeichnen die Weisen dabei an, war für Israel so unheilvoll als der Tag, da das goldene Kalb gemacht wurde, denn die Thora kann nicht vollkommen in eine fremde Sprache übersetzt werden. Wir begreifen das Seufzen der Weisen, denn dadurch, daß man die Thora der Welt übergab, der profanen, ungeweihten Welt, hat/man sie des geheimnisvollen Glanzes der Heiligkeit entkleidet, ist sie ein Buch wie alle Bücher geworden, ein Zielpunkt für die Pfeile der ungläubigen und kalten Rationalisten, ein Versuchsobjekt für das Zcrgliederungsmesser unbarmherziger, geistlicher Anatomen. Und doch kann man nicht verkennen, daß selbst hiervon das Judentum Vorteil hatte; daß das Judentum nicht allein mit Erfolg getrachtet hat, die Gefahren, entstanden durch die Verfertigung dieses neuen, goldenen Kalbes, zu neutralisieren, sondern daß das Uebersetzen auch positiv gute Resultate geliefert hat, daß die Uebersehung das Mittel war, um die Juden selbst mit ihrer Thora bekannt zu machen. So ist es auch möglich, daß das Palästinaprojekt, eigentlich ein Abenteuer — und wohl ein gefährliches Abenteuer — für das Volk Israel Segen abwirft, daß daraus positiv Gutes für Israel entsprießt, und da — wegen all zu großem Unterschied des Ausgangspunktes — die Leitung von Zionismus und Misrachi nicht angenommen werden kann, und selbst die enge Zusammenarbeit sehr schwer ist, hat die Aguda gut daran getan, trotz ihrer Qualifikation in 1917 zwei Jahre später der Palästinaarbeit, die bereits in 1912 nich? ganz ausgeschaltet war, einen ausgedehnteren Platz in ihrem Programm zu geben. Es wird dem Leser klar sein, daß wir das erneute Streben nach Weckung neuen Agudalebens in unserem Land mit Freuden begrüßen. Eine Organisation, die alle Probleme der Iudenheit, wozu nun auch in dringenderem Maße als in 1912 und 1917 das Palästinaproblem gehört, im Lichte der Thora besehen und im Geiste der Thora lösen will, eine Organisation, wurzelnd in der Thora und die ihre Verzweigungen in allen Ländern Europas und Amerikas hat, muß auch in unserem Lande ihre Vertretung finden. Die niederländische Iudenheit ist sich selbst und dem Judentum verpflichtet, sich bei den Beratschlagungen und Beschlüssen eine Stimme im Rat zu sichern. Bevor wir endigen, wünschen wir die Aufmerksamkeit auf einen Punkt zu richten, der noch einer Erläuterung bedarf. In 1917 hat die Aguda durch ihren Vorsitzenden mündlich als Grundsatz ihrer Palästinaarbeit angegeben, die heilige Pflicht von Iisjoew Erez Jisroel, das Bewohnbarmachen und Bewohnen des Landes Israel. „Die Politik der Orthodoxie", also lautete es in der präsidialen Rede, „muß also ausschließlich daraus gerichtet sein, die ungestörte Erfüllung dieser Gottesdienstvorschrift, gleichgültig innerhalb welcher — politischen — Konstellation zu versichern." Durch diese Erklärung ist aller politische Nationalismus vollkommen ausgeschlossen. Mit dieser Auffassung der Palästina-Arbeit stimmt der übergroße Teil der niederländischen Iudenheit vollkommen überein; allein aus diesem Wege mag, kann und will sie Mitarbeiten am Aufbau von Palästina. Diese Auffassung können wir dennoch nicht vollkommen wiederfinden in Artikel 4 des Leitfadens der Agudas Jisroel, mit Bezug auf die Fragen deb Tages, in welchem diese in 1919 aufgestellt wurden. Hier heißt es: „Die Agudas Jisroel fordert von den in der Verbannung lebenden Kindern des jüdischen Volkes treue und gewissenhafte