Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1923-07-12 · Heft 28 (12.7.1923) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 28 (12.7.1923)
Date
1923-07-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450238-2450263--70632-2527923
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 6 Nr. 28_' sieht märt kaum einen Kunden. Es fehlen Fonds zum Hauserbau und vom Auslande kommt nur wenig Geld herüber. Die Thaluzim, die die verschiedenen Büros, auch das der Agudas Jisroel um Arbeitsvermittlung anflehen, gehen mit unerfüllten Wünschen von dannen. Auf politischem Gebiete herrscht nichts weniger als Zufriedenheit. Die Gerüchte über den arabischen Vertrag beunruhigten die Herzen ungemein. Man macht in zionistischen Kreisen den Führern den schweren Vorwurf, daß sie mit ihrem großen Beamtenapparat es nicht verstanden hätten, auf der Wacht zu bleiben und nun von den Dingen nicht weniger überrascht seien als alle anderen, die ihre Sache bei den zionistischen Führern in besten Händen glaubten. Das gesellschaftliche Leben ist von der Parteien Zank und Streit durchschüttert. Die große Vereinigung unter den Orthodoxen mutz leider immer noch an der Taktik derer um das Oberrabbinat und den „Waad hair" scheitern, denn was s i e Einheit nennen, muß von den Orthodoern als glatte Bevormundung empfunden und abgelehnt werden. Daß bei der Einweihungsfeier im Rabbinerhause die Herren Dr. Klausner und Iellin das Hauptwort führten, Männer, bic^ait der Spitze von Anstalten stehen, die von den größten russischen und polnischen Rabbinern in Acht und Bann getan wurden, ist gewiß nicht dazu angetan, die Orthodoxen mit Vertrauen zu erfüllen. Ebensowenig der Aufruf des Oberrabbiner Kuk zur Unter st ützung des Nationalfonds, mit dessen Geldern bekanntlich auch unrituelle Küchen unterstützt werden und das Prinzip der Zivilehe gefördert wird. Es dürste dem Oberrabhinate doch nicht unbekannt sein, daß in den kleinen Niederlassungen des Nationalfonds nirgends ein Schochet, eine Schule, eine Mikwoh usw. anzutresfen ist. Und dennoch sollen die Orthodoxen Geld zu diesen unsüdischen Unternehmungen geben! Nicht minder verstimmte die Gedenkfeier aus Anlaß der fünfundzwanzigsten Jahrzeit von Rabbi Samuel Mo h ilew er in einer Synagoge von Jerusalem. Neben Oberrabbiner Kuk und anderen hielt eine Gedächtnisrede der Leiter des bekannten radikalgerichteten zionistischen Seminars Dr. Mohilewer. Rabbi Samuel Mohilewers Namen ist auch den Orthodoxen wert und heilig genug, und darum baten sie in einem Gesuche an das Oberrabbinat, man möge das Andenken des Rabbi nicht durch eine Ehrung aus dem Munde des radikal-freigeistigen Direktors entehren. Wenigstens sollte für den Fall, daß Dr. Mohilewer auf das Wort nicht verzichtete, der Oberrabbiner bei dieser Gelegenheit nicht sprechen. Aber dieseer Einspruch nützte so wenig für die anderen Proteste. Die Gedächtnisfeier fand statt, mit Rabb. Kuk und Dr. Mohilewer als Rednern. Nur dem Eingreifen Rabbi Chajim Sonnenfelds ist es zu verdanken, daß eine geplante Demonstration der Thorajünger, die durch lautes Lernen die Feier