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Der Israelit · 1923-06-14 · Heft 24 (14.6.1923) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 24 (14.6.1923)
Date
1923-06-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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64. Frankfurt a. 7X1., den 14. Juni 1923 30. Äwan 5683 Kr. 24 kill Centralorgan für das orthodoxe Judentum |[jSV V I II Begründet non Dr. Lefimann in Main». W l k Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 600 M-, für Stellensuchende 400 Pt. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile einschließlich Teuerungszuschlag; Chiffregebühr 100 M. Auslandsinserate 1500 M. die Zeile. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifmäßige Preiserhöhung jederzeit Vorbehalten. Änseratenannahme durch den Berlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M., Große Eschenheimer Straße 23, Telephon Hansa 5812 sowie durch sämtliche Annoncon-Erpeditionen des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenannahme für Frankfurter Geschäftsanzeigen: Jul. Schmidt, Langestraße 3. - Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Abonnement ab 1. Januar 1923: Deutschland 0,50 M. monatlich (multipliziert mit der jeweiligen Schlüsselzahl des Börsenvereins): 2. Vierteljahr 4350 M. (April 1000 M., Mai 1250 M., Juni 2100 M.j: Deutsch-Österreich: 2. Vierteljahr!: 5100 M. sApril 1200 M., Mai 1500 M., Juni 2400 M.j; Polen: 5700 M. sApril 1400 M., Mai 1700 M., Juni 2600 M.j (deutsche Währung). — Nur Vierteljahrs-Abonnements: Tschecho-Slowakei 15 K., Ungarn 600 K., Jugoslawien 25 Din.; Rumänien 25Lei; Holland 2 fl.; Belgien 7,50 Fr.; Frankreich 6 Fr.; Schweiz 2,50 Fr.; Italien 10 Lire; Skandinavien 4 K.; England 2 sh. 6 p.; Amerika 0,75 Dollar. Einzelnummer 500 M. )al)lungen direkt an v'en'^er/ag 'auj postscheckkonro'Franlsürt Älutzeröem jürich Nr. VIII 7234 — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Böhmische Unionbank in Prag an: Po,t,parlasse Wien Nr. 78vÜ^^^tzomparla>1enäm^8Üvape,r Atr. 18^(-^Po>i,chcckaml — Banra M.irmarosch, Blank & Co. in Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agraitt. Die gewaltige Entwertung der Mark feit Mitte Mai hat die Herftellung der Zeitungen lind Bücher derart oer* teuert, daß der Börfenoerein der deutfchen Buchhändler die Sdilüffeljahl ab 4. Juni auf 4200 feflfefyen mußte. Das Juni-Abonnement des „Israelit“ beträgt daher Mk. 2100. Bei den bereits bezahlten Abonnements oer* rechnen mir den kleinen Mehrbetrag im nädiften Viertel* jahr; dagegen roird bei der nunmehr ftattfmdenden Er* hebung der' rüdtftändigen Äbonnementsgebühren für das zweite Vierteljahr der Einfachheit halber gleich der end* gültige Abonnementspreis für diefes Vierteljahr mit Mk. 4350 zuzüglich Inkaffo*Selbftkoften eingezogen. Wir bitten dringend zwedcs Koftenerfparnis fiir prompte Einlöfung der Nachnahmen Vorjorge zu treffen. Frankfurt a. M„ 3. Juni 1923. Verlag des Israelit, G. m. b. H. Der Weg pot jüdischen Leben. IV.*) Mit einem etwas! pathetisch, klingenden: ,Zch weiß einen Weg zur-Wirklichkeit, wahr-, hastig, ich weiß einen Weg" leitet der Verfasser den eigentlich entscheidenden, positiven Schlußteil seines Merkes ein, der die drei „Pforten" zur jüdischen Wahrheit erschließen soll. iUm es kurz zu sagen: die hebräische Sprache, die im Gebet sich betätigende Gläubigkeit und die in den Mizwo s und religiösen Bräuchen dokumentierte jüdische Lebensform, das' sind diese drei Pforten, bei deren Eröffnung der Verfasser noch einmal die ganze Glut seiner Seele in hinreißenden Dityramben anfsprühen und gewiß auf manches empfängliche Gemüt überströmen läßt. Es fehlt auch dabei nicht!an keineswegs alltäglichen Einsichten. So wenn die unendliche Ueberlegenheit des alten, biblischen, historischen Hebräisch, über das Kunst-Hebräisch der Modernen betont und gesagt wird: „Tier ScholauM der Jahrtausende wiegt mehr als der Schalom der jungen Pioniere." Wer im großen Ganzen jvill es uns scheinen, als ob nirgends so sehr wie grade an diesem Punkte, da es nicht mehr zu diagnostizieren und Kritik zu üben, sondern auf zu-, bauen gilt, als ob grade an diesem Punkte die Unzulänglichkeit, die Einseitigkeit des *) Siche „Israelit" Nr. 18, 19, 20/21. Das Inhaltsverzeichnis befindet stch am Schlufie des redaktionellen Teiles. "11 ■' ■■ 1 ... "> 1 1,1 ”■ 1 im Grunde doch aus Subjektivität geborenen Rettungsweges. des Verfassers zutage tritt. „Es gibt kein Gefäß auf Erden, das so heilig