Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1923-02-15 · Heft 7 (15.2.1923) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 7 (15.2.1923)
Date
1923-02-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450238-2450244--70353-2527596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

@*iif S. ttr 4 Blatter A-nda-Zdeal und zeschtwchesuch. Ein Wort an unsere Jugend! Me Agudas Jisroel will die jüdischen Gesamtheitsausgaben im Geiste der Thora lösen. Mit diesem Programm anerkannt sie erstens die Existenz einer jüdischen Gesamtheit und zweitens, daß der innere, geistige Zusammenhang dieser Gesamtheit aus der gemeinsamen Verpflichtung aller Juden beruht, dem Thoragottesworte in Gesinnung und Tat ewige Treue zu beinah ren. Wollt ihr dieses Programm bis in seine letzten Tiefen durchschauen und erfassen, dann müßt ihr schon früh beginnen, dieses Thoragotteswort, dem eure Gesiunuug und Tat znreisen soll, mit eurem Geiste zu vermählen. Tie Vermählung eures Geistes mit der Thora setzt aber voraus, daß ihr nach eurem Austritt aus der Schule zumindest ein ganzes Jahr ausschließlich dem Studium der Thora widmet, gleichwie im Sinne des Gotteswortes der Gatte das erste Jahr — - seiner Ehe ausschließlich der Gattin widmen müßte. D a r u m ergeht a u euch u n s e r Ruf, die Jeschiwa zu besuchen. Fern allem Lärm des Tages, fern allen verwirrenden Einflüssen, mit welchen ein al'lzufrüher Beginn praktischer Berufstätigkeit den jugendlichen Geist bedroht, erschließen sich euch auf der Jeschiwa die Gemächer des Gotteswortes, die euren Geist nach innen wenden, statt ihn schon früh, schon in den Jahren feiner größten Empfänglichkeit nach außen, an Dinge irdischer Nichtigkeit oer strönren zu lassen. Der Aguda wichtigster und wirks a m st e r P i o n i e r i st die Ieschi w a. Die Agudas Jisroel ist sich selbst darüber klar, daß sie mit ihrem Programm von vornherein auf eine Fülle von Widerständen stößt. Denn während andere Organisationen bestrebt sind, allen Richtungen des Judentums gastfreundliche Aufnahme zu gewähren und demgemäß in ihrem Programm nur von solchen Mngen zu reden, die allen Richtungen genehm sind, stellt sich die Agudas Jisroel entschieden und klar auf den Boden der Thora, obwohl sie genau weiß, daß sie mit dieser eindeutiger: Bestimmtheit ihres religiösen Betenntrrifses ihre Organisation mit bem Brandmal der Exklusivität versieht und weite Kreise der Judenheit, die das religiöse Bekenntnis der Aguda ablehnen, von sich abstößt. Gerne nimmt aber die Aguda den Vorwurf der Einseitigkeit in Kaust mil sie die unendliche ideale Bedeutung!, die dieser Einseitigkeit in solch verwirrten Zeiten, wie es die Gegenwart ist, innenwhnt, garnicht hoch genug einzuschätzen vermag. Sie würde es als eine Abdankung der Thora empfinden, Jvenn sich jemals Herausstellen sollte, daß diese Thora wohl noch immer stark genug ist, die Seele einer jüdischen Gemeinde zn sein, daß ihr aber die Fähigkeit abgeht, eine jüdische Weltorganisation zu beseelen. Tie Aguda ist nichts anderes als eine Probe ans die organisatorische Lebenskraft der Thora. Sie würde von vornherein am Ausgang dieser Probe verzweifeln, wenn sie sich mit der Rolle einer orthodoxen Fraktion innerhalb einer religiös neutralen Weltorganisation sich bescheiden wollte. Denn nicht ein Glied am jüdischen Volkskörper ist die Thora. Sie ist die Seele dieses Körpers. Ihre organisatorische Lebensform kann darum nicht die einer Partei neben anderen, sondern nur die eines selbständigen Weltverbandes aller zu ihrem Programm sich Bekennerchen sein. Das politische Programm der . Aguda