zu stören beschlossen, nicht zustande kam. llebrigens hatte Misrachi dafür gesorgt, daß für alle Eventualitäten Polizeiam Platze war. Aus all dem ergibt sich für den objektiv Denkenden bis zur Evidenz, wer die Schuld und die Verantwortung für den Unfrieden in der heiligen Stadt trägt! — Personalien. Flieden, 17. Tamus. Nur wenige Tage vor dem Fasttage des Tamus, der uns u. a. schwerwiegenden Ereignissen auch daran erinnert, wie unser Lehrer Moscheh die zwei steinernen Tafeln zerbrach, ist auch unsere kleine Gemeinde von einem schweren Verluste betroffen worden. Jakob K a tz m a n n , der besten einer, ist im Alter von 75 Jahren abberufen worden. Katzmann zeichnete sich durch ungeheuchelte Frömmigkeit und seltene Wohltätigkeit aus. Im Gotteshause war er meist der erste und letzte. Durch Spende mehrerer 1^3 trug er zur Verschönerung desselben bei. Noch kurz vor seinem Tode schenkte er der Gemeinde eine wunderbar schön geschriebene Sefer Thora. Umhegt von bet Liebe und Treue seiner Kinder und zahlreicher Enkel ward er von allen gleich einem Patriarchen verehrt. Nicht minder genoß er wegen seiner Redlichkeit und Treue das Vertrauen seiner zahlreichen Geschäftsfreunde. Am Grabe dankte H. Synagogenältester Katz dem Entschlafenen im Namen der Gemeinde für die treuen Dienste, die er derselben erwiesen. Herr Lehrer Freudenberger entwarf unter Zugrundelegung des Bibelverses: Eine herrliche Krone ist das Alter, auf dem Wege de- Tugend wird es erreicht — ein getreues Lebensbild des Entschlafenen. Möge das nDT dieses Edlen seiner weitve^weigten Familie und unserer ganzen Gemeinde beistehen. Der I s r a e I i t _ Cannstatt, 3. Juli. Heute bestatteten Wir den angesehensten undehrwüroigsten Mann unserer Gemeinde zur legren Rühe, Pest Kahn. Er hat in der hiesigen Stadt als einziger orthodoxer Jude streng gesetzeströü gelebt Und im Verein mit seiner edlen Gattin sein Haus in diesem Sinne geführt und seine Kinder, Söhne und Töchter so erzogen, daß sie in ihren Kreisen Muster und Säulen des altüberlieferten Judentums find. Geboren in Baisingen und von seinem Vater, Hirsch Kahn, zum tatkräftigen Bekenner und Betätiger des Judentums erzogen, hat er trotz anstrengendem und aufreibendem Berufsleben seine Zeit dem „Lernen" und Ausüben der Mizwaus gewidmet. Nach Cannstatt, einer Stadt der Reform und später der religiösen Indifferenz, verheiratet, hat er stets für das Judentum und die Mizwaus Kampf geführt und sich bald durch seine Geradheit und Offenheit, durch seine Selbstlosigkeit und seinen idealen Sinn, durch seine unbegrenzte Wohltätigkeit und Gebefreudigkeit, durch seine Gefälligkeit und Liebenswürdigkeit, durch seine Menschenfreundlichkeit gegen Reich und Arm, Hoch und Niedrig, Gesunde und Kranke die allgemeine Anerkennung errungen, sodaß seine Gememvegenossen ihn bald nach seiner Niederlassung ins israelitische Gemeindekollcgium wählten und ihn dann/ ber allen folgenden Wahlen neu bestätigten. Die Gastfreundschaft, die er im Vereine mit seiner ihm treu und gleichgesinnten Frau übte, war beispiellos und ohne Schranken. Die Hochachtung und Verehrung, die