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Der Israelit · 1923-05-31 · Heft 22 (31.5.1923) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 22 (31.5.1923)
Date
1923-05-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Der Israelit Nr. 22 Seite 9 31. Mai 1923 Ainderecke. Kops und Herz. Von Dr. Felix Werlyeimer in Düsseldorf. „Mein Freund hatte einen Weinberg an einem fruchtbaren Bergabhange. Er umzäunte ihn, entsteinigte ihn, bepflanzte ihn mit edlen Reben, baute einen Turm darein, auch eine Kelter errichtete er, ja er hoffte, daß er süße Trauben bringen werde, und er brachte Giftbeeren hervor." (Jes. 5, 1—6.) In diesem Bilde kennzeichnet der Prophet Ieschajohu feine Zeitgenossen. Der Weinberg deutet aus das Haus Israel, welches die göttliche Lehre verletzte, statt Recht und Liebe, Gewalttat und Lieblosigkeit ausübte. Der Weinberg Gottes ist das Haus Israel, und die gepflanzten Reben darin weisen auf die hoffnungsvolle Jugend, die süße Trauben, — gott- und menschengesällige Werke hervorbringen soll; das war aber nicht der Fall, sondern das Gegenteil. Wenn es lauter ganze Menschen gäbe, dann würde der Weinberg Gottes nicht so viel Dornen und Disteln tragen, aber die Halbheit richtet großen Schaden an. Wenn Ihr einen recht vollkommenen Menschen bezeichnen wollt, 'so nennt Ihr ihn einen Menschen mit Kopf und Herz, und da habt Ihr ganz recht. Ohne Herz taugen selbst die besten Köpfe nichts und richten oft mehr Unheil an. als sie Glück stiften. Ohne Kopf aber, das heißt ohne Verständnis, wird selbst das beste Herz nicht bestehen, wird von einem Irrtum in den andern fallen. Dem Kopfe aber feine vollendete Bildung, dem Herzen seine vollendete Veredlung können nur Wissenschaft in Verbindung mit Religio n bieten. S o werden ganze Menschen erzogen und gebildet, so nur kann Religion mit dem Zeitgeist Hand in Hand gehen. Man ftagte einmal Rabbi Iochanan ben Sakkai: „Wem gleicht wohl ein kluger Kops ohne gottessiirchtiges Herz?" Er antwortete: Er gleicht einem Meister, dem das Werkzeug fehlt. „Und wem gleicht ein Mensch, der wohl ein frommes Herz, aber . keinen Verstand besitzt? Er gleicht einem, der im Besitze der besten Werkzeuge ist, aber keinen Gebrauch davon zu machen versteht. Wer aber Kopf und Herz besitzt, beide von Gottesfurcht geleitet, der gleicht rro irDDltf 'by\ pW »einem Meister, der zugleich mit trefflichen Werkzeugen versehen ist." Ihr erseht daraus, der gebildete Kopf ist dem Meister und dasffromme Herz dem Werkzeug ähnlich. Solche Männer braucht unsere Zeit, das sind ganze Charaktere und keine Halbheiten. So betet auch der Psalmist: "-21P2 unn \Oi nm "Ul Tina „Ein reines Herz und festen Geist erneuere in mir. o Gott." (Ps. 61,12). Dies sollt Ihr beachten und beherzigen liebe Kinder, durch Kenntnis und Wissen, das Euch mannigfach geboten wird, Eueren Geist auszubilden und durch die Lehre Gottes, die Euch beim Religionsunterricht erteilt wird, Euer Herz zu veredeln. Dazu ermahnt Euch der Sinai, wo Israel einst einmütig ausrief: “Jtoiwi n&M* Wir wollen das Wort Gottes ausüben und wollen verstehen und hören. (2. B. M. 19. 