Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1923)
- Date
- 1923-02-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit» a. ni.z_ Hohbiverkern unterzußringen^ wob er" die Palapina- Zentrale dafür Sorge tragen muß, die Geldentschädigung der Lehrherren entsprechend zu ergänzen. Seit jeher war unser Bestreben darauf gerichtet, in Erez Jisroel eine 'Kolonie thoratrener Chaluzim zu errichten. Wer die Berichte unserer Brüder in Erez Jisroel liest und die Erzählungen unserer Delegierten vernimmt, der begrreift, was die Entsendung einer Kwuzo von Jereim und Schlemim in Erez Jisroel bedeuten würde und was eine fest im Boden der Thora wurzelnden Gruppe von Chaluzim durch ihr Beispiel wirken könnte. Leider hat es uns bis jetzt an .Geld gefehlt, um den hierfür erforderlichen Boden zu kaufen, an Geld gefehlt, um eine solche Kolonie zu unterhalten, und an der Möglichkeit, die hierfür geeigneten Menschen vorzubereiten und auszubilden.' Schon war unsere Palästina-Zentrale nahe daran, wenigstens die Vorbereitung der Chaluzim in die Hand nehmen zu können. Stand uns doch bereits das für die Errichtung eines Lehrgutes erforderliche Kapital, ja das Lehrgut sogar selbst zur Verfügung. Leider ist auch die Ausführung dieses Projektes durch einen unglücklichen Zufall in letzter Stunde verhindert worden. Wir dürfen jedoch hoffen, daß es den vereinten Kräften aller Palästina-Zentralen nunmehr gelingen wird, diese eminent wichtige Ausgabe bald einer Lösung zuzuführen. Von dem Gedanken ausgehend, daß die Agudas Jisroel es keineswegs ablehnt, mit anderen Organisatwn-en, insofern dieselben lediglich wirtschaftliche Interessen in Erez Jisroel zu fördern versuchen und die Wahrung des Thoragesetzes sichergestellt ist, haben wir vor wenigen Tagen mit verschiedenen anderen Organisationen zusammen eine Gesellschaft begründet, welche den Export von Waren nach Erez Jisroel betreiben soll. Es soll hierdurch den Bewohnern von Erez Jisroel die Möglichkeit geboten sein, ihre Materialien, für deren Beschaffung sie sonst nach Europa reisen müßten, oder auf Fremde angewiesen wären, anhand von Musterkollektionen in Jerusalem! selbst bei der Vertretung der Exportgesellschaft zu bestellen. Einige uns nahestehende Firmen haben sich bereits mit erheblichen Kapitalien beteiligt. Im komme zum Bericht über die Tätigkeit der palästinensischen Landesorganisation. Ich erwähnte bereits die Herausgabe des „Kol-Jisroel", welche > zunächst als Monatsschrift begründet, seit dem Monat Adac jedoch, einem dringenden Bedürfnisse folgend, allwöchentlich erscheint. Sie stellt das einzige Sprachrohr der unabhängigen Orthodoxie Erez Jisroels dar und wird sozusagen vollständig aus eigenen Mitteln der Agudagruppe in Jerusalem erhalten. Die gesamte redaktionelle Arbeit wie übrigens auch die ganze organisatorische Arbeit ber palästinensischen Aguda, wird lediglich ehrenamtlich geleistet. Um die Papier- und Drnckkosten der ersten Nummer des „Kol-Jisroel" aufzubringen, verpfändeten Frauen der Mitglieder ihre Schmuckstücke. Die Begründung der Mädchenschule ist gleichsalls aus das Konto der palästinensischen Aguda selbst zu schreiben. Die leitenden Kreise der Jereim in Jeruscholajim konnten sich nicht länger der Einsicht verschließen, daß auch