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Der Israelit · 1923-10-11 · Heft 41 (11.10.1923) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 41 (11.10.1923)
Date
1923-10-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seile 6 Nr. 41 Der Israelit 11. Oktober 1923 ist nur ein Arzt in der Kolonie Nowo-Slatopol, für den Umkreis von 30—35 km im Halbmesser, vorhanden. Keine Medikamente. An Kleidung und Schuhwerk mangelt es außerordentlich. Die Lage wird besonders mit Beginn des Herbstes und des Winters bedrohlich werden. Das Urteil im ltUzzausprozesse. Jerusalem, 1. Oktober. Nach endlosen Verhandlungen fällte das Friedensgericht in Sachen der Mazzohfteuern ein Urteil gegen den „Waad hoaschkenasim". Letzterer hätte nun dem „Waad Hair" 100 aeg. Pfund zu zahlen. Natürlich hat der juristische Vertreter der Aschkenasim, Dr. de Haan, Berufung eingelegt. Personalien. Karlsruhe, 27. Sept. Dicht vor der Schwelle des neuen Jahres schied mit Moses Goldberg eine der markantesten Persönlichkeiten der Religionsgesellschaft und einer der bestgeachteten Männer der badischen Hauptstadt im Alter von 66 Jahren aus diesem irdischen Leben. Aber nicht nur den Seinen, auch für einen weiten Kreis von Menschen sank mit ihm der Freund, Berater und talenfrohe Förderer allzufrüh in die Gruft. Durch mehr als 50 Jahre hatte er dem bekannten Bankhause Strauß u. Co., in das er als Lehrling eingetreten war, die Treue gewahrt und zu der stolzen Entwicklung dieses angesehenen Unternehmens an leitender Stelle wesentlich beigetragen. An den materiellen Erfolgen, die ihm berufliche Tüchtigkeit und vorbildliche wirtschaftliche Gesinnung eintrugen, hatte die Allgemeinheit, voran seine Gemeinde, doch auch die an irdischen Gütern Armen in allen Teilen Deutschlands und der Welt einen die Vorschriften unserer heiligen Religion weit übersteigenden Anteil. Die Wenigsten wußten, wie reich dieser in der Stille und frei von Ehrgeiz wirkende, gütige Mensch schenkte, viele wußten, wie froh er es tat, wie es ihm Herzenssache war,!und daß er die Freude des Schenkens auf andere zu übertragen wußte. Die zwingende Wirkung, die von ihm ausging, war nicht zum wenigsten auf die Harmonie seines Wesens zu beziehen. Allem Extremen widerstrebte er nicht minder wie dem Lauten und Grellen, dem Neid und der Lieblosigkeit. Dieser Adel zog vor allem auch viele junge jüdische Menschen in seine Nähe, denen er aus reichem jüdischen Wissen, froher Gottinnigkeit und tiefer Weltkenntnis beglückend und beglückt spendete. Mancher Chaluz wird dem Heimgange dieses drüben im Lande der Väter eine Träne weihen. Denn in vielen stärkte er die Liebe zu Crez Jisroel, für das er sich als Vertrauensmann von „Lemaan Zijon" so inanchesmal werbend einsetzte. Die Jungen in seiner Gemeinde aber werden noch gar oft just in den erhabensten Tagen des jüdischen Jahres seiner in Wehmut gedenken als eines würdigen tqE der ihnen mit wohllautendem Sange die frommen Weisen in Ohr und Seele sang, und der ihnen zumal an min unermüdlich, immer wieder die segnenden Worte des scheidenden Moses vortrug und danach den Segen des Ewigen auf ihre eigenen jugendlichen Häupter herabflehte. So mancher Zug, den unser Buch der Bücher der erhabenen Gestalt des „Vaters der Propheten" nachrühmt, vornehmlich das “jkö wird sich in der Erinnerung seiner jungen und alten Freunde mit dem Bilde des entschlafenen Moscheh Goldberg verbinden und es in ihrer Brust frisch erhalten. rrn^n Vermischtes. Niederaula, 10. Oktober. An die Mitglieder des Jefchurun Unterstützungsverein für Lehrer, Lehrerwitwen und Waisen! Der Monatsbeitrag