Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1923)
- Date
- 1923-01-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seil- 8 Sk 3 Fäusten am Kragen Packen. Ich schreie und protestiere: „Mörder, Räuber, was Ihr seid) ich werde Euch verklagen-^beim Staatspräsidenten, beim Sejm." Sie aber lachen und schleppen mich mit Gewalt und zerreißen mir dabei meinen Sabbatkaftan aus Atlas. . . Da sehen Sie, Herr Gertchtsrat, — er zeigt auf den geflickten , Rock. — Ich beantrage, Herr Gertchtsrat, daß Frau Sauerkraut für Ungehorsam gegen Las höchste Gesetz bestraft wird, ebenso der Polizist mit den Hausmeistern wegen unbefugter Anwendung von Gewalt. Und dann klage ich auch auf Schadenersatz, der Atlaskastan i . ." Nach einer kleinen Unterhaltung zwischen. Richter und Schöffen wendet sich der Vorsitzende an den Angeklagten: „Ich frage Euch, Moschek Pechmann, Ihr seid doch Lehrer und Erzieher von Kindern und moralisch dazu verpflichtet, sie in den Wegen der Pflicht und des Anstandes zu leite«') wie kommt.. Ihr nun dazu, sie statt deffen auf Straßen : und Märkte zu führen und.sies.anzuhalten, Menschen zu überfallen und Skandale zu inszenieren? Wer hat Euch die Vollmacht gegeben, die Frömmigkeit auf hem Markte zu kontrollieren?" ^Keiner", rufen einzelne Stimmen aysdem Publikum, „er ist Spartakist, ein schwarzer Ml-: schejviki, ein GotteSkosak, ein Diktator, ein- Muffoltnt!!! ..." Ändere lachen. Der.Angeklagte verharrt darauf, er habe sicht zum Ein sch retten verpflichtet gesehen, da der eine Jude für den Andern verantwortlich sei. ..? . Ein Zeuge tritt auf, ein junger Mann mit! Gesichtszügen, die sehr an Madame Sauerkraut? erinnern. Er-sagt ar fgeregt: „Bereits fünf Jahre, seitdem dieser Moschek Pechmann Lehrer an der Talmudthora ist, gibt eS keine, Ruhe auf dem Markt. Ueberall taucht; er schnuppernd und stöberyd muf, sucht überall; Sünden und steckt überall die" Rase in Dinge , hinein, die ihn nichts angehen. Er hat' eine ganze Garde kleiner'Fanatiker hinter sich . . Der beleidigte Polizist wird als Zeuge ver-> nommen: „Jawohl, Herr Richter, ich bestätige das? Polizeiprotokoll vollkommen. Er nannte mich Räuber und Mörder und gemeinsam mit seinen Schülern inszenierte er einen großen Tumult) solche Szenen wiederholen sich oft am Freitag Nachmittag. . Mehr habe ich nicht zu erklären. „Aber Ihr habt vergessen zu sagen, daß Ihr mir meinen Kaftan zerrissen habt", protestiert Moschek. „Habt Ihr, Angeklagter, noch was zu Eurer Verteidigung zu erklären?" fragt der Richter. „Was ich zu sagen habe, habe ich bereits gesagt. Ich bin vollkommen unschuldig. Ich tat nicht mehr, als das, was jeder Jude beim Anblick solcher Sünden tun muß". Das Gericht zieht sich nun auf einige Minuten zurück, und erscheint bald wieder. Stehend in ftierltcher Stimmung hören Angeklagter und Publikum das Urteil an: „In Berücksichtigung der reinen Absicht und der naiven Frömmigkeit, die der Strafhandlung des Angeklagten zugrunde liegen, außerdem im! Hinblick auf die Tatsache, daß es sich um einen.! gegenseitigen Zusammenstoß handelt, wobei beide Parteien materiellen und moralischen Schaden erlitten haben, und in Beachtung deffen, daß der Vertreter der Polizei hier einseitig von der Gewalt