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Der Israelit · 1923-03-01 · Heft 9 (1.3.1923) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 9 (1.3.1923)
Date
1923-03-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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«ette 8 Nr. 9 Der Israelit. müßten sie flüchten, sie würden gjleich Hm, nicht vm Vesten beschuht, von 'DarmDdt bis' Frankfurt und noch weiter zu Fuß laufen — bei diesen EisenVahnfahrpreisen ..." Dias Versteht der Herr der Schlvßwache schon gjarnicht. — Ich hatte ja übrigens die schöne Rede für mich allein schalten. — Er verharrt: ,J3$x Beruf?" „Ra, wie gesagt, ich schreibe, dichte, redigiere, doziere und so was ..." ,^Jch meine, was Sie tun, Ihr Geschäft". „Ach so!" entfährt es mir mechanisch und ich denke: der Miann hat doch wirklich den rechten Begriff von der Arbeit. Er trank eins und wandte sich wieder den Karten zu . . . Mitten im Spiel eine kurze, stumme Beratung. Das Edikt fallt zwischen „Kreuz- Dame" und „Schippe-König" niederschmetternd aus. „Sie sind kein Beamter und es dürfen nur Personen von Behörden, von amtswegen hinein . . Also nur Von amtswegen! Schiller und „'düntswegen!" Er darf nicht dichten! . . . Der Posten draußen, etwas neidisch auf die im Warmen Trinkenden und gekränkt in seiner Autorität, gießt die ganze Schale seines schwäbischen Zornes aus auf „die Faulenzer du drinne, Faulenzer von amtswege ..." Das war immerhin einigermaßen versöhnend.!Tiadurch wurde man doch wenigstens wieder daran erinnert, daß man im SchwaVenlandewar... (Schluß folgt.) S—tz. purim-Nefferl. Nach der Seudah zu genieße«. Rabbi Jehuda Madina 'gibt für den Brauch, Amaleks am Sabbat vor Purim und nicht am Purim selbst zu denken, folgenden Grund an: Am Purim muß man trinken. Wer aber trinkt, denkt nicht. Kein Wunder, daß es vom Mundschenk in der Schrift heißt: DW«t *ip ist Mi, „Der Herr des T rinkens dachte nicht..." * * * Warum setzte Haman für die Vernichtung aller Juden nur einen Lag an? Er ahnte wohl, daß dieser Tag der Gefahr sich in einen Festtag wandeln »erde und er gönnte den Juden keine zwei Festtage. * * * Rabbi Jonatan Eibenschütz wurde vom Prager Bischof, zu dem er bekanntlich in sehr gutem Verhältnis stand, gefragt, wieso es, gegen die sonstige jüdische Gepflogenheit, Festtage mit demVorabende beginnen zu lasten, komme, daß man die Purim-Seudoh am Ausgangsabende halte. Schlagfertig gab der geistvolle Rabbi zurück: „Wie kommt es, daß Ihr das „Geburtsfest" entgegen Euerer sonstigen Sitte schon am Vorabende mit Bescheerungen feiert? Aber in Wahrheit ergibt sich das eine aus dem andern. Unseren Purim verdanken wir einem ’IJ, Euer Geburtssest dankt Ihr einem nin'. .... * * 3t In Woloschin hatten sich die. Stipendium beziehenden Bachurim gegen den Gabbai R. Sch. zu beklagen, daß sie von ihm im Vergleich zu den reichen, auf Unterstützung verzichtenden Hörern, schlecht behandelt würden. Am Purim wurde dem „Purimraw" (Art Karneval-Prinz) u. a. die Frage vorgelegt, ob Mordechai auf eigene Kosten oder auf Kosten der Jeschiwoh in Schuschan lebte. „Sicherlich bezog er Stipendien", lautete die prompte Antwort des EtmagSrabbi, „da ihn doch sonst Haman nicht so gehaßt hätte! ..." -» * * Warum muß man nach Fischgenutz SchnapS trinken?" Der Purimrabbi: „Jona wurde von einem Fische verschluckt und da macht man so viel Aufhebens daraus, und er selbst betete solange, bis ihn der Fisch wieder auSspie. Wie