Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1923)
- Date
- 1923-02-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 5 Sette 9 1. Februar 1923 gerecht -ü tverden. Da die Juden bis zu einem gewissen Grade im alten Deutschland, sei es aus Vorurteil, sei es aus Tradition, behindert waren, sah eS der Kaiser als Herrscher über alle als seine Pflicht an, ihnen neue Bahnen zu eröffnen, auf denen sie ihre bemerkenswerten Anlagen' und ihren Reichtum zum eignen Nutzen und zum PesM dei§ Vaterlandes verwenden konnten." '? Kindeveche. Gottes Voten. Bon Heinrich Einstädter. Als die Menschen anfingen, den Erdboden zu bestellen, da schauten die Felsen und die Berge, die Bäche und die Flüsse zuerst staunend und neugierig ihrem Tun zu. Scyollerr wurden umgedreht und Steine zur Seite geschafft, Samenkörner auSgestreut und Bäume und Sträucher gepflanzt. Bald entstanden dort, wo bisher öde Flächen gewesen wären, blumige Wiesen und reiche Felder, herrliche Gärten und schattige Wälder. Wo aber die Menschen ihre Hand nicht anlegten, wo nämlich der Boden zu steinig, zu steil oder zu schwer zu erreichen war^ da muhten die Erdschollen auch weiterhin deS bunten Kleides entbehren, mildem die anderen Landschaften geschmückt wären. Da, trauerten die kahlen Flächen. Sie schauten empor zum blauen Himmel und dachten: „Der Schöpfer hat doch die herrliche, sternenbesäte Himmelsdecke über die aanze Erde gebreitet. In seiner Absicht liegt es gewiß nicht, daß wir so zurückgesetzt werden"? Und sie hätten damit Recht. Bald sandte Gott den Wind, den er so gern zu seinem Boten bestellt. Der trug den Samen der Bäume und Gräser bis hinauf zu den hohen Bergen. Er schickte ein Heer von Vögeln, die brachten von den Früchten der Blumen und Kräuter auf ' Stellen, die noch keiyeS Menschen Fuß betreten hatte. Auch viele Schafe und andere Tiere nahmen an ihrem haarigen Fell Sämereien auf und setzten sie all entfernten Orten wieder ab. Die Wäfferlein halfen mit, die Pflanzen gaben gern von ihrem Ueberfluffe und so war bald die ganze' Erde frisch ynK sein hermlsgeputzt. Nur die höchsten Berggipfel wären^noch kahl. Da fielen vom Himmel weiße Sternchen in ungeheurer Menge und hüllten sie in ein herrliches Festkleid und die Sonnenstrahlen lieferten dazu reichen Goldschmuck. So glänzten gerade die Gebiete, die sich für die besonders benachteiligten gehalten hatten, gekleidet wie eine Braut am Hochzeitstage. Alles war nun zufrieden. Wenn im Laufe der Zeit hier ein Röckchen und dort ein Häubchen, hierein Wämschen und dort ein Strümpfchen schadhaft wurde, so trugen Gottes Boten auch schon Sorge, daß alles wieder ausgebeffert oder neu hergestellt wurdet Die Menschen aber veryrehrien sich sehr. Je zahlreicher sie wurden, desto größere Unterschieds entstanden in ihren Verhältnissen. Da gab es Leute, die besaßen Geld und Gut tu Menge, mehr als ste brauchten. Andere verdienten mit Mühe, was sie für das Leben nötig halten. Aber viele konnten nicht soviel aufbrtngen. ES fehlte ihnen an Brot und Kleidung, ste hungerten und froren. Die schauten dann auch hinauf zu dem, der das Sternenzelt über alle seine Kinder gewölbt hat und klagten: „Vater, hast du^üüser denn vergessen"? Und der Allgütige sprach mild: „Nein, Kinder, ich habe stets Euer gedacht und meinen Boten aufgetragen, daß sie Euch helfen sollen. Manche aber haben ihren Auftrag nicht erfüllt. Ich will sie aber immer wieder äüffordern, mahnen und warnen. Erst wenn die Menschenboten mir gehorchen, so wie die Sterne und Steine, Wasser und Winde, dann erst wird auch unter Men alle Unzufriedenheit schwinden". 