Gebrauch machte, ohne die Sache zu prüfen, und tiefer in die Angelegenheit einzudrtngen, aus all diesen Gründen erklärt das Gericht den Angeklagten Moschek Pechmann für unschuldig und spricht ihn in allen Punkten frei". Es dauert eine Weile bis der Melamed die Worte ganz begriffen hat, dann wendet er sich mit einer dankbaren Verneigung nach dem Gertchtsttsch zur Türe. Stolz erhobenen Hauptes geht er davon, begleitet von befriedigtemLflchen des Publikums, in das sich nur einige harte Scheltworte der Frau Sauerkraut und ihres Anhanges mischen. Per JSraeltt. Kindsrecke. -mri '7QL?NJ 172 dj? D'vuts 2>b>dk n^s*. T.1K- Pprm 'K DJ? DK 'niK pnnn nun dj?7 'mrroo “]b -pr« ncn d^b» ’s p"2 nrt&ip. Personalien. Halberstadt. 12. Jan. Mir dem scheidenden Sabbat hat ein Leben feinen plötzlichen Abschluß gefunden, das von Sabbaigeist und Säbbätfrieden erfüllt wär, und dessen Ende'für unsere' Gemeinde einen unersetzlichen Verlust bedeutet. Wenige Monate nach der Feier seinefünfzigjährigen AmtSjubiläumS ist' Josef Petuchowskt im siebenundstebzigsten Jahrei zu seinen Vätern versammelt worden. In Wilna geboren und dort zuüf -DD vorgebildet, kam er nach Luxzem Aufenthaltin Altona im Jahre 1872 hierher/ üm sich in unermüdlicher, opservoller Arbeit unserer;. Gemeinde zupridmen, mit deren.-Angelegenheiten et ■. btS zum letzten Atemzug schier ünzMrenrtlich verknüpft war. Ob r»om Omed seine' D’2ü’>'— die »allen Halberstädter D'27N — ertönten, oder ob er auf dem Alme-- mor als ein rriTp /voller .Meisterschaft stand) ob er? unsere>Kinder in den bv 77^2 esniührte und dem -heiligen Akt mit lieblichen Melodien erhöhte Wethe verlieh) ob er'den Knaben dann die „Müppe". schrieb und' spä^r ihr Lehrer ward, wann sie Barmizwohwurden^- immer und immer war eS, die gleiche, ^lkebe-i -volle..Hingabe und eine rührende Oescheidenhetr, die, sein Tun geadelt und ihn unseren Herzen sö'ttüer wer. den ließ. Sein bedeutendes jüdisches { Wissen, das er in unablässigem „Lernen" mehrte, die mühelose Beherr-» - schung der hebräischen Sprache und seine reichen Kennt-/ nisse aus den schrvierigen Psaden der hebräischen Grammatik befähigten ihn im Verein mit höher, künstlerischer Begabung ein iv« zu werden, wie ihn das deutsche' lJndirntunt'wohl nicht'wehr besitzt. Die edlen Formen feines 27-2 waren. durch peinlichste Gewiffenhastigkeit in ihrer Ausführung getreulich unterstützt, und so wur-, den . die Werke seiner nimmermüden Hand Kunstwerke,, die seinem' Namen in'Israels Kreisen allzeit Dauer" geben werden. — Eine große Trauer erfüllte unsere Gemeinde, als die Todesbotschast bekannt wurde, und die y,77 gestaltete sich zu einer großen Ehrung für den Heimgegangenen., Im Trauerhaufe sprach der älteste Sohn, Herr Rabbiner vr. Markus PetuchowSki, Berlin, tief ergreifende Abschiedsworte, während auf dem 7i7“Opri 77'2 Herr Rabbiner vr. IS. Auerbach und Herr Rabbiner vr. Ph. Frankl vor einer in Ergriffenheit verharrenden Menge den unersetzlichen Vertust, den die Gemeinde und die Klaus durch das Scheiden Josef PetuchowSktS erleiden, schmerzlich beklagten. Die Kehiüoh Halberstadt ist durch den Heimgang dieses fp? merklich ärmer geworden - sein Platz bleibt leer und wird uns stets an die unvergänglichen Verdienste