Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1923-04-19 · Heft 16 (19.4.1923) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 16 (19.4.1923)
Date
1923-04-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2450238-2450252--70472-2527737
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

MMM« 7. SEB 19. April 1983. IX. Jahrgang S. Ajar 5683. herausgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Zugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland. Sin ernster Zahrestag. (Gin Jahr russischer Hilfsaktion.) Am Z. Mssau 5682 begann der Zentralrat der Agudas Jisroel seine Hilfstätigkeit für die in Sowjet-Rußland Hungerten. Rur zag ging man an dieses W!erk. Denn es ist leider eine durch Erfahrungstatsachen ■ belegte Erscheinung, daß solches Elend, das nicht unmittelbar in blutenden Wunden zu den Augen, in verzweifeltem Notschrei und Dodesröcheln zu dem Ohre spricht, im Mitleid der Menschen nicht immer den Widerhall rettender und erhaltender Tat findet. Ist doch jedes Wärt, selbst der Bericht des Zuschauers, der das Grausige miterlebt, selbst die Feder des Dichters zu schwach, um ein Bild des Jammers auf der einen .Seite, der Größe, der sittlichen Höhe der Leidenden auf der anderen Seite wiederzugeben. Deshalb fürchtete man, daß nach dem ersten Impuls das Hilfswerk bald ins Stocken geraten möchte. Es genügte deshalb nicht, an das mitfühlende Herz zu appellieren, vielmehr mußte die Erkenntnis der Pflicht geweckt werden. Es mußte dafür gesorgt werden, daß den Glücklichen bei jedem Bissen .Brot die Frage vor die .Seele sich drängte, ob er der' Hungernden gedachte, daß ferner jede Mütter, welche die zarten Glieder ihres Kindes in die schützende Hülle des wärmenden Kleide barg, an die armen, armen Kinder dachte, die dort im Osten brotlos und hüllenlos verschmachten und vergehen. Darum bat man nicht, sondern bot sich nur als Vermittler an, um der erfüllten Pflicht zu möglichst segensreicher Bewahrung zu verhelfen. Ein ausgedehntes Netz von Beziehungen zu unbedingt zuverlässigen Vertrauensmännern in Sowjetrußland gab und gibt die Gewähr, daß die Gaben nach bestem Wissen und Gewissen verteilt werden. Wäre Gelegenheit geboten, so wären bereits eine Reihe von Dankbriefen veröffentlicht, erschütternd in den Einzelheiten, mit denen das Elend dargestellt wird, rührend im schlichten Wort des weinenden Dankes, verpflichtend zur weiteren, unermüdlichen Arbeit. Schon schien als ob die Not um etwas gemildert wäre, als ob die Gequäkten etwas aufatmen könnten, da trat ein neues, schreckliches hinzu. Zum Leid des Körpers kam die furchtbare Pein der Seele. Tie in Aren Grundsätzen religionsfeindliche Innenpolitik des Sowjefftaates wendet sich natürlich auch gegen die Juden und leider gegen die Juden in erster Reihe, weil jüdische Beamte des Sowjetstaates es für ein sehr billiges Ding erachten, ihr Mütchen tunlichst an ihren Glaubensgenossen zu kühlen, die sie mit dem verächtlichen Haß des gewissenlosen Renegaten verfolgen. Und nun bitten die Hungernden um ein Gebetbuch, bitten die Darbenden um einen Ziegelstein zum Wiederaufbau der frevelhaft niedergebrannten Synagogen und Lehrhäuser. Mir können nur die Frage wiederholen, ob wirklich jeder, welcher dazu in der Lage ist, seine