Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1923)
- Date
- 1923-04-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekte lt Nr. 16 19. April 19SS Uitb dann schickte sie Kcrrasof den ganzen Text deS Gebetes fürs „Kaporesschlagen" und auch das für Dotenbestattung nach: „Sieh chalifossi, sch tmurossi, mein Kind komimt, so Gott will, gesund heim und die verfaulen dort, wo sie schon so lange hingchören. O Mbaiunau schel .Aulom. Ki chol drochow mischpot — 'Tu bist gerecht uird Dein Urteil ist gerecht ..."-' — * * * Und Plötzlich schrillte in das Treiben dieses Geleites das Klingeln der Z ed o ko buch se. Aon der anderen Ecke kam der schwarze Wagen, von wenigen Menschen und einer laut jammernden Frau gefolgt. Beide Geleite kreuz- <en sich und viele der Juden ließen Karasos! im Stiche und schlossen sich dem Leichenzuge an. „Wer ist gestorben?" „Feiwel, der Lastträger." „Er war ein armer, aber braver. Mann." „War er lange krank?" „Seitdem er aus dem Gefängnis heimge- IchrL ist, kränkelte er, und heute früh verstarb «r, im Hekdesch . . ." Zm Amtsgebaude zu Kratinik walten jetzt andere Herren, die nicht minder Geld brauchen. Auf dem Friedhofe sieht man oft eine hinfällige, in Lumpen gehüllte Frau sich auf einen Grabhügel werfen und ihr Weinen hallt über den ganzen Platz : . „Warum bist du von mir gegangen? Dü hast dein Heim gesunden und mich ließest du hi»r, im H ekde) ch . . ." Die Spaniolen in den Salkan ländern. M»n k. it. k. Oberstleutnant Hugo Piffl. *) In den erbitterten Kämpfen, die um die Vor- Ltznrschast auf der Balkanhalbinsel ausgefochten wurden, stehen einander auch spanisch sprechende Gegner gegenüber. Es sind die Nachkommen der im Jahre 1492 aus Spanien und bald daraus aus Portugal vertriebenen Israeliten, die in den mohammedanischen Staaten des Mittelmeeres ein gastliches Ashl gesunden hatten. Einzelne Flüchtlinge wanoten sich Wohl auch nachden Nieoerlanden und nach Italien, doch aus letzterem Lande wanderten später viele Familien in das Machtgebiet der duldsameren Sultane aus. Wenn auch ihre romanische Muttersprache sich im Lause der Jahrhunderte von der Schriftsprache Kastiliens etwas entfernte und portugiesische, italienische, slawische und türkische Ausdrücke aufmchm, so blieb sie doch ein Dialekt, der die spanische Grundfornr beibehielt und seit neuerer Zeit sich der nichtromanischen Anhängsel zu entledigen trachtet. Die Verständigung mit dem Neuspanier stößt aus große Schwierigkeiten. Sich selbst nennen die Spanjolen Sephardim. Sepharad hieß angeblich Spanien im mittelalterlichen Hebräisch, nach anderen war dies eine, sagenhafte Landschaft, eine Art Verbannungsort in Asien. Die sephardische Judengemernde hält sich von den Aschkenasim, d. i. den abendländischen Juden, streng abgesondert und es kommt äußerst selten zu ehelichen Verbindungen zwischen denselben, ja, die Gegensätze spitzen sich nicht allzuselten sogar zu Zusammenstößen zu. In dem kleinen und doch so verbreiteten Völkchen hat die Ueberlieferitng eine gewisse Sehnsucht nach dem Lande der Kastanien wach erhalten, die sich auch in den oft recht wehmutsvollen Liedern und Erzählungen der Spanjolen widerspiegelt. Es sind nicht allzu viele historische Dokitmente vorhanden, ans denen man eine. lückenlose Geschichte derselben zusammenstellen könnte; sie spielten übrigens nie eine politische Rolle, waren hochzufrieden, wenn man sie ruhig Handel und Gewerbe treiben ließ und stets so klug, sich um andere Dinge nicht zu kümmern, hatten also fast nie Verfolgungen zu erdulden. Untereinander. bedienen sie sich ausschließlich der spanjolrschen Mundart, die in Büchern, Zeitungen und Ankündigungen mit hebräischer Schrift gedruckt wird Auf ihren Gemeindestuben oder Vereinskanzleieni bringen sie die Aufschriften in lateinischen Lettern an, z. B. „Sociedad de canlar de los judios espanvles" (Gesangverein der spanischen Juden). Ihre Gebet- und Schulbücher werden meist in Saloniki gedruckt, wo die spanjolischen Israeliten eine Art ' geistige Zentrale besitzen. In Bosnien — namentlich in Sarajewo — bemühen sie sich, Deutsch zu erlernen; doch auch in Serbien, Rumänien und Bulgarien , entnehmen die Schilderung einem Ar- Mel der vechhold'schen „Umschau", Wochenschrift