Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1923)
- Date
- 1923-04-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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tzMa Wt 16 __ M kann der litauischen Orthodoxie der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie allzulange auf dem Ruhekissen schöner Vereinigungsillusionen in süßen Träumen versunken war, indes die Anderen wach und wirksam waren. Sind ihr aber jetzt endgültig die Augen darüber ausgegangen, wohin sie gehört und wessen ihre Aufgabe ist, so ist es sicherlich noch nicht zu spät. Der DerleldigungSkamps der Ortho-ope in der Slovakei. Wir haben bereits im vorigen Herbst über di« von den orthodoxen Rabbinen der Slovakei beschlossene Kundgebung gegen den Zionismus berichtet und die Beweggründe eirlgehend beleuchtet, die zu dem viel befehdeten Schritte führten und ihn rechtfertigen. Jetzt erst — nach einem halben Jahr — liegt der Beschluß und seine Begründung im Wortlaute vor. 'Dem hebräischen Original ist eine deutsche tlebersehn ng beigegeben, die uns zwar nicht in allen Teilen.ganz glücklich scheint, und die naturgemäß der Kraft und Würde des Originals ermangelt, an die man sich aber doch schließlich halten muß. Wir geben sie nn nachfolgenden im Wortlaut wieder: Die heute hier tagende Vollversammlung der orthodoxen Rabbiner der Slowakei sieht mit tiefer Betrübnis, welche Verheerungen und Verwüstungen die zionistische und die ihr angeschlossene misrachistische Organisation auf allen Gebieten des religiösen Lebens inl Indentume angerichtet. Die Rabbinerversammlung stellt fest, daß cs im Judentum keine derartige Organisation gegeben hat, die mit verwegener Kühnheit die jüdische Religion, das kostbarste Heiligtum Israels, die das wahre Wesen, ja, die Seele des ganzen Judentums bildet, als Privatsache, als nichtbindend für jeden Juden erachtet hätte. Die Rabbinerversammlung konstatiert ferner, daß die jüdische Vergangenheit keine ähnliche Organisation kennt, deren Leiter und Führer fast durchgehend ungläubig und unreligiös sind, die die Religionssatzungen öffentlich verleugnen, dabei den traurigen Mut haben, zu behaupten, daß sie weit vollwertigere, bewußtere und zur Führung berufenere Inden sind, als die Thoraautoritäten, deren Lebensansicht am Baume der Thora gereift, die als Verkünder der großen Idee, daß der Glaube an Gott und seine Lehre, das Bekenntnis zur jüdischen Gemeinschaft unzertrennlich zusammengehören, mit jeder Faser ihres Geistes, mit jeder Fiber ihres Herzens für Gott, Thora, Israel sich einzusetzen bereit sind. Die Rabbinerversammlung stellt endlich fest, daß noch 'keine Bewegung in der jüdischen Geschichte eine von solch verhängnisvollen Folgen begleitete Begriffsverwirrung hervorgerufen, wie die zionistische. Im großen Teile des jüdischen Volkskörpers sind ernste Krankheitserscheinungen wahrzunehmen, die jeoen ehrlichen Juden mit Besorgnis erfüllen müssen. Ser HSr-eltt. __ Speziell die Jugend, sowohl die männliche wie die weibliche, die leichtgläubig schönklingenden Schlag- Worten folgt, wurde von der jungjüdischen Ideologie arg mitgerissen. Nicht nur jene jugendlichen Schichten, die mit dem praktischen .Indentume schon längst gebrochen, von denen — infolge ihrer unjüdischen Lebensan- .schauung — das wahre Judentum nichts mehr zu erwarten und nichts mehr zu fürchten hatte, sind