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Der Israelit · 1923-10-11 · Heft 41 (11.10.1923) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 41 (11.10.1923)
Date
1923-10-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 41 Der Israeli 11. Oktober 1923 allen in jeder Stunde ihres Lebens, in Augenblicken der Versuchung und des Kampfes als ein kraftspendendes Vorbild vorangeleuchtet und sie aus den Weg zur Bescheidenheit, Klarheit und Reinheit geleitet. Was Direktor Lange außerh a l b der Räume und Zeiten der Schule für die jüdische Erziehung der Werdenden in Frankfurt geleistet hat, läßt sich kaum genügend würdigen: vom frühen Morgen, lange vor mnt? beginnend, bis in die tiefe Nacht hinein hat er jahrelang, solange die rücksichtslos geopferten eigenen Kräfte reichten, Kinder und junge Leute jeder Altersstufe in zahllosen Privat- Schiurim um sich gesammelt, um echte ri^T rrnnn in die Herzen der Jugend zu pflanzen. Vorträge in Vereinen, wenn er sie auch nicht ablehnte, waren seine Sache nicht: „selber lernen, nichtVorträge anhoren", war seine Parole. Dabei beschränkte sich seine eigene wissenschaftliche Tätigkeit keineswegs auf die Vorbereitung zum Unterrichte. Von dem Augenblicke an, da die geniale Persönlichkeit Jzchok Eisik H a l e v y s und sein gewaltiges Geschichtswerk im Kreise der deutschen Orthodoxie bekannt wurde, gehörte Direktor Lange zu den eifrigsten Verehrern des großen Meisters, dessen wissenschaftliche Entdeckungen er mit tief eindringendem, kritischem Verstehen und dennoch, oder eben deshalb mit glühendem Enthusiasmus begleitete. Für Lange, wie für den ganzen Kreis von Rabbinen, die später unter Langes Vorsitz die „Jüdisch-literarische Gesellschaft" gründeten, bedeutete Halevys Forschungssystem den Antrieb zu einer erkenntnisfreudigen Aufnahme selbständigen Geschichtsstudiums, eine kräftige Befruchtung des jüdischen Geisteslebens überhaupt, die bei einem so regsamen, wissensreichen Kopfe wie Direktor Lange zu besonders reicher Ernte wissenschaftlicher Erkenntnis führen mußte. Es ist schmerzlich, daß das jähe, frühe Ende seines Lebens das Ausreifen der Früchte dieser wissenschaftlichen Bestrebungen, von kleineren Arbeiten abgesehen, verhindert hat. Inmitten aller beruflichen und freiwillig übernommenen Arbeit, die einen dreifachen Achtstundentag ausfüllte, beschäftigte sich der nimmer Rastende mit der Niederschrift seiner Erklärungen zu einzelnen biblischen Büchern, von denen er besonders K o h e l e t h und Hiob eifrig durchforschte — der Koheleth-Kommentar ist im Druck erschienen — und zu Tefilloth und Pijutim, die er nicht nur wörtlich auswendig kannte, sondern an nicht wenigen Stellen durch neue, glückliche Jnterpretationsversuche dem Verständnis näherzubringen wußte. Seiner ganzen Natur nach war Direktor Lange ein Mann der Lehre und der per- Kurze Betrachtungen zum Buche rrarc. Wochenabschnitt rpttWQ*) (Verspätet eingetroffen). Von Rabbiner Dr. Ieltr Kanter, Zrvillau (Mähren). „Gott schuf die zwei großen Leuchtkörper." Ursprünglich, so bemerken dazu unsere Weisen (Chulin 60), waren Sonne und Mond gleich groß, ihre Leuchtkraft gleich stark. Da wandte der Mond dagegen ein: „Können denn zwei Könige mit einem Szepter regieren?