er sich erwarb und die allgemein von Juden und Christen ihm entgegengebracht wurde, zeigte sich schon bei seinen Lebzeiten. und wurde schon bei Gelegenheit seines 70. und 75. Geburtstages und seines 40 jährigen Jubiläums als Gemeindevorsteher auch äußerlich durch Adressen und Besuche der Gemeinde- und Vereinsvorstände usw. zum Ausdruck gebracht. Weit über die Grenze der schwäbischen Residenz wirkte er für das Judentum im ganzen Ländle, war auch ein sehr beliebter, weit berufener Mohel. Kein Wunder, daß auch sein Leichenbegängnis zu einem Triumphe nicht allein seiner Persönlichkeit, sondern auch des altüberlieferten Judentums sich gestaltete, in dem Vorsänger Adler-Cannstatt, der Rabbiner der Jsr. Religionsaesellschaft Stuttgart, Herr Dr. Ansbacher, ferner Vertreter des Kirchenvorsteheramtes, des Wohltätigkeitsvereins, des Landesvereins der Viehhändler, der Stuttgartloge die verschiedenen Seiten seines Charakters und seines Wirkens als aus seiner echten Frömmigkeit hervorgegangen, darstellten und zeichneten. Im Namen der Familie sprach Rabb. Dr. Kahn-Mergentheim dem Edlen den Dank der weiteren Familie aus für die vielen Wohltaten, die er deren einzelnen Angehörigen zeitlebens erwiesen hatte und hob die Idealität seines Charakters, fHne Liebe zur Wahrheit und seinen Eifer für die Sache Gottes und des Judentums hervor, indem er ihn mit Pinchas, von dem uns die laufenden Wochenabschnitte berichten, verglich. 12. glitt 1923V GÄtuWd-FHorir-WöMn. / Zn der nstchäMZeit sollen noch weitere Aort» bildungsschiurim für junge Leute eingerichtet werden, insbesondere, einige mvl-Schiurim,fiir Fortgeschrittene unter Löitunß von Herrn Rabbiner Dr. Jakob Hüffmann. Anmeldungen an Herrn Adolf Dorfzaun» Am Tiergarten 52II. erbeten. Vereinskalender. Aerein Wekor ßyajim. Samstag, nach Schul: „Dinim"; Herr Rektor Falk, — nach m. 4‘/2 Uhr, im Vereinslokaler „Mikro"; Herr Fritz Homburg er. — abends 1 Stunde vor Nacht im Hörfaale Friedberger Anlage, Midrasch; Herr Michael K o h n Sonntag vorm. 9lU und Dienstag 1 Stunde bor Minchoh, „Gemoro". Herr R. A. O» Posen. Montag und Mittwoch abends 7 Uhr. „Ge- ' moro". Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer. Donnerstag:! Stunde vor Mincho „Mischna": Herr Rektor Falk. Allmorgendlich Mischnalernen, allabendlich Schatzlernen, Herr H. Halpern. Jahrzeit Stiftungs-Lernen. Sonntag: Moritz Lewin-Stiftung. Montag: Julius Hirsch-StiftuNg. Mittwoch: Siegfried Weil-Stistung. Agudas Iisroet-Augendgruppe. Sonntag. 7—8 Vorm, rüttf D, HerrDr.Rothschild» — min bV ’>t£n für Anfänger, Herr Leopold Oppenheimer M 0 n t a g bis einschließlich Freitag,alltäglich ^47-i/s8 Vorm. pirüD Herr Dr. S. Ehrmann. Mittwoch, 3/49—10 Abends, DTiDD für Anfänger. Herr Dr. R 0 t h s ch i l d. — 1/B9—1/210 Abends Bücherausgabe. — 9—10 Abends Bürostunde. Donnerstag, 8—9 Abends, für Fortgeschrittene, Herr Herm. Hrrschberg. — 9—10 Abends, 19 Briefe von S. R. Hirsch, Herr Dr» S. Ehrmann. roitf ’/slO—11 Dorm, nrno *HDj für Fortgeschrittene» Herr Dr. I. Posen» Am Tiergarten 42. — 'l« 11—Vs 12 Vorm. Tenach, Herr Dr. W» Hof mann, Eschenheimeranlage 