'f' Auch heute barrt man noch dieser Zeit, die allen Menschen däs Glück bringen wird. Georg Hermann Löwy Berslan, 26. Januar. Mit Georg Hermann Löwy ist eine der markantesten Persönlichkeiten der deutschen Orthodoxie dahingegangen. Im Jahre 1878 in Rawilsch (Posen) geboren, absolvierte er das Gyminasium und trat unmittelbar in das väterliche Geschäft ein. Wer Georg Hermann Löwy naher kannte/ wird verstehen, daß die Aussichten, welche die kleine Lederhandlung einer posetsichen Prooinzstüdt im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts boten, seinem titanischen Streben nicht genügen. Kaum ' Der > dem Jünglingsalter entchächsen, gelang eS ihm, den k Warenverkehr "gänzlich" aüszuschaiten und än deffen Stelle ein Bankgeschäft zu setzen. Zwar hatte schon sein Väter, der große Familienstiftungen zu verwalten hatte, schon ein kleines Wnkgeschcift neben seinem Lederhandel betrieben. ' Die Bedeutung des Bankhauses Hermann Löwy zu welchem die Firma erhoben wurde, verlieh ihr erst die Persönlichkeit Georgs. Hier konnte er seinem Schaffen wettere Gebiete eröffnen und in wenigen Jahren, verstand er es Beztehurmen zu den ersten Häusern der Welt anzuknüpfen. Rastlos und mit emsigen Fleiß arbeitete er an dem Bau feines Hauses. Mit besonderer Begabung auf juristischem und finanztechnischem Gebiete genügte es ihm nicht, sich nur die Kenntnisse zu erwerben,'welche zur Führung seines eigenen Geschäftes notwendig waren. Eifrig studierte er in seinen Mußestunden, wenn man bet einer Persönlichkeit wie Löwy überhaupt von Mußetunden sprechen kann — die Probleme des modernen Wirtschafts- und Finanzlebens und gar bald erwarb er sich so hervorragende Kenntnisse, daß er selbst zu einer anerkannten Autorität auf diesen Gebieien wurde. Die ersten Hcindelszeilungen Europas warben um seine Mitarbeit und sein klarer Stil, seine logische Erkenntnis, der kühne Scharfblick, mit dem er die Probleme weit ausschauend behandelte, waren in den Fachkreisea so geschätzt, daß man in der gelehrten Jinänzwelt seine Aufsätze gerne zitierte. Seine letzten wisse'nschäftli'chen Arbeiten faßte er in eine Vorlesung zusammen, welche er im Rahmen der Fachhochschulkurfe der rechts- und staatswisiemchaftlichen Fäkuliät der Breslauer Universität hielt, und die er unter dem Titel: „G. H. ‘ Löwy, Staotsbankerotte", Breslau 1922 ,Th. Schatzky), veröffenrlicktt. Gerade diese Vorlesung zeigt die außerordentliche Begabung Löwys, mit der er mit geradezu propheli'chec Sicherheit die Entwicklung eines Finanzelends vorhergesagt hatte, das leider heute zur Wirklichkeit geworden ist. Aber der Feuergetst eines '22 s2 mim Löwy begnügte sich richr mit den Leistungen wissenschaftlicher Theorie, er mutzte die sofortigen Erfolge seines -P chaffens sehen, und da war es das Gebiet aller jüdischen Bestrebungen, auf deren Boden er seine Fähigkeiten betätigen konnte. Es ist bezeichnend für die Logik feines Denkens, daß seine gesamte jüdische Tätigkeit ausnahmslos dem orthodoxen Judentum geweiht war. Diesem war er mit »einer ganzen Seele ergeben. Daher konnte ec auch mit ungeschwächer Kraft für die orthodoxe Weltorganisation der Agudas JiSroel in einer Weise eintreten, daß die Wellen der Bewegung nicht ihn trugen, sondern daß umgekehrt er der Bewegung Stoßkraft und Ansehen verlieh. Hier konnte sich Löwys echt jüdischer Geist entfalten, hier setzte er fetttLMMssM' MMüMg.'W' Hie' Wtt' um. Wer diesen rasttöseü Mreber ^im'MWest Sinne ' dieses Wortes bei der Arbeitern die Erhaltung