“ (d. h. es muß doch immerhin einen Unterschied geben zwischen diesen beiden gleichen Größen), worauf der Weltenschöpfer dem Mond befahl, viel dunkler als die Sonne zu scheinen. Mit diesem Bescheide gab sich der Mond erst recht nicht zufrieden, er sprach: „Mutz ich denn wegen meiner gerechten Klage so schwer büßen!" Daraus befahl der Herr — Israel, am Beginne eines jeden Reumondes ein *) Nach „Ialkul Hadrusch". i. Teil. sönlichen Lebensvollendung — das politische Leben lag ihm ferner, und es war in der Tat nur der Ruf der Pflrcht, der Ruf der Mi zw a, die den jüdischen Menschen an das Zibbur bindet, was ihn zu eifriger Arbeit auch auf diesen Gebieten beflügelte. Mit starker Anteilnahme wirkte er bei der Reorganisation der „Freien Vereinigung" im Jahre 1906 mit. Abonnements September—Oktober. Jnseratgebühren. Die Abonnements-Gedühr für September stellt sich endgültig auf 10 Millionen,' jedoch müssen wir bei Nichteinlösung der Nachnahme einen EntwertungsMschlag von 200 % berechnen, da der Betrag schon heute fast wertlos ist. Wir erheben für Oktober fortlaufend eine der Schlüsselzahl entsprechende Anzahlung durch Nachnahme und zwar wird die bei Abgang der Nachnahme geltende Schlüsselzahl berechnet. Nacherhebung der Differenz gegen die endgültige Oktobergebühr bleibt Vorbehalten. Am 8. Oktober beträgt die Schlüsselzahl 100 Millionen, die Abonnements-Anzahlung daher 50 Pf. X 100 Millionen — 50 Millionen, ab 10. Okt. (Schlüsselzahl 170 Mill.) 85 Millionen. Auch für die Berechnung der Inserate gilt fortan die am Zahlungstage kn Kraft befindliche Schlüsselzahl. Auslandsinserate 20 Goldpfennige zum Umrechnungskurs des Zahlungstages. Wir Sitten dringend, für sofortige Einlösung der Nachnahmen zu sorgen, da wir sonst dieregelmäßige Zusendung des Blattes nicht gewährlei st enkönnen- Verlag des „Israelit" G-m. b. H. Frankfurt a. M. als deren Ausschußmitglied er an der Seite Dr. Michael Cahns P"2»T die aufreibenden Kämpfe um das Volksschulgesetz führte und den „Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands" gründete. Dem Bunde blieb er bis zum Ende ein allezeit pflichtgetreuer, in Hilfsbereitschaft, Versöhnlichkeit und unbeugsamem Rechtsgefühl dienender Vorsitzender. Mehr als ein „politischer" Gedanke war ihm Sühnopfer darzubringen dafür, daß Er die Leuchtkraft des Mondes herabsetzte. — Dieser Ausspruch unserer Weisen ist durchaus nicht so schwierig, wie es den Anschein hat. Die Klage des Mondes entsprach nicht, wie allgemein angenommen, dem Gefühle des Neides oder der Rivalität und war daher ganz und gar nicht ungerechtfertigt. Es sollte zwischen diesen beiden gleich großen Leuchtkörpern ein Unterschied gemacht werden. Dies hätte ja leicht in der Weise geschehen können, daß die Sonne an Leuchtkraft- und Stärke zunehme (und der Mond in seinem ursprünglichen Stadium bleibe). In Wirklichkeit geschah es anders: die Sonne blieb in ihrem Ursprungsstadium und der Mond büßte einen Großteil seiner Leuchtkraft ein. Darin bestand die gerechte Klage des Mondes, der die Verminderung seiner Leuchtkraft durchaus nicht begreifen konnte. Es geschah dies aber wegen — der Menschen Schuld. Das ursprüngliche Licht, das Gott am ersten Schöpfungstage schuf, so berichteten unsere Weisen an anderer Stelle (Chagiga 12), war von außerordentlicher Stärke "-D1 riDIS Dlü- Als aber Gott die Sünden der Menschen sah, so das Geschlecht der Sindflut etc. zog er dieses Licht ein "'ijn CPp'Hü^ Die Sonne konnte demnach wegen der Sünden der Menschen an Leuchtkrast- und Stärke nicht zunehmen, andererseits sollte ein Unterschied zwischen Sonne und Mond gemacht werden, folglich blieb kein andrer Ausweg übrig, als daß der Mond, der sich mit seiner Gleichstellung nicht zufrieden gab, an seiner Leuchtkraft einbütze. Da aber diese Einbuße eine Folge der Sündhaftigkeit der Menschen war, sollen die Menschen, Israel, an jedem Neumonde ein Sühnopfer darbringen. „ Agudas Iisro el". Die erzieherische Kraft der Aguda-Jdee, die den ganzen inneren Menschen ergreift und ihn mit der Glut des jüdischen Klall-Bewußtseins erfüllt, hat er früh erkannt und sich, weil er seiner Erkenntnis den Willen unterwarf, mancher Widerwärtigkeiten ungeachtet mit rückhaltloser Entschiedenheit hingegeben. Jahrelang trug er die Last des Vorsitzes in der