1 pt. — 12—1 Vorm. crnDD ‘D3 für Fortgeschr., Herr Halpern. — 12—1 Vorm, njn, Herr Lehrer Hirschberg. — 3IS—4 Nachm. DTIDD ‘DJC für Anfänger, Herr Dr. Rothschild. — Briefkasten. H. K. in S. Eine Entscheidung können wir erst dann treffen, wenn uns die angebotenen Arbeiten Vorgelegen haben. Ihnen vorder schon Gratisexemvlare des „Israelit" zu überlassen, geht bei den heutigen Herstellungs- und Portokosten nicht an. Lehrer D. in R. Mk. 3000 eingegangen und vorschriftsmäßig verbucht. Agudist, Regensburg. Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 9663 Deutsch-holländische Palästinaverwaltung. M. A. in Karlsruhe. Zahlung von Mk. 5000 ging erst nach Ausschreibung der Nachnahme ein. S. W. in Antwerpen. Haderech 5 Frs. jährlich, 15 Frs. erhalten. H. L. in Homburg. J5 Frs. Ihre Entschließungen billigen wir. Mk. 6000 am 13. April richtig emgegangen. Zweckbestimmung fehlte. frankfurter Berichte. Ida Marx. Im jugendlichen Alter ist kurz vor Beginn unsrer Trauerwochen die Lieblingstochter des ob seiner vorbildlichen Frömmigkeit in gutem Andenken stehenden Herrn Isidor Marx Jda Marx abberufen worden. Eine Tochter von seltener Pflichterfüllung, den ganzen Inbegriff des fünften Gebotes durch ihr Leben voller Liebe und Hingebung verwirklichend, stand sie ganz in der Wirklichkeit der unermüdlichen Berufsarbeit, keine Ruhe und Rast kennend, ehe Gottes Wort in Sabbaten und Festtagen Ruhe gebot. So hat sie ein echtes jüdisches Leben HTH vollendet und wird süßen Lohn üh^\V finden. Möchte der Allerbarmer der betagten Mutter und den Geschwistern Trost spenden. Mrrfsar-Wortrag. Am Sonntag, den 15. Juli, nachm. 6 Ähr findet der zweite Vortrag des Herrn Rabbiner Schneider in den Räumen der Agudas Jisroel-JugendgrUppe statt. Agudas Iisroek-Mädcheugruppe. Montag, 9—10 Abends, D'|N'Q:, Herr ©.Unna» Kl. Obermainstraße 30. Dienstag, 9—10 Abds., □,o,h, Herr Dr. Weger» Mittw0ch, l/s9—V2IO Abends, Lese- und Aussprache-Abend, Frau Oberl. Munk, Leerbach» ftratze 4. — 'hd—'fcio Abends, Bücherausgabe» — 9—10 Abends, Bürostunde. Donnerstag, 9—10 Abends, 19 Briese von S» R. Hirsch, Herr Dr. S. Ehrmann. mt£\ V2I2—Val Vorm., D^nn, Herr Louis Kahn. — 4—5 Nachm., - mm, Herr A. Hirschberg» Wesyamidrasch, Weudstraße 18. Samstag 1 Stunde vor Nacht: Vortrag des Herrn B. R a ch e l s 0 h n. Sonntag vorm, von 8—^10 Uhr, Dienstag» Mittwoch und Donnerstag abends von ^-10 Uhr- „Gemoro" &öp Herr Rechtsanwalt Dr. Breuer. Alltäglich zwischen nrÜD und zr-^D cm *n Herr Rosenzweig. O"L?-Werein. Alltäglich vyn Sonntag bis Donnerstage abends V«? Uhr: nd,p ‘DD und Samstag 4 Uhr nachm.; Herr Rabbiner S. Weber. Ieire Kmune Aisroek Samstag 5'/2: Rabb. Benzion Ber» mann. Geöetzeilen.?rvv na» F reitag abend 7.40. öamstag morgen 7.45. Lamstag nachmittags.—. Samstag ab end 9.30. TOochengottesdienst: Morgens 6.15. Nachmittags 7.15» Tefilin-Legen am Morg-en 3.— Z u w e n d 1111 e ii für den Lubawitzer p und seine 3 rVQnyp in Russland und Palästina nimmt entgegen Philipp Wolff, Frankfurt a. Hfl* Sehwanenstrasse 6 Postscheck-Konto 55043. 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.