Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1923)
- Date
- 1923-02-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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. i. Febrvär 1923 |Y..——n i r r j-fiinir nin-lYrnn-rry r den Trauernden vor den Gefahren ausschweifender Schmerzgefühle bewahrt. Me dort das frei schweifende Gefühl in fest umrissenen Fornren itttb Schranken eingefangen wird, um zu verhindern, daß der Trauernde sich restlos an den Gegenstand seiner Trauer verliert, so werden auch hier dem sozialen Gefühl Zügel angelegt, um es vor den Gefahren wirtschaftlicher Selbstentleibung zu bewahren. Und wie dort der zur Teilnahmslosigkeit erstarrte Egoismus durch die Pflicht des Trauerns zum Mitgefühl gewaltsam aufgestachelt wird, so sorgt auch hier das Gesetz durch den kategorischen Imperativ des Gebells, das unter Umständen gerichtlich erzwungen werden kann npTltn P33®öü - bctfilr, daß der allen Abrahamiden angeerbte soziale Instinkt niemals und nirgendwo, auch wenn Armut nnd Elend zu schier unbezwingbarer Ueberfülle gedeihen, zu kalter Wgestumpftheit erfriert. - Allein wir sind abgestumpft . . . Hier liegt die Wurzel alles Ueibels der Zeit. Wären wirs nicht, vermöchten wir das finstere Elend unserer Tage noch mit jener ungebrochenen Gefühlsstärke tu uns aufzunehmen, mit welcher wir vor acht Jahren den Zusammenbruch der alten Welt erlebten, könnten wir noch heute, so oft eine Hiobsbotschaft voll irgendeiner Stätte des inenschlichen, des jüdischen Elends zu uns gelangt, so erstaunt und entsetzt aufhorchen, wie wir damals aufgehorcht haben, als die ersten. Tonnerschläge von den Schlachtfeldern in West iutb Ost den Ruf „Eiue Welt bricht zusammen" zu uns herübertrugen, dann bedürfte es fürwahr keiner Mahnung zum Geben, um alle die vielell, vielen in Gebemüdigkeit Versunkenen, ja, dem freudigeir, reichlichen, großzügigen Geben völlig Entschlafenen aus ihrer sträflichen Lethargie zu wahrhaft abrahaluirischer Gebefreu-digkeit attfznrütteln, die heute Tausende und Millionen gibt, wo sie einst — vor den Jahren dieser Wellwende — Hunderte nnd Dausende gab! Und es bedürfte keiner Mählnmg an sie, ihrer jüdischen Gemeinde- und Gesa m t h e i t s st f l i ch t e n sich bewußt zu werden. Denn die Jahre dieser Weltwende haben auch die jüdische Gemeinde und — den Oberbegriff aller jüdischen Gemeinden — die jüdische Gesamtheit, vor die Frage des Seins oder Nichtseins gestellt. Ist es nicht unerhört, daß. man in so vielell jüdischen Gemeinden das Gemeindebewnßtsein vielfach so erloschen findet, daß die. dringlichstell Gemeindepflichten einfach nicht mehr erfüllt werden könnell Und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die nreisten der Gemeindemitglieder, die in ihrem Geschäftsbüro imr noch mit Millionen und Milliarden rechnen, im Augellblick, wo es gilt, den jüdischen Gemeindeetat ,aufzustellen, kalt lächelnd in die niederen Regioneil der Tausende und Hunderte niedersteigen, ohne diesen krassen Klimawechsel als den sicheren Ruilr des Judentums zu empfinden? Ist es etwas allderes als niedriger, hartherziger Egoismus, werm leistungsfähige Gemeinden die Eingrupstierung ihrer Beamten in die entsprechenden staatlichen Besoldungsklassen entweder glatt verweigern oder bei jeder neuen Teuerungswelle sich förmlich abbetteln lassen, obwohl der Vergleich der rituellen Lebenshaltung jüdischer Gemeindebeamten mit der viel billigeren' christlicher Staats- und Stadtbeamten auf mehr als einem Fuße hinkt, und obwohl die filzigS-knickrige Art, wie von dieser Besoldung vielfach alles abgezwackt wird, was trur irgendwie abgezwackt werden kann, das beste Mittel ist, um jeden unternehmungslustigen Knltusbeamten, den der Ekel vor seiner Kehilla übermannt, aus seinem heiligen Berufe in den zwar etwas weniger heiligen, dafür aber umso einträglicheren Beruf des Schiebers abzuschieben? Und