Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1923)
- Date
- 1923-07-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 27 D e 3 m a Man sieht es EM förmlich an» wie Ihr tastend und strauchelnd daherkommt! And nun.sagt 2hr. wir möchten tommen und Euch beeinflussen. Sobald wir aber unseren Standort verlassen/, sind wir genau so schwach und unsicher wie Ihr,, und als Nachhinkende wurden wir Euch nur toter Ballast sein, der drückt und je eher, je lieber abgeworsen wird. Wir sollen zu Euch kommen und Euch führen? Wenn das naiv ohne Ironie und ohne Bitterkeit gemeint ist, antworten wir darauf ebenso ehrlich und ernst: Es ist erstens ganz unmöglich»! daß diejenigen, welche zu Euch kommen, von Euch als Führer anerkannt werden. Wer neu hinzukommt« bleibt immer recht- und mutlos. Und zweitens find wir in diesem Momente ganz und gar nicht befähigt, die Führerschaft zu sihernehmen bei einer Generation wie der heutiLNN. Wir binnen unsere Schwäche und wollen sie garnicht verleugnen. Das von uns vertretene Ideal ist grog und machtvoll, wir selbst aber sind arm und schwach. Wir sind viel an ÄgW reich an Geist und tief, im Glauben» wir haben aber dem gegenüber wenig organisierte Kräfte,, wir sind arm an westlicher Erfahrung und besitzen nur oberflächliche Kenntnisse in Praktischen und technischen Angelegenheiten. Bis jetzt brauchten wir all dieses nicht. Die liebe Natur sorgte für uns und besorgte unsere Arbeit. 3m gesegneten jüdischen Garten «Een und blühten die Juden von selbst. Jetzt aber mutz man pflügen, säen und ernten, und das haben wir noch nicht gelernt. Wir beherrschen noch nicht die Amgangs spräche, in der man zum jungen Geschlecht« voy hegte reden muh. Wir haben einen gewaltigen Reichtum in uns, aber es fehlen uns die. nötigen Faktoren, um diesem Reichtum ausstrahlenden Glanz abzugew'inuen. In früheren Zeiten bedurftes der äußeren Mittel nichts man batte fein-res nutz edlsres Gehör. De Jugend von dgzumdl war musikalisch begabt und verstand die stille Harmonie von Seele zu Seele. Es waren Lieder ohne Worte, und man fühlte sie bis zu tiefst. Für die heutige Jugend muh man die Kunst des Redens Md Aeberredens besitz-n. And das ist es, was wir noch lernen müssen. kyortsetzuns folgt.) -»S»WffSwM»«>-MWWWMSW»»«WWMSSqM-»wM Wochenrundschau. Wa» st» ScgtateatotilMM« Htm««. In Jerusalem verstimmte es mit Recht, datz die Feidrlichkditen aus Ankatz des Königsgeburtstages, der auf Sonntag fiel, auf Samstag Mm: Worte des Wilnüer Gaon. In der Sidrah: TnnD nnav, Darauf Talmud „Baba bathra« 75: rnn jd ah “nriD. Mofes . überträgt Josuq von seinem Glanze, aber nicht de« ganzen Glanz, non ijbd n$D ys '2DD SWT\ Moses Antlitz leuchtete wie die Sonne, des Kosua nur wie der. Mond. cp;pT r\b nrof na d^idi** '-n in ■mow ntyto nrn**?. Die Alten der Zeit sprachen: „Wehe über die Schande usw." . Warum gerade die Alten die Distanz zwischen Moses und Josua so tief empfanden und diesem Gefühle so montanen und krassen Ausdruck verliehen? Wenn die Jungen den Unterschied überhaupt merkten und zugaben, so erklärten sie es eben mit der Jugend Josuas. Moses hatte die Erfahrung der Jahre für sich, kein Wunder, daß er sich von seinem jüngeren Nachfolger so abhob wie die Sonne vom »verlegt wurden. Es war, wir sagten es schon, nicht recht nach billig, den ^Sonntag der Christen, auf Kosten des jüdischen Sabbats zu schonen» aus innerlichen wie formalen Gründen nicht. Der Christen Arbeitsruhe am Sonntag steht Vergnügungsveranstaltungen in keinerlei Weise im Wege, während der Sabbat auch das Reisen, das Hantieren mit Geld usw, verbietet und schon darum die Teilnahme her religiösen Juden an öffentlichen Veranstaltungen erschwert