Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1923)
- Date
- 1923-03-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Sette L Nr. 14 ' wird und bai&ei der Osten auch' als gebender Teil erkannt und gewürdigt wird. 'Es könne Vorkommen, -sage ich, daß zwei Brüder, jung Ln die Welt hinausgestoßM, wenn sie nach Jahren Zusammentreffen, sich erstlich kalt und fremd gegenüb'erstechen, dieweil sie ganz verschieden in Art, Kleid und Sprache sind. Kommen aber die beiden auf die Heimat, gar auf die Mutter zu sprechen, dann haben sie sich gleich wieder, dann sind die letzten trennenden Schranken gefallen. Erleben wir nicht ein ähnliches? Wo sich Brüder in des zerstreuten Volkes g e i ft i g e r H e i m a t treffen, da ist für scheidende Gedanken kein Raum. Und dann fällt mir, wie ich wenigstens damals glaubte, ein gutes Wort ein: Was uns Juden heute eint, saznmelt und über Zeiten, Länder und Meere zusarnmenhält, das ist der Schulch an Aruch. Wem danken wir aber den „Schulchan Aruch" in seiner heutigen konzentrierten Gestalt? Dr ei Männern: ".I akob Baal Haturim, Jossef Caro und Mosche Jsserles. Wer waren diese drei Männer und woher kamen sie? 'Ter erste, Rabbi J akob, war ein Sohn des Rabbi Ascher, kam aus Deutschland und war also ein „ Iecke "; Rabbi Jossef Earo lebte in Safed und war ein „Frank", wie man in Palästina die Sefardim verächtlich bezeichnet und der Krakauer Rabbi Mosche Jsserles war ein „Pollak" ... Sie meinen, damals kannte mau diese Bezeichnungen noch nicht? Weiß ich, eben das will ich ja sagen. Kehren auch wir ganz zu dem von diesen drei Männern als Extrakt des ganzen Schrifttums hergestellten „Schulchan Aruch" zurück und Sie werden sehen, wie rasch auch bei uns diese häßlichen Namen und Bezeichnungen in Vergessenheit geraten . . . S—tz. (Schluß folgt.) MMösung. Die Lösung des Rätsels in Nr. 7 lautet: *nn - ms- Richtige Lösungen sandten ein: M. B. Kostmer, Frankfurt a. M- Jsak und Willi Tugendhaft. Düsseldorfs Heinrich Friedmann, Düsseldorfs Kontor A. Davidsohn, Rastenburg, Ostpreußen; Ruth Salinger, Düffel darf,' Josef Oppenheimer, Frankfurt a. M. Personalien. Leipzig, 29. Febr. Der als Talmudgelehrter bekannte Rabbiner MoseS RagoSnitzki, Leiter der hiesigen JesMwoh, wurde als Gemeinde-Dafan bestellt., Der Genannte erfreut sich großer Beliebtheit und hofft die hiesige gefetzestrene Judenheit, daß derselbe in der hiesigen Gemeinde eine segensreiche Tätigkeit entfalten wird. Crailsheim, 18. Febr. Am Sonntag, 25. Schwat. wurde unter sehr großer Beteiligung,' auch der nichtjüdischen Bevölkerung, die Gattin des Herrn Oberlehrer a. D. I. StrauS, Babette geb. Gahm, im 86 Lebensjahre zur ewigen Ruhe gebracht. Die Verewigte war eine Frau von seltener HerzenSgüte und echter Frömmigkeit und erfreute sich großer Beliebtheit und Achtung in allen Bevölkerungskreisen. Mit ihrem 70jährigen Gatten, ihren S Söhnen und 6 Töchtern betrauert unsere ganze Gemeinde den herben Verlust. ."1*22311.’ Halüerstabt, 22. Febr. Ein p'nit, wie man ihn nur selten findet, ist uns in Josef Bär am pvwv entriffen worden. Die Erfüllung hat ihm eine iilpnv verliehen, daß er von morgens b-s abends nur in evn mny Befriedigung und Freude gefunden batte. Besuchte man ihn, so waren es min nnn, mH denen er einen jeden erstellte. Seine glühende Liebe zu 7818" fM# veranlaßt« ihn noch im hohen Alter nach dem heiligen Lande auSzuwöndern; allein sehr große Schwierigkeiten unterwegs hinderten den {pr, sein Vorhaben auSzusühren. Eine besondere nnöP empfand er, wenn er die v'S2n *Tts7n in Polen unterstützen konnte.' Herr Rabb. Dr. Auerbach gab in sehr bewegten Worten der