Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1923)
- Date
- 1923-07-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Seite U 5. AM HM . wie aM HeW - erst gegen zwei Uhr aus dem Wirtshaus heim. Eben hat er sich unmutig auf sein Lager geworfen, da - --was war das? Klangen nicht von Ferne die dumpfen Töne der Sturmglocke an fein Ohr? Nein,- es war nur Täuschung. Sein Gemüt war in Aufregung: das Geschrei seiner Zechgenossen summte noch in seinem Kopfe. Er legte sein müdes Haupt nieder. Doch fetzt vernahm er es M deutlich, als daß er es hätte für eine Täuschung halten können. Nein, er irrte sich nicht! Es war das Blasen der Feuerwehr. Bald vernahm er auch ven Ruf: ..Feuer! Feuer!" (Fortsetzung folgt.) Ainderecke - Die Babyloner gegen Jerusalem. Aus Talmud „Sanhedrin". Amon und Moab waren Israels böse Rachbarn. Ms ihnen der Propheten Weissagungen von der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems zu Ohren gekommen waren, beeilten sie sich, dieses Nebutadnezar, dem König Babels, zu berichten und sie sprachen: „Es ist jetzt gegeben» Zeit, daß du Jerusalem mit Krieg überziehst. Die Stadt ist dir verfallen." „Ich fürchte» es könnte mir ergehen wie Sanherib, dem König Aschurs" zögerte Rsbukadnezar. „Es ist nichts zu fürchten," sagten die Hetzer, „der Gott Israels ist abwesend, «eilt in weiter Ferne." „Ist kein einziger Frommer unter ihnen, der sie durch sein Gebet schützen könnte?" „Rein, kein einziger," erwiderten die Böten. „Wer die Bösen könnten sich bessern, reuig zu ihrem Pötte zur-Skehren. datz er ihnen helfe." Darauf erwiderten die Amonrter und Moabiter, der Termin für die Rückkehr sei bereits verstrichen, keine Butze könne mehr helfe» und nützen. , „Wie sollte ich aber in Winterszeit bei Regen und Schnee meine Truppen dahin führen?" fragte Rebuladnezer. Pr war nämlich um die Zeit des zehnten „Habe dörum -rin» Sorge, grotzer König," sprachen die Amoniter, „geschützt- Wege und sogar durch Berge gebohrte Gänge füfrsert nach Israels heiliger Stadt." „Aber in Jerusalem selbst dürste es doch schwer in Regenszeit ein großes Heer unterzubringen?" „In Jerusalem," gaben die bösen Nachbarn Auskunft. „sind die jüdischen Gräber schöner und WeEiimd geräumigergebaut als deine Paläste." Nebu s ar ad o n, Nebukadnezars Heerführer, hatte seines Königs Bild in der Vorderwand seines Streitwagens eingraviert vor sich, auf daß er es immer in Ehrfurcht im Herzen trug. Dreihundert Maulesel, vollbeladen mit scharfem Eisen, das Eisen schnitt, hatte er bei sich. Mer all» diese Wertzeuge bis auf eines zerschlugen und zerschellten an der ersten Mauer der heiligen Stadt. Nebusaradon wollte schon den Plan ausgeben lfttb unverrichteter Sache abziehen, als eine Himmelsstimme ihm zurisf: „Harre aus, du wirst es vollbringen!" Mit der letzten ihm verbliebenen Eisenstange fing er nochmals an, an die Eisentüre zu schlagen, sie gab nach. Nebusaradon zog in die Stadt ein und bahnte sich durch Leichen einen Weg bis zum heiligen Tempel. Ms er den Tempel in Brand setzte, hob sich dieser in die Höhe, als wollte er zum Himmel hinausschießen, er wurde aber wieder zurück in die Flamme gestoßen. Ms es Nebusaradon sah, höhnte er gegen Gott, den er erobert zu haben wähnte. Aber eine Stimme