in das Fahrwasser dieser falschen Richtung geraten, sondern auch in jenen Kreisen der Jugend Israels, die vernröge ihrer treujüdischen Erziehung erhoffen ließen, daß sie einst die kräftigsten Stützen der jüdischen Glaubensfestigkeit werden, hat die in ihren Mitteln wahllose zionistische Propaganda die Begriffe über Thora und Religion derart getrübt und verfälscht, daß nur ein entschlossenes Vorgehen den Weg zur Rettungerschließen kann. Angesichts dieser tiefbedenklichen Tatsachen, die dvn keineur um die Zukunft der jüdischen Religion bangenden Juden in Abrede gestellt werden können, beschließt die Rabbinerhersainmlung im Bewußtsein ihrer schweren Verantwortung dem Bestände der Religion und der Vergangenheit und Zukunft Israels gegenüber, gegenüber der zionistischen und der ihr zugehörenden misrachistischen Organisation, die bereits vor nahezu 20 Jahren von sämtlichen orthodoxen Rabbinern des alten Ungarns beschlossene mrrTX (Warnung) aufs neue zu bekräftigen und näher zu konkretisieren, und ist jeder Jude der orthodoxen Mchtung in der Slowakei, der die Autorität der Religion und ihrer Lehrer anerkennt, verpflichtet, dieser neubekräftigten Warnung stattzugeben, die Autorität der Religion zu wahren und jede Mitgliedschaft von Orgnnisattonen, die dieses Judentum erhaltende Prinzip negieren, zu meiden. Im Airsflusse dieses Verbotes werden die rituellen Entscheidungen von orthodoxen Rabbinern und Schächtern, die sich diesem Beschlüsse der Rabbinerversarnmlrrng widersetzen, für unzuverlässig erklärt und ist jeder orthodoxe Jude Kraft des ncn rrtz - Gesetzes verpflichtet, diesem neubekräfttgten Verbote oer alten y"n O’P’nm o*:iy: sich zu fügen und von dieser Organisation sich fernzuhalten. Die RäbbinerversamUrlung erwartet, daß dieser Beschluß den Geblerrdeten die Augen öffnen, die auf Irrwege Geratenen zur Besinnung bringen wird und dadurch der alte, unverfälschte Begriff von Religion und Judentum im alten Glanze' erstrahlen wird. Jnbezug auf Erez Jisroel (Palästina), das den Gegenstand der ttefften Sehnsucht eines jeden gläubigen Juden bildet, verwahrt sich die Rabbine'rdersammlung dagegen, daß in Palästina, im Lande der Historisch-Mdischen Heiligkeit,, der Irreligiosität Tür und Tor geöffnet werde, der Unglaube sich dort breitmache, gerade dort die Religion flagrant verletzt werde. Jeder Buchstabe der heiligen Schrift wie jedes Wort unserer Propheten, wie jede Zeile unseres heiligen Talmuds, ist ein lauter Protest gegen die Vorherrschaft einer die Religion negierenden, sich jüdischnennenden Organisation im heiligen Lande. Es ist ein schwerwiegender Irrtum, sich der Meinung hinzugeben, daß gottreue Juden sich damit zufrieden geben können/ sich in Palästina religiös ausznlcben, es ist vielmehr religions-gesetzliche Pflicht, mit allen Mitteln zu verhindern, daß der Ahnenboden durch Juden entweiht, durch unjüdische Lebensweise entfüdischt und durch Entheiligung der jüdischen Volksseele entfremdet würde. Die orthodoxe Judenheit Slowenskos wird in : 19 Aprll lSM. OsuwirefOaft mit der Orthodoxie in allen Ländern bestrebt sein, solchen Wenrenten zur Besiedlung Palästinas zu verhelfen, deren Vorleben die vollste Gewähr für die Anhänglichkeit an den jüdischer: Glauben und für die Bewußtheit der besonderen Verpflichtungen der Heiligkeit des Landes gegenüber bietet, was sowohl der