Über di» Oovtsttzritte nt Wissenschaft und Technik. sprechen eS sehr viele fließend. Ar« allgemeine» brlden die Spanjolen selbständige HrltuSgemeinden, denen ein Oberrabbiner — in der Türket „Chachmnbaschi" genannt — Vorsicht. Dre spamsch-iüdischen Emigranten erlangten vermöge ihres geisttgen Uebergewichtes, das sie von der damals kulturell hochstehenden Phrenäenhalbinsel mitbrächten, bald maßgebenden Einfluß über die erbgesessenen Glaubensgenossen. . t Man begann erst in Bosnien sich mrt der Vergangenheit der Spanjolen zu beschäftigen und mußte sich bis nun mehr oder minder mit alten Protokollen und Kassabüchern begnügen, deren Eintragungen auf das Jahr 1565 zurückweisen. Schon fnchzeitig gelangten einzelne Spanjolen dank ihres Wesens oder Reichtums zu höheren Würden, und sind es unter andern ein Don Joseph Nasi und dessen Tante Donna Graeia gewesen, die eine Einwanderung jüdischer Familien nach Bosnien förderten. Als tm Jahre 1614 der Wesir Mehmed Baltadschi Walt von Bosnien wurde, kam auch ein spanjolischer Gelogeber Nafthali Bin Mandschur mit, der etwa drechtg Salonikier Familien das Ansiedlunngsrecht in Sarajewo erwirkte, denen bald darauf die noch heute bestehende Tschifuthana (Judenviertel) als Ghetto zugewiesen wurde, wo auch die beiden ältesten Synagogen stehen. Mittlerweile stieg die Anzahl der Sarajevoer Spanjolen aus mehrere Tausende, die zum Teile zu großem Reichtum und Ansehen gelangt^ sind. Nicht nur als Beamte, sondern auch als Osnziere dienen sie dem Staate, haben in diesem Kriege auch ihre Blutsteuer entrichtet und sich als tapfere Soldaten erwiesen. Mit ihren muslimanischen und christlichen Mitbürgern vertrugen sie sich gut. Ein gewisier Siawusch-Pascha war ihnen sogar recht wohlgesinnt, fodaß er sich chren Landsmann Benveniste als Berater und Leibarzt wählte. Anfang des 18. Jahrhunderts trat ein Scrajedoer Spanjole Neckemia Chija Kajon als Jrrlehrer auf und wurde von'seinen Glaubensgenossen als Ketzer erklärt und ausgestoßen. Dieser Mann, der sogar von Kaiser Karl VI. in Audienz empfangen worden sein soll, zog abenteuernd in halb Europa herum. Die Familiennamen der Spanjolen klingen zum größten Teile romanisch, und zwar spanisch, portugiesisch oder italienisch; zum Beispiel Perelez, Altäre;, Malaj, Finzi, Krispi, Montilja, Maestro, Medina, Calderon, Romano usw. Komisch wirkt es, wenn diesen Namenn ein „Mayer" (richtig Mä'ir) vorgesetzt wird. Die verheirateten Männer erhalten den spanischen Titel Senor, die ledigen werden hebräisch „Bachur" (junger Mann) genannt. Wenn auch das geistige Leben der Spanjolen nach ihrer Vertreibung aus Spanien immer mehr verkümmerte, so traten doch dann und wann Dichter oder Schriftsteller unter ihnen aus, darunter Moses Almoslino und David Pardo. Bedeutenderes leisteten aus diesem Gebiete die spanjolischen Gemeinden von Konstantinopel, Saloniki und Belgrad. In der serbischen Hauptstadt gab es schon im Jahre 1846 eine spanjolische Druckerei, die ihre Erzeugnisse auch über die Balkanhalbinsel hinaus verbreitete. Was die äußere Erscheinung der Spanjolen anbetrifft, so findet man unter ihnen den dunklen Typus viel öfter als bei den Mchkenasim; den roten dagegen seltener. Unter den Mädchen gibt es auch sehr schöne Blondinen. Die Mittelgröße wirc, von den Männern selten überschritten. Selbstbewußte, stolze Haltung ist oft zu bemerken, namentlich wenn Wohlstand und Bildung dazu berechtigen. Die Frauen sind viel zierlicher gebaut, oft recht'klein, und neigen bei körperlichem Wohlbefinden zu Fettleibigkeit. Noch vor wenigen Jahren hielten die Spanjolen fest an ihrer Nationaltracht, die der türkischen ähnlich war, dock durchwegs aus dunklen, ja meist schwarzen Stoffen bestand, selbst das Rot des.