für Oktober beträgt 2 Millionen, gleich einem Briefporto. .Sofortige Ueberweisung: Postscheckkonto 82 653 Frankfurt a. M. an I. Spiro, Fulda. I. Gans, Vorsitzender. Briefkasten. B. H. in R. Wir bestätigen Ihnen hierdurch bestens dankend den Empfang der uns übersandten 8000 Polenmark. H. B. in Meisenheim. Sie schulden uns Mk. -5136 000 bis 1. Oktober 1923. L. B. in H. Es ist uns nicht bekannt, daß je Bedenken dagegen geäußert morden wären. H. A. Wien n. Dreitausend Kronen von Sontra empfangen und aus Spendenkonto verbucht. G. Rosenthal, Niederstetten. Betrag eingegangen. M. B. S. Betrag eingegangen und für Abonnement verbucht. Keren Hathauro. L. R. in St. 50 Frs. erhalten und Bestimmungsort zugeführt. Lehrer R. Adler, Mittelsinn. Mk. 17600 für Abonnement. Dr. Engel, Jerusalem. 4 fh. erhalten. Sanitätsrat Dr. W. in I. Lst. 1 empfangen; Wünsche vorgemerkt. Gebr. B. (Jordan) in E. Wir bedauern lebhaft, Freiexemplare nicht abgeben zu können. Lehrer B. Leoy, Berlin N. O. 55. Die gewünschten Nummern 44 und 46 haben wir Ihnen vor längerer Zeit übersandt. Ihren anderen Auftrag haben wir der Firma J.Kausfmann in Frankfurt a. M., Schillerstraße 19 übergeben. I. M. in Kalusz. 60000 Polenmark empfangen, Abonnement für September kostet Mk. 15 Millionen. Oktober freibleibend Mk. 100 Millionen deutsche Mark. Salomon der Falascha einschließlich Porto und Verpackung 300 Millionen Mark. Ein Werk „Chassidismus" von Iudäus.existiert nicht. Es handelt sich wohl um Iudäus „Der Raw". Auch dieses Werk kostet 300 Millionen Mark. Familiennachrichten. Barmizwohseier: Rudi, Sohn des Herrn Georg Kahn, Köln, Roonstraße 60. — Ist, Sohn von Davis Goldberger u. Frau, geb. Farntrog. Nürnberg, Jofefsplatz 20. Barmizwo, Schabbos Berefchis. Geburtstagseier: Unser Vorsteher, Herr Selig Hanauer. Euskirchen, feiert am 2nn seinen 80. Geburtstag. Frankfurter Berichte. Nathan Komöurger ysr „Eine Säule der Thora ist gefallen!" Man pflegte diesen Klagesatz auf große Rabbis und Lehrer der Thora anzuwenden. Das war Nathan Hamburger nicht. Er war Kaufmann und wollte nicht mehr als das sein. Aber eine Säule der Thora war er dennoch, in der Art, wie er sich mit seiner ganzen Persönlichkeit, mit seinem ganzen Tun und Denken, mit der ganzen Glut seiner jüdischen Neschomo für Verbreitung von Thorastudium einsetzte. Die Thora trauert um einen ihrer treuesten Freunde und Annehmer. Stände das Bild Nathan Hamburgers als Leiter des Mekor Chajim nicht so groß und alles überschattend vor uns, wir könnten uns aufhalten bei dem zärtlichen Familienvater, als welcher er seine unerschöpfliche Liebe nicht allein auf Frau und Kinder, sondern auch auf den weiteren Verwandtenkreis erstreckte: man könnte den erfolgreichen Kaufmann von unvergleichlicher Korrektheit und strengster Redlichkeit schildern; man müßte den Jehudi zeichnen, dessen Seele von der Harmonie der jüdischen Mizwohtat beherrscht war; man könnte auch nicht umhin, von der Schlichtheit und rührenden Bescheidenheit des Mannes zu sprechen, der fast scheu jeder Ehrung aus dem Wege ging, von dem rHin p. der Tausende zum Lernen und Lehren veranlaßte, ohne selbst je direkt belehrend hervorzutreten, vom Meister des Frankfurter Minhag und Nigun, bei dem sich sogar Berufschasanim Auskunft holten, den man selbst nie am Omud gesehen hatte; man müßte auch von dem edlen vornehmen Menschen und lieben Freund sprechen, wie er, stets ein freundliches Lächeln auf den Lippen und ein liebes humorvolles Wort im Munde, den Menschen und Freunden entgegentrat. Allein in diesem für die größere Öffentlichkeit bestimmten Bericht tritt all