Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1923)
- Date
- 1923-05-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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•.t£3= 8. Mai 1923, _ ' ITiie Agudas Jis'voel steht im Dienste der Religion. Sie kräftigt das religiös-sittliche Bewusstsein der jüdischen Gesamtheit, indem sie die jüdischen Gesamtheitsausgaben. im Geiste der Thora und im Geiste der Finanzgesetze dieser Thora löst. Es müßte.doch recht seltsam zugehen in dieser an Absonderlichkeiten freilich überreichen Welt, wenn gerade , die Lebenskraft der Aguda je durch finanzielle .Schwierigkeiten verkümmern sollte. ' R. B. Zentralratssitzung VVI yvlHIlwvM Warschau, 24. April. Von Mpntag bis Mittwoch der letzten Woche tagte hier im .Saale der Agudazentrale der Zentralrat der polnischen Agudas Jisroel-,Organisation. Der auf der letzten Agudakonferenz gewählte Zentralrat besteht aus 400. Mitgliedern Und soll mindestens einmal im Jahr zu einer Tagung zusammentreten. In dem Jahre seit der letzten Agudakonferenz haben sich. wichtige Arbeiten angehäuft, sodaß die erste Zentralratssitzung ein umfangreiches Arbeitsprogramm zu absolvieren hatte. In der Hauptsache bestand es aus folgenden vier .Punkten. 4. Die bevorstehende Kenessio Gedaulo und die Befestigung der Landesovganisation. 2. Politische Fragen. 3. Palästina. 4. Erziehung. Die Sitzungen waren alle gut besucht. Fast alle Mitglieder des Zentralrates', darunter an* gesehene Rabbinen von .Polen, waren anwesend. Die erste Sitzung am Mjontag abend unter dem Vorsitz des Deputierten Rabbiner Schapirv aus Sanok brachte zunächst ein Reefrat des Herrn I. M>. Lew in über die Aguda in Polen und eine genaue 'Berichterstattung über die Tätigkeit des Zentralrates seit der letzten Konferenz. Der Referent betont, daß im Hinblick auf die Kenessio Gedaulo eine rege Propagandatätigkeit entfaltet werden muß. ©er Erfolg der Kenessio wird von ihrer Vorbereitung abhängen, wie von der Zahl der beisteuernden, Mitglieder. Er schließt sein ausführliches Referat mit praktischen Vorschlägen für die Tätigkeit des Zentralrates. Es folgte eine lebhafte Debatte, die die ersten zwei SitzungenManz in Anspruch nahm. Von verschiedenen Seiten wird auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die sich aus dem Geldmangel wie dem Mangel an Disziplin ergeben. Vielen von den Mitgliedern geht auch das Verantwortungsgefühl ab gegenüber der Zentral- Aguda. Infolge der Geldschwierigkeiten mußten wichtige Punkte, die auf dem Tätigkeitsgebiete des Zentralrates lagen, vernachlässigt werden. Es wird aber allgemein anerkannt, daß iu Berücksichtigung der allgemeinen Krisis■ , die Aguda-Leitung weit über ihre Kräfte hinaus gearbeitet hat. Es wird dann eine Resolution gefaßt, die zunächst die Bildung einer .Hauptkommission vorsieht, die, aus zehn bekannten Rabbinen aus Polen, Litauen und Galizien bestehend, die Borbe reitungsarbeiten für die Kenessio Gedaulo in ständigem Einvernehmen mit der Leitung in die Hand nehmen soll. Ein Aufruf des Zentralrates soll die Mitglieder über die Kenessio Gedaulo orientieren uno sie zur Entrichtung einer einmaligen Steuer unter dem Titel „ M a ß Hoaguda" heranziehen. Im ferneren ordnen die Punkte der Resolution die Rechte und Pflichten der Mitglieder und die. Organisation des Steuerinkasso's. In den Monaten Jjar, Siwan, Damus und Aw dieses Jahres sollen all die Kräfte mobilisiert werden, die im Dienste der Aguda etwas zu leisten imstande und gewillt sind. Alle hundert Mitglieder des Zentralrates, einschließlich der Rabbiner, haben sich schriftlich verpflichtet, selbst an der Spitze dieser allgemeinen Arbeit nach Kräften mitzuwirken, deren Hauptziel es sein soll, den Gedanken der Kenessio gedaulo zu propagieren, „Blätter" Rr. 8 Seite 8. sowie die Organisation zu starken. Die Propagandaarbeit' soll sämtliche