beten erst die Fi s ch e, die täglich von uns Menschen verschluckt werden?! Darum berauscht man sie mit Branntwein, daß sie nicht beten. Denn: „mA nvn iw'k? ..." * * * Die „Rebbezin" Esther, Frau deS bekannten Krakauer Rabbiner Rabbi Saul, zeichnete sich durch so hervorragende Beschlagenheit in Bibel und Talmud aus, daß man sie allgemein in Anlehnung an ein Talmudwort minn |ö ine« nannte. Milten in einer gelehrten Unterhaltung verließ sie einmal für eine längere Zeit das Zimmer. Einer der Gäste fragte: „Wo bleibt. Esther min hatauroh?" Die gerade mit dem Abendessen zur Türe hereinkommende Rabbtnerin antwortete schlagfertig mit dem Satz« in M. V: 'mnem b'üxb 'VII »nv *3B, (Ich wandte mein Antlitz ab, daß es was zu effen gibt). * * # Ein Verfasser überreichte einem bekannten Gaon seinen Kommentar zu Koheleth mit der Bitte um Begutachtung und Empfehlung. Nach einiger Zeit schickte der Rabbi dem Autor das Werk zurück, und zwar mit folgender Bemerkung: „Euere Erklärungen zu „Kohelet" stellen genau wie die des Malbim zu „Esther" alle Ueberlieferung auf den Kopf." „Wieso?" bat der Verfasser um nähere Aufklärung. „Malbim weist in seinem Kommentar zu Esther, gegen die allgemeine Annahme von der Verbohrtheit des Acheschwerosch, nach, daß dieser König auf Schuschans Thron ein Weiser, ein hervorragender Diplomat von großer Klugheit war- — Soll aber Salomo wirklich all daS gedacht und gesagt hoben, was Ihr ihm in Euerem Koheletkommeniare anstnnet, dann müßte der weise Salomo so dumm gewesen sein, wie Achaschwerosch — nach Malbim — klug war." VIII Tr IMHVI IMVIlWvY •VVIIJrlVIl /♦ Die Kaiserin hatte am 13. März 1741 den öfterreichischen Erbstaaten einen Prinzen geboren, mit Namen Joseph, dessen Pate der Heilige Vater war. Unbeschreiblicher Jubel erfüllte damals die weitgedehnten Staaten einer Fürstin, die noch vor ihrer Niederkunft an ihre Schwiegermutter schrieb: „Sie wisse keinen Ort, wo sie ihr Wochenbett halten solle." Bon Feinden umringt donnerten aber allenthalben Oesterreichs Freudensalven und jede' Stadt wetteiferte, es im Frohlocken einander zuvorzutun. In diesem allgemeinen Jubel blieb Böhmens Hauptstadt und insbesondere die dortige Judenschaft nicht zurück. Diese zog festlich mit wallenden Fahnen und klingendem Spiele auf; in den Synagogen ward gebetet und der Bizeprimator Simon Wolf Frankl verteilte Almosen gleicherweise an christliche wie an jüdische Arme. Am Abend war die ganze Judenstadt erleuchtet und vor dem jüdischen Rathaus floß Wein und Bier. Ihr Hauptfest beging die Judenschaft erst nach den glücklich beendigten sechs Wochen der Kaiserin; es war ein höchst originelles Volksfest, wegen seiner Jovialität und Skurrilität gleich denkwürdig. An dem bestimmten Tage war aller Handel und Wandel eingestellt, der Trödelmarkt blieb geschloffen, die Gassen der Judenstadt wurden gereinigt und die Fenster mit Teppichen behängt. Drei Tore der Judenstadt waren zierlich austapeziert und mit Musikbanden besetzt, um die ankommenden Fremden mit Trompeten und Pauken zu bewillkommnen. Um 3 Uhr nachmittags setzte sich ein Festzug in Bewegung, der die Judenstadt weniger als eine Korporation, denn als ein eigenes Volk ernst und scherzhaft zugleich präsentierte. Voran schritt ein jüdischer Postbriesträger; zwei Trompeter folgten ihm und hinter diesen sechs jüdische Läufer in großer Gala. Dann kam der Anführer deS Zuges, der Primator Frankl, auf einem schulmäßtgen Pferde mit einer Schabrake