tiefen Trauer Ausdruck. Tein sehr hohes Alter — Josef Bar y'XT war 92 Jahre alt — gab der Welt ein beredtes Zeugnis, daß all die Eigenschaften, die unsere v'v2n für ein langes Leben aufzählen, be! Bär auch vorhanden wären. Sv unter andren, baß der Verschiedene nie dwt »vrp unterlassen hatteweil sein ganzes Leben aus nemp bestand. Möge sein ni2i der Familie, der Gemeinde und *?2 7«ntr» beisteyen. n*am i , Der JSraeltt. Alsfeld, 25. Febr. Am Mittwoch, 17. Februar, bewegte sich durch die altertümlichen Straßen der Stadt Alsfeld ein großer Leichenzug; galt es doch, was sterblich war an Herrn Abraham Rothschild dem Schoße der Erde zu übergeben. Nicht nur die trauernde Witwe und Familie, sondern auch die jüdische Gemeinde Alsfeld hat in dem Heimgänge des Verblichenen einen fast unersetzlichen Berlnst erlitten. Ein Mann von lief innerlicher Frömmigkeit, der treu und fest an unserer alt überlieferten Religion festhielt, ein Mensch von wahrhaft vornehmer und edler Gesinnung ist mit dem Verklärten dahin gegangen. Mehr als 2 Jahrzehnte versah er das Amt des Vorstehers der hiesigen Gemeinde mit einer seltenen Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue. Allen Geschäften der Gemeinde brachte er das größte Interesse .entgegen und in wahrhafter Emuroh hat er das Wohl der Gemeinde stets im Auge gehabt. So fällt in feine Amtszeit der Bau der neuen, schönen Synagoge, den er auf jede Weise gefördert hat. Und nun ist er als 72jähriger Greis von uns gegangen. An seinem Grabe verliehen Herr Lehrer Kabn, Herr Dr. Rothschild, Dinslaken, ein Neffe des Verstorbenen und Herr Adolf Steinberger als jetziger Vorsteher der Gemeinde, dem Schmerze der Allgemeinheit, der Familie und der Gemeinde lebhaften Ausdruck. Unvergeßlich wird fein Wirken in unserer Gemeinde fortleben. n"23tin. Hamburg, 26. Febr. Mit Herrn Simon MagnuS, den wir in den letzten V2L>-Tagen zu Grabe trugen, ist einer der Besten und Geschätztesten in unserem Kreise davongegangen. Er war ein Mann von seltener Güte, tiefer Frömmigkeit und gewinnender Schlichtheit, der das stille Wirken und geheime Wohltun liebte, und der gerade deshalb auch als hochherziger Wohltäter in weitesten Kreisen betrauert werden.wird. In ergreifenden und zu Herzen gehenden Worten wußte unser 21 bet der auch für Hamburger Verhältnisse ungewöhnlich großen ''6 sein Lebensbild zu zeichnen, indem er seinem nson den Ausruf zugrunde legte: vvn Simon Magnus ist nicht mehr. Er ist nicht mehr der Mittelpunkt seiner ihn so innig liebenden und von ihm so zärtlich geliebten und mit Fürsorge umhegten Familie, ist nicht mehr das Herz so vieler wohltätigen Unternehmungen, ist nicht mehr in dem Kreis derer, die das DDK n*ö3 so rastlos ausüvten, ist nicht mehr unter den führenden Mitgliedern des Deutsch Israelitischen Synagogen - Verbandes, dem er als 'N32 einer der Gemeinde-Synagogen viele Jahre in selbstloser Treue diente, ist nicht mehr in der Mitte der ihn so treu liebenden Freunde und Bekannten, denen er Allen so anS Herz gewachsen war, weil fein gütiger Sinn so regen Anteil au dem Geschick der Andern nahm, weil sein reines Ohr nie ein unlauteres Wort mitanhören konnte^ Er ist nicht mehr, aber seiner Gattin und seiner Gemeinde wird er weiter in der Erinnerung leben, und seinen drei Söhnen, die er noch zu wackeren und aufrichtigen a'-nn* heranziehen konnte, und deren Aeltesten einem fromme« Mädchen auS angesehenster Frankfurter Familie angelobt zu wissen, ihm noch die letzten Wochen und Monate schwerster Krankheit erhellte, wird er weiter Vorbild und Antrieb zu allem Guten und Jüdischen sein. n"223n. Bad Kissingen, 24. Febr. Esther