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Der Israelit · 1923-06-28 · Heft 26 (28.6.1923) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 26 (28.6.1923)
Date
1923-06-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 26 28. Juni 1SW da sprach er zu den Leuten, die um ihn standen: ..Ihr wähnt, es ist gut und leicht ein Zadik, ein Führer des Volkes zu sein. Glaubt mir, es ist eine sehr schwere und peinliche Aufgabe. D«nn wisset, das Herz des wahren Zadik taucht immerfort im Blute des Volkes und es wird von Leid und Sorgen des Einzelnen überschwemmt." Er schwieg eine Weile. Dann sprach er: „Gebe Gott, das; die Bösewichte Zadikim werden sollen" und lachte dabei. Der dürre Baum. Einst kamen nach Meseritsch mehrere Chässidim und bedrängten den Maggid gar sehr, ein jeder mit seinem Verlangen. Also nahmen sie ihnl die Zeit, die er gewöhnlich mit Lernen und Andacht verbrachte. Da sprach er zu ihnen: „Wenn Ihr mir nicht die Zeit lassen werdet, damit ich mich der Thora widmen könnte — dann werdet Ihr keinen Zadik, der einer Palme gleicht, sondern bloß einen dürren Baum vor Euch haben." Seither unterließen es die Chassidim, zum Maggid in den Stunden des Lernens zu kommen. - Die Wahrheit. Man weiß, wie sehr Rabbi Pinchas von Koretz sich der Wahrheit anzunehmen pflegte. 'Stets war das Wort auf seinem Munde: „O Gott, führe mich in die Pfade der Wahrheit!" und er pflegte die Chassidim zu ermahnen, sich jederzeit, selbst in den Stunden der Lebensgefahr, der Wahrheit zu bedienen und kein lügenhafte; Wort zu sprechen. Einmal reiste Rabbi Pinchas ins Ausland -und hatte keinen Reisepaß bei sich. An der Landesgrenze trat an ihn ein Jude heran und sagte: „Rabbi, ich führe mit mir Schmuggelware und fürchte die Beschlagnahme." Er verlangte, daß der Rabbi zu Gott beten sollte, daß seine Sachen nicht untersucht werden. Rabbi Pinchas antwortete: „Gib die Schmugglerware in meinen Wagen und habe keine Angst." Bald darauf trat der Zollbeamte an den Rabbi heran und ftagte: „Habt Ihr, Herr Rabbi, einen.Reisepaß?" Rabbi Pinchas antwortete: „Nein!" ,.Und Ware?" fragte der Zollbeamte weiter. „Ja!" erwiderte Rabbi Pinchas. Nun fächelte der Grenzbeamte und sprach: „Ich weiß schon!" Und er ließ den Rabbi unbehindert die Grenze durchführen. Darauf sprach Rabbi Pinchas zu seinen Getreuen: „Seht her, die Wahrheit schützt auch den Schwindler, mit der Wahrheit läßt sich selbst der listvolle Grenzälteste überwinden!" , Von einem Schüler des Rabbi Pinchas, Rabbi Rafael von Berschi, wird erzählt, er wurde einmal zu einem Edelmann geladen, um über einen Juden Auskunft zu geben. Er konnte durch ein einziges unwahres Wort den Juden lebenslänglich glücklich machen, hingegen ihm durch die Wahrheit großes Unglück verursachen. Beides wollte er nicht und weinte daher vor Gott, daß er ihn hinübernehme, um nur nicht von dem Weg der Wahrheit abweichen zu müssen. Die Diebe. Eines Nachts schlichen sich Diebe in das Haus Rabbi Levi Jizchaks ein. Sie suchten nach irgend einer wertvollen Sache, doch es kam ihnen nichts unter die Hand. Der Rabbi aber schlief nicht. Er sprach leise zu seiner Frau: „Juden kamen zu mir, gewiß soll ich