Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1923)
- Date
- 1923-01-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«rite 6 Nr. 1. Der J-taelit 4. Januar 1098 A P. in Straznice Schulchan Oruch, 2. Teil, ist leider vergriffen. Emgo, Landstraße. Der jüdische Geburtstag ist «"2 Tebeth^ die Sidrah war nive». Vermischtes. Berlin, 9. Dez. Wie gemeldet wird, fanden gestern die Wahlen zur Siudentenkammer an der Technischen Hochschule Charlottenburg statt. Auch hier taten sich, wie aus Studentenkreisen mitgeteilt wird, die Ritter vom Hakenkreuz hervor. Sie hatten ein großes Plakat mit dem Text angebracht: „Wo wählen die Juden? In der Deutschen freien Hochschulgruppe"! In der Mitte prangte auf rotem Feld ein großes Hakenkreuz. Der Rektor, der um Einschreiten angegangen war, sah einen Grund zum Einschreiten nicht aiS gegeben an. Berlin, 4. Dez. Die italienische Urologische Gesellschaft har die Profefforen Israel, Posner und Ca sp er zu Ehrenmitgliedern ernannt. Berlin, 14. Dez. Die Großloge für Deutschland VIII, Unabhängiger Orden Bne Briß O. O. schnitt unS: Bon zuständigen amerikanischen Stellen ist unS der Wunsch zugegangen, die jüdische Oeffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, daß Einwanderungen aus mit Trachom behafteten Ländern nach Mexiko unterbleiben sollen, da sich die Einwanderer dem niederdrückenden Schicksal der Zurückweisung aus. setzen würden. Budapest, 6. Dez. Der Dberrabbiner von Al - Ofen, Ignaz Schreiber, ein 31 jähriger Mann, geriet als er ans einen fahrenden Straßenbahnzng ausspringen wollte, unter die Räder und konnte nur mehr als Leiche geborgen werden. Mainz, 6. Dez. Am 3. Dezember wurde dahier unter starker Beteiligung ein Verband der rheinhessischen israelitischen Gemeinden begründet, deflen Aufgabe eS fein soll, leistungsschwache Gemeinden in den Stand zu setzen, ihre religiösen Institutionen zu erhalten und für ausreichenden Religionsunterricht Sorge zu tragen. Der Initiative und der unermüdlichen Tätigkeit des ersten VorsteberS der Mainzer Gemeinde, Herrn Kommerzienrat E. A. Mayer, ist es zu danken, daß die seit Jahrzehnten hier angestrebte Organisation endlich ins Leben getreten ist. Gattinnen, 15. Dez. Am Schabbvs Chanuko beging der hiefige Synagogenchor die Feier seines 75 jährigen Bestehens. - Sinnig haben unsere Väter gerade das Weihefest gewählt zur Einführung weihebringender Einrchiungen. Die Entstehung des Gai. linger Chors hat nicht viel zu tun mit der an den Namen Israel Jakobfohn anknüpfenden, von protestantischen Vorbildern ausgehenden Bewegung. Wurde auch manches Technische auS nichtjüdtfchen Kreisen übernommen, so war doch in der Hauptsache der neue Männerchor eine Fortsetzung der Einrichtung der Chorknaben (Mefchaurarim), die erwachsen von ihrem frommen und schönen Singen nicht loffen wollten. Durch den Bortrag altgewohnter Weisen und durch den Sang wohl einstudierler, neuer Nigunim hat der Chor viel zur Hebung des. Gottesdienstes zu allen Zeiten beigetragen.' Erst jüngst brachte er eine neue Komposition feines Leiters, des Herrn Lehrer Schapiro, wirkungsvoll zum Bortrag. Seine Bedeutung innerhalb der badischen Judenheit hat der hiefige Chor dadurch gezeigt, daß er auf einem Wettsingender Synagogenchöre des Landes in Offenburg einen ersten Preis errang mit einem Ausheben, das unser damaliger Kantor, Hexr Lehrer Eisen mann s. A. vertont hatte Such im weltlichen Gesang hat unser Chor als Gesangverein „Eintracht" eine ruhmvolle Geschichte. Der Chor zählt heute Noch 32 mitwirkende Mitglieder. Möge sein Singen und Leben stets Eintracht sein angesichts seines hohen Berufs, dazu beizutragen, der himmlischen Harmonie irdischen Ausdruck zu geben. Hamburg, 27. Dez. Zu einer würdevollen Feier lud die vereinigte alte und.neue Klaus ihre Freunde und Gönner am 6. TeweS ein. Die neu restaurierten Räume des rvtäo no sollten eingeweiht und zugleich ein viD auf treu "HD mwa. veranstaltet werden. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß sich außer den zahlreichen regelmäßigen Besuchern der KlauS eine außerordentlich stattliche Zahl von Gesinnungsgenossen, allen voran die min 'ivi^ unser ntonp einfanden. Die ganze Veranstaltung war ihrem Zwecke entsprechend von inniger Liebe zur 'pn umin getrogen. Geistvolle Reden der ehrwürdigen Rabbiner der KlauS eröffneten den Abend, nachdem deren Senior, Herr Dr. Steingut, den eigentlichen di»d in der ihm eigenen Art fesselnd itnb anregend. vorgetragen hatte. Im Mittelpunkte stand die gedankenvolle und inhaltsreiche Festrede des Herrn OberrabbinerS.Dr. Spitzer, die mit großem Beifall ausgenommen wurde. Weitere min '12-, -folgten und machten den Abend zu einer ni3v bv nne». Die Verwaltung ließ es sich nicht nehmen, die Gäste auch ihrerseits zu begrüßen und durch eine angemessene mipv zu bewirten. Ueber den ganzen Abend lag der Hauch echter jüdischer Freudigkeit und damit bot er den Beweis, daß auch die Sorgen des Tages nicht den Idealismus zu bannen vermögen- , wo die min regiert und das Leben regelt. Hoffenryjr, daß dieser Abend nach wirken wird und sich so die Wünsche der Führer der KlauS auf einen verstärkten Besuch der erfüllen. Dann ist der Erfolg der Jeiergarnicht hoch genug zu bewerten und. wird eS dem Institut nicht an Gönnern und Förderern fehlen, die wie bisher für feine materiellen Grundlagensorgen. Rendsburg, 14. Dez. Ein Einbruch ist in der letzten Nacht in der hiesigen Synagoge auSgeführn worden wobei silberne Synagogengeräte gestohlen wurden. Köln, 20. Nov. Am Sonntag, den 12. November, hat hier im Sitzungssaal der Gemeinde Rhönstraße, eine vom Waad Jbrt in Westdeutschland etnberufene hebräische BeztrkStagüng stattgefunden. Nach einer hebräischen Begrüßung durch Herrn Nürnberg, Köln, hielt He^r Dr. Säckhetm, Hagen,' seinen Bortrag über „die hebräische Bewegung". Der Referent, der hebräisch begann und deutsch sortfuhr, schilderte die Entwicklung der hebräischen Sprache in der DiaSpora. Herr Dr. Sackheim entwickelte dann ein ArbettS» Programm, um das Hebräisch zu verbreiten. An Stelle des verhinderten Dr. Eschelbach er, Düffeldorf, sprach dann Herr Rektor Coblenz, Köln, über,,daS tebräische in der Schule" und stellte fest, daß in der ölner jüdischen Volksschule das Hebräisch einen entsprechenden Platz im Lehrplan einnimmt. Er stellte die Forderung auf, daß die jüdischen Kinder zuerst in die jüdische Volksschule geschickt werden. Herr Lehrer Reinhard, Köln, der die Versammlung leitete, unterstützte warm die von dem Referenten ausgestellten Forderungen In der Diskussion sprach Herr Rabbiner Dr. Kober hebräisch, der die religiöse und erzieherische Bedeutung deS Hebräischen unterstrichen hat, sowie Herr Rabbiner Dr. Caro, welcher die Einführung von hebräischen Privatzirkeln empfahl. Es sprachen noch die Lehrer Baum, Freimarkundstud. Goldberg, Schey und Nürnberg. Die Sitzung war gut besucht. Jena, 20. Nov. Auf den Beschluß der Kliniker, schüft der Universität Jena, daß bei den medizinischen Vorlesungen in der Universität die ersten vier Bänke für rasienreine Germanen reserviert bleiben müssen veröffentlicht der Rektor der Universität,-Geheimrat Bauch, am „Schwarzen Brett" folgendes Schreiben: „An den Dekan der medizinischen Fakultät! Ich bitte Sie, in allen medizinischen Jnslltmen, am besten durch die Herren Direktoren, bekanntgeben zu lassen, daß Ausländer zwar ohne Platzanspruch