Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1923)
- Date
- 1923-10-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 Nr. 43 Der Israelit 25. Oktober 1923 Verhandlungen mit den Behörden und mit den Gemeinden führen wird. Jeder Anfrage ist Rückporto beizulegen. Kahn-Alsfeld. Simon-Darmstadt. Bad Homburg, 21. Ott. Herr Dr. Nathan Birnbaum schreibt uns: Wie ich höre, hat eine zionistische Korrespondenz die Nachricht verbreitet und verschiedene Blätter sie bereits gebracht, daß ich um die Pessachzeit die Leitung der kulturellen Arbeit der Agudas Jisroel in Palästina übernehmen werde. Diese Nachricht ist frei erfunden. Leipzig, 15. Okt. Die deutsch-völkischen Kreise Leipzigs haben eine ungeheure Menge deutscher 1000 und 5000 Markscheine, die wegen ihrer Entwertung nicht mehr kilrsieren, mit judenhetzerischen Ausrufen bedruckt und verbreitet. Charakteristisch ist folgender Aufdruck: „Der Jud' nahm Silber, Gold und Speck, uns Deutschen ließ er diesen Dreck." Nürnberg, 19. Okt. Der Studienrat an der staatlichen Kreisrealschule III in Nürnberg, Herr Dr. Joseph Anna, ist im Nebenamte zum Ilnterrichtsdirektor des kaufmännischen Vereins „Merkur" gewählt worden. frankfurter Berichte. Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft. Wir werden um die Veröffentlichung folgender Mitteilungen ersucht: Vorstand und Gemeinderat haben bereits Ende September den lange erwogenen, aber bisher immer wieder verzögerten Beschluß gefaßt, die Steuern und Gebühren (Schulgelder und Sesselmieten) für das vierte Quartal zum Kurs vom 30. bezw. 28. September in Goldmark umzurechnen und alsdann die Entrichtung in Papiermark zum Kurs des Zahlungstages vorzuschreiben. Es ist dabei der Bedarf an Gehältern für das vierte Vierteljahr nach dem Stande vom 30. September (damals annähernd 2000 Milliarden für 3 Monate) der Berechnung der Gebührensätze und des Steuer-Multiplikators zu Grunde gelegt worden, wobei sich die Notwendigkeit ergab, in Papiermark das Fünfhundertfache der Sätze des Hl. Quartals einzuziehen. Da infolge des rasenden Absturzes der Papiermark die Eehaltsziffern bereits die Tendenz zeigen, sich zu versünfzigfachen, jo erhellt ohne weiteres, daß der Goldmark-Beschluß geradezu eine Rettung für das Gemeinde-Budget bedeutet, das sonst, ohne jede feste Grundlage, dem atemlosen, von Stunde zu Stunde sich überstürzenden Entwertungsprozeß unmöglich hätte angepaßt werden können. Die technische Unmöglichkeit, der galoppierenden Schwindsucht der Papiermark mit immer neuen „Steuerzuschlägen" nachzulausen, hätte umso verhängnisvoller gewirkt, als es ja für die Auszahlung der Beamtengehälter heute auf Tag und Stunde ankommt und jede Verzögerung eine unverantwortliche Vermögensschädigung der Lehrer und Gemeindebeamten bedeutet. Schleunigste Steuerzahlung ist unter den heutigen Verhältnissen ein Akt höchster Pflichterfüllung gegen die Kehilly sowohl wie gegen die im Eemeindedienste und Schuldienste tätigen Männer und ihre Familien, ist aber zugleich die zweckmäßigste Art dieser Pflichterfüllung im eigenen Interesse, wie ein Rückblick aus die Kursentwicklung der letzten Tage zeigt. Was die Gebühren betrifft, so sind beispielsweise für einen Platz, der im Frieden 100 Mk. kostete, jetzt 5 Eoldmark vierteljährlich, also 20 Mk. jährlich zu zahlen, genau ein Fünftel der Friedensgebühr. Es wird daher niemand behaupten wollen/ daß es noch viele Gegenstände des täglichen Lebensbedarfes zu fo erstaunlich billigem Preise gibt wie einen Platz in unsrer Synagoge. Aehnlich verhält es sich mit den Schulgeldern. Hier zahlen Kinder von Gemeindemitgliedern zweieinhalb Eoldmark monatlich, also 30 Mk. iin Jahre, während das Schulgeld in Friedenszeiten 150—210 Mk. betrug — hier sinkt die zur Zeit geltende Gebühr also bis auf ein Siebentel der Friedensgebühr, während