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Der Israelit · 1923-10-11 · Heft 41 (11.10.1923) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 41 (11.10.1923)
Date
1923-10-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 41 Der Israelit 11. Oktober 1923 brachte und ihn auf den Hügel neben seiner Wohnung schüttete. Der Sultan wurde des Zornes voll, daß sich das Weib unterstehe, den Platz neben seiner Wohnung zu verunreinigen. Er gab Befehl, das Weib vor ihn zu stellen. Sie kam und rechtfertigte sich also: „Ich stamme von den Römern und der Ort meines Wohnsitzes ist zwei Tage Ganges von Jerusalem entfernt. Monat für Monat komme ich des fernen Weges her, trage einen Sack voll des Unrates mit und schütte es auf den Hügel. Ich erfülle damit ein Vermächtnis meiner Ahnen, der alten Römer, nach welchem jeder Jerusalemite verpflichtet ist, täglich einen Sack des Mistes auf die Hügel zu bringen, Leute, die in den Vorstädten wohnen, haben diese Pflicht zweimal in der Woche und die fern von Jerusalem Wohnenden einmal monatlich zu erfüllen. Denn hier erhob sich einst das Heiligtum des Gottes Israels und als die Römer nicht vermocht hatten, den Tempel bis zu den Grundfesten zu zerstören, so vermachten sie es ihren Lindern und Lindeskindern und so weiter, auf die Ruinen Erde zu werfen, daß jede Spur verschwinde." Darauf sprach der Sultan: „Nehmet die Frau in Haft, bis man sich erkundigt habe, ob ihre Angabe wahr sei." Der Sultan gab seinen Dienern den Befehl: „Stehet von der Ferne und ergreift jeden Menschen, der etwas auf die Hügel werfen werde." Als sich der Sultan von der Richtigkeit ihrer Aussage überzeugt hatte, ließ er im ganzen Lande kundgeben: „Wer in meinen Augen Gnade und Gefallen finden will, der komme her und sehe, was ich tun werde." Er nahm mehrere Beutel voll mit Gold- und Silbermünzen, ferner einen Lorb und einen Besen und ging auf die Hügel. Dort zerstreute er das Geld, daß die Leute es auflesen: aus Gier nach dem Gelbe räumten sie auch den Unrat weg. Der Sultan und seine Ratsherren schaufelten den Lehricht in den Lorb und das Volk tat dasselbe. Das währte mehrere Wochen, bis endlich der Platz ganz gereinigt und die Lothel Hamarabi zum Vorschein kam. Der Sultan ließ nun im Lande bekanntgeben, daß kein Mensch mehr wagen darf, den Ort zu verunreinigen, er werde sonst zum Tode ^verurteilt. * Er ließ die Juden zu sich kommen und redete ihne.n 3U' feen Tempel zu erbauen, er werde das -Geld *ür den Bau hergeben. Doch die Juden erwiderte^ uni) ein Strom von Tränen floß aus ibren Augen: „Uns ist es versagt, den Tempel zu Erbauen, bis denn nicht der Wille in Erfüllung gehe und das Heiligtum durch das Wort Gottes sich erheben werde." Darauf baten Hubert den Sultan um di- Erlaubnis, an de>.n teüwn Ort zu beten, welche Bitte der MLchr.'Serfüllt hat.. Der Todesengel und die Neusermählten. In der heiligen Stadt Tib'erias lebte ein Mann namens Rabbi Rubin. Gr war weise, fromm und rechtschaffen, lernte Tag und Nacht über in der Thora, und verhängte der Himmel irgendeine Geserah über die Juden, dann stellte sich Rabbi Rubin hin, flehte zum Heiligen, sein Name sei gepriesen und machte die Geserah zunichte. . . . _ t Rabbi Rubin hatte einen ernzrgen Sohn und es schlug die Stunde, daß der Sohn, eine junge Lnospe, aus dieser Welt scheiden sollte. Da erschien der Engel des Todes vor Rabbi Rubin und sprach zu ihm: „Ich habe Dir was mitzuteilen!" Rabbi Rubin erwiderte: „Sprich!" Der Engel des Todes darauf: „Es ist die Zeit, daß Dein Sohn aus dieser Welt scheiden soll!" Darauf sprach Rabbi Rubin: „Du sagst, es ist der Befehl des Heiligen — ich widersetze mich ihm nicht, doch bitte ich Dich: gib mir eme