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Der Israelit · 1923-07-19 · Heft 29 (19.7.1923) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 29 (19.7.1923)
Date
1923-07-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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Nr. 14 Seite 3 19. Juli 1923 .__ füllt, Randmenschen zur Peripherie gezogen worden,- aber deswegen ist die Frage nicht geklärt: Wohin seid Ähr entglitten? Hier liegt unsere Schuld. Wir haben warme jüdische Seelen um der Konsequenz willen verstoßen, Lebendiges ab geschnürt und verworfen. Vielleicht mutzten wir unseren Körper, um mit v'nw'-i sprechen zu können, “pn dttiv -s2 ->2 nnud üb sb'tibcfrwo der Verletzung aussetzen. Vielleicht! Mer die Menschen? Vor mir liegen Briefe, Dokumente, Geständnisse junger Menschen, die vom Agudagedanken einmal ergriffen worden und mit jeder Faser zur Einheit Jisroels standen, wo sind sie geblieben? Da waren die einen» die um der Reinheit der Idee willen auch in Agudas Äisroel nach den nämlichen, Gesichtspunkten Scheidungen und Sonderungen erstrebten, welche die Not der Zeit im jüdisch-politischen Leben schaffen muhte. Da waren die anderen, die sich leidenschaftlich gegen jede Degradierung und Diskreditierung des Einzelnen aus jüdisch-politischen Motiven zur Wehr setzten. Wir haben nicht verständen, den Weg zu finden, welcher gleichzeitig denen hüben und drüben, die an die Aguda glaubten, an unserer Organisation zu fesseln. Unsere Schuld ist dadurch vergröhert, dah ein großer Teil heimatlos gemacht .— die Thora teilweise und ganz verlor. " - Warum wir zu denen gesprochen, die dieser Ruf noch erreichen kann, auch wenn sie im anderen Lager stehen? Wir wissen in dieser Stunde um unsere Verfehlungen, die wir im Kampf um die Wahrheit glaubten begehen zu können. Wir waren eine junge Organisation und im llebergefühl der Kraft vermeinten wir alles nicht im Zentrum Stehende verneinen zu dürfen. Wir können Euch nicht missen, tretet zu uns, die Kenessio Gedaulo, von der wir für Äisroel alles erwarten» naht. Gestattet mit uns und wisset, daß die Schulz auf Euch kommt, wenn Ähr den Ruf unbeachtet im Raume verhallen lasset: Die Grundlage der Poale Emune Jisroel. (Orthodoxe Arbeiterpartei.) I. An der kommenden Kenessio Gedaulo wird, wie die Wahlergebnisse aus Polen besagen,' bereits eine Fraktion der Poale Emune Jisroel (Orthodoxe Arbeiterpartei) vertreten sein. Je -weniger die westeuropäische . Judenheit und auch deren gesetzestreuer Teil gewöhnt ist, den Begriff des jüdischen Handarbeiters in Betracht zu ziehen, wenn es sich um Organisationsfragen des Z jüdischen Volkes handelt, so sehr ist für die große breite : Masse des jüdischen Volkes im Osten und auch in Erez Jisroel der jüdische Arbeiter ein Faktor, dessen Bedeutung garnicht hoch genug eingeschäht werden.kann. Speziell Agudas Äisroel hat alles Interesse daran, der jüdischen Arbeiterbewegung die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden; doch hat leider der in nichtjüdischen Kreisen gewohnte Gedankengang, als ob Arbeiterorganisation und dje ihr zu Grunde liegende Geisteseinstellung auf das sozialistische Programm gleichbedeutend sei mit der Abkehr von der Religion, auch in jüdischen Kreisen vielfach Platz gegriffen. Man wird auch heute in Westeuropa, besonders in Deutschland nicht leugnen können, daß der Sozialismus ein wissenschaftliches System geschaffen hat, das ins praktische