Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1923)
- Date
- 1923-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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64. Jahrgang Frankfurt a. Al., den - Nr. 25 Oer Israelit | «(\| Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum JII Begründet von Dr. Lehmarm tu Mainz. \\\ VIBr# 1500 M., Juni 2400 SK.]; Polen: 5700 M. lApril 1400 M., Mai 1700 M.. Juni 2600 2tt.] (deutsche WLHrunM. — Nur Vierteljahrs-Abonnements: Tschecho-Slowakei 15 K., Ungarn 600 Jugoslawien 25 Din.; Rumänien 25 Lei; Holland 2 fl.; Belgien 7,50 Fr.; Frankreich 6 Fr.: Schweiz 2,50 Fr.; Italien 10 Lire; Skandinavien 4 K.; England 2 sh. 6 p.; Amerika 0,75 Dollar. Einzelnummer 500 M. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 800 M., für Stellensüchende 60O M. für die siebengespaltene NoMareille-Zeile einschließlich Teuerungszuschlag; Ehisfregebühr 100 M. Auslandsinserate 2500 M. die Zeile. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufträae» tarifmäßige Preiserhöhung jederzeit Vorbehalten. Inseratenannahme durch den Verlag des Israelit <8. m. b. H., Frankfurt a. M./ Große Eschenheimer Straße 28, Telephon Hansa 5842 sowie durch sämtliche Annoncen-Expeditionen des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenannahme für Frankfurter Geschästsanzeigen: Jul. Schmidt, Langestratze 3. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. [* *3)IunfleTnHreinjT7?e^5er?ä(nuT"^öft7cljec??mrtTl!£rän?fur^3JEnn^^ lüti^^i^^M^M^^^osts^eckamt^A^Merdam^N^^4869^^^öhm^che^lnior^bankti^8ra^^Lac^lLiwLrosad^LIanI^^^a^il^Bukare^ Bücher-preise. Schlüsselzahl gemäß Festsetzung des Börsenvereins der Buchhändler in Leipzig) ab 13. Juni: 3000. Tier eweilige Verkaufspreis ergibt sich durch Multiplikation der Schlüsselzahl mit dem Grundpreis. ® # **«*&*> Ladenpreis Prämienpreis für Abonnenten Hirsch, Versuche (Choreb) geb. 8. „ Gebete (Tefillo) geb. 12. 6.— 9.— drosch. Lehmann, Samuel Äa-nagid.1.50 Schachnomitz, Merelaika .1.50 „ Luftmenschen . ..1.50 „ Jenseits.150 „ Im Judenstaat der Chasaren . 1.60 Judäus, Der Baalfchem von Michelstadt . . 1.50 Ausland: 2000/o Valutazuschlag. 2.50 2.50 2.50 2.50 2.50 2.50 Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt vom Verlag zuzüglich Versandspesen unter Nachnahme. Frankfurt a. M. Verlag des Israelit G. m. b. H. Verständigung. Hi« Mort für Mchtorlßodore von Rabbiner I. A. Weinberg in Hießen. l. Eine der tragischsten Erscheinungen im jüdischen Leben ist die, datz die veajschiedrenen Kreise und Parteien sich nicht verstehen, aneinander vorbetzreden, sich auch garnicht die geringste Mühe geben, sich gegenseitig zu begreifen. Hauptsache ist für jede Richtung ihr Sieg, Recht zubehal 1 en, auch ohne im Rechte zu sein. Insbesondere hatte und hat die Orthodoxie darunter zu leiden, datz die Welt sie nicht verstehen will scheinbar nicht Erstehen kann. Was weitz die grotze Welt von der schwerleidenden, glaubenden, kampfenden und strebenden Orthodoxie? Was weitz sie von unseren Sorgen und Schmerzen, Träumen und Hoffnungen? Ünsejren Maskilim des letzten Jahrhunderts danken wir die Interpretation des Wortes Orthodoxie im Sinne von „kalt, abgestanden, starr und feindlich dem Leben wie aller Bildung und allem Fortschritte" . Ein solches Bild hat die Außenwelt von uns . Allein» solange es nur um Achtung und Ehrung ging, konnten wir resignieren und schweigen. Nun aber stehen wir einer anderen Zeit gegenüber. Mit der Achtungsfrage ist eng die Existenzfrage verbunden. Wir sind gezwungen, in die polijßjche Wckna zu Das Inhaltsverzeichnis befindet sich am Schlüsse des redaktionellen Teiles. treten, um unsere Lebensinteressen zu verteidigen. In der Politik ist aber Kredit ein grotzes Wort und dieser hängt vom gUten Namen ab. Da werden schon unsere Brüder auf der linken Seite begreifen und erlauben, datz wir unsere alte Bescheidenheit ablegen. Äm Grunde aber bleiben wir die alten, schlichten Juden, denen es weder um Ehre, noch um Macht zu tun ist. Wir wollen lediglich unsere „Iüdischkeit" schützen und verteidigen. Kann uns daraus ein Vorwurf gemacht werden? Wir verlangen von Euch, datz Ihr es lernt, uns besser zu verstehen, dann erst können wir miteinander reden. Wir sind keine Partei mit besonderen Statuten und