die Müdchenerziehuug in ihren Anfgabenkreis einzubeziehen sei, wenn die Eltern nicht Gefahr laufen sollten, daß ihre Töchter sich anderen Socken zuwenden, wo sie nicht im Geist der Thaurv erzogen werden würden. Den Hauptteil der Kosten dieser Schule trägt die Agudas Jisroel-Jugendgruppe in Jeruscholajim. Auch zu den Kosten der Doresch Zion-Schule hat die dortige Agudas Jisroel-Jugendgruppe beigetragcn. Eine wichtige Aufgabe war, eine Ausnahmestation für die in Erez Jisroel ankomurenden orthodoxen Chaluzim zu gründen, um ihnen für die ersten Tage. Unterkommen und Verpflegung zu beschaffen, bis sie eine geeignete Stelle gefunden haben. Unsere Landesorganisation in Erez Jisroel begründete für diesen Zweck ihre Lischkas Hoalioh. Ferner war sie bestrebt, den ankommenden Chaluzim die Erlernung eines Handwerks zu ermöglichen, sowie dieselben während ihrer Lehrzeit zu unterstützen. Nach dem uns vorlie.genden Bericht wurden eine Anzahl Handwerker ausgebildet und zwar als Maurer, Schmiede, Maschinisten, Tapezierer und Sattler. Außerdem wurden eine Reihe derselben bei dem Neubau 'des Diskinischen Waisenhauses beschäftigt und zahlreichen Arbeitern andere Arbeiten zugewiesen. Auch aus kolonisatorischem Gebiete darf unsere palästinensische Landesorganisation ans Erfolge Hinweisen. Im Laufe des letzten Jahres wurden zwei Grundstücke in der Nähe von Jeruscholajim erworben, von denen das eine als Siedlungsland, für Kleinbar,ei-», das andere zum Bau von Häusern dienen soll. Trotz der in Erez Jisroel herrschenden Not und trotz der Erfüllung. mannigfacher Aufgaben hat sich unsere palästinensische Landesorganisation cs nicht nehmen lassen, an dem Hilfswerk für unsere Brüder in Rußland teilzunehmen. In der kurzen Zeit von 5 Monaten ist es ihr gelungen, 800 Pfd. für dre Ukrainehilfe zu sammeln, in Jerusalem allein 500 — ein Erfolg, wie er von keiner anderen Landesorganisation erreicht wurde. Auch die Wiener Palästina-Zentrale hat auf eine reiche Tätigkeit hinzuweisen. Besonders solange in Wien ein großer Teil der Palästina- ZMchtlinge sich befand, war die Hauptaufgabe unserer .Äläiter- Palästina-Zentrale in Wien, diese Flüchtlinge in ihre Heimat zurückzusenden. 500 dieser Unglücklichen konnte man im Laufe der Berichtsperiode in ihre Heimat repatriieren. Solange der Weg der Palästina-Emigration über Men führt, hat unsere Palästina-Zentralre allen Petenten, die sich an sie wandten, wiederholt materielle Unterstützung und jeoe mögliche Hilfeleistung geboten. Ferner hat sie ungefähr 21 Chaluzim aus einem Landgute ausgebildet und nach .Palästina gesandt, von denen oer größte Teil in Petach Tikwa Beschäftigung fand. Die groß angelegte Werkstätte des Jüdischen Hilfswerkes. der Agudas Jisroel in Wien hat ferner mehrere Plätze für junge Leute ckus dem £)|ten reserviert, die dort ein Handwerk erlernen, um dann in Palästina einen redlichen Erwerb finden zu können. Auch unsere beßarabische Landesorganisation hat bereits eine lebhafte Tätigkeit entwickelt. Laut einem bei uns eingetroffenen Berichte hat dieselbe für den Keren Hajisckuw bis jetzt 15000 Lei gesammelt, und außerdem ein großzügiges Unternehmen in die Wege geleitet, um mit einem Kapital von etwa 14 Millionen Lei ein Grundstück hinreichend für die