Frist von dreißig Tagen, daß ich ihm ein Weib nehme und unter den Trauhimmel führe, dann erst erfülle den Befehl des Heiligen." Der Engel des Todes: „Gut, er bleibt bis dahin in Deiner Hand, tue. wie es Dir gefällt." Der Engel des Todes ging weg. Rabbi Rubin vertraute das Geheimnis keinem Menschen, sondern sah sich gleich um eine anständige Gefährtin für seinen Sohn um, verlobte ihn und machte auch die Vorbereitungen zur Hochzeit. Er rief seinen Sohn, gab ihm einige Myrthenblätter in die Hand und sprach zu ihm: „Geh' und lade die Leute der Stadt zu Deiner Trauung!" Der Sohn ging und begegnete auf dem Wege Elijahu, dem Propheten. Elijahu fragte ihn: „Wohin des Weges?" Er erwiderte: „Mein Vater gebot mir, daß ich die Leute der Stadt zu meiner Hochzeit einladen soll." Elijahu sprach: „Ich will Dir was sagen!" Der Sohn fragte: „Was denn?" „Höre mir zu," antwortete Elijahu mit sanfter Stimme, „es kam das Ende Deiner Tage!" Der Sohn, dem Willen Gottes ganz ergeben, antwortete ruhigen Gemütes: „Wenn es der Befehl des Herrn ist, wer kann das verhindern. Bin ich besser nls Abraham, Jizchak, Jakob, Moses und Aron?" Darauf ergriff Elijahu seine Hand und sprach zu ihm: „Mein Sohn, ich sage Dir ein Wort: Wenn die Leute der Stadt bei Dir zur Mahlzeit sein werden, dann hüte Dich, von der Mahlzeit zu genießen, sondern schaue immerfort zur Tür, und wirst Du einen Mann kommen sehen mit zerlumpten Gewändern und entblößten Hauptes, dann wisse, es ist der Engel des Todes, neige Dich tief vor ihm und lade ihn ein, daß er Speise und Trank zu sich nehme." Der Sohn antwortete: „So werde ich tun!" Nun verabschiedete sich Elijahu von ihm und ging weg und auch der Sohn ging heim, erzählte aber weder seinen Eltern, noch der Braut von alledem, was ihm Elijahu gesagt hatte. Es kamen die Vornehmen der Stadt, setzten sich zu Tisch und der Bräutigam zu ihnen. Seine Augen waren beständig auf die Tür gerichtet und er rührte weder Speise noch Trank an. Während das Volk aß und trank, kam der Engel des Todes als Armer, sein Haupt war entblößt und seine Gewänder zerlumpt, und blieb auf der Schwelle des Hauses stehen. Als ihn der Bräutigam erblickte, stand er auf und fiel zu seinen Füßen. Er ergriff seine Hände und sprach: „Mein Herr, komme hinein." Der Arme erwiderte: „Ich gehe nicht hinein!" Wieder sprach der Bräutigam: „Lomme hinein und sitze unter den Vornehmen," ergriff seine Hand, zog ihn in die Stube und führte ihn unter den Trauhimmel. Er trug ihm allerlei Leckerbissen und köstliche Früchte vor. Der Engel des Todes stellte sich als wollte er essen und trinken. Als er mit dem Essen fertig war, sprach er zum Bräutigam: „Sprich, mein Sohn, als Dü Dein Haus bautest, wo hast Du das Stroh hergenommen?" Er erwiderte: „Von dem Besitzer der Tenne." „Nun," sprach der Todesengel, „der Besitzer der Tenne fordert sein Stroh zurück." Der Bräutigam: „Nehmen wir anderes Stroh und geben ihm." Der Todesengel: „Der Besitzer verlangt nur sein Stroh." Der Bräutigam: „Reißen wir das Haus nieder, zerbröckeln den Lehm und ziehen daraus das Stroh." Der Todesengel: „Es geschieht, wie Du es verlangtest. Wisse mein Sohn, der Besitzer der Tenne ist kein anderer als der Heilige, gesegnet sei sein Name, das Stroh ist das Leben — er schickte mich. Dein Leben zu nehmen, denn ich bin kein anderer als der Engel des Todes." Der Bräutigam: „Erlaube mir, daß ich gehe und mich von meinen Eltern verabschiede, ehe ich Dir folge." Der Engel: „Geh!" Der Bräutigam ging zu seinen Eltern und erzählte ihnen alles. Gleich erhob sich Rabbi Rubin, hüllte sich in Talith und Tfilin und flehte zu Gott, daß er sich seines Sohnes erbarme, indessen weinte der Sohn und nahm von seinen