des orthodoxen Judentums sah — ob er Mitkämpfer oder Gegner war — wird bewundernd zu diesem Kämpfer um das jüdische Gesetz aufgesehen haben. Ja,' eine Kampfnatur' war Löwy. Eine, eMe Levitennatur, hie, wo es sich um daE übeWkerte Jud'dotUtfl'handelrA getreu dem BoLbilde' M Mnen ' für * tzeiliße £ MUe, oftne irgend welche Rücksichten zu kennest, für iW Jd'Me kämpfte. Ob es im engen Kreise seiner HeimcHemeinde oder der Breslauer Gemeinoe, wohin ev in den letzten Jahren fein Domizil verlegt hätte, ob es hier die jüdische Schule oder die Durchführung einer rituellen Institution war oder ob im größeren Kreise des Deutsch-Israelitischen GemelndebundeS — überäll trot Löwy als der unerschrockene Führer und Vorkämpfer auf. der keine Kompromisse kannte, so oft'er die Rechte der Orthodoxie gefährdet glaubte. Dieser Tätigkeit war wohl der Hauptinhalt seines Lebensjgewidmet? Und dennoch fand er noch die Zeit für die Arnteü uny Bedrängten im einzelnen zu sorgen. Er hätte eifl WiMWWrH und eiste ö ffeneH arid/" Ein es seiner letzten Lttbeswcrke aalt den jüdischen Beamten für deren würöM?den Zeitverhältnissen entsprechende Besoldung er sich yoch wenige Tage, ehe ihn das Leiden auss Krankeplag»r warf, einsetzte. Das Lebersbild Georg Hermann LöwyS wäre nicht vollständig, wollten wir nicht noch mit einigrn Worten seiner allgemeinen öffentlichen Tätigkett gedenken, die er insbesondere während seines langjährigen Aufenthaltes in Rawilsch zum Segen seiner Heimatstadt und Provinz, entfaltete. Auch hier war fein kluger Rat geschätzt und man ordnete sich ihm willig und gern unter. In der HanddtSkammer, bei der Pofener Ausstellung für Gewetbe' und Industrie» im Kisenvahnrat, im mitteleuropäischen Wirtschaftsrat — überall fand Löwy ein re'ches Feld der Betätigung. Bezeichnend für die Wettschätzung und Anerkennung, die auch hier seiner Persönlichkeit zuteil wurde, sind folgende Zellen äus dem Beileidsschreiben eines evange-tschen Geistlichen an die Gattin des Verewigten: „Sie wißen, daß Ihr Mann und ich in manchen Stücken Gegner waren. Abör ich Habs ' den ehrlichen Gegner immer geachtet und zu verstehen gesucht. Wir haben uns auch äKHefprvchen und emänder 'die Hand gereicht. Es war mir nicht schwer . . .T/ Nun ist er voll seinem Krankeylager nicht mehr aufgestanden. Ein'sflafter^Lö^'MEH'rt'erläfl. In der deutschen Orthodoxie wird das Andenken an diesen einen ihrer bedeutendsten Führer nicht erlöschen. Georg Hermann Lürvys Arbei.tskräst und Hingabe für'das orthodoxe Judentum wirb manchem, der ihn gekannt, zum Vorbilds dienen. ' ~ «T'sjHn. * Berlin, 38. Jan. Der Großindustrielle und Begründer' des Warenhauses der Firma Hermann Ttetz, Oskar Tiev ist gestorben. Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung auf dem Friedhof in Weißensee statt'. Der Maaist, at Berlin hatte zu der Träuerfeter den Stadtrat Wege abgeordnet,- die Berliner Stadtverordneten - Versammlung war durch den Stadtverordneten Moritz Rosenthal vertreten. Rabbiner Dr. Bergmann hielt die Gedächtnisrede. ■ _ ' v Frankfurt a. M.» 26. Jan. Nummer 4 des 4. Jahrgangs der „Jüdischen Jugendblätter" ist erschienen. Diesmal als „buntes Heft". Der Inhalt enthält: Die. Zuchtrute GotteS", ein Aussatz, der die Lehren des Judenhasses für' die Jugend' zieht; „die Erfahrung", eine Erzählung, die auf die Erfahrungen des Großen hinwetst; „Gedanken zu Psalm 119", worin einige Psuktm originell gedarschent werden; „der Gott der Rache", eine Besprechung des Begriffes nop; die historische« „Breslauer Erinnerungen" und einige hübsche Rätsel. ' Mehlinge«, 20. Jan. Bor kurzer Zeit wurde auf dem ISraeliftschen Friedhofe dahier eine rohe Tat verübt. Rohlinge, die sich sehr wahrscheinlich ein ganz besonderes Vergnügen suchten, erbrachen daS eiserne Tor des Friedhofes und zertrümmerten 6 altertümliche Grabsteine, wovon sie zwei gänzlich dem Boden gleichmachten. Es ist dies schon mehrmals vorgekommen. ES wurde eine Belohnung von 10,000 Mark für die Ergreifung der Täter' ansgesetzt. Polizeiliche Ermittelungen find im Gange. Berlin. 