setzt einer: tiefwurzelnden 'Glauben an die allen Schwierigkeiten obsiegende Kraft der Thora voraus. Tief wurzeln wird aber dieser Glaube in der Aguda nur dar:::, weun vor allem ihr, die Äugend der Aguda, diesen Glauben mim werdet. Wie anderkönntet ihr i aber diesen Glauben Wurzel fassen lassen in eurem Herzen, als indem ihr schon früh, unmittelbar nach eurem Austritt aus der Schule, allen Schwierigkeiten des Erwerbslebens und allen Widerständen einer sogenannten Lebensklngh eit zum Trotz, in den Hallen der Jeschiwa die Wahrheit des alten Wortes „die Thora geht über alles" zunächst einmal in euch und an euch selbst erproben w erde t. Ist dieses Wort erst einmal zum Träger eures geistigen Lebens geworden, dann kann und wird es euch nicht schwer fallen, einzusehen, warum dieses Wort zugleich die grundlegende Wahrheit der agudistischen P o l i - t i k enthält. Der Aguda wichtigster und wirksamster Pionier ist die Jeschiwa. Kraft ihrer organisatorischer: Selbständigkeit ist die Aguda imstar:de, die jüdische Assimilation auch in der versteckten Form ihrer nationalistischen Verkleidung zu bekämpfen. Eine jüdische Nation, die es ablehnt, Israels Religion in den alles beherrschenden Mittelpunkt ihres Denkens, Fuhlens und Wöllens erheben, ist im Sinne der Aguda nicht minder assimiliert, als eine jüdische Kirchengesellschaft, die im Aufbau ihres religiösen Leber:s sich nach frenrden Maßstäben orientiert. Für die Aguda ist Religion nicht Privatsache, sondern im Gegenteil: ihr ist jede Privatsache Religion. Wie sollte sie da jeden Versuch einer Lösung jüdischer Gesamtheitsaufgaben, der sich nicht grundsätzlich auf das Diktat der Thora feftlegt, anders denn als nationale Assimilation, d. h. als inneren Widersplilch verwerfen! Niemals hätte aber diese innere Widerspruch der nationalen Assimilation in so weiten Kreisen der Judenheit sich feftsetzen können, wenn ihr nicht die Assimilation der j ü d i s ch e n Wisse n s ch a f t vorausgegangen wäre. . Erft seitdem „Emunath Chachamim", der Glaube an die mit keiner anderen Weisheit vergleichbare Weisheit der Weisen ins Wanken geriet und auch die Wissenschaft des Thoragotteswortes ihre Einordnung in die theologische Sphäre des menschlichen Wissens sich gefallen lassen mußte, wo sie dein Ungefähr kritischer Forschung und subjektiven Fürwahrbefmdens restlos preisgegeben ward, konnte und mußte sich der Wahn erzeugen, als ob auch die jüdische Nation unreine unter arrdern und auch der ftidische Gott nur einer unter anderen wäre. Nur die Verdrängung der Jeschiwoth, dieser Pflanzstätten der „ Emu:: ath Chachamim", durch den Geist wissenschaftlicher Assimilation hat die jüdische Einheit „Gott, Israel und Thora" z e r t r ü n: m e r t. Der Aguda wichtigster und wirksamster Pionier ist die Jeschiwa aber auch deshalb, weil ihr Jungen nur auf der Jeschiwa zu dem, was „Kewaud Hathora" heißt, zur Ehrfurcht vor der Thora und ihren berufenen rabbiNischen Vertrete r n n a ch d r ü ck l i ch st h e r a n g e b i l - d e t werdet. Die Eigenart der Aguda, die als einzige jüdische Weltorganisation Israels Religion die ihr gebührende Stellung mttoeift, gelangt am deutlichsten znn: Ausdruck in ihrem wichtigsten Organe: dem „rabbinischen Rat". Zentralräte, Exekutiv-Büros, Palästinazentralen usw. findet ihr auch bei archeren Organisationen. Einen rabbinischen Rat, der die gesamte Tätigkeit der Organisation überwacht und für die Uebereinstimmnng dieser Tätigkeit mit dem Geiste der Thora die moralische Verantwortung tragt und der in dieser seiner zentralen Bedeutung das bei uns im Westen schon längst innerlich ,ausgehöhlte Räbbinertum zu neuem Leben zu erwecken berufen ist. — einen rabbinischen Rat, der mehr ist als romantische Dekoration, der in sich selbst die Autorität der Thora verkör.