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Der Israelit · 1923-04-19 · Heft 16 (19.4.1923) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 16 (19.4.1923)
Date
1923-04-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
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iS. April MS. . V früher unbedingte Gefolgschaft leisteten, haben wir Opposition gefunden mit Berufung darauf, daß wir Darbenden und unter dem Drucke der wirtschaftlichen Krise Stehenden mit Worten, aber leeren 'Händen kommen. Die gesetzestreuen Juden hier wollen endlich Daten. sehen, mit denen man ihnen in dem harten Kampfe ums Brot unter die Arme greift, sie nichtniederbrechen läßt. Viele, die sich zu den Prinzipien der Aguda bekennen und ihr seinerzeit Gefolgschaft leisteten, wertvolle Elemente der hiesigen Judenschaft, sind durch Berufsverhäunisse mit der herrschenden Strömung so engagiert, daß sie sich jeder Aktion, die den Kampf mit der herrschenden Strömung bedeuten könnte, fernhälten ... In Jeruscholajim ist es neuerdings den Bestrebungen desDelegierten der Aguda in Wen, Herrn Cahane, gelungen, die Agudaorganisation zu erweitern, was in einer gut besuchten Assifah zum Ausdruck kam. Hier wurde die Organisierung der Agud a- „ Exekutive" für Palästina beschlossen, wie ,auch die Gründung der Institution des „Bekäh legulgoleth". Die Einzahlung des „Bekah" (1 Shilling) per Jahr und Kopf soll das Bindeglied der sich über die ganze Welt erstreckenden Aguda-Oraanisatiion sein; gleichzeitig der Grundstock zur -Deckung der unabwendbaren Organisations- und Betriebskosten. Die Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten, mit denen die Aguda-Arbeit selbst in der bereits bestehenden, numerisch starken Jeruscholajimer Lokalorganisation zu kämpfen hat,. lassen eine harte, ernste Mahnung an das glaubenstreue Judentum herantreten, daß jetzt, eben jetzt endlich mit tatsächlichen Arbeiten begonnen werden muß, daß es jetzt um das Ganze geht . . . Es läßt sich nicht leugnen, daß in ganz Erez Israel der keimfähige Same zu der Agudaidee reichlich vorhanden ist, doch ohne rationelle Bearbeitung dieses Bodens, ohne nährende Bewässerung kann dieser Same nie ftuchtbringend emporschießen. Die als eine elementare Lebensbedingung der Agudas Israel grundlegende Palästina-Arbeit verteilt sich dermaßen, daß von Jeruscholajim, der geistigen und politischen Zentrale, die ideale geistige Arbeit, von Jaffa, dem kommerziellen Zentrum, die praktisch-reale Arbeit ausgehen müssen. Und just in letzterem Punkte stehen wir hier beim Anfänge des Anfanges, denn was vor zwei Jahren organisatorisch hier bereits erzielt war, ist durch das Ausbleiben beleberrder Kräfte, durch den vollkommenen Mangel praktischer, das Interesse der jüdischen Masse anregender, fesselnder Arbeit verkümmert und zersetzt worden. Bon dein Bewußtsein durchdrungen, daß nur durch ein praktisches Lebenszeichen der Aguda diese hier WNrzel fassen kann, haben Raw Slonim Und Herr Michael Halpern Mit Mühe und materiellen Opfern ein Beth Marpeh vorläufig als Ambulatorium ins Leben gerufen und die Leitung desselben einem tüchtigen Arzt, Herrn Dir. Kantorowitz, übeiNragen. Die mit bescheidensten Mitteln geschaffene erste Institution der Aguda in Jaffa ist nun da, als eine Zufluchtsstätte der ärmsten Kranken, ohne jedoch die notwendigsten materiellen Hilfsquellen zu besitzen, unr ihrer Aufgabe gerecht zu werden, dem Namen der Weltorganisation der Aguda Ehre machen zu können. Dabei wären in jüdischem, glaubenstreuen Geiste geleitete Schulen für die Kinder, Arbeiterheime, Beschäftigungsiverkstätten, Arbeiterküchen von nicht geringerer Notwendigkeit, um frommen jüdischen Kindern und Männern geistige und leibliche Zuflnchtstätten zu Meten und auch solchen, die