Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1923)
- Date
- 1923-02-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450238-2450243--70327-2527568- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
64- Mrgaim. Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründe! non ßr. Lehmann in fflainz 8. Februar 1923 ssss SnmMurf a. M.. Sen 22. Schebat 6688 M 6 Avonnement pro Vierteljahr ab 1. Januar 1923: Deutschland 6.50 M. monatl., rnultipttziertm. der jeweilig. Schlüsselzahl des Börsen- -b er eins. (Januar M. 200.—, FehruarM. 45Ü.—)Lfchecho«Slowakei Kr. 15.— Viertels., Ungar» Kr. 666.— viertelj., Deutsch Oesterreich und Polen: Deutscher Preis zuzüglich jeweiliger Bersandtspesen. (nur in deutscher Reichsmark) Rumänien 35 Lei, Holland fl. 2.—, Skandinavien Kr. 4.—, Schweiz ks. 2.56, Frankreich Fr. 6.—, Belgien Fr. 7.56, England 2 sh. 6 p., Amerika 0.75 Dollar vierteljährlich. —Einzelnummer 120 — Mk. — Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate Mk.80S.—,f.StellensulbendeM:15O.—, f. d.sechsgsp.Col..Z, elnschl. TeuergSzschl.; Chiffregeb.M.IOO. AuSl.-Jns M.SOO pro Zeile. Rab. n. Tarif. Bei lanf.Jnseratanftr.tarism. Preiserhöhung jederz. vorveh. Jnserateuannahme durch den Verlag des Israelit G.m. b. H., Frankfurt« M., Gr. Gschenheimerstr. SS, Del. 5842, Amt Hansa, sowie samtl. Annoncen-Exped. der In« und Auslands. Plaüvorschrikten ohne Verbindlichkeit. Für Frankfurter Geschöftsanzeigen alleinige Jnseraten-Annahnle bei Julius Schmidt, Langestrahe 3. Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 49868 — erfolgen au: Postsparkasse Wien No. 79 666 Postsparkaffenomt Budapest No. 18 424 Postscheckamt Zürich Nr. Till 7884 Postscheckamt Amsterdam No. 84 869 Böhmische Unio»va«r in Prag Bsnca IsrmaroBCh Blank & Co. in Bacaroa* Filiale des Wiener Bankvereins in «gram Der fiatiidrudt der firllftel und Correfponden?en des »lsrsettl" Iß nur unter genauer Quellenangabe, und, lvweli es flifi um größere Huffäfee handelt, nur nach norherlger öenehmigung geffaffet Jnhattsübevftcht. 1. Leitartikel: Der Sabbat in Jerusalem.— 2. Wochen rund sch au: Lausanne. — Die Lage in Polen. — 3. Aufsätze: Rabb. Dr. S. Kaatz, Hindenburg O. S.: Die allerneueste „jüdische^' Wissenschaft. — 4. Kleines Feuilleton: Laßt die Vögel singen!.. — Dr. I. U.: Eine philosophische Handbibliothek. — 5. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin (Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands.) — Nürnberg (Eine Stimme der Vernunft in Bayern). — Oldenburg (Lehrertagung.) — Warschau (Die Chedarim in Polen.) — Warschau (Fremdengesetze.) — Sofia (Aus Bulgarien.) — New-Aork (Die Bibliothek des Lubawitzer Rabb.) — 6. Vermischtes. — 7. Frankfurter N a ch r i ch t.e n: Der Frankfurter Ghettobrand. — Judentum und Staat. — Generalversammlung des Mekor Chajim. — Wirtschaftsfond des jüdischen Beamtenbundes. — Jüdische Frauenvsreinigung. — Kunstausstellung. — 8. Bereinskalender. — O.Gebetz e i t e n. — 10. F a m i l i e n a ch r i ch t e n. — 11. F e u i l-!eton-Betlage:S. Jzchaki: Die Drei aus dem Klub „Liberias". — 12. Kind er ecke: Hebräische Spruchweisheit. — Personalien. — Briefkasten. — Vermischtes. — Literarisches. Der Sabbat in Jerusalem. In Jerusalem und anderen Städten Palästinas ist es mit der öffentlichen Sabbatentweihung so, weit gekommen, daß eine Delegation dem Oberkommissar zu erwägen geben mußte, ob nicht staatliche Machtmittel zum Schutze des Sabbatsin Anwendung zu bringen wären, sei es durch Schaffung gesetzlicher Verordnungen oder durch Ausdehnung oder Interpretierung älterer Gesetze aus der Türkenzett. Herbert Samuel, der jüdische Vertreter der englischen Oberhoheit in Palästina, erwiderte mit Worten, die aus gut jüdischem Herzen stoffen, die aber keine Spur von Versprechungen und bindenden Zusagen enthielten. Mit Gesetzen sei hier nichts auszurichten. Als einziges zuständiges Forum sei hier die öffentliche Meinung auszusprechen, s t e müsse urteilen und verurteilen und kraft ihrer Autorität die gröbsten Uebel abstellen. Er und sein Haus würden nach wie vor treu zum Sabbat halten und auch in den Regierungsämtern soll das Prinzip der Sabbatruhe gewahrt bleiben. Wir find weit davon entfernt, dem Oberkommiffar aus diesen etwas allgemein gehaltenen Aeußerungen einen Vorwurf zu machen. Wir können uns in seine schwierige Lage recht gut versetzen. Als Jude blutet ihm sicherlich das Herz beim Anblicke