ist es nicht ein trauriger, beschämender, wahrhaft niederdrückender G3>anke, sich sagen zu müssen, daß heute die wichtigsten jüdischen Gesamtheitsaufgaben wer weiß auf wie lang unausgeführt liegen bleiben müssen^ weil es den berufenen Organisationen^! der Freien Vereinigung, der Agudas Jisroel ufw. - l an den nötigen Millionen fehlt, um diese Aufs gaben zu erfüllen? Wir sind Mgestumpft . . . Wir haben uns unter dem lähmenden Einfluß einer immer verhängnisvoller sich arlswirkenden Weltkatastrophe, wie die Schnecke in ihr Hänschen, ans Uns selbst, auf die Sorgen um unser und unserer Kinder Schicksal zurückgezogen und haben uns angewöhnt, 'sowohl das Unglück der Enterbten, die unter das Rad dieser Zeiten kamen, wie auch das Schicksal der Ideen und ihrer Organisationen, die an Blutleere und Unterernährung dahinsiechen, achselzuckend als ein unabwendbares Fatum zu empfinden. W!o kämen wir aber hin, wenn einmal wirklich durch unsere Schuld diese Ideen und ihre Organisationen rettungslos verkümmern sollten! Hast du, ^engherziger Geber, der du bei einem Tollarstand von soundsoviel Tausend deine Papiermarkscheine soundsooft mit allen Zeichen ängstlicher Unentschlossenheit herumdrehst, bevor du sie, unter obligatem Seufzen und Klagen über die schweren Zeiten, deiner Kehilla, der Freiet: Bereinigung, der Agudas Jisroel usw. zur Verfügung stellst,; 1 den Gedanken schon einmal gehörig durchdacht,! daß du diese Papiermarkscheine nicht deiner Ke-! hilla, nicht der Freien Vereinigung, nicht der k AgUdas Jisroel, sondern in Wirklichkeit dir selbst und der Zukunft deiner Kinder schenkst? Willst du haben, daß deine Kinder einmal in! einer jüdischen Atmosphäre atmen sollen — und j du mußt das haben wollen, wenn deine Kinder im Augenblick, wo sie anfaugeN, deiner unmittel-! baren Zucht sich langsam zu. entwinden, wesensfrenrdeu Gemeinschaften nicht verfallen sollen — dann mußt du mit deiner ganzen Kraft uriti helfen, daß diese jüdische Atmosphäre rechtzeitig geschaffen werde und ihr die nötige erzieherische Spannkraft innewohne, um deine Kinder wirklich in ihren Bann zu ziehen, j Märkscheine sind elende Papierfetzen, wenn j sie in eitle Körperlust verwandelt werden. Veri wende sie so, daß sie in Bausteine jüdischer Zukunft sich verwandeln. (Schluß folgt.) Aus der Bewegung Berlin, 26. Jan. Große Agudavers a in m l u n g i n Berlin.?V"iv am 11. Tebet fand im großen Saale des Hotel Atlas in Berlin eine imposante Agiudaversanmrlungzu Ehren der Zentralräte, die den Samstag in Berlin verbrachten, statt. Rabbiner 'Dir. Munk ‘ eröffnete die Versammlung und gab der Freude Ausdruck, solch würdige Gäste in Berlin begrüßen zu können. Rach ihm ergriff der Slobodkaer Raw M. M. Epstein das Wort und hob die Bedeutung der Breslauer Tagung hervor. Besonders begrüßte er jene Beschlüsse des Zentralrates, die eine praktische Erez Jisroel- Arbeit der Orthodoxie fördern. Auch freue es ihn, feststellen zu können, daß die Notwendigjkeit und Bedeutung der Organisierung auch innerhalb der Orthodoxie erkannt wird. Organisation bedeute Kraft und Lebenswillen. Mehr denn je bedürfe man heute einer Organisation, deren Organisationsprinzip die Thora ist. Auch in früheren Jahrhunderten gab es verschiedene Strömungen und Bestrebungen im jüdischen Volke, aber sie alle hatten irgend ein Verhältnis zu unserer Religion. Heute, wo Strömungen herrschen, welche die Religion als Privatsache ausschalten wollen, ist unsere Arbeit besonders wichtig. Es erfülle ihn mit großer innerer Befriedigung, daß die Idee der Agndas Jisroel in unserer Jugend so feste Wiurzel geschlagen hat. Die erste praktische Auswirkung dieser Idee ist, daß die deutsche thoratreue. Jugend sich erfreulicherweise in größerem Maße dem Thorastudium widmet, als es früher der Fall war.