Pflicht erfüllt hat, oder ob er glaubt, durch eine einmalige Gabe genug! getan zu haben. Nach diesen einleitenden Worten lassen wir die Zahlen sprechen. Es' sind eingegangen bei der Zentralstelle in Wien: Dollars 8629.64, Reichsmark ' 4,627.343, österreichische Kronen 54,062.312, tschechische Kronen 80.270.08, .Polenmark ßöö.QQQys ungarisch» Kronen K4.3M, schweizerische Franken 715, engl. Pfimd 221,10",14", Dinare 695, Lire 225, holländische Gulden 12, Lei 2540. Hierzu wird benrerkt, daß unsere deutsche Landesorganisation die bei ihr eingelaufenen Gelder meistens sofort in Dollarwäh-' rung umwechselte^ und uns die Dollarschecks überwies. Ml diese Spenden wurden im einzelnen, durchschnittlich in vierzehntägiger Berichtsperiode, in der „Jüdischen Presse" (Wien-Bratislava) und in den deutschen Agudablättern veröffentlicht. Don Löwenanteil trägt Palästina, das ist unser größter Stolz. Gesandt wurden 1641 Lebensmittelpakete für 16.410 Dollars — zirka 1200 Millionen Kronen. Die Pakete gingen an 69 Orte im Hungergebiete. Von allen .Adressaten waren nur 12 unauffindbar..!Ta die geographische Lage und leichtere Verkehrsmöglichkeit es als natürlich erscheinen ließ, die in Polen gesammelten Gelder nicht erst nach Wien überweisen zu lassen, hat der Zentralrat der Agudas Jisroel der polnischen Landesorganisativn für die Art und Weise der Verwendung vollkommen freie Hand gelassen. Unsere Landesorganisation in Warschau hat im „Jud" genaue Rechenschaft abgelegt. Ueber die Ausgaben für Tollarankauf gibt nachstehende Tabelle Aufschluß, wobei zu bemerken ist, daß die jeweiligen Eingänge fremder Valuten nach Clearingkurs des Einlaufs tages jeweils auf Kronen umgetauscht wurden. Ausgaben für Ankäufe für Dollar. Dutum DoUar ä K IC 11. IV. 100 — 7.689- 768.900 12. IV. 10 — 7.675- 76.750 21. IV. 105 — 7.680 — 806.400 22. IV. 25 — 7.961.80 191.045 4. V. 180- 8.325 — 1,498.500 14. V. 23- 7.375.65 169.640 18. V. 80- 7.687.50 615.000 19. V. 170.- 9.800- 1,666.000 27. V. 15.— 8.400- 126.000 28. V. 8 — 11.000 — 88.000 5. VI. 70- 16.700 — 1,175.430 8. VI. 520- 11.350- 5,952.167 14. VI. 75- 19.600- 1,470.000 15. VI. .300- 15.100 — 7,617.982 19. VI. 67.- 19.600 — 1,313.200 13. VII. 260 — 27.856 — 7,304.168 18. VII. 100.— 36.794 — 3,679.400 20. VII. 3 — 37.544.— 112.632 22. VII. 325. 37.556 — 12,321.716 23. VII. 318- 35.800 — 11,384.400 24. VII. 500- 37.700- 19,019.730 29. VII. 2.- 34.250 — 68.500 10. VIII. 125.— 25.356- 4,475.051 16. VIII. 4 — 52.773.50 210.950 22. VIII. 1 — 70.000 — 70.000 16. XI. 112 — 73.317- 8,211.500 18. XI. 305- 73.750- 22,498.750 3. XII. 222- 72.434.95 16,085.000 4. XII. 3 — 74.333.33 223,000 5. XII. 456 — Tausch gea. Pfd. 105 33,778.500 5. XII. 7- 71.350 — 499.450 27. XII. 20 — 79.990- 1,599.800 24. I. 139.20 71.500- 10,136.931 25. I. 0.05 71.500- 4.197 13. II. 10 — 71.500. - 715.000 24. II. 10 — 71.225 — 712.250 28. VIII. 34.