von Ponceaufarbe, in voller Grandezza, ihm zur Seite paradierten die stattlichen Heiduken, hinter ihm sein Unterkommandant David Löblkuh, ebenfalls von Heiduken begleitet. Hierauf kamen die Geschworenen, Gemeindefchreiber und Schulklöpper, im höchsten Staat, unter den letzteren ein Greis von 88 Jahren mit einem zinnernen und ein anderer mit vergoldetem Schulhammer. Diesen folgten die jüdischen Gelehrten, denen Musikanten vortraten, die auf dem Waldhorn lustige Jagdstücke bliesen; hinter ihnen zwei Kolonnen jüdischer Studenten mit silberbeschlagenen Büchern, jede angeführt und beschlossen von Berittenen mit der Partisane im Bügel: Nun erschienen die fremden Lehrer, unterschieden durch besondere Barette mit dem Buchstaben P; hinter ihnen eine lustige Rotte zu Fuß, freudig in die Welt htneinguckend. An diese schloß sich der Judendoktor Moses Solomon Gurnpert, dem ein Läufer und zwei als alte Türken verkleidete Männer gravitätisch voranschritten; bei ihm befand sich sein Sohn, der das l'estimonium lacultatis meäicae des Vaters zur Schau, trug. Neben dem Doktor ging der Apothekersohn mit der jüdischen Apothekerbüchse, und alle Rational-Bader folgten. Jetzt erblickte man den Schulkantor, dem ein Positiv vorgetragen wurde, worauf er an verschiedenen Orten einen Segenswunsch für das durchlauchtigste ErzhauS spielte. Arme Waisen, aus der Anstalt des Prtmators Frankl, stimmten dabei den 73. Psalm an. Ein achtzigjähriger jüdischer Spielmann, sonderbar genug, als alte Frau verkleidet, blies, das Fagott und alle anderen Spielleute feines Glaubens folgten ihm, mit dem Vivat auf den Hüten und der großen Zunftkanne; dann schritten die jüdischen Metzger einher, ein drttthalb Ellen höher Schlüssel wurde ihnen vorangetragen. Hierauf sah man zwei jüdische Gaukler, sie gingen auf den Händen statt auf den Füßen, setzten bloße Degen an die Brust und die Augen und machten die tollsten Sprünge. Ihnen angereiht waren die jüdischen Kürschner in kostbaren Pelzen, mit zwei Schilden vom edelsten Rauchwerk, worin die Bilder Maria THerestenS *) Die Schilderung entnehmen wir de« Büchlein von Realis: „Die Juden und die Judenstadt in. Wien", z« Ehren des nahenden Purimfestes. 1. März 1SLS mit Josef in der Wiege und der Schild Davids zu sehen waren; auch eine Menagerie kam zum Vorschein, ausgestopfte wilde Bestien und ein Jäger dabei, der vor Ort zu Ort lustig dreinknallte. Die jüdischen Schneider zogen auf mit Nesseln und klingendem Spiel, die Posamentierer, die Schuster mit einem riesenhaften zinnernen Stiefel, ein prächtiger Zug ungarischer Lanzenreiter und ein anderer glänzender Husaren. Nach ihnen sah man einen Juden, als Dame kostbar gekleidet, auf einem schönen Zelter, neben ihr ein zärtlicher Ritter mit allen galanten Manieren seiner Zeit. Gleich hinter einem zärtlichen Paar erblickt ma« den Hochzettsnarren, über und über mit hölzernem Küchengeschirr behängen und statt des Hutes einen hölzernen Topf auf dem Kopfe, dann ein grüngekleideter Harlekin, hierauf mehrere Narren, deren einer, als Kindsweib gekleidet, einen Knaben von vierzig Jahren an einem Gängelbands führte und ihn von Zeit zu Zeit mit Mus (Brei) fütterte. Ein anderer machte mit einem falschen Pferde verschiedene lächerliche Posituren; dann folgten zwei Paar wilde Männer, ferner drei ungemein dicke Vielfraße, possierlich auSgestopft, hierauf Bacchus auf einem Wagen mit Satteren und am Schluffe eine förmliche Bauernhochzeit. Dieser