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Der Israelit · 1923-03-15 · Heft 11 (15.3.1923) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 11 (15.3.1923)
Date
1923-03-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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D*ik* S 9tx. 11 15 m& 5 1023, daß kein Kaum mehr in ihrer Seele für anderes Denken bleibt. Andere, die sich die Sicht nach höheren Zielen freihielten, harren auf halbem Wege der Losung. Ein Moses mit dem Donnerrufe -j? 'v täte heute not. Vielleicht vermag cs in Ermangelung des Einzelnen die Organisation, der der angeführte Mahnruf allein die innere Geschlossenheit und den Willen und die Hoffnung und die Kraft zur Arbeit gibt. Allen Matten und Müden und Verzweifelnden, die vor dem grausamen Zusammenspiele von Licht und Finsternis mit der bangen Frage stehen: Was tst das Wahre und wie wird es kommen? die Antwort des Schriftwortes: Jas? ntn «nnn Was der Nissanmond von Sieg und Licht, von Leben und Werden kündet, ist Euer, ist unser! Wochennindschau. Jeschiwor Es ist die Zeit, da die Thoralehranstnlten überall ihre geistige Jahresernte halten. Jüdische Zeitungen aus dem früheren Ungarn berichten Erfreuliches über das Jeschiwaleben nno das „große Verhör" in Preßbnrg und andern Gemeinden der heutigen Tschechoslowakei. Aeh.'iliches erlebten wir dieser Tage auch in Frankfurt a. M., der Stadt, die heute über zwei blühende Jcschiwaus verfügt. Im Osten, der Heimat der Thora, hat leider unter der Wucht der Umstände das Jefchnvaweseu stark gelitten, doch 'gibt es auch heute noch Thorazentren lute S l a bo t k o, T e l s ch, M i r u. a., die zur Heilquelle für viele Hunderte von östlichen Thorajüngern Jahr für Jahr werden. Was heute von der Jeschiwa alles für uns crbhängt, hat in seiner unvergleichlich schönen und konzentrierten Art wieder einmal Rabbi Israel Meir, Dev Weise -aus Radin (Chofez Cha-jim) in eiüem hebräischen Schreiben in dem Warschauer „Jud" ausgesprochen. Bei Anlaß der letzten Rabbiuerkonferenz in Wilna, aus der der genannte Senior der östlichen Rabbiner zu den ersten Wortführern gehörte, wurde auf seilten Antrag jeder Rabbiner verpflichtet, für die Gründung bezw. Erhaltung und deu Ausbau eiuer Jeschiwa iu seiner Gemeinoe und iu seinem Kreise nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse sich mit seiner ganzen Kraft einzusetzen. Er weiß nicht, ob der Beschluß in allen Teilen zrtr Ausführung gelangt ist, tst darob sehr besorgt und erhebt darum wieder fein j flammendes Mort, das' die Rabbiner an ihre übernommene Pflicht gemahnen soll. Wehmutvoll sieht und weift er nach Rußland, nach diesem früheren größten Becken des jüdischen Geisteslebens hm, wo heute die Stimme der Thora zum Schweigen gebracht/ die Ehegesetze zunr Teil außer Kraft gesetzt, sogar die Miloh abgcschafft, dagegen zwangsweise die Arbeit am Sabbat eingeführt ist. Wie müßten aber Rabbiner, Lehrer und Führer, die fast alle in der Verbannung Zeugen waren dieser geistigen Zerstörung, jetzt froh und glücklich jein, in der litauischen oder polnischen Heimat unter einer freundlicheren Sonne wieder die Möglichkeit und Gelegenheit zum Lernen und zunr Lehren zu haben. „Zur Zeit Jerobeams standen die Wächter an allen Grenzen .und Scheidewegen, um das Volk an der Wallfahrt nach Jerusalem zu verhindern; zur Zeit Hoseas wurden aber diese Grenzschranken abgeschafft, und. da das Volk es dennoch unterließ, den freigewordenen Weg zum Heiligtum zu betreten, so hatte es jetzt des vollen Zornes ttnd der doppelten Strafe Gottes zu gewärtigen, auch für die früheren Unterlassungen, die im Zwange geschehen waren. Würde es nicfjt auch jetzt all denen so ergehen, die aus Drang uitb Zwang in die Freiheit gekommen sittd und dennoch nicht freudig die Gelegenheit ergreifen, um die heilige Lehre zu stützen und zu fördern?" Was der alte Radiner verlangt, ist, daß mittdestens jede Stadt eine Jeschiwa besitze, und wäre