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Der Israelit · 1923-08-02 · Heft 31 (2.8.1923) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 31 (2.8.1923)
Date
1923-08-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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V Seite 10 Nr. 31 Der Israelit im Zusammenhang stehen? Ich stehe noch träumend so da, als die Türe geöffnet rpurde, hereintritt — der Herr des Hauses, Herr Liron. Er wollte eine Besorgung gemacht haben. Wie er mich so erschrocken dastehen sieht, richtete er die Frage an mich, was das zu bedeuten habe. Zuerst suche ich seinem Forschen auszuweichen; als dies aber nichts nützte, gestand ich, wie die Sache sich verhielt. Wie ich aber den Namen Perlenkron aussprach. erbleicht er, ermannt sich aber sogleich wieder. Ich berichte ihm weiter von der Gefangensetzung des Jungen, während dessen , er mehrmals die Farbe wechselt. Als ich fertig war, hieb er mich hinausgehen mit den Worten: „Das ist alles Einbildung von Ihnen." Ich weist aber, dah es teine Einbildung ist, denn es must etwas dahinter stecken. Zumal mein Herr seit jenem Tage wortkarg ist und öfters sein Haupt auf den Arm gestützt, auf der Veranda sitzt, wie wenn schwere Sorgen ihn plagten. Heute hat er mir und der Marie mitgeteilt. daß er uns andere Stellen verschaffen wolle, da er beabsichtige, die Sommermonate in einem europäischen Bade seiner angegriffenen Gesundheit halber zu verweilen. Nun, ich weist nicht, wie ich mir das alles zusammenreimen solletwas ist dran, das ist sicher. Du kannst ja der Frau Perlenkron das Mitteilen. 'In der Hoffnung,- dah dich der Brief so gesund antrifft, wie er mich verlästt, verbleibe ich deine dich liebende Tochter Anna. (Fortsetzung folgt.) Der Ursprung des „Mogen-Dovid". Von Rabb. Dr. Ch. Lauer in Biel. All diejenigen, die sich mit der Entstehungsgeschichte des Mögen David befassen, vergessen gewöhnlich eine Kardinalfrage zu beantworten, nämlich: Wann ist die Benennung „Mögen David" für das Heragramm entstanden; seit wann nennen wir das Heragramm „Davidschild"? Und nur mit der Beantwortung dieser Kardinalfrage werden wir vermutlich der richtigen Erklärung über den Ursprung dieses jüdischen Symboles, das gewiß sehr alt ist, näher kommen. Die talmudische und rabbinische Literatur bis ins sechszehnte Jahrhundert kennt weder das Heragramm oder Diagramm als jüdisches Symbol, noch — was für uns die Hauptsache ist — den Namen „Mögen Dovid". Das Heragramm als jüdisches Symbol unter dem Namen „Davidsschild" begegnet uns verhältnismäßig sehr spät, und zwar im Coder Hamburg 296 aus dem Jahre 1564. Folio 6 hat hier ein Heragramm mit der Inschrift „Mögen Dovid". Dies dürfte, wie M. Grunwald im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1901, S. 123, richtig bemerkt, wohl einer der ersten sichern Belege sein. Aus diesem Grunde scheint mir die Hypothese, den Davidschild als zwei ineinander geschlungene Buchstaben Daleth der althebräischen Schrift anzusehen, in welcher dieser Buchstabe ein Dreieck darstellt/ für unhaltbar; denn im 16. Jahrhundert war noch weniger als heute das althebräische Alphabeth dem Laienpublikum bekannt. Ein Symbol aber, das für das Volk geschaffen ist, darf demselben keine Rätsel aufgeben, sondern soll ihm auf den ersten Blick klar und deutlich sagen, was es zum Ausdruck bringen will. Gesetzt den Fall, König David habe, wie Dr. Grünberg in der „Jüdischen Presse" vermutet, in seiner althebräischen Schrift durch sinnreiche Zusammenlegung des Buchstabens der am Anfänge und Ende seines Namens stand, dieses Emblem gleichsam als eine Art Monogramm geschaffen, drängt sich uns die schwierige Frage auf, wie kommt es, daß der Name dieses Emblems, „Mögen Dovid", der allein es als Davidschild legitimiert und auf seinen wahren Ursprung hindeutet, erst im sechszehnten Jahrhundert auftaucht und bis dahin in der gesamten jüdischen Literatur verschwiegen wird; woher die Tradition im 16. Jahrhundert? Noch weniger einleuchtend ist mir die aus mystischen Beziehungen heraus erkünstelte Erklärung des Herrn Dr. Güdemann (Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums 1916, S. 135 ff.), der den „Mögen Dovid" in Zusammenhang bringt mit dem in den Zauberschristen des christlichen Mittelalters unzählige Mal wiederkehrenden und im germanischen Aberglauben gegen die bösen