- 80.950- 2,752.300 4954.25 179,393.329 Tie gesamten Berwaltungsfpesen (Bureau, Porti, Telegramme, Abhaltung dreier Sammeltage, Fahrtspesen, Diruckspesen, Publizistik, Bankspesen, Personalunkosten) betrugen K 21,404.028, also nicht ganz 1% Prozent der Eingänge. Die folgerte Tabelle enthält die russischen und ukrainischen Näht«, in welche Pakete verschickt wurden. Die in Klammern befindlichen Zahlen bedeuten die Zahl der Pakete. Bachmut (35), Bar (6), Bardiansk (2), Berdhczew (104), Biala-Zerkow (10), Charkow (06), Cherson (10), Cymelnik (22), Choral (11), CzerMgow (16), Czerwonny (18), Czudnow (11), Derazina (10-, Elisabethgrad (20), Ewpatoria (12), Fastow (2j, GaiWW (25), Glintzesk (10), Home! (20), Jekaterinoslaw (25), Kiew (249), Kaminecz (34), Kaminka (13), Kasatin (18), Koristeschew (15), Koseletz (8), Kremenschng (45), Krüvoi-Rog (12), Lipowetz (16), Malew (22), Medzibusch (12), Mnsk (13), Mohilew a. Dnehwer (10), Mohilew Pod. (23), Moskau (12), Nieslim (15), Neu- MLvlowska (3), Nieslim (16), Nikolajew (16), Odessa (82), Pawlowitcz (10), Petersburg (72), Pogrebitschtsche (2), Poltawa (14), P^iluky (20), Pretnikowka (1), Prischta-Wodiza (1), Radomhsl (13), Romnh (37), Rostow a. Don (50), Ruzhn (20), Samara (4), Slatopol (3), Skwiera (22), Scharograd (7), Schatawo (1), Sinkow (1), Sudrin (1), Schkloff (31), Spola (23), Tschernobyl (4), Tscherkassh (20), Trostianetz (22), Taraschtscha (1), Uman (40), Ufa (24), Winnitza (36), Witebsk (21), Zitomir (59).!Ter Ausweis über die einzelnen Spenden ist jeweils in den deutschen Agudablättern und in der Wiener Jüdischen Presse veröffentlicht worden. Ueber jedes Paket liegt Quittung sowohl seitens der American Relief Administration als seitens der Empfänger in Sowjetrußland bei den Akten des Zentralrates. Indem wir den obigen Rechenschaftsbericht der Oeffentlichkeit übergeben, geben wir dankend der Hoffnung Ausdruck, daß wir auch fürderhin von edlen Herzen in den Stand gesetzt werden, zu geben und zu helfen. Grupsenverband -er Agudas Zisroel ln Salver-adt. Rn die oerehrlicfien Ortsgruppen- Betrifft die Vorarbeit für die Keneffio gedaulo. 1. Es sind zunächst die Jahresbeiträge einzuziehen und nach Halberstadt zu zahlen (Postscheckkonto des Gruppenverbands der Agudas Jisroel in Halberstadt ist Nr. 18901 Berlin.) Als Mindest-Jahresb eitrag für 1923 einschließlich der Kopfsteuer) sind 5000 Mark pro Mitgliedfestgesetzt (kaum die Kosten einer Tagesmahlzeit, also sehr wenig!) Erwartet wird viel mehr. Tatsächlich hat eine Ortsgruppe, die mit dem Inkasso schon fertig ist, keinen Beitrag unter 10.000 Mark, doch eine stattliche Anzahl zwischen 50.000 und 100.000 Mk. aufzuweisen. Sozialer Ausgleich ist allenfalls insofern zulässig, daß tatsächlich Unbemittelte weniger als 5000 Mark, andere dafür umso mehr zeichnen. Der Jahresbeitrag kann auf Wünsch in Quartalsraten, gezahlt werden. Wahlrecht erlangt jedes männliche Mitglied durch Zeichnung von mindestens 5000 Mk. und Zahlung von mindestens 1250 Mk. Wo die Beiträge pro 1923 schon eingezogen sind, ist der etwaige Fehlbetrag an 5000 Mark als Kopfsteuer nachzuerheben. 2. Von den eingegangenen Beträgen find 5000 Mark pro Mitglied für die Zentralkasse der Agudo an den Gruppenverband nach Halberstadt abzuführen. Bis zur Hälfte des Ueberschusses über 5000 Mark pro Mitglied kann je nach Bedarf die Ortsgruppe einbehalten,- die übrige Hälfte des Ueberschusses abzüglich der Einziehungskosten ist wiederum für die Agudo- Zentralkasse an ^den Gruphenverband nach Halberstadt zu überweisen. Zu den Reisekosten ds, WgMdnetzK «ach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.