gemahnen, die seines reichen Lebens Inhalt waren und für die ihm unser unauslöschlicher Dank bewahrt bleibt. n"2Sm Bad-Neuenahr, 2. Januar. Unsere Gemeinde hat einen sehr schweren Verlust zu beklagen. Die sterblichen Ueberrefte des Herrn David Gorischalk wurden heute zur letzten Ruhe gebeiter. Der Verstorbene war in wetten Kreisen bekannt, allenthalben lobte man an ihm seine wahrhafte altjüdische Frömmigkeit, die er während seines ganzes Lebens betätigt hat, und die er immer hochhielt in einer Umgebung, dte sich von der wahrhaften Jüdischkeit immer entfernte. Sein Haus war ein echt jüdisches, und er hat es vermocht, alle seine Kinder zu wackeren Jehudim zu erziehen. Es. ist selbstverständlich, daß ein Mann solchen Geistes auch die altjüdische Gastfreundlichkeit pflegte, und gae mancher vom Glück Gemiedene hat sich an seinem Tisch rvohlgefühltz Möge des Verstorbenen 71727 seiner schwergeprüften Gattin und seinen Kinder» beistehen. n"22'J7i. Alzenau (Ufr.), 14. Januar. Am vergangenen Sonntag haben wir eine selten fromme Frau zur letzten Ruhe gebettet. Frau Mirjam Strauß, Witwe des vor 11 Jahren verblichenen früheren Lehrers Abraham Strauß y'ST in Berlichingen, ist nach vierwöchentlichem Krankenlager am ’n"7 7122? ais? im 77. Lebensjahre sanft verschieden. Getreu dem Vorbilds ihres Elternhauses — Tochter des weitberühmten DistriktrabbinerS Thalheimer in Mainbernheim — hatte sie ihr eigenes Haus und ihres frommen, gelehrten Gatten zu einem 2?*ipD toj?D gestaltet und ihre Kinder' zu echten Jehudim erzogen. Ihre hervorragende Herzens- und Geistesbildung, ihr vielseitiges Wissen aus profanem und besonders jüdischem Gebiete befähigten fie, in ihrem Hause alS Priesterin und in ihrer Gemeinde als Führerin - 18. JanuärIISW in idealem Sinne zu wirken. Rach ihrem Wegzug--, von Berltchingen fand die Verstorbene bet ihrer Tochter», der Gattin des Lehrers Wechsler, liebevolle Aufnahme,, wo ihr ein schöner, sorgenfreier Lebensabend bereitet wurde. Bon der Beliebtheit der Entschlafenen zeugte die große Beteiligung sowvLl von jüdischer alS auch nicht-? jüdischer Seite bet der Beerdigung. Im Sterbezimmer zeichnete als Freund des Hauses Herr Hauptlehrer' Wähler von Hörstein, ein getreues Lebens- und Charakterbild der Heimgegangenen. Seine von Herzen zu Herzen gehenden Worte wirkten tiefergreifend. Bor dem Trauerhause drückte der Schwiegersohn, Herr Lehrer Wechsler, schmerzerfüllt den Dank und dte Anerkennung aus für die aufopfernde Tätigkeit und Mithilfe bei der Erziehung und Unterweisung seiner Kinder. Der älteste Sohn, Cantor Strauß von Fretburg,. gab am Grabe dem tlrfen Schmerz der Hinterbliebenen über den Heimgang der guten, treubesorglen Mutter in ergreifenden Worten AUsdruck, dankte der Verklärten für sich und seine Geschwister dafür, daß sie ihn«, alle Zeit eine Lehrerin und Führerin gewesen war und 'gelobte, das Vermächtnis der geliebten Mutter treu zu wahren. ,-?2p"ix 727 Ell «gen, 15. Januar. Die Israel. KultuSgemeiyde Eütngen hat einen schweren Verlust erlitten.. Nach.schwerem Leiden verschied Lehrer Kaufmann,, der 14 Jahre als Religionslehrer und Kultusbeamter in unserer Gemeinde wirkte. Hervorgegangen auS dem Israel. Lehrerseminar Würzburg, war er 25 Jahre in