die Ausgaben der Gemeinde, in Gold umgerechnet, immerhin schon zwei Drittel der Friedenshöhe erreicht haben. Angesichts dieser Tatsache haben sich einige klardenkende und leistungsfähige Gemeindemitglieder freiwillig erboten, für ihre die Schule besuchenden Kinder wenigstens 10 Eoldmark monatlich, also zwei Drittel des Friedensdurchschnitts zu entrichten, em Beispiel, das im Kreise der Begüterten rasche Nachahmung finden sollte. Die Gemeindeverwaltung gibt sich keiner Täuschung darüber hin, daß für weite Kreise des Mittelst a n d e s die jetzt angeforderten Steuern und Gebühren, insbesondere Schulgelder und Sesselmieten, trotz ihrer objektiven Geringfügigkeit, eine schwere Belastung bedeuten und daß diejenigen, die keine Reserven an irgendwelchen Sachwerten besitzen, vielfach Mühe haben werden, die geforderten Schein-Milliarden im Handumdrehen flüssig zu machen. Demgegenüber sei darauf hingewiesen, daß die Gemeinde vor der Wahl steht, entweder, was Gott verhüten möge, ihre herrlichen, das Leben allein lebenswert machenden Institutionen verfallen zu lassen oder aber ihr Finanzsystem grundsätzlich der Leistungsfähigkeit der Leistungsfähigen anzupassen. Leistungsfähig aber ist heute jeder, der irgendwelche Substanz in Sachwerten besitzt, selbst wenn er um der Gemeinschaft willen diese Substanz verringern muß — imon mpan E s gilt, über einen Abgrund um jeden Preis hinüberz u kommen, auch wenn darob ern Stückchen irdi > chen Besitzes, das man aussparen oder vererben wollte, geopfert werden muß. Wer solche Reserven nicht besitzt, hat in einer Lage wie der heutigen begründeten Anspruch auf Steuerermäßigung und es ist ein ganz falscher Standpunkt, von diesem Rechte aus irgendwelcher Scheu keinen Gebrauch zu machen. Der Steuer-Ausschuß wird von der ihm vom Vorstand auf Grund der Satzung erteilten Ermächtigung, Steuer -Aufschub oder N a chl a ß zu gewähren, pflichtgemäß in allen Fällen Gebrauch machen, in denen es angebracht erscheint. Noch klarer liegt dieser Anspruch bei den Gebühren,' mehr als einhalb Prozent seines laufenden Monatseinkommens hat niemand an S e s s e l m r e t e zu entrichten, an 'Schulgeld kein hiesiger Vater mehr als eineinhalb Prozent bezw. zweieinhalb Prozent seines laufenden Monatseinkommens je nach der Zahl der Kinder. So wenig wie ein Beamter es als eine Schande empfindet, daß sein Einkommen jedem Staatsbürger, der sich dafür interessiert, bekannt ist, so wenig braucht der mittlere oder kleinere Kaufmann sich zu scheuen, sein Einkommen gegebenen Falles dem Berufungsausschuß wahrheitsgemäß zu deklarieren. Groß, gewaltig groß ist unter den heutigen Verhältnissen die sittliche Verantwortung der Besitzenden und Verdienenden — durch jede Minderleistung gegenüber der Gemeinde belasten sie diejenigen, die es nicht könnenund leben so auf Kosten der um ihre EXistenz ringenden Brüder. Wir sind sicher, daß sich dieser Verantwortung alle Mitglieder ohne Ausnahme bewußt bleiben werden. Krertagaöende. Die gemütlichen Freitagabende der A. J.-Jugendgruppe finden in Zukunft nicht, wie irrtümlich mitgeteilt wurde, in - unserem Vereinslokale Hanauerlandstraße 17, sondern in den Räumen des M e k o r Ch ajim Langestr. 18, statt. Wir bitten auch weiterhin unsere Abende wie bisher zahlreich zu besuchen. A. I.-Ortsgruppe. Die Generalversammlung der A. J.-Ortsgruppe findet Mittwoch, 31. Oktober, abends 8.45 Uhr in den Agudaräumen, Hanauerlandstr. 17, statt. Näheres Inserat. Kinder als Lehrer. Sonntag um 6 Uhr abends spricht Herr Emil Goldschmidt im Mekor Chajim, Langestr. 