dieses weit zurück vor der Bedeutung Hamburgers als Thoramehrer und Thoraverbreiter, vor dem Mekor Chajim-Dater Nathan Hamburger. Vater — das ist wohl der richtige Ausdruck. Wie des Vaters Sorgen und Träume Tag und Nacht den Kindern gehören, so stand Hamburger früh auf und legte sich spät nieder mit dem Gedanken an seinen Mekor Chajim. Und es ist nicht zuletzt sein Verdienst, daß der Verein, der bald sein fünfzigjähriges Bestehen feiern kann, in den letzten Jahren eine Entwicklung angenommen hat, die ihn an die Spitze aller Lernvereine Deutschlands, in die Reihe aller Thorainstitutionen der Welt stellt. Dreißig Jahre gehörte Nathan Hamburger dem Vorstande des Vereines an und feit dem 23. Januar 1910 leitete er als erster Vorsitzender die Geschäfte des Mekor Chajim. Es ist schwer in Worte zu fassen — und für den Lokalkundigen auch ganz überflüssig, — wie Hamburger die Idee, die Ziele und das Programm des Mekor Chajim in sich verkörperte, wie er von früh bis spät, durch Geschäfts- und Familienleben hindurch immer von den Hochgedanken seines Vereines begleitet war. Keine Stunde war ihm zu kostbar, kein Opfer zu groß, kein Gang zu mühevoll, wenn es galt, für den Verein und durch ihn für Gott und Seine Thora zu wirken. Die Vorstandsschaft war für ihn keine bloße Verwaltungssache, die man vom grünen Tische aus erledigt. Er gab sein Bestes, gab sich selbst hin, seine Mitarbeiter im Vorstande mit sich sortreitzend. Er mußte stets und überall dabei sein und überall selbst nach dem Rechten schauen, und vor allem auch selbst lernen, wiewohl man dem Manne, der an dreißig Jahre fast keinen Schiur versäumt hatte, kaum noch etwas Neues sagen konnte. Schon in aller Frühe sah man ihn im Hörsaal beim Mischnahlernen und die Abendstunde fand ihn beim Gemorohschiur oder beim Vortrag. Und immer schlicht und bescheiden auf einer der hintersten Bänke, als ginge ihn direkt die Sache garnichts an. Doch hatte eine Veranstaltung besonderen Erfolg, gab es ein volles Haus und glaubte er das Publikum belehrt und befriedigt, so konnte man es dem Manne in der stillen Ecke anfehen, wie ihm das Herz im Leibe förmlich lachte, wie sich die Freude am Gelingen in seinen edlen Zügen in den hellsten Farben widerspiegelte. Ein eigenes Kapitel bildet die hingebende Arbeit Hamburgers auf dem Gebiete der vom Mekor Chajim betätigten geistigen Kriegsfürsorge. Wie er gleich von Anbeginn an daraus bedacht war, die aktiven und angehenden Kriegsteilnehmer auf dem Wege von Kursen und Vorträgen über ihre jüdischen Pflichten im Felde belehren zu lassen; mit welcher Liebe er später darauf sah, daß jeder, Mitglied und Nichtmktglied, allsabbatlich eine geistige Herzens stärkung in der Form eines S a b b a t b r i e f e s in seine Feldeinsamkeit erhielt, wie tief ihn jeder Brief erschütterte, der mit dem Vermerke „gefallen" zurückkam, wie er die einzelnen Briefe registrierte und sammelte und einen besonders ihm zu Herzen sprechenden Brief immer und immer wieder lesen konnte, um den Eindruck auf die draußen zu ermessen; wie er um die gefallenen Freunde und Mitarbeiter (Hermann Goldschmidt, Erich Hofmann u. a.) weinte und trauerte und immer neue Ehrungen für ihr Andenken ausdachte, wie er, in erster Reihe für die gefallenen Krieger bestimmt, für eine geistige Reisezehrung über den Tod hinaus, in der Form der Iah rzeitsstiftungen besorgt war; wie er ganz besonders in den Kriegsjahren, aber auch sonst vom wichtigsten Dokumente bis zur letzten Drucksache und Bekanntmachung des Vereines aüfhob, sammelte und mit liebevoller Hand ordnete, all dieses steht einzig da. Wir, die