den Weg zu einem Leben im Geiste der Thora wieder suchen, diesen Weg zu ebnen . . . Es ist erfreulich, daß sich eine Schar begeisterter Männer zusammengetan hat, Um in Jaffa eine Exekutive der palästinensischen Aguda inS Leben zu rufen. Dieser Aktion darf nun «her die WMftiW reale .Unterstützung der be- .Bl Liter" ... rufenen Faktoren im Chuz Laarez nicht, vorenthälten werden. Erez Jsroel ist, da hier garnicht Produziert wird und durch den Wärenirnport die Barmittel stetig nach Rußland wandern, ein armes Land, wo selbst die scheinbar „Wohlhabenden" einen harten Kampf um die Existenz zu bestehen haben. Der Gedanke nun, die Mittel für eine Aguda-Arbeit hier im Lande ausbringen zu können, ist illusorisch und würde schwere Enttäuschungen bringen. Me hier bestehenden gemeinnützigen Anstalten und Jnstillrtionen, ja selbst gewerbliche Unternehmungen, sirrd auf effektive Unterstützung oder Förderung aus dem Anslande angewiesen. Die Augen aller, die eine Festigung und Ausbreitung der Aguda in Erez Jsroel mit Freude begrüßen, sind nun nach den Aguda- Zentralen in,Chuz Laarez gerichtet. Alle stimmen darin überein, daß eine würdige, dem hohen, heiligen Berufe entsprechende Aguda-Organisation in Erez Jsroel sich nur um eine diszipliniert arbeitende Exekutiv-Kanzlei kristallisieren kann, die ans Leistungen und Schöpfungen Hinweisen kann, welche die Aufmerksamkeit und Achtung der Bevölkerung und öffentlichen Faktoren herausfordern. Nicht immer sind es Spenden und Schenkungen, welche die Gründung und Erhaltung solcher Anstalten und Institutionen errnöglichen, die den Namen der Agudas Jisroel hier führen sollten. Es gibt eine Reihe von Institutionen — man sieht dies bei den Schöpfungen des jenseitigen Lagers — die, wenn sie einmal gegründet und in Gang gebracht wurden, sich selbst erhalten, ja sogar Überschüsse abwerfen konnten. Für diese Schöpfungen müßten bloß Darlehen resp. Vorschüsse und Barmittel oder Maschinen, Materialien beschafft werden. Tie Vettvirklichung der in maßgebenden Agudakreisen bereits besprochenen Idee einer auf Basis des amerikarrischen „Bons-Systems" oder Aktien zu gründenden Bank zur Förderung von Bau-, Kolonisations-' und Industrie-Unternehmungen, zur Unterstützung Gewerbetreibender würde belebend jrnfc stärkend auf das jüdische Leben in Erez Jsroel wirken. Bis zur Vertvirklichung eines solchen großen Werkes können als Vorläufer und als Vorarbeiter manche Institutionen schon jetzt geschaffen werden, die bescheidenere Mittel erfordern, ebenfalls verhältnismäßig produktiv und frtlctifizierend sind und dann vom Bankinstitut anfgesaugt, diesem angegliedert werden könnten. Mehr denn je gilt jetzt das Wort: „Wer zur rechter Zeit gibt, gibt doppelt!" und nie war es die rechtere, die psychologisch geeignetere! Zeit für die Agudas Jisroel hier in Erez Jsroel mit realen, aber von jüdischem Geiste durchwehten Schöpfungen hervvrzutreten, als eben jetzt und das schönste Werk, die wohlmeinendste Rettung bleibt vergebens, wenn sie den richtigen Moment versäumt, wenn sie auf den Trümmern d e s s e n zu bauen beginnen will, was sie erstrebt hat, was sie hätte erhalten! sollen . . . Deshalb ergeht von allen im Geiste unserer heiligen Thora lebenden und eine Erstarkung des glaubenstreuen Judentums in Erez Jsroel anstrebenden Anhängern des Aguda^Gedenkens der Ruf, die Mahnung an die maßgebenden Faktoren der Aguda-Weltorganisation und an alle Baale Emunah in Chuz Laarez, mit Eile und.Energie daran zu schreiten, um endlich in Erez Jsroel ein zentrales Forum der Exekutive zu schaffen, welches hier in Erez Jsroel die Propaganda, Me heilige Werbearbeit für das Lager der Gesetzestreuen systematisch leitet und betreibt, allen im Geiste der Thora und Awodah lebenden Inden wirksame