Judercheit wie auch der Gesamtbetzölkerung nur zum Segen gereichen kann. Dies schließt die Pflicht ein, mit aller Energie nach dem^ bewährten Vorbilde unserer Altvordern, die bereits in Palästina wohnhaften Glaubensgenossen, speziell unsere tschechoslowakische Gemeinde und unser Räbbinat, den alten Jischuw, lebensfähig zu erhalten. In gleicher Werse muß dafür Sorge getragen werden, daß die neue Besiedlung sich im Anschluß an den alten Jischuw vollzieht, um mit diesem gemeinsam in einer wirtschaftlich gesicherten Position Widerstand gegen den religiösen Abfall zu bieten. Die Rabbinerversammlung weiß sich eines Sinnes mit der orthodoxen Judercheit der Welt, die den großen und bedeutendsten Teil der Judenheit ausmacht, in der Entschlossenheit, an der Auffassung, daß die Judenheit vornehmlich eine religiöse Gemeinschaft bildet, nichts ändern zu lasten. Das allumfassende Band, das alle Teile der Judenheit (inklusive die palästinensische) verbindet, sott auch fortan die jüdische Religion sein. Bei aller Anerkennung urrd, Dankbarkeit der englischen Regierung und dem englischen Volke gegenüber, die stets ein Hort oer Gerechtigkeit für die Judenheit waren, soll hier herdorgehoben werden, daß die von Gott durch seine Propheten uns verkündete .Erlösung, welche Verheißung einen dogmatischen Glaübensgrundsatz im Indentume bildet, welcher Glaube dem jüdischen Volke Trost rmd Hoffnung während tausendjähriger Errriedernng war, nicht durch menschliche Macht, sondern nur durch die Vorsehung verwirklicht werden kann. Nur ein gottreues Leben des jüdischen Volkes kann uns dieser Erlösung würdig machen und wird jene Erdenmacht, die dieses große Ziel fördert, sich den ewigen Dank der Judenheit und des Judentums sichern." Wie man sieht, richten sich die halachischen Konsequenzen, die der Beschluß zieht, ausschließlich gegen die v o n' amts - wegen zur Vertretung der rab bi Nischen Autorität Berufenen, gegen Rabbinen und Kultusfunktio näre, die sich gesetzeswidriger Weise der Mehrheitsentscheidung nicht fügen wollen, in keiner Weise aber gegen Privatpersonen. Diese letzteren werden in eindringlichster Form ermahnt, die Fahnenflucht aus der gesetzestreuen Einheitsorganisation in ein fremdes Lager rückgängig zu machen, aber keinerlei Rechtsnachteil wird ihnen als Folge etwaiger Nichtbeachtung dieser Mahrmng angedroht. Wir sollten glauben, daß nunmehr selbst im gegnerischen Lager das gute Recht und der maßvolle Charakter des Beschlusses von Bratislava gewürdigt und das Ganze als Aeußernng urjüdischen national e n Empfindens gewertet werden müßte. Ohne die Verwirklichung des D'a*"! ’HnK N1LN7) gufdem Boden und im Sinne der Thora ist nationales, ja soziales Leben überhaupt unmöglich, und wenn die slovakische Orthodoxie, .IJk-LOW- Worte des Wilnaer Gaon. i. »mAo Kap. 3 leien wir: orixi viw ab 'n >:x »2 vn^2 X? 2pp' ’33. Dem einfachen Wortsinne nach will der Satz besagen: „So wie ich, Gott, unveränderlich bin, so seid ihr, Söhne Jakobs, unausrottbar." Der Gaon erklärt den Satz mit der Soharstelle zu Jthro, die aus die v'vvv *pD» (trennende Neginoth) in den drei Geboten 3i::ri rrb,?