Bamberger, die Frau des vor 23 Jahren so früh dahtngegaugenen Kissinger Ram, M. MoseS Löb Bamberger r'XT, ist nach kurzer Krankheit am V2V n""iy im Älter von 76 Jahren verschieden. Weit über den großen KreiS der Verwandten hinaus wird diese Trauerkunde tiefen Schmerz und wahre Trauer aaslösen bei allen, die diese edle Frau kannten. Noch vor kurzer Zeit konnten wir sie bewundern, wie sie, ungebrochen und ungebeugt an Geist und Körper unter den Ihrigen weilte. Sie erinnerte unwillkürlich an das Psalmenwort: „Der Gerechte blüht wie die Palme, wie die Zeder des Libanon iorotzt er, noch im Greisenalter sind sie voll von Lebenskraft und Jugendfrtsche." Wie Stammutter Sarah hatte auch die Verklärte ein Licht in ihrem Hause entzündet, es war das Licht der Liebe, der Treue, der Milde, das ihrem Galten, ihren Kindern leuchtete, denen sie nach des Vaters frühem Tode eine umso zärtlichere, liebevolle Mutter war. Aber nicht nur . ihren Kindern, allen Bedrückten und Armen spendete sie die Strahlen ihres Lichtes. Liebe geben war ihr höchstes Sehnen und ihrer Seele Bedürfnis, Einfachheit und Schlichtheit waren ihrem Wesen ausgeprägt, Zufriedenheit und Bescheidenheit Grundzüge ihres Charakters. Ihr Sanftmut und Milde wußten alle Widersprüche auszugleichen. „Und die Wolke der göttlichen Herrlichkeit war über ihr HauS gebreitet". Esther Bamberger war erfüllt von aufrichtiger Göltet furcht, von dem wahren pnö2, das allen schweren Prüfungen gegenüber sie so aufrecht und standhaft erhielt. So möge sie, die rein war in Wort und Wirken, für ihre frommen edlen Taten reichen Lohn ermen und ihr Andenken immer zum Segen sein. Homburg (Saar), 19. Febr. Hier verstarb Frau Lev i geb. Lernet, Gattin des Herrn Emt! Levy. Bier kleine Kinderchen läßt die fromme und gottesfürchtige, erst 33 jährige Frau als Waisen zurück. Nicht allein ihre nächsten Angehörigen sind in namenlose Trauer versetzt über den Verlust her so herrlichen hochbegabten Vn np« , wie sie Herr Rabbiner Dr. Mayer in einem tiefdurchdachten HeSped so richtig nannte. Eine ungeheure Beteiligung von Juden und Nichtjuden bezeugte ihre so große Beliebtheit und fein _8. März 19» Auge blieb tränenleer, alS der tiefgebeugtealte Vater mit herzzerreißenden Worten vom 12p Abschied nahm. . Die ganze Gemeinde trauert um dte zu früh Dahingeschiedene. N"223N. Heesfeld, 4. März. Unsere Gemeinde ist von einem herben Verluste betroffen worden. Am v2i? n"2 — vuv 'B p"tsr — ist Lehrer-Isidor La ndSberg Infolge eines Herzschlages plötzlich in der Vollkraft seines Lebens (43 Jahre alt) verstorben. Die Gemeinde hat in ihm einen tüchtigen, strebsamen Lehrer, ihren geistigen Führer, einen hervorragenden pn, jedes Mitglied der Gemeinde einen guten Freund verloren. In tiefem Schmerz betrauern ihn seine gebeugte Gattin mit fünf kleinen Kindern, eine schwergeprüfte Mutter und alle Angehörigen, denen er ein treusorgender Gatte, Vater, Sohn und Bruder war. Nachdem er den ganzen Weltkrieg mttgemacht hatte, wurde er aus seiner Stelle im Osten vertrieben und trat vor 2*/, Jahren die hiesige Steve an. Hier verstand er eS, sich trotz großer Widerstände durchzusetzen und zu behaupten. Schnell erwarb er sich durch sein heiteres, liebenswürdiges Wesen, durch sein eifriges Wirken als guter durch sein methodisches Geschick in der Schule die innige Zuneigung und Verehrung seiner Gemeinde und seiner Schüler und die Anerkennung der Behörden. Mit einer gut geschulten Stimme begabt, stiegen seine von rechter nm* und inniger .