2tf. Jan. In Rew-Aork ist nach einer Meldung der „Neuen Wiesbadener Zeitung" unter Führung des Bankhauses La z. Speyer-Elliffon und der Herren Kuhn, Loeb ü. Co. eine Gesellschaft gegründet worden, die in allen größeren Städten der Bereinigten Staaten Tochtergesellschäften gebildet hat, oder bilden wird, um im großen Matze Geldmittel für laufende Unterstützungen an bedürftige Studenten in ganz Deutschland ohne Unterschied der Konfession flüssig zu machen. Berlin, 26. Jan. Wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik wurde der Schrift« letter der „Belgarder Zeitung", Dr. Effer, von der Strafkammer des KöSliuer Landgerichts zu vier Mo« naten Gefängnis und 25,000 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Bestrafung erfolgte wegen eines Artikels „Jüdischer Weltmachttaumel^ in der Nummer vom 1«. November, in dem das Gericht eine Beleidigung des verstorbenen Ministers Dr. Rathenau erblickte. Srleflasten. Kultusbe.unter K« ln L. Für KultuSbeamtgMtilt wie früher die bekannte Ermäßigung. I. L. in Homburg. Betrag erhalten und seiner Bestimmung zugeführt. Fräulein R. B. in Charlottenburg. Sie befinden sich im Irrtum. ES Ist Ihnen seit Jahren immer nur der Lehrerpreis berechnet worden. I. L. n. Co. in Homburg (Pfalz). Am 16' und 24. Januar sind je 3000 M. eingegangrn und vorschriftsmäßig verbucht. Offene Lehrerftellen und orthodoxe Gemeinde«. (Ein Mahuwort). In letzter Zeit mehren sich in erschreckender Weise die Ausschreibungen von Beamtenstellen, bei denen den Lehrern die Verpflichtung auferlegt wird, sich einen Nebenerwerb zu beschaffen, um feine Existenz zu ermöglichen — oder richtiger gesagt — um den Gemetndesäckel zu schonen. Die Ausschreibungen sind ein Beweis bewutzcer Schwäche. Würde sich ein Geschäftsmann, der eine Hilfe in seinem Geschäfte benötigt, auch erlauben, einen Posten bei ungenügender Bezahlung auszuschretben, mit dem Hinzufügen, daß der Bewerber ir seiner freien Zeit sich ebenfalls einen anderen Erwerb suchen kan«? Warum mutet man dem jüdischen Lehrer solche Ungeheuerlichkeiten zu? Ich war von jeher ein Feind der Nebenbeschäftigungen für Lehrer, weil der Beruf darunter leidet. Alan kann eben nicht zwei Herren dienen. Jeder Lehrer, auch der letzte Landlehrer, kann in seinem Berufe volle Beschäftigung finden. Ste liegt schon in der Vielseitigkeit seiner Anstellung als Lehrer, Kantor und Schauchet. Aber jede Gemeinde und wenn sie noch so klein ist, wünscht ihren eigenen Beamten. Es ist bequemer, wenn man den Schauchet am Platze hat. Einer Gemeinde jedoch, die ihren Lehrer unter Tarif besoldet, gehört kein Lehrer. Ich möchte diese kurzen Ausführungen nicht schließen, ohne die gesetzestreuen Gemeinden ganz besonders zu machen, schon im Interesse und Ansehen deS thoratreuen Judentums ihre Stellen so auszuschreiben, daß sie ihrem Inhaber eine gesicherte Existenz bieten, nur» p» nep pn b'k. A.Seelig, Lehrer in Friedberg k. H. Barmizwohfeier. Jakob, Sohn des Herrn Julius Nordwunn-Bamberger, Basel. — Joseph, Sohn des Herrn I. L. Schächter, Jerusalem.