rief: „Ueberhebe dich nicht, Bösewicht, ein darniederliegendes Volk hast du geknickt, verbrannte Mauern verbrannt, gemahlenes Mehl gemahlen! . . Der Israelit Falk Nefts Heimkehr von Jfaac Breuer. Verlag A Falk Nefts Heimkehr von Jfaac Breuer. Verlag % , Kauffmann, Frankfurt a. M. Wer eine Fülle tiefer Gedanken in schönster Form auf sich einwirken lassen will, greife nach diesem Buche, das der Verfasser auf dem Titelblatte mit Recht mit keiner Bezeichnung in eine bestimmte Kategorie der schöne geistigen Literatur einreiht. Ist es Ei^ählung: Novelle» Roman? Weniger als all dies und in manchem viek mehr. Ein Sktzzenhuch, das in Aphorismen fast, wie die krassen, unregelmäßigen Striche einer Radierung, einen Menschen mit einer geschundenen Seele entwirft, ein Buch weiser Betrachtung, besönders im zweiten Teile, mit von üppigen Gedankenbauten etwas verdunkelten, aber wiederum von Geistesblitzen reichlich und häufig durchleuchteten Gassen, in die man durch blumige Plantagen sanft hinübergeleitet wird. Wer einen Roman sucht, vermißt die breite, große Umwelt, die aus bunten Geschehnissen, ihrem großen Vielerlei an Gestalten und Erscheinungen heraus das Licht auf die im Mittelpunkte der Handlung stehenden Hauptcharaktere konzentriert. Wer auch bloß eine Erzählung wünscht, dem fehlt die auf Spannungen und Lösungen berechnete, durch Komplikationen htziMert», aber durch keine Reflerionen in ihrem Fkuffe gestört« Handlung. Wer aber ein schönes, in den skizzenhaften Einzelteilen dennoch spannendes und der aphoristischen. Gedankenschichtung glitzerndes Buch der tiefen nachhaltigen Anregungen lesen will, kommt bei „Falk Nefts Heimkehr" mehr als auf seine Kosten. Falk Nest ringt um sein besseres jüdisches Ich, das ihm im Schlamme des Weltkrieges verlören gegangen, und. er hat es nach bewegten schwere» Seelen» kämpfen in fünfjähriger Einsamkeit an der Seite eines östlichen Polljuden sich errungen. Wie sieht dieses bessere jüdische Ich. das das erstrebenswerte Ziel aller jüdischen ■ Jünglinge sein soll, aus? Lössen wir es uns von Breuer in seinen Schlußsätzen sagen:! „Ms vollwertiger Ben thora trat er in das Ge- -schüft ein. — Nie ging Falk Nest des Morgens ins Geschäft, ohne vorher gelernt zu haben. Nie ging er 'des Abends fo spät aus dem Geschäfte, daß er nicht noch stundenlang hätte lernen können. — Das Lernen : war ihm als echtem Ben thora der Sinn des Lebens geworden. — Als Geschäftsmann lebte er das Leben sein»» Ration. Bei jedem geschäftlichen Verhältnis fragte er sich, was Gottes Recht dazu sage, — So lernte er das Geschäft. — Die Tage der Woche dienten ihm dem Sabbat. Und jeden Tag der Woche lebte er den 'Sttmden, t» denen er kernte —- — — Alle bei Einkehr Bedürftigen — und wer bedürfte ihrer heute nicht — sollten „Falk Nefts Heimkehr" lesen und erfahren, wie man durch Irrung und Not 'des Geistes. zu den hier bezeichnet«» reinen Höhen jüdischen Lebens gelangt. Jzchaki. Ditz Ftzwilltz 9. Agailar, zwei Teile, Erzählung von Hr. M. Lehman». Verlag Sänger u. Friedberg, Frankfurt a. M. Alber den Inhalt der Erzählung braucht hier nicht viel gesagt zu werden, Sie gehört bekanntlich zum besten, was aus der Lehmannfchen Feder hervorgegangen ist, und die Tatsache, daß sie seit