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Der Israelit · 1923-03-22 · Heft 12 (22.3.1923) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 12 (22.3.1923)
Date
1923-03-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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SS. Mrz iiwft. DerISra^ltL. Veür » nt. lf daß niemand herabfalle." Gibt es bet uns flache Dächer,' auf denen man lustwandelt? Ja, selbst die Vorschriften über das Bedecken der Gruben, über den stößigen Ochsen usw. sind heutzutage zum mindesten als durch moderne Gesetze überholt und daher als überflüssig zu erachten." Der Lehrer erkannte schnell, welcher Art die Gedankengänge des Vorstehers waren, und er wollte es vermeiden, seine Eigenliebe zu verletzen. Et hatte schon erfahren, daß Lenkmann ein streng rechtlicher, auf Ordnung und gegenseitige Rücksichtnahme bedachter Herr war, und er hoffte, ihn zu seinem Verbündeten zu gewinnen. „Herr Lenkmann", begann er wieder. „In der Nähe meines früheren Wohnortes kam im vorigen Winter ein bedauerlicher Unglücksfall vor. Kinder hatten auf dem Fußsteig vor der Synagoge eine Schleife gezogen. Eine alte Frau Mt infolgedessen aus und brach Arm und Bein. Meine Schüler hätten niemals ein solches Unglück verursacht und zwar gerade deswegen, weil sie gelernt hatten, daß die Schrift mit der Lehre vom „Geländer" nur ein Beispiel anführt und so uns überhaupt zum Schutze des Nebenmenschen in allen Lagen verpflichtet." Lenkmann hatte aufmerksam zugehört. Er hatte sich auch, schon oft darüber aufgeregt,-wenn Kinder ihrem Vergnügen nachgegangen waren, ohne dabei auf Erwachsene Rücksicht zu nehmen.' Die Art, wie der neue Lehrer auftrat, gefiel ihm. Nach kurzem Nachdenken sprach er darum: „Es ist wahr: In unserer Thora ist alles enthalten. Wenn Sie die Kinder darin eingehend unterrichten wollen, so werde ich das sehr anerkennen. Und ich sehe, daß wir Alten dabei auch noch etwas Neues lernen können. Also, Glück zu!" — Verstehenmehr. Bon Heinrich Einstädter. Mles vergebens! Es , glückt mir nichts Las war der Ausklang der ganzen Gedcmkenreihe, die Mayer Schirmfels gesponnen und die ihm das Haupt so tief niedergedrückt hatte. „Fetzt geh' ich nach Preisberg. Wozu eigentlich? Aus dem beabsichtigten Geschäft wird doch nichts.' Wie so oft schon. Ich werde .abends wieder heimgehen, so trostlos wie schon lange. Und zu Hause werde ich in traurige Augen? schauen. Arm und krank! Gibt es etwas Schlimmeres?" Und er dachte daber an seine gute Frau, die jetzt schon seit Wochen kränkelte, ohne daß der Arzt das eigentliche Leiden hätte feftstellen können, und an die vielen geschäftlichen Miß-- erfolge, die er in der lebten Zeit gehabt hatte. '„Gibt es etwas Schlimmeres?" wiederholte er, leise vor sich hinsprechend. „Was würde meine selige Mutter gesagt hakden, wenn sie das gehört hätte? Ich weiß es: — „Mayer, versündige dich nicht." — Dieser Gedanke machte auf ihn Eindruck. Wenn er an seine selige Mütter dachte, da war er immer wieder das Kind, dessen Herz weiches Wachs war in der Hand der gütigen, klugen Frau. „Mayer, versündige dich nicht." Und Mayer bereute schon seinen Ausspruch. Mt etwas elastischerem Schritte als bisher setzte er seinen Weg fort, der ihn auf eine bewaldete Es war Ende Februar. Vorfrühling. - Tie Nachmittagssonne senkte sich als großer, dunkelroter Ball zu den Wipfeln der Bäume nieder. Ihre Strahlen malten leuchtende Streifen zwischen die langen Schatten der kahlen Stämme. Zwischen moderndem Laub und feuchtem Moos' rieselte es lauschig. 