Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1923)
- Date
- 1923-04-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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M. MM*. GsLt« - Nr. IS ■ ' _ / M MvXfage Kr Gesicht, schickte Mvr erst seinen Vertreter Golop hierher, da es ihm selbst nach oben hin unangenehm ist, all diese!Tiinge jans> Tageslicht zu bringen. Aber decken möchte er uns nicht. Urrd wenn wir keine Mittel finden, dann sind wir diesesmal verloren. Also Rat, guter Rat, lieber Gregor . . ." „Wenn Ihr keinen wißt, woher soll ich ihn haben," gab Gregor mürrisch zurück. „Ter einzige Weg wäre, Herrn Go loh zehntausend Rubel Ln die Hand zu stecken. Er hat bereits angedeutet, daß diese zehntausend Rubel wohl die ganze Sache aus der Welt schaffen könnten." „Mer sagte nicht der Herr Kreischef, der Gouverneur selbst habe schon Kenntnis davon." „Schadet nichts. Ich kenne die Herren. Sie werden sich brüderschaftlich teilen und die Sache ist erledigt.!T>er Herr Gouverneur selbst nimmt zwar nichts, aber umsomehr seine liebe Frau Delilka, die vielmehr braucht, als so ein Gouverneur von der Krone bezieht." „Wo bekommen wir aber diese Riesensumme her?" ,-Dr. Asmut, der Arzt, der mit uns her den Militärbefreiungen bis jetzt gearbeitet hat und durch uns Unsummen verdient hat, soll das Geld hergeben." „Ja, dieser!Dr. AsMut hat allerdings bis jetzt den Löwenanteil von der Beute' für sich ibehalten und verstand t§ immer, im Hinterhalt zu bleibensodaß jetzt der Neid und der Verdacht der Oberbehörden sich nur gegen uns richten. Er ist gedeckt und tut so, als ginge ihn die Sache garnichts an. Stundenlang habe ich heute auf.ihn eingeredet. Er bleibt dabei, nicht mehr wie fünftausend Rubel herzugeben. Er hat noch die Frechheit, damit zu Prahlen, daß sein ganzes großes Vermögen in ausländischen Banken untergebracht und zurzeit nicht flüssig sei. Er droht für den Fall, daß wir ihm noch mehr zusetzen, heute. noch das Land zu verlassen und uns unserem Schicksal zu iiberlassen. Also was' tun?" „'Tann bleibt nichts anderes übrig, als uns, wie schon oft, >an Barnch Flamm, den Geldverleiher, zu wenden." „Daran dachte ich auch schon, das Unglück will es aber, daß ich Baruch bereits tausend Rubel schulde und auch Tu bist bei ihm in der Kreide. Gs ist daher sehr fraglich, ob er uns. heute noch einmal seinen Geldsack öffnet und ob er überhaupt soviel in bar liegen hat. Er hat doch sein Geld immer ausgeliehen." „Nicht haben, gibt es bei dem Juden nicht. Ich wette, wenn Tu ihm Sicherheiten bietest und Aussicht auf ein gutes Geschäft, bringt er Dir sogar fünfzigtausend auf." „Wollen es versuchen," schloß Karasof und schickte einen Polizisten nach Baruch Flamm aus. Schon nach ftinf Minuten trat Baruch mit kurzer Verbeugung in die Amtsstube. Karasof empfing ihn mit ausgesuchter Freundlichkeit, die Baruch schon genau kannte und deren Zweck er klar zu bewerten wußte. Er bot ihm sogar eine Zigarre an, die Baruch auch annahm. Beim Rauchen konnte er am besten das Selbstbewußtsein erhalten und auch die Zähigkeit und Beharrlichkeit, mit der er sich bei solchen ihm bekannten Geschäften unbedingt wappnen mußte. „Tu weißt, lieber Baruch, warum wir Dich kommen ließen," fing Karasof an. ,I'ch?" tat Baruch 'Flamm sehr erstaunt. „Mir brauchen wieder etwas Geld." „Geld?" wunderte sich Baruch, „wozu heute wieder Geld? Ist der Tanzabend noch nicht bezahlt?" „Höre Flamm, wir müssen fünftausend Rubel haben, heute noch. Und auf Dich dürfen wir uns verlassen wie auf einen alten Freund." Baruch sprang auf: „Fünftausend? Kleinigkeit, fünftausend Rubel! In meinem ganzen Bereiche habe ich nvch keine fünfhundert. Einfach unmöglich!" „Haft schon, mnn Au nur willst," schmei- , > D« AKravlit. * chelten Karasof und Trsgor zuglM. ,Mn kannst ja alles ..." „So wahr die Herren leben, ich