Ansiedelung von 200 Familien in Erez Jisroel zu erwerben. Als Name dieser Kolonie ist „Gwul Jehudoh" zu Ehren des L)berrabbiners Zirelsohn vorgesehen. Die Gelder wurden mit Hilfe einer staatlich konzessionierten Lotterie aufgebracht. Bon Dc. W. Freyhan in Breslau. Tie Festtage' mit ihren farbenprächtigen Bildern jüdischen Colorits sind vorüber. Märchenhaftem Zauber gleich winken wie von überirdischen Heroen aus der Jugendzeit unseres Volkes die Grüße der Gedarrte Tauroh, die ß noch eben als Mäste in unsrer Mitte geweilt, nun aus weiter Ferne. Sie selbst haben uns verlassen und sind in ihre Gemeinden, an die Stätten ihrer engeren Wirksamkeit zurückgekehrt. Aber sie haben uns nicht mit leeren Händen zurückgelassen. Reue Wege haben sie uns gewiesen und die alten erneuert, um sie wieder! gangbar zu machen. 'Die 'Feststimmung ist verrauscht, aber die Arbeitsfreudigkeit ist geblieben. Tie Sammeltätigkeit für die verschiedenen Fonds der Aguda hat mit neuem Eifer eingesetzt Und dank der Opferfreudigkeit Einzelner Ergebnisse erzielt, die alle Erwartungen überstiegen.' Mehr als 500.000 Mk. wurden von der Breslauer Orts- und Jugendgruppe seit der Zentralratstagung für Agudazwecke gesammelt — fürwahr ein schöner Erfolg, der manche Schwester gruppe zu einer erhöhten Sammeltätigkeit anspornen sollte. Bedenkt, liebe Brüder und Schwestern, wenn etwa 50 größere Ortsgruppen es sich zur Aufgabe stellen würden, den gleichen Betrag bis zum 1. Adar anfzubringen und als Schkolimspende auf abzuliefern! Welchen Riesenschritt wäre die Aguda mit einem Male irr wenigen Wochen weiter gekommen! Was wäre damit nicht alles gewonnen! Und daß es geht, wenn nur ein wenig guter Witte und ein kleines Quentchen Begeisterung für unsere Sache und — daran darf es nicht fehlen — Opferwilligkeit und Selbstlosigkeit vorhanden ist — das hat die Ortsgruppe Breslau gezeigt. Man muß nicht immer warten, und das „Geben" verschieben, bis sich eine Gelegenheit freudiger oder trauriger Art sindet und dann erst reichlich geben! Das ist rächt der richtige Weg, den A. I. weist. A. I. ist keine politische, keine Parteiorganisation, 'A. I. ist Erziehungsorganisation, die den Einzelnen ans höhere sittliche Stufe heben will. — Darum Ihr Ortsgruppen ahmt Breslaus Beispiel nach, und Ihr werdet Eure Selbstbefriedigung in der cmszuübenden Tat finden! Als überaus wirksame Anregung für eine stärkere Beteiligung der Mitglieder an der Ortsg'ruppenarbeit haben sich in Breslau auch die Rausch-EhaudeschMersammlnngen erwiesen. Im Mittelpunkt der R.-Eh.-Versammlung des Monats Kislew stand ein fesselndes' Referat des. Herrn Rabbiner 'Dr. Hamburger, der eine Parallele zwischen den Juden der Zeit Es ras und Nechemias und den heutigen Juden zog; daran knüpfte sich eine rege Aussprache, die ihrerseits wieder eine Reihe von Anregungen brachte. — Die dieswöchentliche ZcheWh"M" i. Kebrückr 1933 famimenkunft stand noch z. T. im Zeichen der Zentralratssitzung, z. T. wies sie schon wieder aus neue Zukunftsarbeit hin. Ohne besonderes Referat fand eine allgemeine Aussprache über die Forderungen des Tages statt, die von einem der Borstandsmitgltieder geleitet wurde. 