mit ihnen Thora lernen, ich aber liege faul und träge hingestreckt!" Als die Diebe beklommenen HerMs, weil sie nichts gefunden hatten, weggingen, rief jefj ihnen nach: „Brüder, Brüder, gleich bin ich auf und will mit Euch einige Abschnitte Mischnajot lernen." Als die Diebe dies hörten, machten sie sich umso eiliger davon. Da sprach der Rabbi: „Wie töricht, warum sprach ich von Mischnajot? Gewiß waren es scharfsinnige Männer. die da ein Blatt Gemoro mit den Erklärungen lernen wollten, und da sie von Misch- _Der 5 s r re I i t najot hörten, liefen sie davon." Denn der Rabbi kostnte es nicht glauben, däß ein Mensch eiste Höst Tai kMhen ioüm. Der Gegensatz. Der Apter sagte: „Eine Verkehrtheit sehe ich: Man seufzt und män klagt, wenn man eines Menschen Haus abbrennen sieht oder sein Vermögen durch einen bösen Zufall verloren gehen. Sieht man aber, wie jemand eine Sünde begeht, eine Schuld auf sich ladet und seine SeLe vom Feuer der Leidenschaft verzehrt wird, da macht Man sich über ihn lustig und man. bedenkt nicht, daß der Mensch verloren geht. Die Früchte. Es war Gepflogenheit des Sassower, jedesmal, wenn er von einer fernen RMe heimkehrte, seinen hindern verschiedene gute Früchte und Leckerhissen mitzuhringen, woran sich das Herz der Zinder erfreute. Einmal vergaß der Rabbi, die Dinge einzukaufen und kam mit leeren Händen zu Hause an. Die Binder bestürmten ihn: „Vater, was hast Du mitgebracht? Vater, was hast Du mitgtzbracht?" Er konnte ihnen bloß die leeren Hände zeig-n. Und als sie gesehen hatten, daß er nichts hatte, weinten sie gar sehr. Da überkam auch den Rabbi ein tiefet Schmerz und er sprach zu seinen Getreuen: „Seht, auch im Himmel fragt man den Menschen, wenn er heimkommt, was er mitgebracht hat. Wehe, wenn et mit leeren Händen gekommen." Der Edelstein. Ehedem sich Rabbi Hirsch enthüllte und der Welt offenbart hatte, war er sehr arm und flehte stets zu Gott um seine leiblichen Bedürfniisse. Äls er sich einmal um Mitternacht vom Lager erhob, um wie gewöhnlich seine Gebele um Jerusalem zu verrichten, sah er ein großes Licht in seiner Stube. Er zitterte sehr, weil er glaubte, es sei ein Brand entstanden. Er schüttete Wasser darauf. Cr überzeugte sich aber alsbald, daß das kein Feuer war, sondern ein großer Edelstein und er hob. ihn auf. Er zeigte ihn einem Fachmann aus Drohobycz und der sagte, der Wert dieses EdelstMes sei gar unschätzbar, der österreichische Kaiser besitze keinen solchen Edelstem, der russische Zar hätte wohl einen Stein dieser Gattung, jedoch viel kleiner. Rabbi Hirsch würde, so behauptete der Fachmann, von dem Erlös des Steines bis ans Ende seiner Tage in Wohlstand leben können und dann den Kindern Reichtum vererben. Nach einigen Monaten überlegte es Rabbi Hirsch und sprach: „Herr der Welt, sieh', wozu mir.dieser Stein? Vielleicht wird er mir oder meinen Kindern noch zum Schaden, dadurch, daß durch dien Reichtum die Jüdischkeit leiden werde — gib uns lieber für dieses stoffliche Licht, das Licht der Thora, daß es unsern Geist erleuchte." Und er warf den Stein in den Dniesterflutz. Uindereoke. Zu Chiskijas u«d Jesajas Zeiten. Aus Talmud „Sanhedrin". Die Schulen, die