7.) Wohl seid Ihr noch nicht tatkräftig, zur Ausübung aller Gebote Gottes noch nicht befähigt und teilweise nicht verpflichtet, — aber hören sollt Ihr auf die Offenbarungslehren, sie aufmerksam und geistig auffassen: dann wird der Weinberg Gottes keine Giftbeeren hervorbringen, sondern edle Früchte tragen. ■ , •npb Tow&m Personalien Fürth, 10. Mai. Am Schabbos TBK '0 verschied infolge Herzschlages eines der geschätztesten Mitglieder unserer Kehillo, Herr Julius Fellhetmer. Auf dem Nachhausewege von der Mincho-Synagoge, wo er nock sein Ehrenamt als flv bekleidet hatte, ereilte ihn plötzlich der Tod. Ein rreuer Diener seines Gottes, widmete er der ihm besonders ans Herz gewachsenen Klaus-Synagoge, der Familienstiftung seiner . Ahnen, als Vorsteher seine höchste Fürsorge. Das älteste Mitglied der Gemilus-Chasodim-Chewroh, ließ er sich nicht nehmen, .noch bei allen Mizwos tätig zu sein. Was den Dahtngegangenen ganz besonders auszeichnete, war sein stetes Gottvertrauen, sein grades und offenes Wesen, seine Rechtlichkeit und Uneigennützigkett im Geschäststeben, sowie seine große Wohltätigkeit, welche er besonders gern im Stillen ausübte. Die Beteiligung bet der Beerdigung zeigte, weicher überaus großen Beliebtheit sich der Verstorbene in allen Bevölkerungskreisen erfreute und widmete ihm Herr Dr. Deutsch warme Worte der Wertschätzung und spendete Trost den Trauernden, mit dem Hinweis, daß der Verewigte wie ein wahrer Zadik am Schabbos zu Mtncho feine Lebenswoche beendete und in die Ruhe eingezogen ist xa» ns» mH. n3"itm Aufseft, 11. Mai. Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten. Am l"1 verschied nach kurzer Krankheit Frau Rosa Aufseeser. Aus streng frommer Familie aus Ermreuth entstammend, hat sie die Jüdischkeit in ihrem Hause weiter gepflegt und ihre 8 Kinder in demselben Sinne erzogen. Wo Not zu lindern war, griff sie rasch ein und übte im reichsten Maße w"idn rv^Dj freudig aus. Möge ihr der jvot ihrer guten Taten beistehen und ihrem Gatten und ihren Kindern zum Tröste gereichen. Landsberg a. Warthe, 11. Mai. Nach schwerem Leiden hauchte in Berlin, woselbst er noch Hilfe für dasselbe suchte, unser allverehrter Dr. M. Frank, Augenarzt, seine edle Seele aus. Er war, einer streng frommen Familie aus Rödelsee (Bayern) entstammend, ein echter nin'. Selbstlos bis zur Aufopferung war er sowohl in seinem Berufe als auch in seinem Privatleben. Mit großer Liebe beschäftigte er sich mit mm nan und sogar in seiner schweren Krank, heit war eS ihm eine Wonne, wenn er sich mit feinen Besuchern darin unterhalten konnte. Sein Andenken wird bei allen, die ihn kannten, weiter leben. Möge der alte, schwer geprüfte Vater, sowie die junge Gattin mit ihrem unmündigen Kinde in den Worten Trost finden r p'iS -dt. Königsberg, 23. Mai. Inmitten seines großen Familienkreises, jedoch in aller Stille, hat einer der verehrtesten Führer der deutschen Orthodoxie, Kommerzienrat Georg Marx, seinen 80. Geburtstag begangen. Als ein aufrechter Mann, der auch unter den größten Schwierigkeiten die Ideale des gesetzestreuen Judentums nicht nur für feine eigene Person aufrecht zu erhalten, sondern ihnen auch in einen Kreis von Mitträgern zu schaffen verstand, hat sich Georg Marx schon in Elberfeld bewährt, als er dort in den früheren Jahren feiner Geschäftstätigkeit auf sterilem Boden einen kleinen Kreis von Anhängern um sich zu scharen wußte. Seine Tätigkeit entwickelte sich in größerem Maßstabe nach der Uebersiedlung nach Königsberg, wo er in großzügiger Wirksamkeit sich eine der angesehensten Stellungen in der Pankwelt erwarb, bis fein Unternehmen in die vornehmste der deutschen Großbanken überging. An der Gründung und Weiterentwicklung