langem verbissen uyd aus dem Buchhandel verschwunden ist, beweist» wie sie vom jüdischen Lesepublikum ausgenommen wurde. Man mtzß dem Vorlage Dank wissen, haß er mit seinem Unternehmen („Sänger u. Friedbergs jüdische' Volksbücher für Jung und Mt") jüdische Lektüre von dieser besten Art der jüdischen Jugend in neuem, schönem Gewände wieder in die Hand gibt. Die beiden Bändchen find handlich und auch anmutig ausgestattet. Sch. Die mesfiauischtz» Weissagungen -iS Akten Testaments vergleichend, geschichtlich und exegetisch behandelt von Eduard König, Dr. litt. Semit, phtt. theol. ord. Professor und Geh. Kanftstvrialrat. Stuttgart 1923. Chr. Bester. A.-G., Verlagsbuchhandlung. VI und 366 S. Das neueste tiefforschende und reichelotstenschaftliche Material bietende Werk des nnerschraAeuey Kampfers gegen die Bibelstürmer, insbesondere gegen die, welche gegen das A. T. ihre unsauberen Angriffe richten, kann nun in einem' Fachvlatte ausführlich und eingehend besprochen werden. Wir müssen uns darauf beschränken, nur in wenigen Worten auf die hohe Beoeutung dieses Werkes aufmerksam zu machen und sein Studium weiten Kreisen, besonders auch den jüdischen Forschern der Religionsgeschichte zu empfehlen. Auch in diesem Werke macht sim die Lebenstätigkeit des Berf. geltend. Ohne daß er es ausspricht, erscheint er auch hier als der Kämpfer für die Integrität und Heiligkeit des A. T. Was gehört zu den heglückendsteu Ideen der Menschheit, die in allen Wirrnissen ihr Kraft znm Aushalten und zum Widerstand geben? Der Gedanke, daß es einen Gott gibt, der der Welt das Heil sendet, wenn die strafende Gerechtigkeit die schlecht gewordene Menschheit zur Besinnung gebracht hat, daß eine Gerechtigkeit gibt, die das Recht über das l.nrechl endlich zum Siege führt. Und diesen Heilsgedanken hat das A. T. wie keine andere Urkunde gelehrt, und die Juden sind die Treuhänder dieses heiligen Gedankens. Nicht nach und nach hat sich diese Idee gebildet, wie es diejenigen ausgeben, die dem Urjudentum den Vorzug nicht gönnen, sondern mit dem Judentum ist sie entstanden. Hören wir den Verfasser: „Die alttestamenttiche Heilsweissaguna ist mit der alttestamentlichen Heilsgeschrcht» zWeich geboren worden. Schon die allgemeinmenschliche Heilsgeschichtt» die in Gen. 1—11 erzählt ist, hat in llebereinstimMng mit ihrem Wesen nicht der Strahlen der Verhüßruz entbehrt, und insbesondere die mit Abrahams Berufung begründete neue Verbindung („Religion") Gottes mit dem Menschen, die, indem sie wegen der titanenhaft aufgetürmten Menschenschuld (11,1—9) begründet wurde und vom Kulte vieler falscher Götter (Jos. 24, 3) befreite, schon ihrem Anlaß und ihrem Anfarig nach eine Erlösüngsreligion gewesen ist, sollte auch in ihrem Fortbestand und betreffs ihres Endziels Ich als eine Erlösungsreligion erweisen." Sv wahrt der Verf. dem Judentum die Prärogative, die „Heilsperspektive des A. T. sei mit der alttestamentlichen Religion selbst geboren worden" und gegen die Stürmer sich wendend, sagt er, daß der legitimen Religion Israels „niemals der Ruhm geraubt werden könne, das höchste Ideal d»s menschlichen Heils, nämlich Befreiung von religiössittlicher Schuld, in Aussicht gestellt zu haben." Much die Weissagungen der Propheten