mit ihm arbeiteten, empfanden all dieses bereits als so selbstverständlich, daß von Dank und Anerkennung garnicht mehr die Rede sein konnte. Er wollte und duldete auch keinen Dank. Nur manchesmal, wenn besonderer Anlaß war, kam doch die Dankbarkeit der Mitglieder und des Vorstandes gegen den Führer unaufhaltsam zum Ausdruck, alle Dämme, mit denen sich der Gefeierte umgab, wegschwemmend. So war es im Jahre 1919, als es durchsickerte, daß Hamburger eine 25 jährige Wirksamkeit im Vorstand des Mekor Chajim abschlotz und aus einer Siumfeier ein Redner des Abends in latenter Weise aus diesen Anlaß hinwies. Die durch diesen Hinweis ausgelöste Ovation, die spontane Kundgebung des Dankes zeigte, wie tief die Liebe und Verehrung für den Mann, der jahrein, jahraus fast lautlos Tausende an die „Quelle des Lebens" geführt, in aller Herzen verwurzelt war. Und nun ist Nathan Hamburger so ungeahnt früh von uns gegangen. An einem Festesmorgen, da wir uns anschickten, mit dem Festesstrauße in der Hand „dem Herrn zu danken, der gütig ist und dessen Gnade ewig währt." Ein Mann, der „Seelen geschaffen" hat, ein treuer Torwärter aus der Brücke zwischen „Gott, Israel und Seiner Thora." Nicht einmal weinen durften wir, als wir ihn der kalten Erde übergaben. Und auch jetzt nach Festesschluß wollen wir es nicht. Denn der Fünfundfünfzigjährige, der mitten in der Arbeit von uns gegangen ist, will nicht unsere Tränen, unsere Taten will er. Arbeiten wollen wir in seinem Geiste und weiterbauen am Werke, dem sein Leben gehörte. Und wie er zu Lebzeiten vom Hintergründe aus, fast im Verborgenen unsere Sache beseelt und geleitet hat, so wird er jetzt aus himmlischen Höhen *inD3 unsere Arbeit segnen. Arauerfeier für Malljan Komöurger Zu Ehren seines unvergeßlichen Vorsitzenden, Nathan Hamburger veranstaltet der Verein Mekor Chajim am Sonntag Abend 6 Uhr in seinen Räumen Langestraße 18, an der Stätte, wo der früh Heimgegangene seine Lebensarbeit zur höchsten Blüte gebracht, eine Trauergedenkfeier. Schlicht und einfach, wie es Wesen und Wirken dieses Mannes waren, soll auch dre Trauerkundgebung sein, aus Hesped eines Dozenten und kurzen Danksagungen vom Vorstande und aus dem Kreise der Mitglieder bestehend. Alle Mitglieder des Mekor Chajim, sowie alle Freunde und Verehrer des Verstorbenen, werden um pünktliches Erscheinen gebeten. Wenzarniu Wechsler n"y- Ueber den am 9. Ab ds. Js. verstorbenen Benjamin Wechsler geht uns aus der Familie nahestehenden Kreisen verspätet ein Nachruf zu, dem wir folgende Sätze entnehmen: Wer, wie Schreiber dieses, den Verblichenen kannte und Gelegenheit hatte, ihn sowohl in seinem Wirken als im Kreise seiner Familie zu beobachten, der weiß, daß dieser Mann auch bis in die geheimste Herzensfalte von ungeheuchelster, innigster Frömmigkeit war, stets bestrebt, nrt zu leben und Andere dazu anzuspornen. Der weihte er seine Tage und Nächte, ihr suchte er überall in glühender Begeisterung Jünger und Anhänger und für das von ihm als wahr Erkannte stand er ein mit Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit. Er scheute dabei vor nichts zurück, am wenigsten vor der. Rücksicht auf sich selbst. Entstammend der bekannten Familie Wechsler-Rosenbaum aus Schwabach in Bayern, — sein Bruder war der so berühmte Gaon R. Hyle Ortsrabbiner in Höchberg, seine Mutter eine Tochter des nun bald schon sagenhaft gewordenen R. Mendel Rosenbaum aus Zell b. Würzburg —, war er in allem und jedem ein würdiges Mitglied seiner Familie und so war auch der ganze Inhalt seines Lebens vom den

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