-1212 getragenen nv?Bn empor und stimmten die Hörer zu feierlicher Andacht. Seine 'i)b am Montag zeugte von dem allseitigen herben Schmerz um den teuren Entschlafenen. Nachdem im Hause Herr Dr. Herz, Fulda, dem Freunde warme Worte des Abschiedes gewidmet hatte, trugen die Kollegen des Verstorbenen den piK aus dem Sterbehaufe zum Synagogenhofe, wo Herr Dr. Herz in Vertretung des Herrn Rabb. Dr. Cahn ihm einen Nachruf widmete und sein segensreiches Wirken in Schule, Gemeinde und Synagoge schilderte. Am Grabe riefen ihm die Herren Lehrer Gans, Ntederaula, im Aufträge des G. A. der Jsr. Lehrer-Kons. Hessens und des Jeschurun, v. d. W a l d e als Verwandter, Schulrat W e n d l i n im Namen der Schulverwaltung und Lehrer Spiro, Fulda, im Aufträge der Gemeinde Hersfeld und des väterlichen Freundes feines jung verstorbenen Kollegen, des pensionierten Lehrers Nuß bäum warme Worte des Gedenkens, der. Anerkennung und des Dankes nach. Möge n"3H die schmerzbewegte Gattin und alle Angehörigen trösten und den frühverlaffenen n’ouv beistehen. n"22ün. Salmünster, 36. Febr. Wir haben heute in unserer Gemeinde Samuel Stern zu Grabe getragen. Mit ihm, dem würdigen GetsteSerben seines unvergeßlichen BaterS Abraham Stern n'% ist ein iV'l an P’K dahtngegangen, ein bescheidener und grabet Mann und Jehudi, der durch seinen Eifer für dte Erhaltung und Förderung unserer kleinen Gemeinde und seine weitherzige und vornehme Art, npTJ zu üben den Typus ehrwürdigen PatriztertumS darstellte, wie er auf dem Lande leider immer seltener wird. Samuel Stern'S tiefe Religiösttät und streng jüdische Lebensführung, seine peinliche Gewissenhaftigkeit und Redlichkeit im Geschäftsleben haben ihm das Vertrauen seiner Mitbürger eingetragen, die ihn in ihre beratende städtische Körperschaft Serteftn. Dte Beerdigung — die erste auf dem neu errichteten Friedhof, für welchen die Stadtgemeinde der jüdischen Gemeinde daS Gelände in hochherziger Weise geschenkt hat — war, wie das Leben des Entschlafenen, ein Ktddusch haschem. Die Beteiligung aus allen Schichten der Bevölkerung war außergewöhnlich groß, die Trauer tief und ehrlich. Auch die städtischen Behörden waren vertreten und der Kriegerveretn in corpore ging an der Spitze des langen Trauerzugs. Herr Provinzialrabbiner Dr. Gradewitz (Hanau), Herr SanitätSrat Dr. Stern (Frankfurt a. M.) und Herr Lehrer Hamm (Salmünster) sprachen an der Bahre tiefempfundene Worte des Abschieds. V Warschau, 1. März. Auf den Posten Dr. Poz. nanSkis ist nunmehr der bekannte zionistische Abgeordnete Dr. Thon, Rabbiner, in Krakau, vom Synagogenvorstand der Synagoge Plomatzktscham gewählt worden. Man darf hoffen, daß diesmal keine Versuche gemacht werden, den gewählten Synagogenrabbiner zum Oberrabbiner von Warschau aufzuoktroyieren. Litererische Mir. ttHn mw, Kommentar zu BVWPii *w, von Chajtm Zewt Braude, Rabb. von Al'-Säger. Herausgegeben von Rabbiner G. Silweston in Washington (Amerika) D. C. 410 K. Street NW. Es ist tn seiner Art ein gutes Buch, das Teile deS Hohenliedes homiletisch zu ersoffen sucht und Freunden des kurzgefaßten logisch aufgebauten „Magtdus" sehr zu empfehlen ist. Der rührige und produktive Verlag von Louis Lamm, Berlin, bringt wieder eine größere Anzahl voä wichtigen Neuerscheinungen auf den Markt. Es ist ein für die Wissenschaft verdienstvolles Unternehmen, wenn völlig vergriffene Werke, wie z. B. Moreh Rebuche hasman von Krochmal, Darke Hamifchnah von Frankel, Mebau Jerufchalmi von Frankel, Milchamoth Haschem von Levt b. Gerson, wieder neu aufgelegt werden, insbesondere, wenn wie beim Verlag Lamm, alles auf bestem holzfreien Friedenspapier gedruckt, und die Werke in guten Einbänden gebunden sind. Wie wir hören, bereitet der Verlag noch andere größere Werke vor.