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Der Israelit · 1923-07-26 · Heft 30 (26.7.1923) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 30 (26.7.1923)
Date
1923-07-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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64- Mhrgaitg Frankfurt a. M., den —AUM?— Nr. 3V kiii Cehfralorgan tür das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab 1. Januar 1923: Deutschland 0,50 M. monatlich (multipliziert mit üer jeweiligen Schlüsselzahl des Börsenvererns): 2. Vierteljahr 4330 M. Juli 4800 M.; Deutsch-Österreich: 2. Vierteljahr: 5100 M., Juli 4000 Kronen; Polen: 2. Vierteljahr : 5700 M., I u l i 6000 deutsche Mark. — Nur Vierteljahrs-Abonnements: Tschecho- Slowakei 15 K., Ungarn 600 K., Jugoslawien 25 Din.; Rumänien 25Lei; Holland 1.60 sl.; Belgien 7,50 Fr.; Frankreich 6 Fr.-; Schweiz 2,50 Fr.; Italien 10 Lire; Skandinavien 4 K. England 2 sh. 6 p.; Amerika 0.75 Dollar. Einzelnummer 500 M. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 3000 M., für Stellensuchende 2000 M. für die siebengespaltene NvMareille-Zeile einschließlich Teuerungszuschlag; Chrffregebühr 600 M. Auslandsinskrate 8000 M. die Zeile. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträaen tarifmäßige Preiserhöhung jederzeit Vorbehalten. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M., Große Eschenheimer Straße 23, Telephon Hansa 5842 sowie durch sämtliche Annoncen-Expeditionen des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenannahme für Frankfurter Geschäftsanzeiaen: Jul. Schmidt, Langestraße 3. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen direkt an den Ver?a^au^^ofts^eckkonto Fran?^ur^(^änl^?rr^198827^^^lußerdem an: Postsparkass^iklen^rTT^M^^^ostspärkassenamt rdudWes^sr7^8^^^östs^eckämf^ ^ürich^Nr^VIl^7W4^^PoftscheSam^lnisteÄamENr^4^9^^öhmischeUnionbanr^>^rag^SLnc^ Der Nachdruck der Artikel und Korrespondenzen des Israelit ist nur unter genauer Quellenangabe und, soweit es sich um größere Aufsätze handelt, nur - - nach vorheriger Genehmigung gestattet. - - Der Bestand des Jüdischen Lehrerseminars in Köln. Von Dr. Emannel Carleb ach, Rabbiner und Seminardirektor in Köln. In einer Zeit, in der die Abwanderung aus den geistigen Berufen aus wirtschaftlichen Gründen, nie geahnten Amfang angenommen hat und in der vornehmlich das Amt des jüdischen Lehrers auch idealdenkenden Jünglingen und deren Eltern so verleidet ist, daß der Ausblick in die Zukunft der jüdischen Gemeinden, ihr synagogales und religiöses Leben, vornehmlich aber in Unterricht und Erziehung der Jugend alle wahrhaft jüdisch interessierten Kreise mit aufrichtiger Sorge erfüllt, haben nach Zeitungsberichten die meisten Lehrerbildungsanstalten im Reiche ihre Pforten geschlossen. Hier war.die Schwierigkeit der Geldbeschaffung, dort der- Mangel an Schülern der Anlaß, auch schulpolitische Erwägungen sprachen mit und die Meinung, daß der preußische Staat, der an einigen wenigen seiner Seminarien mit der Einführung der von der Lehrerschaft geförderten, grundlegenden Äenderungen in der Ausbildung des Lehrernachwuchses begann, die Neuordnung restlos durchführen werde, und somit auch, die jüdischen Anstalten in der bisherigen Form doch nur noch ein kurzfristiges Dasein führen könnten. So reformbedürftig wohl nach aller Sachkundigen Auffassung aus hier nicht naher zu erörternden : Gründen die alten Gleise her Lehrerbildung sind, so haben doch von Anfang an viele einsichtige und erfahrene Pädagogen ihre Zustimmung zu den neuen projektierten Wegen nicht zu geben vermocht, und haben andere, deren Gedanken sich mit den modernen Plänen trafen, schon im Hinblick auf die gegenüber der bisherigen Form viel teuereren Art der Ausbildung an ihrer baldigen Verwirklichung ernsthafte Zweifel gehegt. Sie haben recht behalten. Ist die Entwicklung der Dinge auch noch keineswegs abgeschlossen und befindet sich auch noch alles im Fluß, so weiß heute doch jeder Zeitungsleser, gewiß aber die zunächst Interessierten aus den Kundgebungen der zuständigen Instanzen, daß vorläufig in Preußen das System der Seminarien verbleibt und an eine durchgreifende Re-' «Das Inhaltsverzeichnis befindet stch am Schluffe der redaktionellen Teiles. form und einheitlich neuartige Gestaltung fürs erste nicht gedacht werden kann. Muß aber selbst in dem Falle, daß die Bestimmung der Reichsverfassung hinsichtlich der Lehrerbildung ins Leben getreten wäre und die heutige Seminarbildung der Vergangenheit angehörte, auch dem jüdischen Seminar die Sterbestunde