diese noch so kleitt und gering, als Grundstock und Urzelle des den gattzen Klal umfassenden Thoralebens. Wo die Voraussetzungen dafür fehlen sollten, müsse der Ortsrabbiner die Jugend wenigstens zu Talmudvorlesungen um sich sammeln, ttnd wären es ttur fünf Jünger. Die auswärts' und speziell in Amerika wohnenden Mitglieder der betreffenden Gemeinden solltett im Notfall zur Erhaltung dieser kleinerett und größeren Lehranstalten herangezogen werden. Man muß die herrlichen Worte des großen greifen Lehrers lesen, um die ganze unverwüstliche Kraft, die aus diesem vornehmsten Vertreter des östlichen Judentums spricht, gattz zu erfassen. Wer auch der Westen hat ungemein viel votr dem alten Radiner zu lernen. Und nicht zuletzt die deutsche Juden heit sollte sich vott ihm an ihre Pflicht gemahnen lassen, überall, tvo eine Jeschiwa vorhanden ist, ihr das höchste, wärmste und tätigste Interesse znzuwenden. Wiener Hexensabbat. Jtr Wien und überhaupt in beit österreichischen Landen, wo es genug der Sorgen und Nöte nit+maitmm miwm n »> i ——.. 1 gibt, um alle positiv schaffenden Kräfte zu sammeln und zu einigen für den schweren Katnpf um die bedrohte Volks existenz, wütet wie kaum -anderswo der Haß und schafft bedenkliche, garbedrohliche Zustände. In den Juden fand man den billigen noch vom Mittelalter her bekannten und gutbewährten Blitzableiter. Nun gibt es in Wien eine Anzahl von Juden, die bei beit ITUrauaticmaleit im anderen Lager in die Schule gegangen zu sein scheinen und gelegentlich nicht anstehen, gleich diesen ihr nationales Selbstbewußt sein auf die Straße . zu tragen. Insbesondere die " jungen Akademiker, die täglich beit schwersten Insulten an der Stätte, wo sie gleich ihren atrdern Studienkollegen sich Wissen und Kraft holen möchteit, ausgesetzt sind, glauben, die Schmach ttnd das Unrecht nicht länger still hinnehmen und ertragen zu können. Die von ihnen am vorletzten Sabbat veranstaltete Massenkundgebung gab aber, wie leicht vorauszusehen war, leider denen recht, die in richtiger Voraussicht ihre Mitwirkung -ablehnten. Herr Stricker beklagte sich iit der Versammlung über „diese Duckmäuser, die nicht Provozieren wollten." Als er in der Volkshalle diese Worte sprach, hatte er wohl noch keine Kenntnis von den Vorgängen draußen auf dem Rathaus- und Ringplatz und vor der Universität, auch nicht von dem geplantett, vor. der Polizei nur mit großer Muhe verhinderten Einbruch der Exzedentett in die Leopoldstadt. Er wird inzwischen sein Urteil über die Vorsichtigen geändert haben. Der bisherige Erfolg der großen, seit Wochen ait Plakatsäulen und in Zeitungen mit Pauken und Trompeten angekündigten Demonstrationsversammlung ist: Ein Schreckenssabbat für Zehtttattsende, ein paar Dützend Leicht- und Schwerverwundeter, eine „Feststellung" der jüdischen Schuld zumindest Mitschuld an den Exzessen von Seiten der Tageszeitungen bis zur „Neuen Freien Presse" und zuletzt twch eine öffentliche Bekanntgebung des Numerus clausus an der Wiener T e ch - n i s ch e n H o ch f ch ule, vorerst für jüdische Ausländer. Wir sprechen den tmtligeit und. tapferen jüdischen Kämpfern für Recht uüd Ehre nicht unsere Anerkennung ab. Aber es muß auch ausgesprochen werden, daß sie dabei mit dem Leben und der Wohlfahrt von Zehntausenden spielen, deren Stolz und Ehre sie wahren möchtet:. Es mag sein, daß der akademische Wiener Pöbel, begleitet vott anderen bernfmäßigen Rowdys auch ohne solche Provokationen den Weg in die Judengasse findet. Aber dieses 'Gesindel gewitmt nur an Boden, wenn tun der Schein einer jüdischen Herausforderung erweckt wird. V4M mm Gottes und des Menschen Anteil. (Zu den laufenden Wochenabschnitten.) Bon Dr. B. Cohen inJBerlin. 