bürgerliche Pflichterfüllung gegenüber den Staaten und Völkern, unter welchen es wohnt, im Geiste des jüdischen Gesetzes; sie fordert Ehrerbietung vor den nationalen Idealen dieser- Völker und taktvolle Vorsicht, wo ein starkes Hervortreten im politischen Leben den jüdischen Interessen schaden kann." Mit der ersten und der dritten Forderung wird jeder niederländische Aguda-Aspirant wohl zufrieden sein. Treue und Pflichterfüllung gegenüber dem Staat ist zweifellos ein Punkt des jüdischen Lebensprogrammes und taktvolle Vorsicht ist in allen Lebensverhältnissen geboten. Die zweite Forderung geht dennoch nicht weit genug, ist zu schwach. Wir fordern von dem Juden mehr als reine Ehrfurcht vor den nationalen Idealen der Völker, unter welchen wir leben, wir stehen nicht außerhalb der Völker, um aus der Ferne und aus der Höhe Ehrfurcht zu zeigen vor ihren nationalen „Bestrebungen"; sondern wir, als Teil des Volkes, bei welchem wir vollkommen leben können, wie alle anderen Bürger, wo wir denselben Schutz durch das Gesetz genießen, wie alle übrigen Bewohner, wir haben nicht allein Ehrfurcht vor ihren nationalen Idealen; wir wollen als Glieder des Volkes, das uns als gleichwertig in die Gemeinschaft ausgenommen hat, nicht allein Ehrfurcht haben, sondern Mitarbeiten» bewußt und herzlich, und mit Aufbieten aller Kräfte Mitarbeiten, um diese nationalen Ideale zu verwirklichen. Dies mögen die Völker von uns fordern, dieses Joch mögen sie uns auflegen und — wir werden es gerne tragen, so wie wir das nnfl das Joch der Thora mit Freudigkeit tragen. Die nationalen Ideale des Volkes, unter welchen wir leben, sind auch die unseren, denn wir gehören zu diesem Volke. Daß wir nicht allein Ehrfurcht haben müssen vor den nationalen Idealen der Völker, die uns einmal in ihrer Mitte ausgenommen haben, sondern daß wir mit ihnen streben müssen, nach der Verwirklichung der Ideale, wird uns an das Herz gelegt durch den Gottesgesandten, der sein Volk in Verbannung gehen sehen mußte, den Propheten Ieremia, der seinen Stammesgenossen in Babel zurief: „Strebt nach der Wohlfahrt des Staates", worin sicher mehr liegt als Ehrfurcht. Es ist in der Tat merkwürdig und lehrreich, daß die heilige Schrift, wo diese uns auf das Verhältnis weist, das zwischen uns und unserem eigenen Land herrschen muß, ungefähr dieselben Worte gebraucht DN "Itsm "I^D j Zwischen und besteht kein Unterschied und weun ein Unierschied besteht, wird es nur das sein, baß E1^ eine noch stärkere Bedeutung hat als woraus also folgt, daß man dem zweiten Vaterland vielleicht mit noch mehr, doch sicher mit ebenso großer Liebe dienen muß als dem ersten, das wir durch den lvillen Gottes haben verlassen müssen. Und dieses vermindert nichts an der Liebe, die wir für Erez Jisroel hegen und an der Intensität, mit der wir arbeiten wollen für die Zukunft der heiligen Statik, nach welcher einst alle Völker den Blick richten werden, von wo aus einmal das erlösende Wort gesprochen wurde und von wo aus es einmal wieder zur Welt klingen soll. Bevor zur definitiven Gründung einer — wie wir hoffen — ausgedehnten Agudas Iisroel-Organisation in unseren teuren Niederlanden übergegangen wird, verdient dieses offen und ohne Umwege ausgesprochen zu werden. Und eine Resolution in diesem Geiste wurde den Hauptleitern zugesandt, damit sie wissen, was eine niederländische Agudas Jisroel-Bewegung bedeutet. Zämtttede Mitteilungen für