Frankfurter Orts- und Jugendgruppe, niemals nach Ehre, sondern immer nur nach dienender Arbeit, nach Gelegenheiten zum Lehren geizend, glücklich in der Aussicht, noch weiter hinaus die Saaten seines Thorawissens in empfängliche Herzen zu streuen und das Werk der Schule an den Heranwachsenden Jünglingen und Jungfrauen zu vollenden. Kaum fünfundfünfzig Jahre durfte Gerson Lange auf Erden weilen,' allein er hat, dieser kurze Ueberblick über sein Leben zeigt es dem, der zu lesen versteht, in dieser kurzen Frist wahrlich ein v o l l e s Menschenleben durchschritten und ausgefüllt. Vielleicht wars ein Vorgefühl des Kommenden: er war immer in Eile, als ob der pnn rran bvn hinter ihm stände^ und der „kurze Tag" seinem Ende sich zuneigte. Nun endlich ruht er: tod lnrroo nmm. Er darf ruhen; denn auch hienieden wirkt sein Wirken weiter in die Zukunft hinein, nicht nur in einem Hause, das er an der Seite einer ebenbürtigen, tapferen Lebensgefährtin zu einem WD EnpD, einem omaa bn^ mit unzähligen, fein Lob verkündenden D^n gestaltet hat, sondern im Leben all der Hunderte von Schülern und Schülerinnen, die gleich seinem Sohne und seinen Töchtern zu dem Heimgegangenen wie zu dem Bilde eines liebenden Vaters emporblicken, das für und für zur, Selbstarbeit, zur Vollendung, zur Lebensheiligüng aufruft. — rrruon. Wochenrundschau. Ereignis und Gefahr. Der Wiener Oberrabbiner Dr. Chajes pflegt alljährlich in seiner Roschhaschana-Predigt an das größte Ereignis des verflossenen Jahres anzuknüpfen. Man erwartete dieses Jahr im Seitenstettentempel ein Wort über den 13. Zionistenkongreß, in dessen Präsidium der Oberrabbiner mit agierte, zu hören. Allein Dr. Chajes sprach nicht vom Zionistenkongreß, sondern von der Kenessio Gedaulo, und es spricht immerhin für das Urteil und den klaren Blick des Oberrabbiners, wenn er damit zugibt, daß er das größte Ereignis im jüdischen Leben des verflossenen Jahres nicht im Und der Herr sprach: Lasset uns einen Menschen schaffen in unserm Ebenbilde etc. Im Talmud (Synhedrin 31 b) heißt es: Als Gott daran ging, den Menschen zu erschaffen, da erhoben die himmlischen Engelschaaren dagegen Einspruch. Sie sprachen: Was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkest -etc.' Da streckte der Herr seinen kleinen Finger aus und verbrannte sie. PüBp Was# ömi). Hier fällt vor allem der Ausdruck auf „er verbrannte sie mit seinem kleinen Finger". Es gibt aber eine ähnliche Stelle im Midrasch (Hohenlied, Kap. 8), wo ebenfalls von einem Finger die Rede ist. Dort wird ebenfalls von einem Protest berichtet, den die himmlischen Engelscharen gegen die Uebergabe der Thora an die Menschenkinder erhoben haben. Ihnen, so berichtet der Midrasch, gab der Herr zur Antwort: Die Thora enthalte solche Gesetze und Gebote, die nursürMenschen (und nicht für Engel) bestimmt seien. Es sei dies mit einem Manne verglichen, der einen Sohn hatte, dem die Finger fehlten. Diesen Sohn wollte er einem Schneider in die Lehre geben. Da sprach der Schneider: Um mein Handwerk auszuüben. muß,ich mich der Finger bedienen; wie könnte euer wohn dieses Handwerk je erlernen, da ihm die Finger fehlen! (Wie sollten die Engelscharen die Gebote der Thora erfüllen, da ihnen die Finger, die primitivsten Voraussetzungen, fehlen). Durch den Hinweis auf „die Finger", auf die tatkräftige und tatsächliche Ausübung der Thoragebote, brachte Gott die protestierenden Engelscharen zum Schweigen. Und auch die Engelscharen, die gegen die Erschaffung des Menschen protestierten, brachte der Herr zum Schweigen durch den Hinweis selbst aus den kleinsten Finger, aus die scheinbar leichtesten Gebote, die nie von Engeln und nur von Menschen ausgeführt und ausgeübt werden können

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