geschlagen haben? Ich neige zu der Ansicht, daß es dann erst recht zu leben beginnt und zum unabweislichen Bedürfnis für die Notwendigkeiten der jüdischen Gemeinden, zu einem Quell reichen Segens werden kann. Den Studierenden der Pädagogik für die Aneignung jüdischer Kenntnisse und für die Erfassung der Sonderausgaben der Religionsschulen einerseits, und andererseits für die Heranbildung jüdischer Lehrer, die ohne Aspiration, staatlicher Berechtigungen züm Volks sch ul dienst, lediglich mit einem ausreichenden Maß von Allgenieinbildung und möglichst umfassendem und vertieftem Thorawissen ausgerüstet werden wollen, um unsern Gemeinden wertvolle Iugendbildner, religiöse Führer. Lehrer und Berater zu stellen. Und im vollen Bewußtsein, ziemlich isoliert in meiner Denkweiseinmitten: der Wortführer unserer Lehrerschaft däzustehen, ja. geradezu im Gegensatz zu ihrer Stellungnahme zu dem angeschnittenen Problem mich zu befinden, wage ich, es auszusprechen: erst wenn die staatlichen Fesseln fallen, die unsere Seminarien durch die Vielgestaltigkeit des kaum zu meisternden Stoffes an der freien Entfaltung ihrer natürlichsten Eigenart so unsagbar behindern, in der freien Atmosphäre autonomer Lebensbedingungen und nach den aus dem Wesen des jüdischen Volks- und Gottesdienstes erwachsenden Gesetzen, Zwecken und Zielen werden wieder wahrhaft jüdische Lehrer erstehen, die unseren Gemeinden das wirklich zu bieten vermögen, wonach das Alter lechzt und die Jugend sich sehnt und was der bisherige Studiengang nur höchst unvollkommen zuwege zu bringen vermochte. Soll aber das jüdische Seminar auch dann noch fortbestehen, wenn seine Schülerzahl auf ein Minimum zusammengeschmolzen ist? Zweierlei ist zu bedenken, wenn man nach einem gerechten Maßstab für diese Frage und ihre Beantwortung greifen will. Die jährliche Anzahl aller jüdischen Seminarabiturienten in Preußen, vielleicht sogar im ganzen Reich, hätte nie mehr als eine. Höchstenfalls zwei Lehrerbildungsanstalten für ganz Deutschland erfordert; fiskalisch beurteilt, vom Standpunkt der Rentabilität aus, waren die vielen Seminarien im Lande immer ein Luxus, und hätte die Iudenheit nicht das traurige Bild religiöser Zerklüftung geboten, hätten wir nicht ein orthodoxes, ein konservatives, ein mittelparteiliches, ein liberales und ein reformiertes Judentum, jedes mit dem Anspruch, Sonderausbildung für seine Lehramtskandidaten zu fordern, so wäre man, über , örtliche, stiftungsmäßige und geschichtlich gewordene Hemmnisse hinweg, sicherlich zur Vereinfachung und Verbilligung des jüdischen Lehrerbildungswesens gelangt. Für die staatlichen Behörden waren darum unsere Anstalten immer Zwerganstalten, wir aber konservierten sie und rechtfertigten den großen Geldaufwand für die wenigen Schüler, weil die Idee uns . alles und die Zahl nichts bedeutete und sollten heute die Idee der Zahl opfern wollen? Heute, wo die Nachfrage der Gemeinden eine geringere, aber die Aufgabe des Lehrers in den nach. ihm verlangenden Gemeinden eine bedeutungsvollere geworden ist als je? Und ein anderes: wie in der Natur, so sehen wir im . Menschengeschehen Ebbe und Flut miteinander wechseln. In den geistigen Berufen, aber auch in allen, herrscht durch den Sturm der Zeit Ebbe, und alles läßt sich hinübertreiben ans andere Ufer, in den Handelsstand. Wer will vorauswissen, wie lange noch dieser beklagenswerte, aber nur zu begreifliche Zustand währt? Sicher aber kommt die Reaftion; die Gememdeverwaltungen besinnen sich auf ihre Pflicht, der unausrottbare Idealismus und Optimismus jüdischer Jünglinge bricht wieder hervor und das Amt des Lehrers mit seiner Würde und seinen von den edelsten und erlesensten Geistern der Menschheit hochgepriesenen Werten und Reizen leuchtet wieder werdenden Menschen erstrebenswert entgegen; das Seminar findet wieder Zulauf — wenn .es nur da ist und nicht aus unhistorischer Betrachtungsweise und kleinmütiger Resignation vorzeitig geschlossen worden ist. Und wenn fürs neue Schuljahr bei uns schon 6 Anftagen nach Aufnahme-, Studien- und Lebensbedingungen vorliegen — nicht jede Anfrage verdichtet sich zum Aufnahmegesuch, nicht jedes Aufnahmegesuch realisiert sich, und ein Dreivierteljahr bedeutet noch eine lange Strecke Wegs — so ist das immerhin ein Symptom, das unser Kuratorium mitbestimmen kann, hoffnungsfreudiger zu sein. Aber läßt es sich den jungen Leuten gegenüber verantworten, sie in einen Beruf einzuführen, der finanziell so trostlos, wirtschaftlich so

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