Gemeinden in Stadt und Land umfassen. Die dritte Sitzung am Dienstag abend war der Palästinaarbeit gewidmet. Das einleitende Referat hält Herr I. M. Lewin, in der er auf die Tätigkeit der. Palästinazentrale ebenso auf die noch zu lösenden Aufgaben eingeht. Es knüpft sich an das' Referat eine leb- | hafte 'Debatte an, die beweist, daß die bisherigen [ Arbeiten bereits eine gesunde Basis geschaffen haben, auf der eine weitere Tätigkeit entfaltet werden kann und muß. Hauptsächlich müßte die Privatinitiative geweckt werden. Sehr sympathisch sprach sich die Versammlung über die Organisation Bajis Wenachalo, ebenso über den S ch e m i t a f v n d aus. Der bedauerliche Unfrieden innerhalb der orthodoxen Kreise in Jerusalem sei möglichst beizulegen. .Selbstverständlich darf der Frieden nicht auf Kosten der religiösen Prinzipien der Aguda geschlossen werden. Die Debatte schließt mit einer Resolution zu Gunsten der Palästinazentrale, deren erste Aufgabe es sein möge, die Privat-, initiative zu fördern und die aus solcher hervorgegangenen Aktionen und Organisationen zu stützen. Der Schemitafond soll nach Kräften unterstützt werden. Ebenso das Aguda- Organ in Palästina „Kol Jisrael". Auf der Tagesordnung der vierten Sitzung stand die politische Tätigkeit und die weiteren Richtlinien, worüber der Sejm-Deputierte Rabbiner Aron Lewin referierte. Er verbreitete sich über die Tätigkeit der orthodoxer: , Deputierten und Senatoren im jüdischen Clubj Die Arbeit der Orthodoxie macht sich sehr segensreich im jüdischen Leben bemerkbar, obwohl man >auf die große Reklame verzichtet. An der anschließenden Debatte beteiligten sich auch die anwesendenDeputierten und Senatoren. J Insbesondere wird der.sogenannte Minderheitsblock, innerhalb dessen ein Zusammengehen der Orthodoxen mit den anderen jüdischen Parteien unumgänglich ist, besprochen. Wie von vornherein geplant, blieb es bei einem rein technischen Zusammengehen, ohne daß dieses im mindesten in die religiösen Grundsätze der Orthodoxie eingreift. Rur so lange dieses lose Verhältnis gewahrt bleiben kann, könne der Block von Bestand sein. Einige Redner befürchten aber aus dem Zusammengehen eine Vertuschung der politischen Richtlinien der Orthodoxie und wünschen, daß dieselbe eine klarere Richtung einschlage. Auf alle Fälle müsse die orthodoxe Presse soviel wie möglich zur Klärung der Begriffe beitragen und der M!einung entgegenarbeiten, als sei mit dem Zusammengehen nach außen der innere Meinungskampf zur Ruhe gekommen. Es wird schließlich eine Resolution angenommen, in der den orthodoxen Deputierten der Dank des Zentralrates ausgesprochen wird. Die Frage des Jüdischen Clubs und die Mitarbeit der orthodoxen Deputierten in demselben soll ans der nächsten Sitzung des Rabbinischen Rates nochmals zur Beratung kommen, jj Mittwoch mittag wurde auf der fünften und letzten Sitzung die E r z i e h u n g s f r a g e behandelt. , Die 'Debatte. wird mit einem längeren Referat des Rabbiner Schapiro aus Sanok eingeleitet. Seine Ausführungen gipfelten in der Forderung, sechs große Jeschiwos in verschiedenen Städten Polens zu gründen, die unter Aufsicht der größten rabbinischen Autoritäten gestellt werden. .Herr M>. Kaminder referiert über die gesetzliche Lage der Chadorim. In der lebhaften Debatte, die sich über diesen Punkt entwickelt, wird vo nallen Seiten die Schädlichkeit der jiddischisten Schulen betont, die den Kindern förmlich die Religion aus dem Herzen reißen. Rabbiner Kalmanowitsch aus Rakow kann den Wohlhabenden in Polen den Vorwurf nicht ersparen, daß sie im Vertrauen aufs Ausland zu wenig ihre eigene Pflicht für dix jüdischen Schulen tun. Eine besondere schreiende Notwendigkeit ist die Gründung von gut-jüdischen Töchterschulen. Die Debatte schließt mit der Gründung einer Erziehungszentrale unter dem Namen Jawne, unter dessen Schutz und