oder unmöglich macht. Formal ist zu beachten, daß die Juden in Palästina an Bevölkerungszahl nach den Moskims an zweiter Stelle stehen, in Jerusalem aber sogar den weitaus größten Teil der Bevölkerung ausmachen. Trotz all dem hielten und hasten wir es für verfehlt, daraus eine Staatsaffäre zu machen und« wie es die zionistischen Organe taten, dar« auf mit hem Boykott zu reagieren. Boykott ist ein so häßliches Wort und steht bei .uns in so böser Erinnerung, daß wir es möglichst meiden sollten. Heber die Frage der Teilnahme ließ sich immerhin streiten.. Unser Bruderorgan in Jerusalem „Kol Iisroel" legte ebenfalls Protest gegen diese Verlegung ein und empfahl, den Festlichkeiten im' Stadtgarten fernzubleiben — es muß nicht gleich von ^boykottieren" gesprochen werden. Die Vertreter fc# Aguda in Jerusalem waren scheinbar — Direktiven von der Zentrale der Weltorganisation sind für solche lokalen Faste weder vonnöten noch , rangebracht — anderer Meinung und glaubten, bei den Festlichkeiten zusammen mit den Vorständen anderer Parteien und Konfessionen vertreten sein zu müssen. Vielleicht war. es notig und nützlich,, vielleicht auch unziemlich, wir wissen es nicht. Aber es gehört schon ein gerütteltes Matz bösen Willens dazu, diese Begrützung gar als krasse öffentliche Sabbatentryeihüng zu brandmarkest. And wer tut das? NW der „Hapoek Hazair", auch nicht der ,.Doar hajöm", sondern das Jerusalemer Misrachi-Organ, der «,'Hator" in der gleichen Nummer, in der er zu Anfang ein elegisches Lied anstimmt über die Einigkeit, hie fick zwischen Mlsrachi Md Aguda, durch Berschulden der letzteren natürlich, immer stoch nicht eWekst-n wist. Schon im Korrsspondepzeniekl vergißt der „objektive" Berichterstatter Ser der Mnteikung über die Anwesenheit der Orthodoxen nicht hinzvzufügev^ iw* wpnp m .)W, was fast dar-, auf schließen ließe, als feien die Herren in Equipage ynt der Zigarre im Munde auf dem. Festplatze erschienen. Unter dem Striche aber philosophiert und witzelt der Feuikletonsweise des „Hator": Monde. Dl» Alten ade», die Moses von Jugend tzer kannten, mutzten es deffer, sie mußten. datz. der erste Führer schon zur Jugendzeit eine Sonne war. Sie empfanden den ÜnrexW-d als einen absoluten und machten aus ihren Gefühlen kein Hehl. Xl. Im Kapitel der Fsstopfor am Laubhüttenfeste lesen wi» sowohl bet n^Dnrrt wie bei viwn pva die Fastung: "v) in#- yM iw. Beim dritten Tage heim .es uur w« nspn iw. ohne B'tV# der werte Tag hat wieder di? iw, alle folgenden wieder nur in** n*mn 1W>. Warum diese Variationen? Bekanntlich entspricht die Zahl der'Festopfer der Zahl der Völker (siebenzig). »So.haraber sagt, alle siebenzig Völker gehen auf die zwei Stammvölker E s au und Ismaer zurück und sind durch diese vertreten. Autzerdem ist es bekannte Gepflogenheit des „Sohar" und anderer kabbalistischen Schriften, Jsmael mit iw, Esau dagegen nur mit iW zu bezeichnen (Siehe auch Slichoh zum 17. Tammus iwm tdüm). Danach kommen von den siebenzig Stieren je fünfund dreißig auf Jsmael und Esau, die mit iw- (Jsmael) und iw (Esau) hier auseinandergehalten werden. Am ersten Festtag galten die dreizehn Stiere Jsniaeh darum Diy iw, am zweiten ebenfalls, daher der gleiche Ausdruck. Es waren somit bereits (13+12) fünfundzwanzig Opfer für Jsmael. Kämen noch die elf des dritten Tages hinzu, so wären es (ä5+ll) sechsunddreißig, also eines über die Jsmael zukommende Zahl. Darum gehen die Opfer des dritten Tages für Es au, was mit dem bloßen nr*vN-iW! zum Ausdruck kommt. — — — Einzig die Aguda, diesilh^ Aguda, die. gegen die öffentliche Sabbatentweihung rSmpft, sandte ihre Bertret«, um den Sabbat KffeNtIrch zu , u 1« »ih » n (1ON1V2 na &r6) und