'Tiefes , mußte natürlich seinerseits über die geleisteten und zu leistenden Arbeiten erschöpfend berichten und in der Lage sein, etwaigen Einsprüchen sicher entg^genzutreten. Warum ich Euch das! alles berichte, Ihr Ortsgruppen? W!eil ich Euch zeigen will, wie es' gemacht werden muß, damit A. I. „die" Bewegung der Judenheit werde, für unsere Alten und für unsere Jungen, damit der Befreiungsmonat ein Geschlecht finde, das bereit ist, den Idealen des Judentums hingebungsvoll zu dienen. Vom Gebend Nehmen. Bon Dr. Raphael Breuer. Wir leben in einer Zeit der großen Zahlen. Tie Hunderte sind durch die Dausende, die Dausende durch die Millionen verdrängt.!Die kleinen Zahlen sind aus dem Sprachgebrauch verschwunden, sodaß neulich ein Vierzigjähriger auf die Frage nach seinem Älter nicht umhin konnte, zu antworten: 40000 Jahre . . . Aus diesem Zahlenransch erwachen unsere Zahlkräftigen vielfach erst dann, wenn es gilt, für Mische GesamtheitsamfgMen dem Dollarstand entsprechende Gaben zu spenden. 'Dann werden urplötzlich die Daufende durch die Hunderte, die Millionen durch die Daufende verdrängt. Und auch die kleinen Zahlen werden dann wieder lauf Grund der gediegenen Lebensmaxime „W!er den Gulden nicht ehrt, ist des Talers nicht wert" in ihr gutes Recht eingesetzt. 'Das sollte nicht so sein. Religiöse Menschen sollten stets bedenken, daß im Talmud (B. Kama 0) ernsthaft erwogen wird, ob die Forderung nicht ganz wörtlich aufzufassen sei und man demzufolge verpflichtet wäre, für eine Mizwa, wenn es sein muß, ein Drittel seines Vermögens hinzugeben, und daß der Talmud erst auf Grund der Ueberlegnng, daß bei solch wörtlicher Auffassung ein Zusammentreffen von drei Mizwoth den Vermögensbankrott bedeuten könnten, zur einschränkenden Erklärung N1XQ2 V'IV 1p 112» *rp'm sich entschließt: Nicht von der Preisgabe einesVermögensdrittels zum Zweck der Mizwa-Ersüllung ist hier die Rede, sondern von der Pflicht der Zugabe eines Drittels vom Wert, falls hierdurch die Erfüllung einer Mizwa in besonders schöner Werse ermöglicht wird. Vom Talmud kann man lernen, was großzügiges Geben heißt. Gar mancher kommt sich wunder wiegroßzügig vor, wenn er ein Zehntel seines Einkommens für güte Zwecke hergibt. Ein Zehntel ist aber doch nur das Mindestmaß dessen, was man zu geben verpflichtet ist. Tie Maximatgrenze ist ein Fünftel. 'Tenn auch nach oben haben die Weisen der Gebefreudigkeit eine Grenze gesetzt, wenn sie sagen: 73D'D DöH ttföiriE "Uli' mehr als ein Fünftel soll auch der Gebefreudigste nicht geben, um seine eigene wirtschaftliche Lage nicht zu gefährden. Welch freudigen Gebewillen setzt die Thora voraus, wenn sie nicht bloß geschlossene Hände zu Offnen, sondern auch offene Hände zu schließen sich getraut! .. Wenn die Thora das Geben durch ein Regulativ geordnet und hierbei sowohl nach unten wie nach oben eine Grenze ^ausgestellt hat, so ging sie bei dieser Ordnung offenbar von der Voraussetzung aus, daß das Geben ebenso wie Freude, Schmerz, Trauer, Mitleid, Zorn, Haß usw. eine Aeußerung des menschlichen Affektlebens ist, das, mehr noch als das' Leben des Geistes mit seinem Denken, Verstehen, Urteilen und Erkennen, der sorgsamen Führung und Leitung durch ein über alle Schwankungen der Gefühle erhabenes Gesetz bedarf. Lebhaft erinnert das -als Höchstgrenze des GebeM aufgestMe Fünftel m die WWW Wchvmke, die