habe nichts ..." „Wenn Tu nichts hast, so borgt es Dir jeder mit Vergnügen." „Es ist leicht zu borgen, aber schwer zu bezahlen am Verfalltage . . . Außerdem . . . der Herr Kreischef schuldet mir noch über tausend Rubel, Herr Gregor etwa neunhundert, ohne die Zinsen ..." „Nun verstehe ich," ließ sich Karasof nicht irre machen. „Baruch kommt es nur auf die Sicherungen an. Tie sollst Tu haben." „Welche?" „Sechs weiße Billete blanko (weißes Billet bedeutet absolute Militärfreiheit), die Diu nach Belieben zu jddem Preise verkaufen kannst." „Scheint mir etwas bedenklich, doch wiws mir noch einmal überlegen." „Ta ist nichts' zu überlegen. Ein glattes Geschäft. Tie sechs Scheine verkaufst Tu zu je tausend Rubel, also sechstausend Rubel, wir erhalten fünftausend. Tausend Rubel bleiben Dir Reinverdienst." Baruch war noch nicht zufrieden. „Bedenklich," schüttelte er den Kops, „aber der Vorschlag kommt nicht von mir. Ich Lin nicht vom Amte und stelle keine Billete aus. Wenn die Herren meinen ..." „Keine Sorge," beruhigte Karasof, „es ist nicht zum erstenmal." „Dann komme ich heute um sechs wieder," empfahl sich Baruch. „Mit dem Gelde," ries ihm Karasof nach. „Grenzenlos .schlau sind die Juden," fing Karasof an, als Baruch gegangen war, „wissen immer sich bestens zu decken und zu sichern und immer bleiben sie im Vorteile." „Ein schlaues Volk," bestätigte Gregor, „aber was würden wir ohne sie crusrichten? Es kommt noch die Zeit, da ich mich auch an diesem jüdischen Geizhals räche ..." , „Der Teufel hole ihn und alle Juden ..." „Aber er warte damit mindestens bis sechs Uhr, bis daß wir das Geld von Baruch haben . . ." (Forts, folgt.) Abraham Dukes, der jüdische Polenherzog. Wann dre Juden in die Gebiete des polnischen Reiches gekommen sind, ist mit Sicherheüinicht festzustellen; die geschichtlichen Belege sind sehr nebelhaft und sichere historische Daten sindnicht dorhanoen. Alte Sagen aber weisen darauf hin, daß die Inden 'in den Ländern des heutigen Polen schon lange ansässig waren und weit vor der Zeit, da die große Einwanderung unter Kasimir -dem Großen und seinen Nachfolgern einsetzte, in Polen gewohnt haben. Eine der schönsten Legenden ist die von dem klugen Abraham Prochownik, welcher zur Erhebung der Dynastie der Piasten auf den polnischen Königsthron geholfen haben soN. Die Sage führt an die Wende oes achten und neunten Jahrhunderts der gegenwärtigen Zeitrechnung, deutet Mo darauf hin, daß zur Zeit, als sie entstand, schon für die Woche der Piasten die Ansässigkeit von Juden im Gebiete Polens als selbstverständlich galt, also bestanden haben muß. Die Sage ist eine der schönsten in der polnischen Sagenliteratur und verdient darum, erzählt zu werden. Als König Popiel kinderlos verstorben war, traten die Großen des Reiches in Kurszwica zur Wahl einer neuen Herrscherdhnastie zusammen; aber» sie konnten sich nicht einigen, wer König werden sollte, urrd Zank und Streit herrschte ans der Wahlversammlung. Um einen Ausweg aus der -Verwirrung der Gemüter zu finden, machte nun einer der ältesten Edelleute in der Versammlung den Vorschlag, .man möge Gott die Wahl des Königs überlaßen; alle Tore der Stadt sollten bewacht werden und der erste Mann, der am nächsten Morgen die Stadt betrete, solle zum König von Polen gekrönt werden. Den Wählherren gefiel der Vorschlag und alle Tore der Stadt wurden mit Wächtern besetzt, die den Auftrag hatten, den ersten Mann, der am nächsten Morgen die Stadt betrete, vor die Wahlversammlung zu führen. Als der Morgen graute, sahen die Wächter einen Mann dem östlichen Stadttor zureiten; als er näher kam, sahen sie, daß es der in der Stadt wohlbekannte Jude Abraham.Prochownik war, welcher jeden Tag am ftühen Morgen seinen Sand in die Stadt brachte. Als er das Stadttor durchschritt, erfaßten sie ihn und führten ihn vor