Eltem, sie umarmend und küssend, Abschied. Der Bräutigam ging hinaus und sprach zum Todesengel: „Erlaube mir noch, ich bitte Dich gar sehr, daß ich unter den Brauthimmel gehe und meine Braut küsse!" Der Todesengel: „Geh' und komm bald wieder!" Er ging zu seinem Weibe, umarmte sie und sprach zu ihr: „Der Engel des Todes kam um mein Leben." Sie sprach: „Bleib' Du hier, ich aber geh' zu ihm, um ihn zu sprechen." Sie ging und fragte den Wartenden: „Bist Du es, der gekommen ist, das Leben meines Mannes zu nehmen?" Er antwortete: „Ich bin es!" Da sprach sie zu ihm: „Steht es nicht in der Thora, wenn einer ein neues Weib ehelicht, dann bleibe er ein Jahr zuhause, daß er die Frau erfreue, welche er heimführte?" Der Engel: „Du hast wahrlich Recht, nun warte, bis ich zum Heiligen hinaufgehe und ihm Deine Llage mitteile, vielleicht wird er sich Deines Gemahles erbarmen." Indessen standen die Engel der Liebe und Gnade und flehten zu Gott um Erbarmen für den Bräutigam. Sie redeten: „Herr der Welt! Alle schweren Verhängnisse, die Du über die Welt brachtest, machte Rabbi Rubin zunichte. Du allein gabst ihm die Lraft, Dich von Deinen Beschlüssen abzubringen, und nun steht er und wir mit ihm und bitten Dich um Gnade für seinen einzigen Sohn und Du erhörst unser Beten nicht? Tue es Deines herrlichen Namens willen und schenke ihm das Leben, daß das Wort in Erfüllung gehe: „Er tut den Willen seiner Frommen, ihr Geschrei erhört er und hilft ihnen." Noch hatten sie ihr Beten nicht vollendet, als auch der Engel des Todes erschien und sprach: „Herr der Welt! So und so redete seine Frau." Gleich waren die Himmel von Erbarmen erfüllt, das Urteil des Todes wurde in ein Urteil des Lebens umgewandelt und der Heilige vermehrte des Bräutigams Lebensjahre auf siebzig. Bitochaun. „Bitochaun" ist mehr als Vertrauen, Vitochaun ist eine ewige Quelle der Freude und des Glückes, denn es lehrt uns, bei der Arbeit zu Gott emporzublicken, der den Segen spendet und von dem alles Gelingen ausgeht. Im philosophischen Buche der Herzenspflichten, „Ehobath Halbabot" wird folgende hübsche Geschichte erzählt: Ein frommer Mann kam einstens in eine ferne Gegend, um dort Erwerb und Verdienst zu suchen. Er fand dort heidnische Stämme und fing an, auf sie einzureden, um sie zur Vernunft, zur Moral und zur Gotteserkenntnis zu bekehren. Die Leute aber fragten: „Ist dein Gott ein besserer als unserer?" „Sicherlich," antwortete der Fremde, „ist . doch mein Gott der Schöpfer von Himmel und Erde, Herr und Eigner der ganzen Welt." „Wenn dem so ist," antworteten die Heiden, „dann stehen deine Handlungen nicht im Einklang mit deinen Worten. Wenn du weißt, daß der gleiche Gott überall ist, warum. kommst du dann zu uns und bleibst nicht im Lande, im Vertrauen, daß Gott dir auch dort die Nahrung gibt?" Darauf konnte der Fromme keine Antwort geben. Er fuhr nach der Heimat zurück und war seitdem zufrieden mit dem Anteil, der ihm beschieden war. Die Götzendiener hatten ihn davon überzeugt, daß zum Gottdienen „Bitochaun" gehörte. Veut/eK-KoÜanckfeKe tfafäftim ~ Verwaftu ng. Arankfurt a. M. Da es uns infolge der Zeitverhältnisse an Personen fehlt, die sich mit der Leerung unsrer Büchsen befassen, bitten wir die hiesigen Büchsen-Jnhaber, die Büchsen freundlichst so oft wie möglich zur Leerung nach unsrem Büro chr. Gschenyeimerstraße 23 I. bringen und nach Leerung wieder mitnehmen zu wollen. Auswärts Wir bitten wiederholt unsre Vertrauensmänner, die Büchsen zu leeren und das Erträgnis auf unser Postscheckkonto Frankfurt a. M. 9353 überweisen zu wollen. Frankfurt«. M. Acutsch-Kolkändische Salastina-Uerrvatturig.

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