den Ein. heilsblock zu sprengen. — Die Aguda hat hiermit Farbe bekannt, und es würde uns nicht wunhernehmen, wenn sie demnächst noch mehr von den schriftlichen sind überlieferten Geboten qhMfft — nur deswegen, weil sie auch von Zionisten und Misrachisten, ihren .Erzfeinden, anerkannt werden. In Wahrheit kommt ^es diese« — den Orthodoxen — nicht auf die Religiyn NNd deren Hut an, Hauptsache ist das „Lehachis^ Pri^ip." And ein Blatt» bas sich solches feistes, M einer Zeit, da es van Tel Awiv Mb anderen Plätzen des vom Misrachi mitunterstützten neum Iischuw aus wohl weih» was Sstbbatentweihung ist» ein solches Blatt wägt es, zu „Schokaum" zu rufen? Es wirbt vornum diejenigen^ die -r hinten Ustd unten verleumdet Md hej den gläubigen Massen in gröblichster Meise denunziert. , Wäre es für das Blatt Nicht angebrachter» seine Spalten der PrüfMg deErqgy zu widmen, inwieweit die PyrgLufle iy-Egl Awiw von bestimmendem Einfluß auf ditz ungewohnte Nichtbeachtung des jüdischen Sabbgbr von Seiten der Regierung waren? Glaubt man m nationalen Kreisen, den Sabbat im öffentlichen Lehen der jüdischen Stadt fallen lassen und ihn hinterher durch Boykott als nationale Demonstration retten zu können? Glaubt dies auch der ..Hator"? Wenn nicht, warum lenkt er die Blicke von der Schande Tel Awftvs auf die „Sabbatenkweihung" der Orthodoren, di« darin bestand, daß sie im Stadtgarten zu Jerusalem am Sabbat dem Vertteter der obersten Macht in Palästina (zufällig auch ein Jude, und sogar ein sabbathaltender) die Hand gedrückt haben, um der traditionellen Pflicht des ^2 "** n*r kt zu genügen? Zum erste«, z«m zweite» und zum!... Würben sich die Polen im Seym so gut in der Politik und tnt Parlamentismus auskennen, wie im Antisemitismus, ste wären ß« besten Politiker und Parlamentarier der Gebe. Uber Polens Parlament fitzhk erst aus ein Ulter von etlichen Icchren zurück, Antisemiten sind aber di» Polen, seitdem stt Pole« smtz. Genau«: seitdem die Jftven Ptzlem als grsitzte Minorität mit einer M i!iio«endevÄke,u«s den AWen zum Lebea zeigest und es wagen, efttest ANMuch auf Boden und Reiht zu erheben. So sind eben die Polen weit befere Antisemiten denn Parlamentarier. Beweis: die Pehandlvns des Numerus, clausus im B i l d u n g s a u s sch u h. Die zehn Stiere des vierten Tages — hier heißt es richtig — niy iWi — gehören wieder Jsmael und vervollständigen die Fünfunddreitzig, wie sie ihm nach Fug und Aecht zutzommen (13-i-12-!-l0---35). Mi dem dritten,, wie bei dem sünfien. iechüen und' siebenten Tag heißt es glatt in** iWV Das sind die r^e» Efau», ed«rfa^ sstnfunbdreitzig^ nämlich die elf des drrttou, neu» des sünftsn^ acht des sechsten und sieben des siebentem Tages. Aktuelles ans Jesaja. Bon Rabh. D. Cohen in BertiU. (Fortsetzung). 18. „Lasset uns doch miteinander rechten, spricht Gott; wenn eure Sünden sind wie Purpur, wie Schnee sollen sie erbleichen; wenn sie wie Wurmblut rot werden,, sollen sie wie Wolle werden." Die Auftorderung, mit- Gott zu rechten, finden wir außer an dieser Stelle nur noch bei Malachi (3, SJ),. wo es heißt: „Bringet allen Zehnten ins Borrathaus und prüfet mich doch damit, ob icheuch nicht Segen schütte bis zum lleberfluß." Es ist, wie die Weisen hierzu bemerken, sonst verboten, Eytt zu versuchen, seine Verheißung auf die Probe zu stellen; bezüglich des Zehnten und der Buße jedoch soll man Gottes Zusicherungerproben," d. h. als Ansporn aus sich wirken lassen, um den seelischen Widerstand zu brechen. Die Teschuba ist ein Fundament der Welt (K. d. R. E. 4, 1 u. ö.) und des Glaubens. Selbst die „blutrote" Sünde^ kann t« strahlende Unschuld gewandelt werden. Dies für möglich zu halten, ist selbst in.