'Tie ganze Natur gab sich wie ein einziges großes Rätsel. Ter Wanderer hob unwillkürlich das Haupt. Tie Sionne zog seinen Mick an. Er sah, wie di« Zwei^e der Kronen ihm winkten. Wnz XeijV Aatch heimlich. Ar Härte, wie die verborgenen Rinnsale mit ihm Drachen. Ganz deutlich, vertraulich. Er merkte, wie ein Vöglem seine Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte. Es flog vor ihm her, von einem Ast zum andern und zwitscherte so abgebrochen und doch so eindrucksvoll. Und endlich trat die Sonne zwischen den Bäumen hervor ans den Pfad und sandte ihre vollen goldenen Strahlen auf seine Brust. Ganz warm wurde es ihm ums Herz, ganz hell und zuversichtlich ward sein Gemüt. „Vorfrühling, Winters Ende. Tie Natur spricht zu mir. Nein, Gott spricht zu mir durch die Natur. Tie Zweige winken mit: Schau nach oben; von dort kommt dir Hjllfe. Tie nackten Baum-- riesen tauchen ihre Wipfel in das' volle Dach der Sonne. In den Knospen, die an den Zweigen kleben, ruht die Hoffnung. Tier Allgütige läßt sie nicht zu Schanden werden. Ter Fink schaut aus nach seinem Weibchen; er weiß, der Frühling wird es ans weiter Ferne zu ihm zurückftihren.' Und, die Wässerlein sprechen: O törichter Mensch! Warum willst du alleirr verzweifeln! Schau, wie munter wir wandern, trotz Mühsal und Hemmnis. Wir achten nicht auf das Eis, das! noch fast jeden Mend uns einschließt; die Sonne wird es lauftauen. Wir lassen uns nicht beirren durch die dürren, blaßgelben Grasbüschel, die ihre Köpfe so traurig zu uns niedersenkett; bald werden saftstrotzende grüne Halme an ihre Stelle treten. Wir benetzen den kalten Stein und den kahlen Boden und sehen schon die blumige, duftige Decke, die der Frühling über sie breiten wird." So verstand Mayer die Stimmen der Natur.. Er hob mutig düs Haupt und verfolgte rüstig seiner: Weg. „Mayer, heute will ich gern mit dir handeln," sagte der Bauer, den er aufsuchte. „Heut schaust du doch munter in die Welt! Seither hat man sich fast vor dir gefürchtet." Dias Geschäft war bald zum guten Abschluß gelangt. Ungesäumt machte sich Mayer .auf den Heimweg. 'Dabei stellte er sich vor, wie schön es doch wäre, wenn sich auch der Zustands seiner Frau inzwischen gebessert hätte. „Ist das so unmöglich?" fragte er sich. „Cie. hat doch heute früh gesagt, daß sie besser geschlafen hätte als seit langer Zeit. Mer ich habe durch die vielen Sorgen kaum darauf geachtet." Er beschleunigte seinen Schritt noch mehr. Kehrte heim und schaute in fröhliche Augen. rrpn. TU *7BP u t|tt ujk nny TH '.'v M'vn *n ba ck rv-N irix *m diti njn vhk na S)cv Tnan u "inKD c^2 CU«*? 00^11 ’ucnn. -jen asi D^1s bv svc' nins*? tp-ipwr. pns "ftrr fceeua ck1 IPHJ1 K'TÖ ’JK proS TK ru KU? UJK u 1BR .-»1V 5 Vrieskaslen. I. C. in Mainz. Besten Dank für die Zu« sendung. Wir glauben jedoch, daß, wie wir übrigens in dem von Ihnen apostrophier,en Artikel ausgeführt haben, Herbert Samuel die Borwürfe nicht verdient Er selbst har unseres Wissens fttiS den Vergleich mit Nehemjah als übertriebene Schmeichelei zurückgewiesen. Schüler S. Sch. in Leipzig Es ist nett von Ihnen, daß Sie an unserem Blane Mitarbeiten wollen, doch müssen wir Ihnen auf Grund der unS eingesandren „Erzählung" de« wohlgemeinten Rat geben, sich vorerst aufS Lesen zu beschränken. Vielleicht später. Aus alle Fälle, besten Dank für den guten Willen. M. I. H. in Law. Wir .-rucken grundsätzlich keine Trauerreden ab. Wenn Sie uns einen kurzen fachlichen Nachruf zusenden, dann findet er Ausnahme. M. Sch. in München. Mk. 835. Zentrale für jüd. Wohlfahrtspflege, Frankfurt a. M. Wir haben die Notiz betreffs oeS ge. luchten MarkuS Silbermann auSSafed (Palästina), der tm Jahre 1911 aus Palästina auSwanderie, bereitS wiederholt veröffentlicht und hat, wie und inzwischen mitgeteilt wird, die Veröffentlichung auch schon auf seine Spur geführt. Kantor E. A. in R. Die Hälfte des am Kopfe des Blattes angegebenen allgemeinen Abonnements- Preises. . H. M . Ludwig-Hafen a. Rh. Ähre Geldsendung vom 14. ds. verbuchten wir: für Abonnements Mk. 918 .. Ukraine . . „ B082 Mk. eouo N. in B Wir find