- prrt — einen rabbinischen Rat hat nur die 15. Februar 1923 I Agudas Jisroel und kann nur die Agudas Jisroel haben. Wird es einmal der Agznda gelingen (sie steht ja heute erst am Anfang ihrer Tätigkeit), ihr organisatorisches Werk zu vollenden, d. h. die Gesamtheit aller zu Israels Religion sich Bekennenden unter das Banner der Thora zu scharen, so wird diese ideelle Tat den Glanz aller praktischen Tagesarbeit, die ja schon bisher in erstaunlicher Fülle geleistet wurde, überstrahlen. Denn alle die praktischen Aufgaben, die aus der Not des Tages' erstehen, um den vielleicht ganz anders gearteten Anforderungen des folgenden Tages zn weichen: all das tritt vor dem Ewigkeitswert einer Tat in den Schatten, die nichts geringeres als die Auferstehung Israels als Gottesvolk, als Gottes g e s e tz e s - Volk bedeutet. , Mit dieser Tat aller Taten würde sich der Agudismus in Messianismus verwandeln. Ob hierfür die Zeiten schon reif sind, kann nur die Zukunft lehren. In eurer Hand, ihr Jungen, ihr Reifenden, liegts, das Unreife zur Reife zu bringen! pmimfpende für die Ehaluzim. Eine der wichtigste:: Erez Jsroel-Aufgaben der Orthodoxie besteht in der Entsendung geeigneter, von Thorageift erfüllter Arbeiter nach Palästina. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel bildet schon seit geraumer Zeit irr Deutschland thoratrene junge Leute als Handwerker aus und hat zu diesem Zwecke einen Chaluzim-Fonds eingerichtet. Unsere Bitte geht an alle Freunde unserer Bewegung, zu Purim, diesen Fonds reichlich zu bedenken, damit wir in der Lage sind, unsere Arbeit in vergrößerten: Maßstabe fortzuführen. Auch in deutscher Valuta kann hier für Erez Israel Großes geleistet werden. An alle unsere Orts- und Jngendgrnpper: geht die Bitte, Purimsammlnngen zu veranstalten und uns das Ergebnis derselben baldmöglichst e i n z n - senden. Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Postscheckkonto Frankfurt a. M. 53900. Sine Agudakolonie in Erez Arorl. Auf der letzten Landeskonferenz unserer polnischen Landesorganisation wurde zum Zwecke der Gründung von Kolonien in Erez Jisroel eine kooperative Genossenschaft unter dem Namen „Bajis Wnachaloh" ins Leben gerufen. In deren Auftrag hat nunmehr eine Delegation bestehend aus einigen Mitgliedern des polnischer: Landeskomitees gemeinsam mit Fachleuten südlich von Pethach Tikwo auf dem historisch berühmten Boden von Bene Berak Lar:d angekauft. Durch die Nähe der Bahnstrecke Jaffa-Lud (Lud ist der Knotenpunkt für die Eisenbahn nach Jerusalem, Haiffa, Jaffa und Aegypten) einerseits, und durch die nächste Nähe des Teiches Jarkon, der für das Ruthenbergische Elektrifikationsprojekt vorgesehenen Ueberlandzentrale, dürfte Bene Berak auch in industrieller Beziehung günstige Zukunft aufzuweisen haben. Nach fachmännischem Urteil soll der Boden für landwirtschaftliche Kulturen besonders geeignet sein. Die Kolonie wird bis zn einem Dun am, in kleine Teile parzelliert, sodaß jedem Interessenten die Möglichkeit gegeben werden kann, ein Stück Erez Israel - Erde sein Eigen zu nennen. Mit der Gründung dieser Kolonie unternimmt Agudas Jisroel einen Versuch, dessen Erfolg von der Bereitwilligkeit jedes einzelnen Agudisten abhängt, sich an Mizwas Jischuw Erez Israel zu beteiligen. Nähere Auskünfte erteilt Palästinazentrale der Agudas Jisroel Frankfurt a. M., Eschenh. Anlage 81.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.