der Königsberger Adas Jisroel hat Marx den hervorragendsten Anteil. Darüber hinaus verstand er dort oben in der Grenzmark des deutschen Judentums vorbildliche Institutionen für Zedoko und Gemilus Shefsd zu schaffen, wobei er in seiner gleichgesinnten Gattin, die durch ihre feinsinnigen Dichtungen bekanntgewordene Gertrude Marx s. A., wirksam unterstützt wurde. Der weite Kreis der Freunde und Verehrer des Jubilars schätzt in ihm die wahrhaft religiöse Persönlichkeit, die mit rührender Bescheidenheit und selbstverständlicher Unterordnung allereigenen Interessen sich ganz in den Dienst der Allgemeinheit stellt undviele Hunderte mit weisem, freundlichem Rat und offener Hand materiell und geistig zu fördern verstanden hat. Die ganze gesetzestreue Iudenheit wünscht dem Jubilar einen flohen und geistesfrischen Lebensabend nitP dvTO*!( DND , Königsberg Pr., 27. Mai. Am 12102 '» beging Herr Kommerzienrat George Marx im engsten Familienkreise die Feier seines 80. Geburtstages. Ueber seine kommerzielle Bedeutung für die Provinz Ostpreußen und den gesamten Osten haben die hiesigen Tageszeitungen ausführlich berichtet. Der deutschen Judenheit, und besonders der gesetzestreuen, ist George Marx mehr als der bedeutende Finanzmann und Volkswirtschaftler; er ist ihr Führer und Vorbild. Er verkörpert den gesetzestreuen Inden in harmonischster Vollendung. Trotz seiner umfangreichen ' beruflichen Tätigkeit stellt er für mn* rr.in ancn riH'vri stets Zeit und Mittelin reichstem Maße zur Verfügung. Die hiesige my verehrt ihn als ihren eifrigsten Förderer, seiner Initiative verdankt sie das vor 29 Jahren erbaute schöne Gotteshaus. In unermüdlichem Eifer hat er die Vorbedingungen für den Bau eines jüdischen Krankenhauses in Königsberg geschaffen, nur die Ungunst der Verhältnisse hat den Bau bisher verzögert. Im Verein mit seiner unvergeßlichen Gattin errichtete er das Kriegswaisenhaus m Wilna. Wir fürchten, der Bescheidenheit des Jubilars zu nahe zu treten »wollten wir seine Wirksamkeit in der Königsberger Wischen, Gemeinde und in den großen jüdischen Organisationen Deutschlands näher beleuchten. Wir schließen mit den Worten der „Königsberger Hartungschen Zeitung": „George Marx schaut auf einen reich gesegneten Lebensweg zurück. Er darf davon überzeugt bleiben, daß alte, die ihn kennen, ihm beim Beginn des neuen Jahrzehnts nngeschwüchte Fortdauer der geistigen und körperlichen Lebensfrische wünschen, deren sich dieser Achtziger erfreut. Und wenn er sich entschlossen hat, den heutigen Tag im Kreise der Seinen auswärts zu verleben, so werden ihm doch außer dem dankbaren Gruß der Oessentlichkeit Freundschaftsbezeuguugen von überallher zugehen, denen er die Gewißheit entnehmen kann, daß sein Vorbild und sein Werk für lange Folge weiterwirkt, und daß unsere Stadt, , die ihm zur zweiten Heimat geworden ist, Rat und Hilfe in allen gemeinnützigen Angelegenheiten unveränderlich gern von ihm entgegennimmt, mit der bereitwilligen Verehrung, die diesem Mann gebührt" und fügen den Wunsch hinzu n;» onw» HNO np Burghaslach, 8. Mai. Unsere Gemeinde hat lewer den schmerzlichen Verlust eines ihrer Besten uno Edelsten zu/beklagen. Am 24. April verschied nach längeren! Krankenlager im Alter von 68 Jahren Samu<-! S cy a p t x o. Ein res pn« mtö ein uw in des Wortes wahrster Bedeutung, ein weit über die Grenzen unseres Ortes hinaus geachteter und geehrter Bürger und Geschäftsmann