Interessenfördern ng bietet, die Agitation und Wühlarbeit der Gesetzesverächter schwächt und den Boden vorbereitet zur großen, wahrhaft jüdischen Palästinaarbeit der Agudas Jisroel. _ VlTUK- ~ Kr. § Gew Z. —— ■ Aus der Vewegung. Jaffa. Am 19. Adar5683 fand im Bet H amidrasch Barned inN'veShalom eine sehr zahlreich besuchte Assiphah der Jaffaer Agudath Jisroel-Organisation statt, die einen moralischen Sieg dieser neubelebten Agudah-Bereinigung in Jaffa bedeutete. Den Vorsitz führte Fabrikant I. Cahane. Auf der Tagesordnung standen: 1. Ter Ausbau der Organisation, 2. Die Kenffia Hagdolah, 3. Das Beth Marpeh. Herr Levi Cahane referierte in anregender, interessanter Rede über die drei Punkte der Tagesordnung und beleuchtete in überzeugender Meise die Wichtigkeit der!Durchführung der auf der Tagesordnung stehenden Fragen für ein Durchdringen und die Festigung der Gesetzes¬ und Glaubenstreue unter den Juden Erez Jisraels. Dem mit Beifall aufgenommenen Referate schloß sich eine lebhafte Debatte an, an der sich Kaufmann I. Chabez, Hotelier H. Mälkow, Kaufmann B. Fennigstein, Großkaufmann D. Popasch, Juwelier Marko Vits, Fabrikant M. Halpern, Rabbi Perlmann, Rabbi Zobel und der Vorsitzende beteiligten. Es wurde den Anträgen des' Referenten entsprechend beschlußweise ausgesprochen: Die Notwendigkeit der Ausdehnung und Festigung der O rganisation der Agudath Jisrael in Jaffa. Für das glaubenstreue Judentum, für die Traditionen des Thora-Geistes ist in Erez JiArael eine Zeit der größten Zerrüttung und Gefahr eingetreten und somit der psychologische Moment für ein intensives und zielbewuhtes Eingreifen der Agudah in die Palästinaarbeit gekommen. Die Assiphah weist darauf hin, daß die Agudas Jisrael auch in ihrer Gesamtheit nur so und nur dann erstarken kann, wenn sie in Erez Jisrael Wurzel faßt. Der Waad wurde angewiesen an alle Haupt- und Zweigstellen der Agudah im Chuz Laarez einen ebenso wirkungsvollen als energischen Appell zu richten, daß alle nwralischen und materiellen Mittel aufgeboten werden müssen, um eine feste Organisation der Agudah hier ins Leben zu rufen und deren Bestand zu sichern, als eine Zufluchtsstätte des glaubenstreuen Judentums und jener, die den verloren gegangenen Weg zur Thora aufrichtigen Herzens suchen und darin stützende und leitende Hand suchen und bedürfen. Die Assiphah erachtet die Errichtung eines der entgegengesetzten Strömung gleichwertigen - Büros für die Organisationsarbeit und die Palästinaexekntive der Agudah in Erez Jisrael mit dem Sitze in Jaffa, als dem Zentralpunkt des wirtschaftlichen Lebens Palästinas als unumgehend dringendste Notwendigkeit. Tie Assipha anerkennt die große Bedeutung der Knessicch .Hagdolah für die Erstarkung der Agudath Jisrael und beschließt die entsprechenden Vorbereitungen für diesen Aguda-Kongreß zu treffen. Tie Assiphah begrüßt das durch die Opferwilligkeit der Herren Raw Slonim und Michel Halpern ins Leben gerufene Beth Marpeh in Neve Shalom als einen willkommenen, wenn auch bescheidenen Anfang einer effektiven Tätigkeit der Agudah in Erez Jisrael, wenn auch andere Institutionen, wie ein Beth Sefer lebanoth, ein Asyl und Arbeitshaus für glaubenstreue Arbeiter, eine streng koschere und billige Küche dringender wären. Das Beth Marpeh, welches bereits lebhafte Frequenz zeigt, soll wenigstens der Palästinensischen Oeffentlichkeit als Beweis dafür dienen, daß die Agudath Jisrael mit zielbewußtem Ernst an die snccessive Durchführung realer Palästinaarbeit schreitet. Es ist nunmehr Reputationssache der Agudah, daß das Beth Marpch bestehen bleibt und wegen Mangels «n materieller Stütze nicht seine Tätigkeit einstellen müßte. Die Assiphah erhofft auch dietzhezüglich die

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