„Fes" war ein sehr dunkles. Die Mädchen trugen die hellen Färben ihrer türkischen Geschlechtsgenossinnen. Aus der Straße trugen die Frauen früher die türkische Vermummung, die freilich dort, wo die Herrschaft der Osmanen aufhörte, verschwand, doch sieht man noch heute Greisinnen, die zumindest ein großes weißes Tuch tragen, als Erinnerung an die alte Zeit, die den hochbetagten Leuten vielleicht auch besser gewesen zu sein scheint, als die neue. Die moderne Kleidung bürgert sich zwar immer mehr ein, doch tragen viele Frauen zum europäischen Kostüm noch immer den Tocado, von dem man aber nicht behaupten kann, daß er schön ist. Tie Spanjolen widmen sich in erster Linie oem Handel, in zweiter Linie dem Handwerk, doch sind es nur gewisie Gewerbe, welche sie ausüben. Sie sind- Spengler, Schuhflicker und Zimmermaler, leisten ober darin nur recht Primitives. Ihre Arbeitslokale bestehen oft nur aus einer Kiste, in der sie hocken und bloß über ein bißchen Hausiererware verfügen. Andere haben in dem niedrigen Gelaß ihre Werkstätte eingerichtet und sind darin vor Regen und Scknec nicht einmal genügend geschützt; trotzdem sieht man nirgends kummervolle Mienen. Mancher etabliert sich unter freiem Himmel als — Buchbinder. Er hat ein halbes Dutzend alter abgegriffener Scharteken bei sich, an denen er heritmkleistert. Ein anderer ist Vermieter jener altrömischen Wägeinstrumente. die man im Orient noch allgemein gebraucht. Als Aerztc und als Drogisten verdienen sich m»ch heute viele ihren Ieb»«*nnt»rhalt. (Ge» Millionärs BermSchtni» anfetzneTöhne.) Der frühere Bürgermeister von Liverpool Louis Samuel Cohen, der als.Besitzer einer großen Firma und vielfacher Millionär starb, hat in feinem Testament ein Vermächtnis an seine Söhne hinterlassen, in dem er sie auf das dringendste beschwört, nie zu spekulieren. Das Geschäftemachen an der Börse erscheint ihm als der gefährlichste Gelderwerb, und er ruft daher aus dem Grabe seinen Söhnen zu: „Ick bitte und beschwöre meine Söhne, sich niemals in Spekulationen an der Börse oder sonsftoo einzulassen. Geld, das aus diese Weise gewonnen wird, wird sicher wieder verloren und führt zu weiteren Verlusten und Unglück." Ebenso verbietet dieser vorsichtige Vater seinen Söhnen, die in das Geschäft eintreten, sich jemals als Kandidat für das Parlament oder für irgendein öffentliches Amt aufstellen zu lassen. Endlich warnt er sie vor Heiraten mit Frauen, die einer anderen Konfession oder einer, anderen Nation angehören. All diese Warnungen dehnt er auch auf feine „Enkel und entfernteren Abkömmlinge" aus. ULK Kinderecke. Die griechische Lebersetzung der Thora. Im Talmud Tr. Sofrim wird von fünf jüdischen Gelehrten erzählt, die zuerst auf Wunsch des Königs Patolemäus in Alexandria (etwa 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung) die Bibel ins Griechische übertragen haben. ' Talmud „Megillak" berichtet aber, daß Potolemäus die siebenzig Mitglieder des Sanhedrin kommen ließ, jedem ein eigenes Gemach anwies und jedem insbesondere den Auftrag gab, die Uebersetzung vorzunehmen, um dann durch Gegenüberstellung der ohne Verabredung hergestellten sieberz'g Übersetzungen die Echtheit der Übertragung zu prüfen. Etwa zehn unwesentliche Aenderungen mußte sie dennoch vornehmen, und wie durch ein Wunder stimmten auch alle diese kleinen Abweichungen genau überein. In den Büchern der Makkabäer wird die Sache noch anders erzählt: Potolemäus, ein weiser gerechter König, der das Glück und die Veredlung seiner Völker wollte, gab Befehlalle Religions- und Gesetzesbücher der Welt zu sammeln. Zu diesem Zwecke wurden Gelehrte aus Alexandria in alle Welt hinausgeschickt und sie kehrten heim mit 965 Büchern. Patolemäus suchte weiter bis er tausend Schriften beisammen hatte, und er studierte sie eifrig, um daraus ein Gesetzbuch für fein Volk zusammenzusteüen. Da traten aber alexandrinische Juden an den König heran und sprachen: „Wozu mache sich der König all die Mühe? Man schicke doch nach Jerusalem, dort haben sie ein Gottesgesetz, Thora genannt, das alle Regeln und Satzungen für Völker und Könige fertig enthält." Die königlichen Boten gingen nach Jerusalem und brachten von dort eine Schrift mit, die aber nicht die Thora war, denn diese wollten die Juden nicht in fremde Hände geben. Der König vertiefte sich in diese Schrift und sie gefiel ihm so sehr, daß er alle anderen tausend Schriften beiseite legte. Aber es fanden sich Angeber von den Hellenisten, die an Patolemäus verrieten, daß dies nicht die richtige Thora sei, und letztere noch viel schönere Sachen enthalte. Um nun ganz sicher zu gehen, ließ er die siebenzig Weisen kommen und die Uebersetzung der T.höra auf die geschilderte Art anfertigen. \ .