abenteuerliche Zug ging aus dem jüdischen Gemeindehause, dem Tummelplatz vorbei, zum Pinkel- Schultor hinein, die daran stoßende Gaffe hinunter, durch die goldene Gasse über den Platz bel den drei Brunnen des Primators vorbei, auf das jüdische Rathaus zu. Am Abend war die ganze Judenstadt festlich und glänzend beleuchtet und die reicheren Mitglieder der Gemeinde bewirteten die christlichen Standespersonen auf das feinste. Eingesandt. Die MazzothPreise. Geehrte Redaktion! Die Sprechsaal-Notiz in der Vorwöchentlichen 3fr Ihres geschätzten Blattes ist zwar Bielen aus der Seele „geschrieben", jedoch bei der überaus großen Wichtigkeit der Sache viel zu sanft gehalten. Schreiber dieses gestattet fich daher folgende öffentliche Fragen zu stellen: 1. Glaubt denn der Verband der Mazzothbäckereie« seine Preise ohne jegliche Rücksicht auf die Verbraucher festsetzen zu können? 2. Hat der Verband noch gar nichts von Wucherpreisen und deren Gefahr gehört? 3. Hat er ferner noch nicht erwogen, daß durch Ueberspannung des Bogens derselbe platzen kann? 4. Haben die Bäckereien die nicht unerheblichen Vorauszahlungen der Besteller vor etwa 3% Monaten nicht zum Einkauf von Mehl rc. zu damaligen Preisen verwendet? Wenn der Verband glaubt, daß rituell hergestellte Mazzoth ein Börsenobjekt sind, die mit dem Dollar steigen dürfen, so müßten die Preise konsequenterweise jetzt doch bedeutend ermäßigt werden können, nachdem, der Dollar um etwa 275°/, zurückgegangen ist. Warum schweigen hier die maßgebenden jüdischen Vereinigungen (Freie Bereinigung, Agudas Jisroel re.) bei dieser, die jüd. Interessen so sehr berührenden Frage 7 ES ist doch eine eminente Gefahr, bei den heutigen schwierigen Lebensverhältniffen die acht Tage Pesach, unser „Befreiungsfest" durch solch übermäßig hohe Mazzothpreise noch schwieriger zu gestalten. Es begeht m. E. ein Jeder, der hierzu befähigt wäre, eine Unterlassungssünde und macht sich mitstrafbar, der es unterläßt, diesem Treiben entgegenzutreten. Da sanfte Maßnahmen bisher gar nicht wirkten, scheinen kräftige Mittel am Platze zu sein und möchte ich Vorschlags, daß, wenn obengenannte Bereinigungen nicht eingretfön soMen, die Interessenten zur Selbsthilfe greifen und einen „Schutzverband gegen übermäßige Mazzothpreise" gründen sollten. Ich bin fest davon überzeugt, daß eine Nach- Prüfung irgend einer objektiven Behörde (vielleicht ein jüd. Beth-Dtn) unter aller Berücksichtigung der schwierigen Verhältnisse der Zeit und ganz besonders dev Herstellung von zuverlässigem Mazzoth, die ihren Herstellern eine besondere Rentabilität bringen müssen, der Preis der Mazzoth dennoch bedeutend niedriger gehalten werden kann. Es soll den Herstellern nicht ihr sauer erworbener Verdienst, sondern nur übermäßige Konjunktur-Gewinne auf Kosten der jüdischen Allgemeinheit vorenthalten werden. Einer von Bielen, der verhindern möchte, daß ein ganz besonders schwerwiegender Mich sch o l in viele jüdische Familien Deutschlands hineingetragen wird. B. (Wir können Mitteilen, daß die Leitungen der von dem Einsender genannter Organisationen entsprechende Maßnahmen fürs nächste Jahr ins Auge gefaßt haben; der „Israelit" hatte dieses Jahr vergeblich versucht, durch einen Appell an die gesunde Vernunft der Bäckereien, diese zur Anerkennung einer objektive« Preiskontrolle zu bewegen. Alles scheiterte an dem- Starrsinn der BerbandSlett«ng. Red.) f

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