trie Wahlversammlung. \ Und bald sah sich Abraham! Prochownik von den Großen des Reiches umringt, die ihn ehrerbietig empfingen und feierlich zum König von Polen proklamierten. Der einfache Jude wußte nicht, vie ihm geschah; war es Traum oder Wahrheit, Scherz oder Ernst! Bald aber merkte er, daß die großen Herren es ernst meinten, und als er sich von firnem Staunen erholt hatte, wandte er sich zu den Wahlherren und sprach also: „Laßt mich, einen Tag allein in einem Haus verbleiben; ich ivill zu Gott flehen, daß er mir ein Zeichen gebe, ob ich wirklich solcher Würde wert "bin. Den Tag aber lasset mich ganz allein und -stött nicht meine Einsamkett." Die Edelleute erfüllten die Bitte des Judenwiesen ihm ein Haus an, darin er allein sein konnte, und warteten. Ein Tag verging und noch einer, aber Abraham kam nicht. Die Wahlherren wurden ungeduldig, doch sie wußten nicht, was sie tun sollten. Da nahm einer von chnen, Piast mit Namen, erne Hacke, sprengte damit die Tür des Hauses, in dem Abraham sich eingeschlossen hatte, und forderte den Juden herrisch auf, herauszukommen. Abraham erschien, hob die Hand und sprach: „Ihr Herren, Gott hat mich nicht für wert befunden, die Würde, welche ihr mir verliehen habet, zu ttagen. Wer der Würdigste ist der Mann, welcher mit schnellem Entschluß, als ihr ratlos dastandet, die Tür dieses Hauses erbrach. Es lebe der Polenkönig Piast!" Die ganze Versammlung stimmte, von dem klugen Worte Abrahams hingerissen, in den Ruf ein und Piast bestieg den polnischen Königsthron. Wraham wurde sein Berater und erhielt den Titel „Duke-", o. i. dux (Herzog). Die Sage muß irgendwie an eine historische Person anknüpfen, denn vor einigen Jahrzehnten wurden polnische Geldmünzen gesunden, aus denen der Name Abraham Dukes geprägt war. (Zur Frage der Trkufas Herr Dr. A. Kamtnka in Wien schreibt uns: Mit Bezug auf die Aufklärung des Herrn Rabb. Dr. M. L. Bamberger in Nr. 11 über die Tekupha ist zu bemerken, daß keineswegs von einer Bestimmung des babyl. Talmud» die Rede sein kann, wonach die Tekupha allein für das Schaltjahr entscheidend wäre. Im Gegenteil, eg ist Sanhedrin ltd klar gesagt: mv* m 2'2-r.n bv, wn vu p*iDj?ö w-Qi 'a hv i"ri l'u pö 'k?jn pisvo |nuD'j» bv, ntwnn hm ps«n .pnotp vsn po '« rowr jötti, p*o*D Es ist demnach die Tekupha allein nie entscheidend. DaS von Samuel tradierte WortSanh. 12b v-m121*1 men riDipn iri'12"UX ukm p*apo p« kann demnach nur den Sinn haben, daß, soweit die Te» kupha mit als Grund herangezogen wird (neben einem zweiten), das Datum (das in der Tosephta zwischen R. Jehuda, R. Jose, St. Simon und Acherim strittig ist) berücksichtigt werde. Damit erledigt sich auch der Etnwand von Toffaphor Rosch haschana 31a d. v.li2p (es kann ja überhaupt die Botschaft - an K27 nicht atS praktische Anweisung für d-jp 112'p betrachtet werden, welche Amtshandlung zur Zeit des Amoratm in Babylonien gar nicht ftatts tnden durfte, sondern als Theorie für die Heranziehung der Tekupha. ES ist daher auch zu Maimonides Htlch. Ktddusch hacho. desch IV, 8 und IV, 16, poöiD nr MD ton der Widerspruch in .Y'ievi nvn vollkommen berechtigt. Mnderecke. Msellösung. irwm pnn» ,öi*>y im ,12 KW KMJ ttt>*71 wm *>K>rr v'iwi ntoti .tofiffoi jkm wut Richtige Lösungen sandten ein: Geschwister Isaak und Berta Tugendhaft, Düsseldorf,' Ascher und Pereg Kleinberger, Bottrop, Wests.; Bernhard Horowitz, DuiSburg; Mendel und Pept Traub, Berlin; Markus Gerstel, Wetzlar: Albert Katz, Nürnberg; Jsak Rosen, berg, WormS; Salomon Weitzmann, Altona; A. Goldberg, Pforzheim; Leo Eschelbacher, Duss lborf: Ott« Herz, Kantor Hermann Stein, Grufow; Kantor N.Dawidsohn, Rastenburg; Kantor H. Stern, Grufow; Elieser Frank, Berlin; Hermann Bloch, Wten.Frankfurt a. M.; I. H. Tempelhof, Saarbrücken; F. Häusler. Duisburg; Leopold Markvwitz, Zalow, Westgaltzien.