Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1923)
- Date
- 1923-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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64 Aahrgang Frankfurt, a. M., den 12. Juli 1923 - 28. ' Tammüs 5683- Nr. 28 Oer israeli >1 Ein Ccntralorgan tur das orthodoxe Judentum f/lMW ijl Begründet von Sr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab 1. Januar 1823: Deutschland 0,50 M. monatlich (multipliziert mit der jeweiligen Schlüsselzahl des Börsenverems): 2. Vierteljahr 4360 M. Juli 4600 M.; Deutsch-Österreich: 2. Vierteljahr:. 6100 M., Juli 4000 Kronen: Polen: 2. Vierteljahr: 8700 M., Juli 6000 deutsche Mark. — Nur Vierteljahrs-Abonnements: Tfchecho- Slowakei 15 K., Ungarn600K., Jugoslawien-25 Dm.; Rumänien 25Let; Holland 1.50 fl.; Belgien 7,56 Fr.; Frankreich 6Fr.; Schweiz.2,50 Fr.; Italien 10 Lire; Skandinavien 4 K. England 2 sh. 6 p.; Amerika 0.76 Dollar. Einzelnummer 500 M. Der Äsräelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 1600 M., für Stellensuchende 1200 M. für die siebengesvaltene Nonpareille-Zeile einschließlich Teuerungszuschlag; Thiffregebühr 600 M. Auslandsinserate 3000 M. die Zeile. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifmäßige Preiserhöhung jederzeit Vorbehalten. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M., Große Eschenheimer Straße 23, Telephon Hansa 6843 sowie durch sämtliche Annoncen-Expeditionen des In- und Auslands. Alleinige Jnferatenannahme -für Frankfurter Geschäftsanzeigen: Jul. Schmidt» Langestraße 3. . Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bücher-preise. (gemäß Festsetzung des Börsenvereins der Buchhändler in Leipzig) ab 5. Juli: 12060. Der jeweilige Berkar^spreis ergibt sich durch Multiplikation der Schlüsselzahl mit.dem Grundpreis. Ladenpreis Prämienpreis für Abonnenten Hirsch, »ersuche (Choreb) geb. 8.— „ Gebete (Tefillo) geb. 12.- Lehman», Samuel Ha-nagid. . . . . Schachnorvitz, Merelaika. „ Lustmenschen. „ Jenseits. „ Im Judenstaat der Ehasaren Judaus, Der Baalfchem von Michelsladt . Ausland: 200% Balutazuschlag. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt vom Verlag zuzüglich Versandspesen unter Nachnahme. 6.— 9.— drosch. geb. 1.80 2.80 2.80 2.80 1 80 2.80 1.50 2.80 1.50 2.50 Frankfurt a. M. Verlag bes Israelit G. m. b. H. Tanzen. Don Rabb. Dr. A. Nenwirth in Halberstadt. Durch Deutschlands Gaue weht ein neuer jüdischer Geist. Die min.bie in früheren Jahrhunderten in Deutschland ein gemeinsamer Besitz aller Schichten der Bevölkerung war, und nur durch die Resormbewegung und deren unheilvolle Folgen selbst in frommen Kreisen vielfach vernachlässigt wurde, hat in den letzten Jahren begonnen, zu ihrer alten Heimat zurückzukehren. In vielen Orten wird wieder min gelernt. Das neu entfachte Feuer der min hat so manche Anschauung und so manche Sitte, die der jüdischen Weltaüffassung widerspricht und die sich infolge der Reformbewegung selbst in Jereimkreisen emgeschlichen hatte, beseitigt. Der neu erwachte Geist der min hat auch an vielen Orten die Frage hervorgerufen, ob das Tanzen, besonders das gemeinsame Tanzen von beiden Geschlechtern, vom Din aus gestattet oder verboten sei. An vielen Orten ist ein prinzipieller Beschluß dahin gefaßt worden, das gemeinsame Tanzen zu verbieten. Eine Feststellung, wie das jüdische Zeniuthgesetz, das nmm rnn p über gemeinsames Tanzen von beiden Geschlechtern denkt und urteilt, verlohnt sich schon, um diesen Streit zu schlichten. Bevor wir zur Beantwortung dieser Frage schreiten, müssen wir zunächst feststellen, daß das Tanzvergnügen dem biblisch-talmudischen Alter- Das Inhaltsverzeichnis befindet fich am Schluffe des redaktionelle« Teiles. tum n' N' * ' auch in allen Schichten - runlftp verbreitet f Festen, ob religiösen oder profanen Charakters, erfreute man sich mit dem Tam?" . , vielen Vibelerklärungen soll der A M dl d"" drei Wällfahrtsfeste! Kreisens und Ta" üblich und n liebt war, - (Sucko 5, 4> gebim" 'an:-.