18, über das Thema: „Kinder als Lehrer". Kranüfirrter Kinder nach Men. Die Wiener Agudazentrale Hai soeben der Frankfurter _ Jugendgruppe der Agudas Jisroel mitgeteilt, daß sie sofort 30 Frankfurter Kinder für einen Aufenthalt von 4—8 Wochen in Wien zu einem Transporte zusammenstellen soll, der bereits im Laufe der kommenden Woche von Wiener Damen hier abgeholt werden soll. Weitere Transporte sollten in Bälde folgen. Die Jugendgruppe hat sich sofort mit den in Frage kommenden Instanzen in Verbindung gesetzt, um die Angelegenheit beschleunigt in die Wege zu leiten. Kürsorge - Ausschuß der S. - G. Isr. Weligionsgesellschafl. Der Fürsorge-Ausschuß ersucht dringend um sofortige größere Goldmark-Zuwendungen, um den gewaltigen Anforderungen des Augenblicks — insbesondere zur diskreten Hilfe gegenüber den ruinösen Gas-Rechnungen — gerecht werden zu können. Einzahlungen beim Kassier Perez Mosbacher, Zeil-Palast. Aie Krauerkundgeöuug in der Agudazugend. Nachdem die Schule als solche bereits am Sonntag den 14. das Andenken ihres unvergeßlichen Direktors, Dr. Lange mit einer Trauerfeier geehrt hatte, versammelte sich am letzten Sonntag abend die Agudaj u g e n d in der Aula der Realschule, Am Tiergarten zu einer Trauerkundgebung ihrerseits. Der große Raum war vollgefüllt bis auf den letzten Platz, und man sah nicht nur Jugend, sondern auch ältere Mitglieder und Verehrer des Verstorbenen in Fülle. Auch das Rabbinat und ein großer Teil der Lehrerschaft war vertreten. Die Feier erösfnete Herr Oberkantor Peissach o w i t s ch mit dem stimmungsvollen Vortrag des ir,!> ovo», woraus der Redner des Abends, Herr Leo Munk, Köln, das Podium betrat, um in einer längeren Hespedrede, von einem Satze in Jecheskel ausgehend, der tiefen Trauer der gesetzestreuen Jugend Ausdruck zu verleihen und die Persönlichkeit wie das Wirken Dr. Langes insbesondere auch nach der Seite des Eemilus Chesed in beredten Worten zu zeichnen. Im Aufträge der A. I.- Jugendgruppe und A. I.- Ortsgruppe Frankfurt a. M. fand sodann Red. S. Schachnowitz warme Worte der Verehrung und Danksagung für den Mann, der als Vorsitzender der Ortswie der Jugendgruppe dahin arbeitete. die Herzen von Vätern und Söhnen zu vereinigen; bei den Alten Verständnis für die Jugend zu wecken, die Jugend aber stets mit liebender Hand zu den tranwnn min, zu den Zeiten unserer glorreichen Geschichte hinführte. An einer Talmudstelle zeigt der Redner, wie ungemein groß—! "»n wn d^vu hm — das Verdienst derer ist, die, wie der Verstorbene, von Grund aus für die Heranbildung der Jugend zur ächora arbeiteten. Wie beim Tode des Rabbi Jehuda Hanassi die a'pis» um die „heilige Lade" trauerten, so sind es auch in diesem Falle die ropir», die ohne wanken und Schwanken auf festem Boden Stehenden, wie er sie herangebildet hat, die seiner ewig dankbar gedenken werden. Mit einem ergreifenden i"vn-Gesange des Herrn Oberkantor Peissachowitsch schloß die Gedenkfeier in harmonischer, eindrucksvoller Weise. Vereinskalender. Verein Mekor Hhajim. Freitagabend nach Schul „Mikrovortrag" Herr st. phil. Baruch Rabinowitz. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge im Hörsale „Dinim"; Herr Rektor Falk, — nachm. 4 Uhr upyi py im Vereinslokale: Herr Red. S. Schachnowitz. Sonntag vorm. 9 Uhr und Dienstag abend 6 Uhr im Vereinslokale „Gemoro", Herr R. Ä. G. Posen. — abends 6 Uhr im Vereinslokale Langestraße 18, „Kinder als Lehrer"; Herr Emil Goldschmidt. Montag und Mittwoch abend7Uhr,Gemoro'. Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer. Donnerstag abend 7 Uhr im Vereinslokale »Mifchna"; Herr Rektor Falk. Esch - Original - Dauerbrand - Oefen (Musgraves Original) System langsamer Verbrennung Für jedes Brennmaterial geeignet. Solideste und exakteste Konstruktion. Spezialität: Esch-Großraum-Heizung vorzüglich bewährt für: Fabrikräume, Säle, Kirchen, Schulen, Ladenlokale, Garagen, Einfamilienhäuser. Niederlage der Fabrikate: Senking (kombinierte Herde für Kohle u. Gas) Immerhrand (slaubsicitere Grudeherde) Esc h & C O., Zeil 23 Erstes Spezialgeschäft am Platze