Nachtgeister, „Druden" oder „Truden" genannt, als Schutzmittel angewandten Pentagramm, „Drudenfu". Güdemann (daselbst S. 138) meint, daß die Drude Gegenstand hebräischer Beschwörungen gewesen und daß aus der Benennung der Beschwörung 7,-,-; ’OQft pö (Schutz gegen die Drud), aus dem absoluten Schuhsegen gegen die Drud, der -fy-j p£, der Davidsschild, entstanden sei. Also aus der Rumpelkammer des Aberglaubens habe das jüdische Volk ein Symbol oder Wahrzeichen sich hervorgeholt, das es mit Viehställen und Wohnstuben teilen muhte (vgl. daselbst S. 139). — Eüdemanns Ausführung machte seinerzeit als geistreiche Erklärung die Runde durch die jüdischen Zeitungen und wurde auch in diesem Blatte ausführlich besprochen, obwohl seine Hypothese keineswegs neu ist. M. Grunwald hat bereits im Jahre 1901 in seiner oben erwähnten lesenswerten Abhandlung S. 120 darauf aufmerksam gemacht, daß der „Drudenfuß" beiläufig einen findigen Kopf aus die Kombination: David (im Mögen Dovid „Davidsschild") durch Weglassung des r aus drud gebracht hat." — Diese Abhandlung von Grunwald scheint Güdemann unbekannt geblieben zu sein, sonst würde er gefunden haben, daß schon andere vor ihm auf die Idee gekommen sind, „Mögen Dovid" mit „Drudenfuß" in engere Vezichung zu bringen. Diese Kombination aber ist meines Erachtens falsch. Denn erstens wird zumeist nicht das Heragramm, das wir als „Davidsschild" bezeichnen, sondern das Pentagramm als Drudenfuß dargestellt. Ferner: zugegeben, daß die Juden im Mittelalter — nach dem bekannten Sprichwort: „wie es sich christelt, so jüdelt es sich" — dem germanischen Aberglauben und Synkretismus frönten, so ist wenig bekannt, daß sie das Heragramm, wie übrigens heute noch viele. Bauern das Pentagramm am Eingänge ihrer Viehställe als Schutzmittel gegen böse Geister gebraucht hätten. Das Heragramm wurde vielmehr an Vorhängen des heiligen Schreines, am Parocheth, an Thoramäntelchen oder an Synagogengebäuden als jüdisches Symbol angebracht, an Stellen also, die bekanntlich nicht vor den „bösen Geistern" erst geschützt werden müssen. Das Heragramm war gewiß nicht ausschließlich in jüdischen Kreisen in Gebrauch, wir finden es in alten arabischen Schriften, in alten Amuletten bei den Gnostikern, innerhalb und außerhalb des Judentums. Sein Gebrauch als Aushängeschild an Wirtshäusern soll darauf zurückzuführen sein, daß die Pythagoräer aus ihren Vettelreisen jedes Haus, in welchem sie gastliche Aufnahme gefunden, dem Nachfolger durch das Heragramm bezeichnet haben (vgl. Grunwald, a. a. O., S. 120). Wie kommt es nun, daß auch das jüdische Volk gerade das Heragramm zu seinem Emblem erkoren hat? Ilm diese Frage zu beantworten, erlaube ich mir folgende Vermutung guszusprechen, wobei ich keineswegs den Anspruch erhebe, hierdurch die endgültige Lösung unseres Problems gegeben zu haben. Das Heragramm als jüdisches Symbol scheint seine Begründung im Talmud babli, Traktat Sabbat 88 a zu finden. Hier heißt es: \srr6n nvb arm N'iDrn t>-o . •. ... ->arv6n arm: w'rrbn dvq wvbn vp bv „ . . . Gelobt sei der Ewige, der eine dreiteilige Lehre (Thora, Nebiim und Kethubim) dem Volke der drei Stände (Kohen, Levi und Israel) usw. gegeben hat" (vgl. Raschi und Nißim Eaon z. St., Midrasch Tanchuma, Abschnitt Jithro 10, und Sohar, Abschnitt Nasso, ed. Wilna 1624, Folio 64 a, p. 253).*) Dieser talmudische Ausspruch wurde nun iti den ineinander geschlungenen Dreiecken des Hexagramms symbolisiert, das besagen will, daß die zwei Dreieinheiten, nämlich die Thora und das jüdische Volk, eine unzertrennliche Einheit, ein Ganzes, bilden; Judentum ohne Thora und Thora ohne Judentum seiundenkbar. Hieraus erklärt es sich, daß das Heragramm zunächst an'Geräten des jüdischen Gottesdienstes, besonders an Vorhängen des heiligen Schreines und an Thoramäntelchen als Brustschild zu finden war. Das Wort „Brustschild" aber wurde von: Volke im Ausgange des Mitteialters nicht mit dem klassischen Ausdrucke sondern mit "n pD ins Hebräische übersetzt (vgl. Karl Taulmann, Illustrierte Geschichte der Schrift, Wien 1880, S. . . .), woraus mit der Zeit, anlehnend an den dem Volke geläufigen Segensspruch der Haphtora, -pn p2 entstanden ist, und das Heragramm allgemein „Mögen Dovid" genannt wurde. Ich resümiere das Ergebnis meiner Untersuchung in folgenden Sätzen: Das Heragramm als jüdisches Symbol war schon