Leben eingegrisfen, wie kein philosophisches der Weltgeschichte. Die Begründer des modernen Sozialismus aber haben aus einer Fülle verschiedenartigster Ursachen heraus Stellung gegen jede Art von Religion genommen. Es genügt hier, Marx zu zitieren, welcher erklärt, „daß die Religion in einer Gesellschaft von Warenproduzenten berechtigt gewesen fei, aber die Gestalt der Gesellschaft müsse ihren mystischen Nebelschleier abstreifen, sobald sie als Produkt freigesellschafteter Menschen unter deren bewußter, planmäßiger Kontrolle stehen. Der ökonomische Prozeß werde von selbst das Verschwinden der Religion herbeiführen, denn der religiöse Widerschein der Welt müsse ja aufhören, Blätter_ sobald die praktischen Verhältnisse des Werktagslebens fl>en Menschen tagtäglich durchsichtige vernünftige Beziehungen zueinander und zur Natur darstellen und so die Befangenheit des primitiven Menschen aufheben". (Kapital: l. 48 folg.). Auch in der Zukunstsperspek- .tive von Engels verschwindet die Religion ganz und gar, wegen der künftigen Aushebung der Knechtung unter die Produktionsmittel, die den Menschen bisher als übergewaltige fremde Macht gegenüberstanden. Denn die Religion sei nur der Reflex dieser Richtung. Aus Opportunitätsgründen ist das sozialistische Parteiprogramm von seiner ursprünglichen Formel, welche lautete: „Der Sozialismus erstrebt auf staatlichem Gebiete die Republik, auf wirtschaftlichem den Kommunismus, auf religiösem Gebiete den Atheismus" dahin gekommen, im Gothaer und Erfurter Parteiprogramm die Religion als Privatsache zu erklären, was natürlich nicht gehindert hat, daß besonders die radikaljüdischen Arbeitermassen des Ostens mit geradezu unheimlichem Fanatismus die religionsfeindliche Tendenz des Sozialismus mit allen Mitteln der Propaganda der Tat zu verwirklichen versuchen. Es kann unter diesen Umständen als eine geradezu rettende Tat begrüßt werden, daß nunmehr Agudas Jisroel die Anfänge einer jüdisch-sozialistischen Arbeiterbewegung in "ihrer eigenen Mitte registrieren kann. Es ist selbstverständlich, daß die theoretische Grundlage der Poale Emune Iisroel-Bewegung aufs innigste mit der jüdischen Gedankenwelt, wie sie in Thora und Talmud niedergelegt ist, verknüpft ist. Doch ist die ganze Bewegung zu jung, als daß von einem festgefügten Programm die Rede sein könnte, es dürfte aber schon heute von Bedeutung sein, einzelne Bausteine zu diesem Programm aus den in den jüdischen Quellenschriften niedergelegten Aeußerungen über die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit zusammenzutragen und so allmählich auch in unseren Kreisen für die früher oder später mit aller Wahrscheinlichkeit zu erwartenden Auseinandersetzungen im eigenen Lager ein größeres Verständnis zu erreichen. In diesem Zusammenhänge sei der Hinweis darauf gestattet, daß auch bereits von nichtjüdischer Seite die sozialen Bestimmungen der Thora eine derartige Würdigung gesunden haben, daß ihre Aeußerungen hierüber an jenes Gotteswort erinnern, welches die auch bei anderen Völkern sich bahnbrechende Erkenntnis der Wahrheit des uns geoftenbarten Gesetzes verheißt: „Das ist Eure Weisheit und Eure Einsicht vor den Augen der Nationen, welchen alle ' diese Gesetze hören und sprechen werden: ES ist doch eine weise und einsichtsvolle Nation, dieses große Volk!" So bezeichnet Henry George in seinem epochalem Werke „Fortschritt und Armut" das dem jüdischen Volk gegebene