die -lgudss Ilrroel Zugrndsruppe fiawersiadt, sind in Luiruntt an yerrnpaurizerrog,yalverriadt. SeMirrttarre §r, ru richten. _ 2. August 1923 Eine Aufgabe für die deutschen Aguda-Ortsgruppen. Man schreibt uns: Ich möchte auf einen Uebelstand aufmerksam machen, der in den kommenden Feieertagen in vielen Kleingemeinden eintreten wird: es wird mehr als in früheren Jahren an v'Njp'MI ll'UN fehlen, einmal, weil im verflossenen Jahre viele Lehrer- und Kantorstellen eingegangen sind und dann weil die Gesuche um Anstellung als Kantoren im Ausland sich mehren. Es wird hohe Zeit, daß man wenigstens versucht, diesem Uebelstande durch zweckentsprechende Maßnahmen. entgegenzuwirken. Zu diesem Zwecke möchte ich empfehlen, die Aguda-Ortsgruppen zu veranlassen, geeignete junge Leute bei ihren ü'IM ausbilden zu lassen, damit sie an den Feiertagen in kantorlosen Kleingemeinden fungieren können. Es muß allen Gemeinden und Vorstehern dringend ans Herz gelegt tDeiben:nT3 ni Aus der Bewegung. Antwerpen, 15. Juli. Die belgische Landesorganisation entsendet als Delegierte die Herren Oberrabbiner Rottenberg, Koppel Spira, H. Krengel, M. Lamm und M. Rottenberg. Spendenlisten. Erez Jisroel-Fonds. Der Landesverband der Agudas Iisroel-Jugbndgruppen in der Slovakei spendete für den Erez Jisroel-Fonds 2000 tschechische Kronen. Abterode: H. M. Oppenheim 2000. B.armen: S. Thal 3000.. Babenhausen: Emil Katten 10.000. Berlin: Z. Stein 5000, I. Geis 500, Dr. ined. Fr. Levy 100.000. Berlichingen: Feodor Roberg 1000. Brettenhausen: Lehrer Berlinger 11.000. . Breslau: Herm. Rosenfeld 10.000, dch. Frl. Toni Kober 3009 (Hochzeitsablösungen). Frankfurt a. M.: Irm. Kahn 5000, Mar Klausner 3000, A. Zimmer 10.800 (b. d. Minjan während der Schifoh meiner Schwägerin Ida Marx), durch Harry Iac. Jos. Sänger 5000 (vün einem alten, guten Freunde). Gunzenhausen: M. Rehfeld 6000. Hamburg: dch. Iac. Bächarach 100.000. He liste in: Sally Stein 5000. Helden b erg en: dch. Lehrer Bronkhorst 10.000 (v. Schifsmann-Charlottenburg). Karlsruhe: NN. 5000. K i r ch h e i m: Emanuel Reutlinger 1000. Kleinheubach: E. Sichel 10.000: Laupheim: Oberlehrer Rosenberger 200. Mainz: Herm. Moritz 5000, Julius Koch 6000. Nürnberg: Jul. Eckstein 1000, NN. 100.000 durch Rbb. Dr. Klein, Benno Plaut 5000. Oldenburg: Lehrer I. Mayberg 1305 gef. v. Mar Tarnes. Regensburg: F. Samuel 2000. Sögel: Lehrer M. Speier 10.000. Tiefenort: M.'Levistein 50.000. Wandsbeck: dch. Jul. Mayberg 7000. Würz bürg: I. Ullmann 5000. Breslau: Ludw. Kornblum 10.000. Deutsch-Krone: Jul. Fellner 10.000. Frankfurt a. M.: H. I. S. 60.000 (Tanis-Ablösung), I. Rosenbaum 20.000. Hütten he im: E. Liebenstein 5000. Fürth: Dr. L. Teitz 3166 (Büchsenleerung). Oberlauringen: I. Steinhäuser 5000. Treysa: Frau Oppenheimer 5000. Rauschchaudeschspende. Ansbach: 7030. Berlin: 12.000. B i r st e i n: 34.500. Berolzheim: 18.300. Berlin: 783.620, 15.000. Dinslaken: 15.000. Dortmund: 10.000. Emden: 55.000. Frankfurt a. M.: 99.300. Gunzenhausen: 24.400. Fürth: 5000. H a l b e r st a d t: 5000. Mannheim: 30.000. Nürnberg: 200.000. Sprendlingen: 15.000. Mainz: 130.520. Wittelshofen: 1650. Thora-Fonds. B i e b r i ch: dch. Lehrer Sulzbacher 50.000. Dr. C«hn-Haus. Linden: Lorsch 500 dch. Gruppenverband. Verantwortliche Redaktion: Dr. S. Ehrmann. Druck: Hermon Verlags-Aktiengesellschaft Frankfurt a. M.

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