im Altertum in Gebrauch und soll vermutlich anlehnend an den oben zitierten Ausspruch das Talmud und Midrasch die enge Verbindung, die Zusammengehörigkeit vom jüdischen Volk und seiner Lehre versinnbildlichen, der Name „Mögen Dovid" hingegen, den das Heragramm in jüdischen Kreisen führt, kann kaum auf ein Alter von vierhundert Jahren zurückblicken und ist von dem Worte -n pQ (Brustschild) abzuleiten. Auch mit meiner Vermutung dürfte wohl noch nicht das letzte Wort über den Ursprung des „Mögen Dovid" gesprochen sein. Darin aber stimme ich mit meinem Freunde Dr. Grünberg überein, daß das jüdische Volk beim Anblick des „Mögen Dovid" niemals an Magie und Aberglaube gedacht habe. *) 'Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf aufmerksam machen, daß viele Talmudisten vergebens sich bernühen, das in der rabbinischen Literatur oft zitierte Sprichwort: „Alles ist vom Glücke abhängig, selbst die Thora, die im heiligen Schreine steht, im Talmud oder in Tossaphoth zu finden. Dieses Sprichwort bildet die Einleitung zu der oben zitierten Soharstelle, die lautet: n"c ‘law ion 1281 nno -\wb$ □*- Kinderecke. 2. August 1923 Von Rabbi Juda, dem Frommen. Aus „Born Judas" (Insel-Verlag). Rabbi Juda der Fromme war schon über achtzehn Jahr alt und hatte von der Lehre noch nicht erfahren. Er konnte weder die Morgenandacht noch das Abendgebet hersagen und verstand sich nur auf das Spannen des Vogens und das Abschietzen der Pfeile. Eines Tages, als sein Vater, R. Samuel, im Lehrhause den Schülern das Gesetz auslegte, beschoß, sein Sohn die Stätte mit Pfeilen und lief zuletzt selbst herein. Darüber wurden die Jünger ungehalten und sprachen zu dem Meister: Du, dein Vater und deines Vaters Väter, ihr wart alle berühmte Männer, deinen Sohn aber' läßt du sein wie einen Wilden, dessen Handwerk das Rauben ist. Da antwortete R. Samuel: Ihr seid im Rechte. Nachdem die Jünger weggegangen waren, sprach R. Samuel zu Juda: Mein Sohn, du sollst ein Schriftgelehrter werden, doch zuvor will ich mit dir einen Versuch anstellen, ob du dessen würdig bist. Laß das wilde Treiben; das ist eine Schande für dich und für mich. Und er führte ihn hinauf zu der Stätte, wo er lehrte, und woselbst der Bruder Judas; Abraham, bereits saß. R. Samuel sprach einen heiligen Namen aus, und der ganze Raum ward' voll Licht. R. Abraham schlug die Augen nieder, Juda aber rührte sich nicht und zuckte mit keinem Glied. Als N. Samuel sah, daß sein Sohn unbeweglich stehen geblieben war, rief er einen Namen an, der noch wundertätiger war als der erste. Da konnte Abraham den Glanz nicht ertragen und hüllte sich in das Gewand seines Vaters, Juda aber senkte seinen Blick zu Boden. Da sprach R. Samuel zu Abraham: Mein Sohn, die Stunde entscheidet zugunsten deines Bruders. Du wirst Haupt eines Lehrhauses sein, dein Bruder Juda aber wird wissen, was die Höhen und was die Tiefen bergen, sein Geist wird alles schauen, und seine Taten werden ihm einen Namen machen. Als N. Samuel darauf im Kreise seiner Schüler aus der Lehre oortrug, begann sein Sohn Juda Fragen zu stellen, die scharfsinniger waren als die der andern Jünger. Da staunten sie darüber, daß dieser Jüngling, der weder die Schrift kannte, noch von den mündlichen Satzungen wußte, so tief in ihren Sinn eingedrungen war. Nachdem der Lehrer den Abschnitt durchgenommen hatte, sprach er zu Juda: Mein Sohn, bringe deinen Bogen und die Pfeile her. Juda holte die Waffen, und N. Samuel zerbrach sie vor den Augen der Jünger. Er sprach: Dein Berus sei fürder nicht das Treiben eines Schützen, sondern das Forschen in der Lehre sei in Zukunft dein Teil. Und richtig, von dem Tage an ward kein Pfeil und kein Bogen in der Hand R. Judas gesehen. Er lauschte den Worten der Weisheit aus dem Munde seines Vaters und diente ihm, bis er selbst ein großer Meister ward, berühmt durch sein Wissen und durch seine Taten. Rätsellösung. Weitere richtige Rätsellösungen sandten ein: Isaak Tugendhaft, Düsseldorf; Joses Brustin,-Riga; Samuel Isaak Braude. Telschi (Litauen). Familiennachrichten. Barmizwoh: Siegfried, Sohn des Herrn Jakob Königshöfer, Halberstadt. 4. August. für den Lubawitzer Vp und seine 3 ri'O’iEP iö Russland I und Palästina nimmt entgegen Philipp WoSff, Frankfurt a. INI. Schwanenstrasse 6 Postscheck-Konto 55048.

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