wäre wie die Sprache" — jawohl, ein Gefäß, aber ein Gefäß jst kein Inhalt. Und der Inhalt dieses Gefäßes erschöpft sich für das geschichtliche Judentum keineswegs — wie für den Verfasser — in Schicksal und Ahnen-Erlebnis, nicht in der Innigkeit und Gläubigkeit ins Grab gesunkener Geschlechter. Sagen wir stattdessen lieber: „Gefäß für das Wort des lebendigen Gottes selber" — das;gäf>e der Sprache schon ein größeres Maß von aktueller Heiligkeit; aber sofort weist der Gedanke weit über sich selbst hinaus und sprengt den Rahmen, in den Cohn ihn gebannt hat. Denn wenn ich die Sprache liebe, nicht, wie Cohn es Mein will, als Denkmal verklungenen Lebens, sondern als Glockenklang des über die Zeit erhabenen Ewig-Lebendigen, warum dann nicht lieber gleich zu diesem Ewig-Lebendigen selbst wallfahren? Warum die Sprache anbeten, das Gefäß, statt sich den Inhalt anzueignen, das Gvtteswort, die schriftliche und die ihr unzertrennlich zugehörige mündliche Lehre? Wenn unsre .Nationalisten, die ihr Herz, ihre. Seele und ihr Vermögen den Bindungen der göttlichen Lebens^ nornren nicht unterwerfen wollen, die Sprache vergöttern, das zu nichts verpflichtende „Gefäß" für Edelstes und Niedrigstes, das willige Werkzeug jüdischsten und heidnischsten 'Denkens, heiligsten und unsittlichsten Wollens, so wissen sie wahrlich, was sie tun. Cohn ist hier wider Willen ganz im Rationalismus modernster Prägung stecken geblieben. Es schneidet förmlich in die Seele, wenn nxan den Verfasser sagen Hort: „Glaubt aber nicht, daß es mit ein bißchen Siddur oder Teftlloh getan wäre, sondern führt sie auch ein in die Thora!" Dieses „Auch" spricht Bände! „Thora" aber, das ist hier nicht etwa die ganze Thora, Lehre und Gesetz, sondern „die Berufung Abrahams, die Opferung Isaaks, der Auszug, der Sinai und die Wüste" -als „ S i n n b i l d e r d e s L e b e n s." Und mit diesem in dunkler Romantik verschwimmenden Geschichtskultus glaubt der Verfasser auch nur die äußere Pforte zum einzigen wirklich geschichtlichen Judentum, zum Judentum der Thora, mit seinen Lehrhäusern und Jeschiwos, seinen Poßkim und Midraschweisen, seinen Baale Mußar und Mekublim, seinem berückenden Reichtum -an hellster LebenÄvissenschaft, seiner einzig in der Walt dastehenden Synthese von Geist und Gemüt, I ntellektualismus und schwärmerischer Gottesliebe, kühnstem S<Elenschwung und demütigster Gesetzlichkeit erschließen zu können? Dieser Kultus der Sprache verrammelt'den Weg ins Heiligtum, statt ihn zu erschließen, denn er lenkt den Blick des Suchenden von vornherein auf das Nebensächliche und raubt ihm die Fähigkeit, sein ganzes Sehnen und Wollen, dem zuzuwenden, das allein uns retten kann: dem altjüdischen „Lernen"! Was aber von bet „äußeren. Pforte" gilt, das gilt bis zu einem gewissen Grade auch von der mittleren, der Pforte der „Gläubigkeit". Gläubigkeit ist dem Verfasser nicht etwa ein rein intellektualistisches Fürwahrhalten bestimmter Sätze, sondern . die völlig gefühlsmäßige Bejähüng des Göttlichen, die Einung der Seele mit Gott, vor allem im Gebets Wenn Cohn auch hier den „Gesetzestreuen" eine Standrede halten zu müssen glaubt — es sieht schon so -aus, als ob es um der ausgleichenden Gerechtigkeit willen gegenüber den.Liberalen und Rationalisten geschieht — und ihren „Massen" das boshafte W!ort: „Ich glaube nichts und halte alles" unterschiebt, so wollen wir für heute ununtersucht lassen, auf welchen Bruchteil dieser Massen —wo sind fie im Westen-überhaupt? — dieser Vorwurf zutrifft. Ein „Aufruf zur Gläubigkeit" in dem oben angedeuteten Sinn kann gewiß auch dem Frömmsten und .dem Gesetze Treuesten nichts schaden. Schade nur, daß der Verfasser zu untersuchen vergißt, wie denn nur seine freischwebende „Gläubigkeit" Zustandekommen und davor geschützt bleiben kann, ins Wesenlose zu versinken. In wundervollen Worten Preist 'Cohn die alte „Tephillo" und ihr Verwobensein in die ganze lebendige Sinnlichkeit von Natur und Geschichte. Allein nimmermehr wird sich der ewig neue Sinn dieser Tephillo demjenigen erschließen, der nicht mit Hilfe reichenWissens in ihr Inn eres' zu dringen vermag, der -nicht ganz und gar in der Welt des jüdischen Geistes lebt. Auch die starrsten „Ritter der Gesetzlichkeit" wissen sich Der Nachdruck der Artikel und Korrespondenten des Israelit ist nur unter aenauer Quellenangabe und, soweit es sich um gröhere Aufsätze handelt, nur - - nach vorheriger Genehmigung gestattet. - -

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