Paragraphen und sind auch weit davon entfernt, Parteipolitik zu treiben. Umgekehrt! Uns obliegt es, den Nerv der jüdischen Einheit und Einigkeit lebendig zu erhalten, und wir wollen alles aufbieken, dieses Eesamtheitsempfinden auch bei den Andören zu wecken und zu starken. Iede jüdische Sjeele. jedes jüdische Hekrz.ist uns lieb und teuer und eben dckrum bemühen wir uns so stark, diese jüdische Seele und dieses jüdische Herz weiter zu erhalten, zu erhalten in ihrer ganzen Reinheit und Schönheit. Und (gärade deshalb können wir es nicht zulassen, datz der jüdischen Seele falsche Bahnen gewiesen, datz das jüdische Herz verkrüppelt wird. Unter diesen Gesichtspunkten ist es wohl zu verstehen, warum wir so ungeduldig sind und warium wir so laut schreien. Unser Schmerz ist grotz und unbeschreiblich tief, denn wir spüren ihn auch für Euch. Wir sind ja keine Partei, die nur ihre Parteisorgen hat, für ihr Prestige, ihren Einfluß bemüht ist. Wir sorgen für alle und leiden für alles. Wir wollen nicht so mißverstanden sein, als wollten wir damit Privilegien für uns in Anspruch nehmen. Wir sagen nur, datz wir verpflichtet sind, den jüdischen Geist und die jüdische Lebensart in ihrer historischen Gestalt zu erhalten. Wir wären gewitz für den Frieden, wenn uns unsere Aufgabe leicht gemacht wüirde. Leider aber ist dem nicht so. Leider gibt es unter uns Juden mit kurzem Gedächtnis, fÄc die das jüdische geistige Leben efcft mit der Haskalaschule des vorigen Jahrhunderts beginnt und die jüdische Geschichte erst mit der Chowawe Zion - Konferenz in Kattowitz. Unter solchen Umständen sehen wir uns gezwungen, unser Programm, das Sinaiprogramm zu Sroklamieren. Ü» diesem Zusammenhang erklären wir uns als die Träger der alten jüdischen Nation, als die Hüter und Beschützer des jüdischen Gedankens und der jüdischen Tradition. Als jüdische Kulturträger müssen wir von Euch angebrochen werden, und Ihr habt kein Recht, uns zu bekämpfen, in der Erkenntnis, datz wir nicht Eure' Gegner, sondern Eure Helfer sind, die auch für Euch arbeiten. Es ist keine hohle Ruhmrederei von uns, es ist die reim Wahrheit, wenn wir sagen, datz alle jüdischen Parteien sich auf uns stützen und aus unseren Lebensguellen genährt werden. Iede jüdische Partei ist in dem Matze stark und aktionsfähig, als sie vom orthodoxen Geist in sich trägt. „Orthodoxie" ist soviel wie der Lebensnerv in den jungen jüdischen Parteien, der Kitt, der ihre einzelnen Glieder zusammenhält, die einzige Würze, die ihnen jüdischen Geschmack und jü^ dische Farbe verleiht. Und darum ist es auch der Anderen Lebensinteresse, uns stark und gesund zu erhalten: Wir sind der sicherste und wertbeständigste Teil , im jüdischen Volke. Mit unseren Kräften Ist das jüdische Volk den langen Weg durch all die Gefahren und Versuchungen gewandelt. Um nicht gar weit in der Geschichte, zürückzublättern, wollen wir nur an die russische Revolution von 1{905' erinnern. Alle jüdischen Parteien waren vom russischen revolutionären Geist beeinflußt, der das ganze jüdische Volk und seine Zukunft in schwere Gefahr gebracht hattd. Der anarchistische Geist erfaßte Mitglieder auch solcher Parteien, deren Programm noch in, den historischen Grundlagen und nationalen Hoffnungen des ^Volkes wurzelte. Die Begeisterung für Hekkäischf und Palästina, die vor der Revolution alle Hetzen bewegte, flaute auf einmal ab und verschwand fast ganz. Nur die Orthodoxen hielten treu zur jüdischen Sache. Sie allein blieben standhaft auf dem Boden der jüdischen Tradition und waren als einzige am Platze, die aus dem grotzen Brande das Judentum retteten. Erst später, als sich aus dem Chaos die Kosaken lösten, die den jüdischen Freiheitskämpfern mit der Knute wieder in Erinnerung riefen, datz sie nßhts mehr denn Golusjüden feien, erst dann nahmen die früheren Hebräisten und alle anderen ,,-isten" einzelweise und verschämt den Weg ins Beshamidrasch wieder, um dort den Anschluß an die jüdische Welt zu suchen. Ich will gewiß nicht alte Rechnungen aus der Versenkung hervorholen, ich möchte nur daran er- Der Nachdruck der Artikel und Korrespondenzen de» S»raelit ist nur unter genauer Quellenangabe und» soweit er stch um gröbere Aussätze handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gestattet. » - 1