Beckendorf, tätig, um dann dem Rufe nach Ellmgen;Folge zu leisten. Hier erwarb er sich durch'fein be- . schetdeneS, liebenswürdiges Wesen sehr rasch die Sym-- vgthien seiner Gemeinde und erfreute sich der Liebe und Verehrung weiter Kreise. Besonders, errang sein -stark ausgeprägtes Pflichtgefühl, das ihn bis in seine letzten Wochen hinein schwer krank und unter Schmerzen den Unterricht erteilen ließ, die Achtung aller deren,, die ihn kannten und schätzten. Seine Meerdtgung gab Zeugnis von der allgemeinen Verehrung und Liebe, deren sich der Heimgegangene erfreute. DistriktSrabbiner De. B r aber, AnSbach, würdigte dett Verstorbenen als pflichtbewußten Lehrer und Beamten,' edlen -Menschen' und wahrhaften Jehubi. KultuSvorstand. Bermann-Mingen.-dankte dem Lehrer der Jugend und dem .Freunde ,der Erwachsenen im Namen, der Gemeinde. Bus dim 2"pN2 in Treuchtlingen sägte nach' AbschtedSwörten deS Herrn Dr. Brader, Dberstudien-- ditektor Dr. Witz-Weißenburg, dem Verstorbenen im - Namen der Realschule nochmals herzlichen Dank für ■ sein treues Wirken. Hauptlehrer Fulder-Treuchtlingen und Lehrer Adler Altenmuhr widmeten dem treuen- Kvllegött tiefempfundene Worte deS Gedenkens. n"23£Tl. Prag, 1. Jan. Einen unserer Besten haben wir zu Grabe getragen. Am Montag ppv ist unser allseits beliebter und hochgeschätzter Oberkantor Sigmund 'Schwarz plötzlich verschieden. Ein Leben voll bewußten Thora-Judentums hat damit seinen viel zu. frühen Abschluß gefunden. Wie sehr er bestrebt war? sein Haus im unverfälscht jüdischen Geiste zu führen,. Armen und Elenden zu helfen und seinen Kindern die echte Jüdtschkett des tätigen MizwvhbewußifeinS bei» zudringvn, war wohl dte schönste und edelste Seileseiner charaktervollen jüdischen Persönlichkeit. — Unzählige erwiesen ifym die letzte Ehre und innige Worte deS Abschiedes und Gedenkens sprach man an? seiner Bahre. Vriefkasten. 0, I. Oberhattseu. Nach Einlösung der Nach-- nähme verbleibt ein Ueberschuß von 1225 Mk., der Ihnen auf neue Rechnung gutgebracht werden wtrd^ Frau Löhrer O. in Tr. Die Nachnahme gehr vollkommen in Ordnung bet Berücksichtigung des Lehrer-- Preises mit einem Nachlaß von 50 %. Im ganzen waren 90 Mk. pro 1922 gezahlt. Lehrer R. in D- Ihre Reklamation wollen SiLan das dortige Postamt richten, da von uns sämtliche Postämter gleichzetitg mit der eingewiesenen Anzahl von Exemplaren versehen werden. I. L. kn Karlsruhe. Das Gedicht weist Unebenheiten auf, die es zum Abdruck ungeeignet machen^ Erholungsheim. Wir haben gegen Ihre Anregung nichts etnzuwenden und werden sie, sobald eSder Raum erlaubt, bringen. Lehrer D- Th. in W. Solange uns das Buch vom Berlage nicht zugegangen ist, können wir keinr Besprechung bringen. E. O. in Schmiedlech. Sie zahlten uns am 14. Dezember Mk. 165.— ohne Zweckbestimmung. Vermutlich find Sie direkt bei der Post abonniert, worüber wir Ihre Nachricht erbitten. Dr. Min Düsseldorf. Sie zahlten uns am 12. Dezember Mk. 130.— ohne Zweckbestimmung. Vermutlich find Sie direkt bei der Post abonniert, worüber wir Ihre Nachricht erbhkten. S. F. Bochum. Mk. 920.— für Ukraine richtig eingegangen. A. W. in E. Betrag von Mk. 300.— für Ukraine richtig etngegangen und Ende September nach Halberladt überwiesen.