^ Er übermittle dieser deutschen Jägend die Grüße der berühmten Slobodkaer Jeschiwa, wo dreihundert Bachurim ihr Leben iausschließlich dein Thorastudium widmen. Nach ihny Wach Nr. 3 Brtre £ „ Rabbiner FeiwelsohN-Kupitschik. Er hob den Wandel der Zeit hervor. Einst war Berlin, der Ausgangsort der Reform, im Osten verachtet. Nun sehe er aber den großen Andrang zu einer Agudaversammlung, zur Begrüßung der Thora- 'größen aus dem Osten und er sei glücklich, diesen Wandel feststellen zu können. Wenn wir, führt Redner weiter aus, in unseren Heimatländern für AgUdas Jisroel arbeiten, so schwebt uns nicht etwa eine Partei vor Augen, sondern Klall Jisroel, das sich seine. Seele nicht entreißen lassen will. Derselbe Gedanke schwebt vor uns,' wenn wir die Notwendigkeit der Erez Jisroel-Arbeit betonen. Rabbiner Dr. Hermann Klein, Berlin, begrüßt besonders die Tatsache, daß die Aguda, die so viele junge Leute in Berlin begeistert und zum Thorastudium bringt, diese Tatsache verwandelt die einstige „Schande von Berlin" in einen Ruhm, welcher in der Geschichte verzeichnet sein wird. Danach sprach Rabbiner Kalmanowicz aus Rakow; er beschäftigte sich hauptsächlich mit der Lage der Judenheit in Rußland. Der größte Feind des jüdischer Volkes war Bileam, der ihm die Thora' nehmen wollte. So genügt uns auch heute Land, Sprache, Handel und Gewerbe allein iricht. Wir brauchen zu unserer (Aistenz die Thora. Jene Kreise in Rußland, die im Beth Hamidrasch erzogen und der Thora treu geblieben sind, halten noch immer trotz Hungersnot Pessach und lassen ihre Kinder Thora lernen, wenn es noch so gefährlich ist. Leider herrscht in Rußland nicht nur eine -große Hungersnot, sondern auch ein großer Mängel an Seforim und Ritualien. Dies nach Rußland zu schaffen sei vielleicht nötiger als Brot. Nachdem noch Räbbiner Zolles, Stryi, gesprochen hatte, schloß Räbbiner ^r. Munk die würdige Versammlung mit einem warmen Appell an die Anwesenden, mit erhöhtem Eifer zu arbeiten. Berlin, 29. Jan. Tie Generalversammlung oer hiesigen Jugendgruppe findet am 7. Februar abends 7Vs Uhr in der Rosenstr. 2—4 statt. Fulda, 29. Jan. Hessischer Bezirkstag der Agndas Jisroel. Wegen Lokalschwierigkciten ist die Tagung auf den 18. Februar verlegt worden. Als Redner sind in Aussicht, genommen: Herren Leo Munk, Mar Eoheu, Dr. Willi Hoffnmnn. Anmeldungen an Herrn Mar Nußbaum, Fulda, Heinrichstraße, erbeten. Breslau, 21. Jan. (Sonderbericht unseres Mitarbeiters). Dos Befinden des um unsere Sache so verdienstvollen Vorsitzenden der O. G. Breslau, Bankier Georg Hermann Loewy, Mitgliedes des Zentralrates hat.sich leider nicht gebessert. Tie Aerzte halten als einzige — nach menschlichem -Ermessen — mögliche Rettung die sofortige Amputation des Beines für notwendig. Der Kranke sieht mit bewunderungswürdigem Heroismus der Operation entgegen. In sämtlichen Breslauer Synagogen wird heut Dehillim für unsern Freund gesagt. Wir bitten auch die Schwestergruppen, insbesondere die zahlreichen Freunde, Heu eit Bankier Loewy persönlich nähe steht, zu veranlassen, daß in ihrem Kreise gleichfalls Tehillim gesagt werde. Sein Name ist Jehudo Hälewi Ben Lea. L. hat sehr große Summen den Institutionen der Aguda sowie den Breslauer Synagogen zugewiesen. (Leider ist wie bereits gemeldet, Georg Herm. Loewy, der Unermüdliche, inzwischen heimgegangen. Red.). Kowno, 17. Jan. In einer äußerst zahlreich besuchten Versammlung, welche die hiesige Ortsgruppe der Agudas Jisroel einberufen hatte, erstattete Sr. Ehrw. Herr Oberrabbiner Epstein Bericht über die Breslauer Zentralratssitzung. Insbesondere die Einberufung der Kenessio gedankt erweckte stürmische Begeisterung, die in zahlreichen Neuanmeldnngen zum Ausdruck kam. Jerusalem, 18. Jan. Durch die hiesige Orts- und Jugendgruppe wurden in den letzten Wochen in verschiedensten Städtteilen Jerusalems PropagäUdaversamnllungen der Agudas Jisroel mit bestem Erfolge abgeh alten. Herr Sally Guggenheim aus Basel, Zentral-