stets darauf bedacht, daß der BP in den Artikeln nicht ausgeschrieben wird. Immerhin sollten Sie vor dem Einstampsen die einzelnen Nummern noch einmal nachfehen, ob keine B'jPiSfe darin enthalten find. F. Z. in München. Die Barmizwoh findet “jb » statt. Bestach Zucker. Lehrer K. in F. Die Hälfte des am Kopfe des . Blauejeweils vermerkten Abonnementpreifes. z Verehrltche Redaktion k Zu den vielen Klagen der letzte« Zeit wegen der Mazzospreifr kommt etne neue, hervorgerufen durch die Bedingungen, welche die Firma Bauer in Frankfurt den Bestellern für Pefachartikel auferlegt. Der Kaufmann, welcher hier die. Artikel besorgt, erhielt von terrn Bauer etne Offerte, worin dieser mitteilt, daß ucker nur in 2 Zentnerpackung abgegeve« wird. 2LaS nun, wenn in einem kleinen Ort nur kaum ein Zentner bestellt wird? Dann find die Leute durch Herrn Bauer direkt gezwungen worden, Chomezucker zu verbrauchen. Solche Zustände führen nicht nur zum Mtchfchol, sondern die Leute behaupten fest und steif: Mit den Pesachwaren wird ein direkter Wucher gvtrieben, keine Rücksicht mehr auf die Leuts genommen! Dann hilft alles Zureden nichts und man mutz alft Kultusbeamter die rraurtge Wahrnehmung machen, daß bedingt durch gen. unerklärliche Bedingungen viele Leute zu Cyomez greifen! Ich hätte darum gerne, wenn Sie folgende „Offene Frage" an Herrn Bauer im Namen Bieter in Jyrem Blaue aufnehmeu wsllten. „Sind Sie sich bewußt, daß durch Ihre Bedingungen — unter 3 Zentner Pesachzucker wird an einen Besteller eines Orres nicht vbzegeben! — Sie Hunderte von Jehudtm zum Genüsse von Chomezzucker und daraus folgernd zum Genuß von wetteren Cyomezspezereien veranlassen? Ist „Koscher al Pesach" schon ein solches Monopol geworden, daß nur der große Geldbeutel ausschlaggebend wird? Fragen, die unbedingt sofort geklärt werden müssen, soll sich nicht Gleichgültigkeit ln Bezug aus fort vtelerorrö erstellen!" Lehrer S. Hierzu schreibt uns die Firma David Bauer, der wir die obige Beschwerde tm Einverständnis mir dem Einsender oorlegten, folgendes: „An Wtederverkäufer kann nur in ganzen Säcken oder ganzen Kisten (kleinste Menge 6V Kg.) geliefert werden, weil der Versand ab Fabrik gehe« muß und die Fabriken nicht auf Kleinhandel eingestellt , sind. Die vorgeschriebenen Preise wie auch die Gewinnspanne gelten für den Großhandel in Originalpackung. Die Ware kostet nicht mehr als gewöhnlicher Mä-zzucker, nur die Sonderspesen find dem Preis hinzuzurechnen. Verbraucht ein Wtederverkäufer an Pesachzucker weniger als etne Originalpackung, so mutz er die Sonderspesen aus das für Pefach verbrauchte Quantum »erteilen, die überfchtehende Menge muß als IahreSware auf die ortsüblichen Karten verkauft werden. Dies kann auch jeder Kaufmann ohne Verlust. (So ist es auch zurzeit der Zwangswirtschaft behördlicherseits Vorschrift gewesen.) Kleinere Mer gen bedingen die Anschaffung neuer Säcke für jedes kleine Quantum oder neuer Kiftenver- Packung sowie ArbetlSletstung, die ja heute diele kletnen Mengen übermäßig stark tm Presse belasten dürfen. ES müßte diese Umpackung auf meinem Lager geschehen und eS wäre unnütze Fracht, unnützes Rollgeld erforderlich. Für Verbraucher (Nichtwiederverkäufer)liefere ich jede gewünschte Menge ab meinem hiestgen Lager, und eS liegt für niemand ein rund vor, Chomez zu essen. Kleineren el egenheitS-Wiederverkäufern, die überschießende Zuckermengen nicht im Jahre verwenden können, wurde von mir auf deren Ansuchen hin auch weniger aiS Originalpackung geliefert. Der Wtederverkäufer in S. hatte sich nicht gemridet, er hätte fünfzig Kilo Würfelzucker als kleinste Originalpackung erhalten können, welche Menge er wählend der Zwangswirtschaft auch stets bezogen hat." David Vauer. ) ' I-. .'?h. V X-Jli ¥■

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