zum Studium in der medizinischen Fakultät ausgenommen sind, daß eS aber rechtlich unmöglich ist, die Plätze an Reichsangehörige nach RaffengestchtSpunkten zu verteilen. Die Herren Institutsdirektoren mögen Rechtsverletzungen Vorbeugen, da diese nicht allein für die Beteiligien, sondern auch für die ganze Universität die nachteiligsten Folgen haben müssen." Riga, 18 Nov. Die sowjetamtlichen Moskauer „JSwesnja" enthalten folgende Verfügung des Volkskommissars für Bildungswesen Lunatscharski: „Bei vielen Feftdekorationen und auf Plakaten während der letzten RevolutionSfeterttchkeiten, wie überhaupt bei Veröffentlichungen usw. verschiedener Art, wird neuerdtngS in mißverständlicher Weise häufig ein Ornament verwandt, welches Hakenkreuz heißt. Da das Hakenkreuz die Kokarde der ultra-gegenrevolutionären deutschen Orgeschorgantsationen darstellt und in letzter Zeit den Charakter eines Sinnbildes der gesamten saSzisttschen reaktionären Bewegung annimmt, so mache ich hiermit warnend darauf aufmerksam, daß die Künstler in keinem Fall dieses Ornament verwenden dürfen". Jerusalem, 37. Dez. Elieser ben Jehuda, der Kämpfer für Erneuerung der hebräischen Sprache und der jüdischen Sprachforschung, ist hier gestorben. Ben Jehuda war einer der ältesten jüdischen Ansiedler in Palästina. Seitdem er ins Land kam, widmete er sich ganz und gar der hebräischen Kultur. Leider stieß er mit seiner radikalen Gesinnung, der er stets ebenso aggressiven Ausdruck gab, die religiösen Elemente ab. Seine Verdienste um die Erneuerung der hebräischen Sprache als Umgangssprache der jüdischen Bevölkerung Palästinas sind ganz enorm. Zu seinen Hauptwerken gehört das große, auf 12 Lexikabände berechnete Monumentalwerk „ThefauruSbenJehuda" (jltov), von dem bis jetzt erst 6 Bände bei Langenscheidt erschienen sind, sowie sein vielbekannteS hebräisches Taschenwörterbuch. Silberne Hochzeit. Benjamin Zitronenbaum und Frau Amalie, geb. Lehrhaupt, Mainz, Margarethenstratze 1, 2. St. Frankfurter Berichte. Heheimra! Ir. HlosenSaNM-Keikuntter- Sliflimg. Die Stiftung wurde im März d. Js. von Freunden und Verehrern des allzufrüh abberufenen GehetmratS Dr. E. Rosen bäum ins Leben gerufen und verfolgt den Zweck, unbemittelten jüdischen Kranken und Rekonvaleszenten unentgeltlich Heilmittel.(Arznei und Medikamente)^» verabreichen. Obgleich die Beträge, die ursprünglich gesammelt wurden, recht beträchtlich waren, kann die Stiftung angesichts der unausgesetzten Teuerung der Arzneimittel (man hört jetzt gar von' Aufschlägen bis zu 1000"/.) ihrer Aufgabe nur Mangel- Haft gerecht werden, wenn ihr nicht ganz bedeutende Spenden und Jahresbeiträge zugewandt werden. Je mehr die Teuerung der Arzneimittel zünimmt, desto dringender ist das Bedürfnis nach einer großzügigen Wirksamkeit der Stiftung, die berufen ist, Menschenleben zu retten oder vor Siechtum und Verfall zu bewahren. Möchten alle Menschenfreunde diesen Aufruf der Stiftung beachten und ihr reichliche Spenden aus Postscheckkonto 50110 (Gustav MoSbacher) oder auf das Konto der Stiftung bet der Frankfurter Bank überweisen. Ara« Mathilde Hokdfchmidt n"r- Im Alter von 82 Jahren hauchte Frau Mathilde Golbschmidt, geb. Kulp, ihre reine Seele aus. Als letzte einer großen Reihe von Geschwistern war sie zuletzt noch allein Trägerin heiliger Traditionen einer alten, hochgeachteten Frankfurter Familie. An der Seite ihres Gatten, des unvergeßlichen Seltgtnänn Goldschmidt y'itt, dessen Verdienste als tonö und meisterhafter ntocr noch in aller Erinnerung find, stand sie einem jüdischen Hause vor,, in dem echte Jüdischkeit und Menschlichkeit, mm und nm>, Liebe und Gastlichkeit als gute Geister walteten und bet der Erziehung der Kinder mitwtrkten. Bon tiefer Frömmigkeit und unaufdringlichem Wohltun. beseelt, verehrt von den gleichgearteten Kindern, von Verwandten, Freunden und Bekannten, ging auch ihr längeres Witwendasein dahin; still und bescheiden, schlicht im Denken uud Tun und sestverwurzett in der Gedankenwelt der Hirsch- Kehilla. So wird ihr Bild in unserem ehrenden Gedenken fortleben und uns zum Segen gereichen, ri ' SSün. Agudas Iisroel-Augerrdgrrrppe. 