1. In den Kapiteln der Wende vom zweiten zum dritten Buche der Tbora wird uns der prunkvolle und doch so bescheidene Bau des Tempelzeltes liebevoll mit allen Einzelheiten geschildert. Insbesondere wird die Opferwilligkett gelobt, welche unsere Väter hierbei glänzend bewährten. Wie kommt es nun, daß trotzdem das Wort fltifn „Befiehl!" die Gesetze über Tempelöl und Priesterttetduna, das Wort tst „Befiehl!" die Bestimmungen über N2W.1 pp das stetig: Altarfeuer und noch so manches befehlende Wart die Gebote über den Tempel einleiten? Unsere Weben (z. B. Raschi, Baal hatturim, sowie auch Hirsch z St) erklären dies mit den Worten: min'?', mv im “pst v'2 p-icn 12 p'p otpö ^2, „Ueberall, wo eine Ausgabe an Vermögen verlangt wird, bedarf es der Anmahnung für sofort und für alle Zeiten". Denken wir an jenen Opferwillen unserer Väter, so will uns diese Begründung scheinbar nicht recht befriedigen. Sollte Aharon mit dem Vermögen des Tempels so knauserig umgegangen sein, daß er sich gescheut hätte, dessen eigentlichen Zweck, GotleS Gebote damit zu erfüllen? - Die Worte unserer Weisen wollen also vermutiich etwas gründlicher aufgefaht sein. Täglich sahen die Kohantm jener ersten Gotteswohnung vom Himmel D'öpn jö PK Feuer Gottes herniederfab'en und auflodern. Es durste sie wohl befremden, daß ihnen für ständige N2ipv, Nahrung dieses irdischen Feuers zu sorgen aufgetragen wurde. Es bedurfte wohl einer Anmahnung und Belehrung, damit sie verstehen, daß GotteS Segen nur auf menschliche Mühewaltung sich herniederläßt; dies nämlich ist die deutliche Lehre der Hölzer der N2^pv. Alle Opferhandlungen also, welche durch d*2 jmt, durch menschliche Mühewaltung Gottes Gnade herabflehen, sind eines besonderen nt'l-Ansporns für jedes Zeitalter wert und bedürfen dessen. Denn ohne eigenes Zutun erwirbt keine Generation und selbstredend kein Einzelner das Wohlwollen des Allgütigen. Und sei dies eigene Zutun noch so gering; es darf nicht fehlen, d’öp pktd pn O'öp 'i'2 ten. Alles ist in Gottes Hand, nur nicht die Gottesfurcht; sie will vom Menschen selber entfaltet sein. Und ist eS auch nur ein Hölzlein, das er aas den Altar legt, — ohne dieses Hölzlein gtlmmt ihm kein Gottesfeuer; ohne Del brennt auch im Tempel keine Menorah; ohne Zelt weilt auch in Aharons Familie nicht die Schechina. hxs> tnrEO nr© 22b w»k yro tsno bp min2 nne 'b iww af?iK, „Oeffnet mir, spricht Gott, ein Türchen eures Herzens nur so weit mit ein Nadelöhr, dann öffne ich euch ein dem Tempeltore Jerusalems gleich weites Tor des himmlischen Erbarmens". „Bewahret eures Leibes Brot eine Woche hindurch im Jahre vor Säuerung, so bewahre ich rimon rin omüPt eures I Willens reine Macht im ganzen Jahre". — „Bauet ] mir in einer Herbstwoche Hütten, so breite ich ewig l meines Friedens Schutz über euch". So beschwichtigte auch Kalew einst das aufrührerische Volk und sprach: mty? m psnst p'pi'? )bv) jntAio wv hpö ):b ‘iok „Selbst wenn Mosche von uns verlangt, mir Lettern zum Himmel zu steigen, müssen wir gehorchen; denn nur die Anstrengung des Menschen, und sei sie von vornherein unzureichend, ruft Gottes helfenden Arm herbei; darum da'.f uns der Krieg gegen die Kenaaniter nicht von Gottes Landes Toren zurückscheuchen-". — Darum mußte Mosche vor jedem Wunder, das Gott vollbrachte, selber Arm und Stab erheben. Und darum singt der Psalmist: „Wahrheit erwächst von der Erde, und Gerechtigkeit schaut vom Himmel drein". Und darum mutzte jedes v'2 pivn-Opfer für alle Zeilen mit besonderem tnn anbefohlen werden. (Schluß folgt.) Kleines Iroilleton. Sie diesjährige Tekupha- Man. Bon Rllbb. Dr. M. L. Bawberger in Schöulanke Unter Tekuphoth (rnsipri) versteht man die Jahrpunkte oder die Anfänge der vier Jahreszeiten. Sie werden nach den Monaten benannt, in die sie gewöhnlich fallen, nämlich Frühlingsanfang: Tekuphath Ntsan, Sommeranfang: Tekuphat Tammus, Herbstanfang: Tekuphat Ttschrt, Winteranfang: Tekuphath Tebety. Wir haben zwei Arten der Berechnung der Tekupha zu unterscheiden und danach unterscheiden wir s auch die Tekupha von Samuel und von Rab Adda. I Solange der Kalender auf Grund der Berechnung und

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