Aufsicht von nun ab alle vorhandenen und noch zu gründenden Jeschiwos, Dalmud-Thora- und Töchterschulen stehen werden. Jawne wird für die materielle Unterstützung dieser Schulen besorgt sein. Zwei Zentraljeschrwaus sollen (für Polen in Lublin und für Galizien in Krakau) errichtet werden. An der Spitze des Jawne steht ein Direktorium, in dem zwei Mitglieder der Aguda, je ein Vertreter des Rabbinerver» bandes, des! Rabbinischen Rates, der .Jesode §;atoro: und des Misrad-Hazeirim ihren .Sitz haben. Eine Abteilung der Jäwneorganisativn soll auch in Wilna Untex der Leitung des Rabbi Chajim Oser Grodsenski wirken. Nachdem die Resolution einstimmig angenommen worden war, hielten die Rabbiner von Sanok und Ostrowe begeisterte Schlußreden, die großen Eindruck machten und gute Aussichten für die Zukunft eröffneten. Aus der^ewegvng. Frankfurt a. M. Herr Oberrabbiner I. I. Disk in in Jerusalem teilt uns telegraphisch mit, daß ein von Jerusalem aus in den letzten Wochen mit seiner Unterschrift verbreitetes Schriftstück eine grobe Fälschung sei. (Es handelt sich um einen vielseitig, versandten gedruckten Brief, der nnqualifizierbare Ausfälle gegen Oberrabbiner Sonnenfelö enthält und die Unterschrift Rabb. Diskins trägt; daß das Ganze eine Mystifikation sein mußte, war jedem Eingeweihten sofort klar. Schade ist nur, daß man die feigen Urheber derartiger Schändlichkeiten nicht fassen kann. Red.). New-Uork. Die hiesigen Jugendgruppen haben in Verbindung mit der New-Aarker Ortsgruppe in New Grand Street 410 ein neues Agudaheim eröffnet, weiches zu Pesiach eingeweibt wurde. Wien. Die Zahl der M-tqlieder des rabbinischen Rates für die Gefamtaguda wurde auf 21 Gedole Hatauroh und 21 Stellvertreter festgesetzt. New Nork Herr Rabbiner Dr. Leo Jung New- Aork, Mitglied der Lesung der Leitung der amerikanischen Landesorgan sation der AgudaS JtSroel gibt seit Mille Schwat unter dem Namen „daS jüdische Licht" eine Wochenschrift in englischer und jüdischer Sprache heraus. In der kurzen Zeit seiner Existenz ist es der Redaktio« gelungen, die bedeutendsten orthodoxen Schriftsteller Amerikas zur Mitarbeit zu gewinnen. Warschau. Der agudtfttfche Sejmabgeordnete Kirschbraun verlangte in der Sejmsitzung am 18. Kpril Maßnahmen der polnischen Regterung gegenüber den Ausschreitungen, weiche in Warschau gegen die jüdische Bevölkerung vorgekommen war. Die Vertreter der Rechtsparteien reagierten hierauf mit einer wüsten Prügelei, wodurch die jüdischen Abgeordneten gezwungen waren, die Sitzung zu verlaßen. Vonseiten des RegierungsttscheS versprach man eine Untersuchung. Warschau. Zwecks Einleitung einer Aktion gegen die Religiondverfoigung gegenüber den jüdischen Gemeinden in Sowjetruß» lanb, ersucht die polnische LandeSorganisaüon der AgudaS JtSroel (Warschau, Grantczna 9) um Zusendung aller einschlägigen Materialien. Spen-enllfien: Uguda,Hauptfond. Alsfeld: Ad. Steinberger Teil Benschen b. tzochr. Ansbach: Distriktsrabbinat 5685. ' Grünstein-Freund 20.000, aus Schnöd erlasse Gemeinde Alsfeld 500, Hugo Rothschild zu Selma Rochschtlds Vermählung 250, Frau Rosa Rothfchild desgl. 250. ^buthen: Zu den Kosten der Kenessio gedaulo LÄS.OOO. Breslau: Zu den Kosten der Kenessio gedaulo >0. i »u.uUU. Berlin: Max Penner 5000, Dr. M. Auerbach -00 Burgpreppach: Caroline Adler 1000 Elmshorn: David Banin 500. Eschwege: Julius Löwenthal 20.000. M.: Heinrich u. Alice Eisenmanr anlatzl. d. Geburt ihrer Tochter Therese 100 000 Freiburg: Jul. Maas 500, R. L. Weill 500, R.-A Kassewitz >3000, Sal. Weil 1000, Simon Evstoir 15.000, Prof. Dr. Alfred Loewh >3000. gurtB: Orts- und Jugendgruppe 90.000. mann"2000 Teilsannnl. Lehrer Brav. H.: B. I. 4550. Halb erstadt: Frau Bachmann z. 4. Nissan 500 Daniel Schönfärber anstelle einer Abschiedsein, ladung 20.000, Ortsgruppe 2. Rate 150.000 uni FS. 3, Dr. Ennl Hirsch, Aftkaumen-AuSlösunj