Gesetz „als einen Protest gegen die Selbstsucht und Habsucht des Einzelnen, als ein Bollwerk gegen Unterdrückung, als eine Schutzwehr der Menschenrechte, ein System der Vergeltung für unwissentlich oder mutwillig zugefügtes Unrecht." (Fortsetzung folgt.) Aus der Bewegung. Jerusalem. (A. I. P. B.) Sir Herbert Samuel empfing vor seiner Abreise eine Delegation der Agudas Jisroel in einer einstündigen Audienz, in welcher die Forderungen der orthodoxen Gemeinde „Waad hair hoaschkenasi" bezüglich deren Unabhängigkeit vorgebracht wurden. Der Oberkommissar * versprach, eine Lösung zu suchen, die den erwähnten Forderungen Rechnung ttagen soll. Sir Herbert Samuel ersuchte sodann Rabbiner Horowicz. der Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel seine persönlichen Grüße und Glückwünsche zu übermitteln. New-Pork. (A. I. P. B.) Die Vorbereitungen zur Kenessio Gedaulo haben unter den orthodoxen Massen eine große Bewegung hervorgerusen. Die gesamte jüdische Presse bezeugt stärkstes Interesse für den ersten Weltkongreß der jüdischen Orthodoxie. „Mornmg-Iournal", eine der maßgebendsten jüdischen Tageszeitungeen in Newyork, begrüßt aufs Wärmste das Programm der Kenessio Gedaulo, welches auch den verschiedenen Fragen, die Erez Jisroel betreffen, einen großen Raum zur Verfügung stellte. „Morning-Iournal" bekämpft kategorisch jene Meinungen, welche behaupten, daß die Orthodoxie für Erez Jisroel wenig gearbeitet hat, und erinnert an die Tatsache, daß noch vor der Entstehung der verschiedenen modernen Bewegungen für Erez Jisroel, die jüdische Orthodoxie für ihr heiliges Land unermüdlich gearbeitet hat, ferner spricht „Morning- Iournal" die feste Ueberzeugung aus, daß die „Jewish Agency" niemals das sein könne, was sie sein solle, wenn die Agudas Jisroel nicht, entsprechend in der Agency vertreten sein wird. „Morning-Iournal" begrüßt den Beschluß der Agudas Jisroel, die Kenessio Gedaulo nach Wien einzuberufen, wo durch die niedrige Valuta der Besuch vieler Gäste aus aller Welt möglich sei. Der orthodoxe amerikanische Rabbinerverband hat bereits nach Wien als Vertreter die Herren Rabbiner Levinsohn, Jnselbäch und Selzer angemeldet. In Boston-Chelsea, Fall River geht die Anwerbung von Mitgliedern flott von statten. In Providence wurde eine Ortsgruppe unter der Leitung des Rabbiners Bachrach gegründet. Newyork unternahm eine große Propaganda für die Kenessio Gedaulo. Der bekannte Phflantroph Dr. Mar Manischewitz ist nach Europa abgereist, um an der Kenessio Gedaulo teilzunehmen. Warschau. (A. I. P. B.). Bjs zum 9. ds. Mts. lagen bereits die Wahlresultate zur Kenessio Gedaulo aus über 80 Städten und Orten Polens vor. Es wurden bis jetzt 161 Delegierte gewählt, darunter auch Vertreter der Poale Emune Jisroel (orthodoxe Arbeiterpartei). Jerusalem. (A. I. P. B.) Sonntag den 10. Tamus fanden hier die Wahlen zur Kenessio Gedaulo statt. Es war ein interessanter Anblick, wie Hunderte von orthodoxen Juden, die vollkommen von der Politik sowie von Wahlen, die in Jerusalem ein Novum sind, entfernt sind, herbeiströmten, um die Delegierten zum allweltlichen Kongreß der jüdischen Orthodoxie zu wählen. Die greisen Mitglieder des aschkenasifchen Besdin haben sich die Ehre nicht nehmen lassen, schon zu Beginn des Wahlganges ihre Stimmzettel abzugeben, sodaß die Stimmzettel Rab. CH. Sonnenfelds und Rab. I. I. Diskins die ersten gewesen sind, die abgegeben wurden. Roiyno. (A. I. P. B.) Die . jüdische Orthodoire Wolhyniens hat sich in einer Organisation „Achduth" zusammengeschlossen. Die Organisation „Achduth", die die Verbreitung der religiös-nationalen Idee unter allen Schichten des jüdischen Volkes zum Ziele hat, arbeitet im engen Kontakte mit der Agudas Jisroel. Zur Kenessio Gedaulo in Wien wurde aus dem Rahmen der Organisation „Achduth" eine entsprechende Anzahl von Delegierten' gewählt, unter denen sich der berühmte Rabbi I. Sorin aus Koreh befindet. Jaffa. (A. I. P. B.) Da das einzig jüdische Hospital in Jaffa „Hadassa" wegen Geldmangels von der zionistischen Organisation aus geschlossen werden mußte, chat die Agudas Jisroel, um den großen Bedürfnissen nach einem jüdischen Spital für arme Kranke zu entsprechen, das seinerzeit gegründete Spital „Beth Marpe" neu eröffnet. Als Leiter wurden Dr. Kantorowitz und Dr. Segalk aus London berufen. Es ist zu hoffen, daß die Agudas Jisroel in Jaffa das Spital vergrößern und ausbauen wird, und damit eine ihrer wichtigsten lokalen Aufgaben erfüllen werde. Wien. (A. I. P. B.) Der weltberühmte Chason Jossele Rosenblatt reist von Amerika nach Europa, um als Gast an der Kenessio Gedaulo teilzunehmen. Wie«. (A. I. P. B.) Dieser Tage wurde hier ein Spielfilm aus dem Leben der russischen Juden, sowie dem Leben der Pogromwaisenkinder in den Waisenhäusern und Landwerkstätten der Agudas Jisroel fertiggestellt. Auf Wunsch der amerikanischen Agudalandesorganijation wurde der Film nach Amerika geschickt. Wien. Die Leitung des Wiener Agudabüros hat einem lang gehegten Wunsche aller in Agudaangelegenheiten tätigen Kreise durch die Errichtung eines Presse- Büros d»r Agudas Jisroel Rechnung getragen. Alfp Agudas Jisroel berührenden Angelegenheiten werden vom Pressebüro systematisch gesammelt und veröffentlicht. Wir bitten zur Wrttettettuug des Pressebüros bestimmte Nachrichten aus Deutschland an die Redaktion der „Blätter" gelangen zu lassen. Die den Mitteilungen des Pressebüros entnommenen Nachrichten werden mit dem Zeichen A. I. P. B. signiert sein. Berlin. Unter Leitung von Herrn Siegfried Stein gibt die Agudas Jisroel-Jugendorganisation allmonatlich ein Nachrichtenblatt heraus, welches über die wichtigsten Vorgänge innerhalb der Aguda orientiert. Bestellungen auf dieses Nachrichtenblatt wolle man an den Vorstand der Jugendorganisation Köln, Händelstr. 19, gelangen lassen. Spendenlisten. (Beträge unter 10.000 Mk. können nicht mehr ausgewiesen werden.) Keren Hajifchnw-Spenden. Frankfurt a. M.: Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel erhielt kn den letzten Tagen, von den auswärtigen Landesorganisationen eine Reihe größerer Bettäge für den Keren Hajischuw, so als.erste Rate von der amerikanischen -Landesorganisation durch Vermittlung öon Herrn Rabbiner Dr. Jung 8617 Dollar, von der beßarabischen Landesorganisation durch Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Zirelsohn Kischinefs 15.000 Lei, von der tschechischen-slovakischen Landesorganisation 2000 tschechische Kronen. Auch aus den übrigen valutastarken Ländern (Schweiz, Skandinavien) sind größere Beträge für den Keren Hajischuw in Aussicht gestellt. Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel. Berlin: Zeire Emune Jisroel 100.000. Frankfurt a. M.: Fritz Stern 250.000, Rüben Lange, Naphtali Abrahams, Benzion I. Abrahams fl. 12. Julius Holländer 1.000.000.

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