1. Der zweite SanitätSkurS der Jugendgruppe findet Sonntag, den 7. Januar, abends 8 Uhr statt. Nach Beendigung des Kurses wirb den regelmäßigen Teilnehmern eine Bescheinigung über die Teilnahme und Anzahl der Stunden ausgestellt. 2. Sonntag, den 7. Januar, findet eine Besichtigung der Historischen Raschistätten zu Worms in Gemeinschaft mit den benachbarten Jugendgruppen unter Führung des Herrn Lehrers A. Hirschberg statt. Treffpunkt in Frankfurt a. M., am Haüptpörtal des Hauptbahnhofes, morgens S Uhr. Rückkehr gegen ViJ Uhrabends. 3. Auf mehrfachen Wunsch hat die AgudaS JtSroel- Jugendgruppe die Bildung eines Zirkels von 15 bis 18 jährigen jungen Leuten beschlossen. Jntereffenten werden gebeten, stch DienSläg und Mittwoch abend im BereinSlokal zu melden. Hefferrlttcher Morlrag irr der Agndas Iisroek- Iugendgrnppe. Der dritte öffentliche Bortrag der AgudaS JiSroel Jugend- und Mädchengruppe findet diesen SamStag, 6. Januar, abends Uhr, im Hörsaale der Synagoge FriedbergeL Anlage statt. In Fortsetzung seines Vortragszyklus spricht Herr Redakteur S. Schachnowitz über -,Die jüdifche Wissenschaft und schöngeistige Literatur nach Mendelssohn". Gäste, Damen und Herreu, willkommen. Her Mvuck. Der Chassidismus ist literaturfähig auch im anderen Sinne seit Horodegki und Buber. Bühnensähig machte ihn*Anski mit feiner Dibucktragö die. Aber ist das EhasstdiSmuS, was wir hier und dort zu lesen, zu hören und zu schauen bekommen? AnSki war Dichter genug, um selbst zu fühlen, daß mit der Geschichte von der wundersamen Heilung der Besessenen, der „Austreibung des Dibuck" durch den Rabbi das Wesen deS Chassidismus kaum berührt, geschweige denn erschöpfend gezeichnet wäre. Darum umgab er das Stück mit einem Nebel von liefen dunklen Begleitworten und mystischen Handlungen. Wer aber de» ChasstdiSmuS von Hause aus nicht kennt — lernt ihn auch hier nicht ganz kennen. Die Schauspieler im LöwenhosTheater geben ihr Bestes, um dem Dichter, den nicht geringen Bühnenanforderungen Und auch dem Chassidismus gerecht-zu werden. Man merkt in jeder Zeile die Regie und die Schulung der „Wtlnaer", denen vornehmlich dieses Stück in Berlin geradezu Weltruf, etngebracht hat. ES wird unter Bergmanns Leitung auf echte, fein abgetönte Kunst gesehen und der Gesamteindruck — man darf eS ohne Uebertreibung sagen — erinnert fast an den einer guten Hamletaufführung. Wie der Dichter objektiv sein wollte, so mühen sich auch die Schauspieler, in Wort, Maske und Mimik wiederzuspiegeln, ohne zu glossieren. ES ist viel Ernst und Wille zur Wahrheit in der Art, wie die Bergmanntruppe das Stück wiedergibt. Markante Gestalten wandeln über die Bühne besonders in Sender Br in itz er, dem reichen, selbstbewußten chafstdtschen Kaufmanni in dem etwas „abseitigen" Meschalach; in den Bachurim, Chassidtm und „Bailanim" aller Art. Den „Miropalier Rebben", eine der Hauptfiguren, hätten wir UnS etwas breiter, geruhiger,, souveräner und weniger sprunghaft und aufgeregt mir* vibrierender Sprache und zitternden ^Händen gedacht. Doch wird uns von Eingeweihten verbürgt, daß aüch dieses Bild im Ganzen zutrifft. So kann man denn nicht umhin, den Künstlern für diese ganM Leistung. Lob und Anerkennung auSzusprechen.