stehen auf diesem Pytzen, sie sind nicht ans der Geschichte ihrer Zeit und der Vergangenheit entstanden, sondern göttsiche Eingebungen, die an den Beginn der Offenbarung anknüpfen. Das Gesagte mag genügen, zu zeigen, in welchem Geist dieses Buch geschrieben ist und zu seinem Studium anzuregen. Dem Referenten tut es leid, eine dem reichen Inhalte dieses Werks entsprechende Darstellung dem Leser aus den eingangs angeführten Gründen nicht bieten zu'können, er kann nutz den Rat geben: Studiert es, ihr werdet eure Freude daran haben. Daß der Berf. als Christ Zeinen christlichen Standpunkt wahrt, wird der jüdische Leser nur natürlich finden und zu schätzen wissen. Sulzbach. mWTn Hebräische Sprachlehre von Michael Abraham, Lehrer in Berlin. Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1922. Mraham beginnt mit Schrift- und Lautlehre» um zur Form- und Satzlehre überzugehen, will also ein Lehrbuch Kr verschiedene Stufen geben und wird bei richtiger Handhabung seitens des Lehrers guter Wegweiser.sein. KuaW im Ausdruck, aber gut uno übersichtlich in der Gkrederung des Stoffs, wird es auch hem erwachsenen Selbstlernenden gute Dienste leisten. In der Hauptsache ist es aber als Schulbuch gedacht und als solches auch zu empfehlen. Sch. Literarische Notizen. Unter dem Titel „Unhoib" (Anfang) erscheint in Wien ein« Monatsschrift in jiddischem Dialekte mit kateinischen Lettern. Die erste Nummer enthiift Artikel' von Braiyi»» AAnes, Anski und andertzn bedeutenden Schriftstellern. Die Tendenz ist national-jidvifchistisch. Herausgeberist S. I. Herendors, im Aufträge der Gruppe „Unhoib" Wien, Neuwald e^gstr. 4/30. Die feit 1920 wieder ins Heben gerufene ,»Freie Lehrerzeifnng" und die. seitdem unter Leitung des Hauptlehter D. Rosenwald ,n Winnweiler wacker zur Bei, ftettmg und Wahrüng der Standesinteressen wirkte, muß infolge finanzieller Schwierigkeiten ihr Erscheinen eiG stellen, was bei dem heutigen schweren Kampf der jüdischen Hehrer um Recht und Existenz doppelt zu be» dauern ist. , Sprechsaal. . Ferknkirrdtzik Ans einer Landgemeinde wird «ns geschrieben: Verehrt. Redaktion Wfe fett Jahren erseht auch diesmal wieder an unsre kleine Gemeinde der Aufruf, erholungsbedürftige Kinder (unentgeltlich ))ausznnehmen. Zum ersten Male müssen wir ablehnen. Die Freude, Jerienkinder bei sich zu sehen, ist durch die Zeitnöte nur «och einer beschränkten Anzahl von Familien gestattet, und auch diese sind infolge der BerMtnifle darauf angewiesen, ihre kleinen Gäste ans dem nächsten Familien- und Bekanntenkreis zu hole». Nun sollten sich einmal die begüterten Städtebewohner einer Pflicht erinnern, der Geldspenden absolut nicht entzsprechen. Wer das Glück hat, mit Kind und Kegel eine Erhvlungszeit im Gebirge, an der See oder auf dem Lande zu verbringen, sollte es als selbstverständlich erachten, ein Kind aus bescheidenen Verhältnissen mitzunehmen. Die Anregung ist wohl des Nachdenkens wert und von da bis zur Ausführung hat das jüdische Herz keinen weiten Weg. Frau L. L. Familiennachrichten. Geburten: Eine Tochter, Joses Rosenbaum und Frau, Frankfurt a. M., Rückertstratze 59. . Barmt zw oh. Joses Messer, Warschau, bei Herrn Halpern, Rückertstratze 45, Synagoge Oftendftraße 18. Schabbos arttE-