der öffentlichen Attentate auf die Heiligkeit des Sabbats; als erster Beamter Palästinas, das im Sinne der großen Diplomatie wie nach seiner inneren Struktur heute noch nicht Erez Jsroel ist, ist er der Londoner Zentralregierung gegenüber verantwortlich, und verpflichtet, die Geschäfte und Jntereffen aller Nationalitäten und Bevölkerungsteile in gleichem Maße zu wahren. An und für sich wäre btt Erlaß einer Verordnung, die in den Straßen der jüdischen Siedlungen (den Kolonieen, Tel-Awrw und jüdischen Stadtvierteln) den Handelsverkehr sowohl wie sonstige öffentliche Sabbatentweihung durch Rauchen, Fahren, Reiten verbietet, ein durchaus gangbarer Weg, um dem Empfinden aller anständigen Menschen für die historische Eigenart Palästinas Rechnung zu tragen und die der inneren Kultur entbehrenden jungjüdischen , Nationalisten in die Schranken zu weisen. Schwierig wird die Sache nur in den gemischten Wohnvierteln. Drei öffentliche Ruhetage, Freitag, Sabbat und Sonntag, wären des Guten etwas zuviel, und wir können daher begreifen, daß Herbert Samuel, der doch in erster Reihe Verwaltungsbeamter ist, einer Lösung des Problems auf dem von der Deputation angeregten Wege solange wie möglich auszuweichen sucht. Es bleiben für ihn in der Tat nur moralische Mittel übrig. Doch wäre es vielleicht angebracht gewesen, sich über diese moralischen Mittel, die Autorität der öffentlichen Meinung etwas klarer auszusprechen, als es aus Anlaß dieser Audienz geschehen ist. In einer Zeit, da leider allüberall die größten Schreier die Straße beherrschen, ist die „öffentliche Meinung" ein sehr unsicherer Schutzwall für heilige Dinge, die, wie der Sabbat, bis an die Tiefen der jüdischen Seele heranretchen. Jugendliche Elemente strömen aus dem Osten ins heilige Land und bringen soviel Religionshaß mit, daß er sich öffentlich auf der Straße, begünstigt von einer rein nationalen, religiös destnteresstrten Atmosphäre, entladen muß. Geschieht es einmal, daß ein paar von den Altgläubigen auf dem Wege zur Synagoge in einer aus Soltdaritätsgefühl und reiner Liebe zum heiligen Boden entsprungenen Entrüstung einen der größten Sabbatschänder zur Rede stellen, so ist die Pol'zet gleich am Platz (zumeist sogar ein jüdischer Polizist mit Laterne), um nicht den Sabbatschänder, sondern den „Ruhestörer" aufs Revier zu zerren, wo am Sabbat von jüdischen Beamten Protokoll ausgenommen wird. Wo ist hier die öffentliche Meinung und wo bleibt ihre Autorität? Die öffentliche Meinung in den Straßen Palästinas wird leider durch die Vernichter des Sabbats beherrscht, das Gros der Treugedliebenen hält sich in den tiefsten Gemächern verborgen, um dieser skandalösen Vorgänge nicht Zeuge zu sein. Wer aber in Aufwallung heiligen Zorns zu protestieren wagt, wird in den öffentlichen Amtsstuben vor die spitzen Sabbatfedern der jüdischen Protokollführer gestellt. . . Für diesen Amtseifer der subalternen Beamten kann man den Oberkommiffar vielleicht nicht in allen Fällen verantwortlich machen, aber es wäre hier die beste Gelegenheit gewesen, dem Inhaber der oberen Regierungsgewalt in Palästina einiges über die Art, wie in Palästina die „öffentliche Meinung" gemacht und von seinen UnterÜeamten geschützt wirv, zu erzählen. Das vor kurzem zu neuem Leben wieder erwachte Misrachi-Organ in Jerusalem, der von Rabbiner Fischmann geleitete „Hathor",. spricht sich in der letzten Nummer sehr begeistert aus über ein Rundschreiben des Oöerrabbtner Kuck, darin das jüdische Volk in Palästina zur Sabbatheiligung gemahnt wird, und nimmt ebenso hoffnunasfroh die sabbatfreundlichen Aeußerungen des Oberkommtffars entgegen, um dann wörtlich zu fragen: „Und warum sollen wir in Wahrheit darin hinter allen Völkern zurückstehen? Gehen wir Sonntags durch die Straßen Warschaus, Londons oder sogar New- Aorks, so ist dort die Sonntagsruhe fast greifbar in der Luft, alles spricht von Fest und Weihe. Warum merken wir nichts derartiges, wenn wir an unserem Sabbat durch die Straßen Jerusalems oder Tel Abibs, der ersten neujüdischen Niederlassung, wandeln? Weiß doch jeder Eingeweihte zu erzählen, daß vor dem Kriege vor der Schechuna Tel Abib (sie war.damals noch keine Stadt) eine BarriLre aufgerichtet war, um das Einretten und Einfahren in den Ort zu verhindern. Welchen Jubel hatte die Kunde damals in der Diaspora ausgelöst! Und heute, heute fitzen i» den Straßen von Tel Abib die Araber am heüichien