* feste tn d weih - %v; bei* ten v&u.- jüdischen gütiges .-.s - fügen uoci \t ach. Hüpfen und Tanzen vielen Stellen der Bü: ....... pm ,np ,pp 'NO ,rniO ,77 <.almud verfügt über acht verschiedene Ausdrücke für das Tanzen. Wenn demnach mit Bestimmtheit angenommen werden darf, daß das Tanzvergnügen in der biblisch-talmudischen Zeit in Israel sehr verbreitet war, so ist nun zu untersuchen, ob hierbei die Geschlechter voneinander getrennt waren oder nicht. S. Krauß (Talmudische Archäologie Teil 3, S.99) stellt fest, daß . gegenüber von Gesang und Musik, wo das weibliche Geschlecht sehr vertreten ist, dasselbe an den Stellen der Bibel, wo von Tanz die Rede ist, auffallend zurücktritt, denn zumeist sind es Männer, die Tänze aufführen, und ein Tanz der beiden Geschlechter miteinander kommt erst recht nicht vor und ist heute noch im Orient unzulässig. Auch R. Zehnpfund kommt in einem Aufsatz in der theologischen Enzyklopädie nach Anführung vieler neuerer Bibelerklärer zu dem Schluß, daß ein Zusammentanzen der Geschlechter dem biblischen Altertum nicht bekannt sei. Tanz ist entweder ein Herumwirbeln einer Anzahl ein-, zelner Tänzer, oder ein Reigentanz zum Klang der Musik. Immer tanzen Männer und Weiber getrennt., Auch andere Altertumsforscher wie etwa D. Schenkel gelangen zum selben Resultat (vgl. noch Hamburger, Real-Enzyklopädie). Ein direktes Verbot von gemeinsamem Tanzen beider Geschlechter findet sich m der schriftlichen Lehre nicht. Jedoch weisen verschiedene Bibelstellen, die von Tanzen reden, und wo entweder Frauen allein, oder aber Frauen von Männern getrennt geschildert werden, darauf hin, daß dem Geiste der Bibel ein gemeinsames Tanzen vervönt ist. ""'•pTi nahm die Pauke zum trtt Meere zu feiern, naufgefordert ihrem chtachs Tochter geht Pauken und Reigen -Frauen ziehen dem wid entgegen (1. Sam. von dem Mädchenraube, iiiuniten ausführten, beweist un- - daß Männer gewissen festlichen Täna ot; Frauen nicht einmal beizuwohnen pflegten, öw ibid. S. 320, vgl. Rich^ 21. 21). An' r zwei Stellen der Bibel, wo von tanzenden "ern und 2frauen gesprochen wird, wird asgesprochen, daß sie getrennt tanzten Jerem. 31, 13: rbm r\mr\ m rropn opnzn ebenso Ps. 68, 26: imp )in niD^* "rinn oya inn * Hierzu kommt ein psychologisches Moment, daß die Tänze der Bibel hauptsächlich zur Erfreuung andrer und zu Ehren andrer aufgeführt wurden: dadurch kam die individuelle Sinnlichkeit nicht so zur Geltung. Die modernen Tänze sind ausschließlich zur Mgötzung der eignen Person, dadurch wird die Sinnlichkeit mehr berührt. A)ir sahen nun, daß alle Stellen der Bibel das Tanzen wohl kennen, das gemeinsame Tanzrn der beiden Geschlechter jedoch immer zu vermeiden suchen. Die griechisch^-syrische Geistesbewegung, die im heiligen Lande viel Unheil anrtchtete» zwang die Führer des Volkes, sich nicht mit dem Volksbewußtsein allein, dasdas gemeinsame Tanzen verpönte, zu begnügen, sondern direkte Ermahnungen gegen derartiges Tun zu erheben. Wirbemerken zunächst, daß am Laubhüttenfeste, wo ein allgemeines Freudentänzen zu Ehren des Wasserschöpfens im Vorhof des Heiligtums stattfand, die Frauen streng von den Männern getrennt wurden. Die Frauen durften nicht einmal im selben Raum verbleiben. Die Mischnah nennt dies ^rD-pp-Tu. Im Babli (Sucko 51 b) und Jeruschalmi, Sucko 5,2, bemerkt der Talmud, daß die Weisen zur Errichtung eines besonderen Der Nachdruck der Artikel und Korrespondenzen des Israelit ist nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fich um größere Aufsätze handelt, nur » - »ach vorheriger Genehmigung gestattet. - - 1