König Chiskia baute und erhielt, besiegten Sanheribs Heere, die gekommen warm, um Jerusalem zu zerstören. Als der Feind an die Stadtmauer stürmte, stach man mit einem Schwerte in die Türe des Lehrhauses und rief: „Wer die Thora verlassen, sei dem Schwerte verfallen!" Man suchte aber von M'enze zu Grenze, von Dan b^ Berstbba, und Und Keinen, wedÄ Mästst, stbch Frau noch Kind, die nicht thotzakundig wären. Als Sanherib gen Jerusalem zog, sagten ihm seine Sterndeuter: „Eile, großer König, denn heute ist der letzte Täg der Vergeltung, da Gott Israels Sünde um Nob, die Priesterstadl, noch ahnden will. Morgen ists zu spät." Da gürtete Sanherib stine Lenden üNd Nahm mit seinen Heeren in gewaltigen Eilmatschen einen Weg, der sonst zehn Tage beanspruchte, in einem Tage. Als Sanherib an den Mauern' Jerusalems von der hohen Warte aus einen Blick auf die Stadt warf, schien sie ihm sehr klein und er sagte: „Ist dies die Stadt, die die Welt so sehr in Verwunderung versetzt und meiner Soldaten Ehrgeiz so anregt? Es ist die kleinste und schwächste von all den Städten, die meine Hand erobert hat." Md er wies geringschätzig mit der Haüd nach dem Heiligtum, als wollte er den Höchsten herausfördern. „Wir wollen gleich Hand an die Mauer lögen," drängten die Soldaten in wildem' Siegesräusche. „Nicht heute," sagte der König, „motgen, wenn Ihr vom Marsche ausgeruht habt, hriNge jeder einen Stein mit und die Arbeit ist rasch gemacht." Als Sanherib morgens aufwachte, stand er in einem endlosen Totenfelde. Himmlische Mächte hatten nachts Tod und Verderben in feine RMen gebracht. Es lag im Plane des Höchsten, Chiskijah zÜm.Möfchiach zu salben und Sanherib wäre dann „Gog migog" gewesen, mit dem der letzte Kampf auszufechten war. Da erhob die Gerechtigkeit Einspruch dagegen und klagte: „Hat doch König David ^ir so viele Loblieder gesungen und war dennoch nicht für würdig befunden, Moschiach zu sein. Warum jetzt Chiskijah, der für all die ihm erwiesenen Wunderzeichen nicht ein Dankeslied wußte?" „Ich singe für ihn" erbot sich die Erde. Aber Moschiachs Änkunft wurde hinäüsgeschoben auf spätes Zeiten, die auch dem Propheten Jesajas nicht genau offenbart wurden. „Der Leiden Maß ist noch nicht voll," sägte man ihm, „eine zweite und dritte Verbannung folgen, unter deren harter Decke die Saaten der Erlösung erst ausreifen müssen," Als A ch a s starb, wurde der Tag um zehn Stunden gekürzt, damit keine Zeit übrig bleibe für königliche Bestattung, denn Ach as wgr. 'von den Wegen Gottes abgewichen. Als aber Chiskijah von seiner Krankheit genas, erhielt er die' zehn Stünden, wieder, fohaß dieser Tag statt, zwölf zweiundz'wanzig Stunden hatte.^ Merodach Baladan, König vonBabylon, wunderte sich über den nicht zu Ende gehen wollenden Tag. Und als er den Grund vernahm und von der Genesung Ehiskijahs erfuhr, schickte er Boten nach Jerusalem, um Chiskijah zu begrüßen und ihm mit Geschenken zu huldigen. .mn mm "i wn 'by /nöNö um tewi r wdv rro ms 'by ,m imm w by -ns: mrn m bsi •»anpn ’tnp djo viKin TO-TVa msxho ywo ab vnab Hi rripDmtoni lbm w? .mytf ans "i mm pn Kreuznach. E. Agültrik.

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