hat uns verlassen. Harte, unermüdliche Arbeit von Jugend auf, viele Schicksalsschläge in der Familie zehrten an seinem sonst so kräftigen Körper und führten einen frühzeitigen Kräfteverfall herbei. Sieben verheiratete Kinder beweinen mit ihrer schmerzgebeugten Mutter den Tod des Entschlafenen. Was er seiner Familie, was er der Gemeinde und all denen war, die bei ihm Rat und Tat suchten, das schilderte bei der '»n Herr Lehrer Hammelburger in tiefempfundener, schöner Rede. In schmerzlichen, die ganze Trauerversammlung erschütternden Worten, nahm der älteste Sohn, Lehrer in Gailingen, am Grabe vom Vater n"y Abschied. n*25Hri ' Groß-Bieberau t. Heften, 9. Mai. Ein froher Gedenktag vereinigte Sonntag den 29. April die hiesige isr. Gemeinde mit ihrem Lehrer, Herrn - Hirsch Sülzbacher. Galt es doch, das 30jährige Jubiläum seiner dortigen Wirksamkeit festlich zu begehen. Was vor 5 Jahren die Not des Krieges und die Abwesenheit' so mancher Schüler vereitelte, wollte die Gemeinde jetzt als Ehrenpflicht nachholen. In Anwesenheit der Gemeindemitglieder, die zumeist dem Schülerkreis des H. Sulzbacher angchören, richtete H. Ludwig May namens des Vorstandes herzliche Worte der Freude und des Glückwunsches an den Jubilar, zugleich in einer Adresse ausführend, wie glücklich sich die Gemeinde schätze, in H. Sulzbacher nicht nur einen tüchtigen und Pflicht-, treuen Lehrer, sondern auch einen Freund und Be-' rater zu besitzen, dessen Wohlwollen und besonnenes Urteil jedem Einzelnen zugute komme, und der auch in allen Bevölkerungskreisen hohes Ansehen und große Wertschätzung genieße. Als Zeichen der Anerkennung und des Vertrauens überreichte er namens des Vorstandes eine ansehnliche Ehrengabe. Auch' der große Schülerkreis wetteiferte, durch ehrende Zuschriften und sinnige Geschenke dem geschätzten. Lehrer Liebe und Dank zu bekunden. In zu Herzen gehenden Worten dankte H. Sulzbacher bewegt für die Ehrung und wies besonders darauf hin, wie sehr ihm die Wirksamkeit durch seinen verdienstvollen Vorgänger und Schwiegervater Hirsch V 27 sowie das jederzeit bewiesene Entgegenkommen der Gemeinde erleichtert worden sei. Die verdiente Ehrung ihres treuen Beamten bedeutet eine wirkliche Ehrung der Gemeinde selbst. Dies empfinden auch die Kollegen des H. Sulzbacher mit dem Bewußtsein, daß es auch in Hessen noch Gemeinden gibt, die in Behandlung und Wertschätzung ihres Lehrers keiner nichthesfischen Gemeinde nachstehen. Königsberg i. Pr., 14. Mai. Hier starb im 76. Lebensjahre der in weiten Kreisen verehrte Marcus Löwenthal, welcher 25 Jahre Vorstand der polnischen Synagoge war. Der Heimgegangene, der sich um das jüdische religiöse Leben unserer Stadt besonders verdient gemacht hat, war als hervorragender Talmudist weitester Kreise bekannt, deffen Werk unter anderem auch der Marcus Löwenthalsche Talmud Thora-Verein ist. Mit ihm verliert unsere Gemeinde eine der markanten Persönlichkeiten, mit deffen Namen eine Reihe von religiösen Institutionen verknüpft sind, die ihn bis in die fernste Zukunft unvergessen machen werden. Sabbat-Anfang nnd -Ausgang. ■ptym rav Ort: Anft mg Min. Dc 1923 itum 6683 Au; Uhr I Mi Frankfurt a. M. 7 46 2. 18. 9 25 Berlin .... 7 30 Juni Siwan 9 17 München . . . 7 16 8 56 Köln. 7 46 9 35 Stuttgart , . . 7 - 9 12 Breslau.... — - - — Nürnberg . . . 7 30 9 06 Hamburg . . . — — - —

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