|x:n x1? ,nxui xb hinweist. Das „Tipcho" zwischen xb und NL1N usw. läßt eine kleine Atempause zwischen den beiden Worten etntreten, und zwar um anzudeuten, daß das x^ zuweilen durch das Gebot der Stunde aufgehoben wird, wie etwa bei PI JV2 nirvc '2«n im ersteren Falle, durch die Weihe der Ehe im zweiten Falle, im dritten Falle bei Gerichtsverhandlungen, wo eS für den Richter gilt, die Parteien durch Irreführung zu einem Geständnis zu bringen usw. Somit sagt '"iw» aus dem Munde des Prophet»«: 'JWtP "xb„ 'n ’ix, ich habe das x'? in diesen Verboten; durch die trsnnsnden Noten nur »in wenig variiert, * abfleschwächt, im Interesse der Weltordnung und des Rechtes, vrr'bo "x*)„ 3pjn »33 351X1. ihr aber, Söhne Jakobs, habt das x? ganz abgeschafft, so daß nur noch Man ,?]Xjn ,nsnn bleiben. 1h In Jirmejahu Kap. 3: b’:pi *vyö nnx oorix »nnp^i p'5t Q3J1X MX2N1 NNdVvv. „Und ich nehme euch, einen auS der Stadt und zwei aus der Familie und ich bringe euch nach Zion." ES gibt einen, der nach der Stadt genannt wird, d. i. der Prophet Elia hu der Giladite ('^x und zwei, die nach ihrer Familie bezeichnet werden, nämlich „Moschiach ben Jauffes" und „Mo. schkach ben Dowid." Der Satz will also sagen: 'kinpbl 3351X, und ich hole euch heim durch NNX, den Propheten Elia aus Gilad, nnse»vv nwi, und die beiden Gesalbten, die nach ihrer Familie benannt werden, den Sohn Josephs und Sohn Dawids, 'M2N1 |Wf D3HX, durch diese führe ich euch nach Zion. III. In Talmud „Sota", S. 5, wird im Namen von Raw Wiedergegeben: n:»tfö nnx 13 '.ft? -piL osn Tö^n 5v:'2L>3L>. Im Zusammenhänge mit dem Vorausgesagten soll es besagen: Ein Gelehrter muß ein Minimum von Stolz oder sogar Hochmut (nix:) haben. Der Gaon besteht nicht auf dem nix: und macht auf den achten Satz in der achten Stdrah (n:ve» ri':>rrrp3lp) aufmerksam. Dieser — eS ist 'n piBB n^e"l — enthält den Ausspruch JakobS:?2vi snvnn ^3v »naß» <131 naxn. Dieses ji'j'DWi? n:vrr> sollte sich jeder Bsn Tübn zum Lebensmotto nehmen. (Forts, folgt.) Zur Omer-Zählung. Bon Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren.) ES ist bekannt, daß die Sadduzäer das 5i3Pn n*in»ö wörtlich nahmen, während die Pharisäer darunter den ersten Feiertag (des Peffachfestes) verstanden.*) Nach Ansicht der erstern kann das Fest, welches am öv. Tage nach dem Paffabieste gefeiert wird, nur auf einen Sonntag fallen (Pfingstsonntag), während nach Ansicht des Judentums dieses Fest auf jeden beliebigen Wochentag fallen kann, da eS vom Beginne des OmerzählenS abhängt und der Beginn des Dorerzählens selbst an keinen bestimmten Tag der Woche gebunden ist, sondern sich bloS nach dem Paffafeste richtet. Der Streit zwischen Sadduzäern und Pharisäern über die Auffaffung des biblischen rotwi mnöö findet sich im Talmud Menachot 65a und b und 66s. Dort wird erzählt: Die Sadduzäer2) behaupteten, das Schobuotsest finde stets an einem Sonntag statt. Da gesellte sich ihnen R. Jockanan ben Sakkai zu und sprach: Thoren! woher wiffet ihr es? Darauf wußte ihm keiner zu antworten. Nur ein Greis ließ sich mit ihm in einen Disput ein. Er sprach: Unser Lehrer MoseS war ein großer Freund der Juden und wollte ihnen zwei Ruhetage auf einmal gönnen, deßhalb hat er das Fest rrav auf einen Sonntag festgesetzt. Darauf gab ihm — scherzend 3) — Rabbi Jochanan ben Sakkai zur Antwort: Wenn unser Lehrer MoseS ein solch großer Judenfreund war, warum hielt er die JS- *) Vgl. meinen Artikel über den „Großen Sabbat" im „Jeschurun", Heft 4, Jahrg. III. *) Im Talmud ist von prilv"2 die Rede, ebenso in der Mischna. ')LVgl, Raschi>7St. n»xp xwsm *mi.