Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1922)
- Date
- 1922-12-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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S*t JSra-M. 21. Dezember 1WS zu, die ihn ganz nach Prager Art verdächtigten, verleumdeten und auch bet den Behörden denunzierten. Wieder gibt es Angst und Kampf. Und zuletzt entschließt er sich, in vorgerücktem Alter dem Rufe als Oberrabbiner mach Krakan zu folgen. Den Tag, an dem er, von Jubel und Ehrungen empfangen, in Krakau etnzieht, den zweiten Neumondstag des Adar, fetzt er, zur Ergänzung des Familienfasttages am 5. TamuS, zum Tage der Festesfreude für seine Nachkommen ein, da er erst jetzt die volle Erlösung und Befreiung aus den Nöten von damals zu feiern Anlaß hat. In Krakau kommt er mit vielen Großen seiner Zeit zusammen und in Gemeinschaft mit Freunden, Mitarbeitern und Verehrern, deren Schar sich gewaltig vergrößerte, konnte er noch an seinem Lebensabend in der ersten Gemeinde Galiziens eine höchst segenövolle Tätigkeit entfalten. Im Jahre 1655 setzte aber der Tod dem ungemein tatenreichen Leben ein Ende. Rabbi Jomtow Lipmann Heller hat ein Alter von 75 Jahren erreicht. Der Mann, der hier die Leiden des dreißigjährigen Krieges bis zur Neige ausgekostet, und dort alle Schrecken des Kosackenauffstandrs miterlebt hatte, er hatte mitten in den unsäglichen Sorgen und Mühsalen und Kämpfen die Ruhe und Muße gefunden, unS neben anderen Erzeugnissen ein Werk zu schenken, das, seinem Namen entsprechend dt> niLviri, eine unermeßliche Vermehrung und Bereicherung unseres talmndischen Getstesschatzes bedeutet. Dieser Mann, der in seinem ganzen Leben immer nur auf Haß und Mißtrauen gestoßen ist, schließt sein genanntes Lebenswerk tn Anknüpfung an den letzten Satz von Mjschnajoth mit einer herrlichen Erklärung des Friedenbegriffes einer Hymne auf den „Schölaum." Me Kinder von Zemsalr«. (Aus allen Büchern). Ein Reisender ging durch Jerusalem. Er hatte gehört, wie klug die Kinder dieser Stadt seien. Als er auf der Straße ging, traf er ein Kind, das eine zugedeckte Schüssel trug. Er fragte: „Was trägst du in dieser Schüssel, Kleiner?" Der Knabe antwortete: „Wenn meine Mutter gewollt hätte, daß du erfährst, was in der Schüssel ist, so hätte sie sie nicht zugedeckt." Der Mann ging in ein Gasthaus, sah den Sohn des Wirtes und sagte zu ihm: „Da hast du einen Groschen, geh, kaufe mir irgendeine Speise, die mir auf drei Tage genügt." Das Kind nahm den Groschen, ging und brachte dem Manne eine zugedeckte Schüssel und sagte: „Siehe mein Herr, da habe ich dir ein Essen gekauft, das dir drei Tage und noch darüber genügen wird!" Der Mann nahm die Schüflel, entfernte den Deckel, und stehe da, sie war voll mit Salz! . . . Der Mann wollte die Umgebung der Stadt besichtigen. Er kam zu einem Scheideweg, traf dort einen kleinen Knaben, der am Felde spielte. Er sagte ihm: „Zeige mir doch, mein Sohn, den Weg zum nächsten Dorf." Da antwortete der Knabe: „Diese zwei Wege führen in das nächste Dorf, dies ist ein kurzer und weiter Weg und dieser ein langer und naher Weg.. Der Mann wählte den kurzen und geriet bald in Gärten und Parks, verirrte sich und fand nicht den Weg. Er kehrte zurück, fand dm Knaben und sagte: „Oh, Kleiner, warumhast du mich Letrrogen, wußtest du nicht, daß die Gärten dort den Weg vor dew Wanderer verschließen?" Der Knabe aber sprach: „Habe ich denn nicht gesagt, daß dieser Weg unserer Gemeinde Int letzten Menschenaltrr heranreichen : den langjährigen Sekretär und }0l» deS Deutsch-JSraeliitschen CynagogenverbandeS, Herrn Levi Myhlgemnih T'i). Die Tranerftier im Haufe leinte Herr Oberravbiner Dr. Spitzer ein, der tn nach Inhalt und Form meisterhaften Ausführungen ein Lebensbild des Dahinpegangenen an der Hand eine» Mischnah- und TalmudworteS entwarf: Sr fckilderle sein reiches talmudischeS Wifien, dem v'pvlvl D"t? stets gegenwürtig «or, feine große profane Bildung, besonders auf dem Gebiete der Naturwiffeuschaft und Mathematik, ermähnte, daß er mit Helmholz und Einstein in Korrespondenz gestanden, sein groheS pädagogische» Geschick, doS er in den Dienst unserer flJiö» gestellt, indem der Verstorbene allen, die sich ihm anver.raut, durch Wort und Tat gezeigt, wie nm rrnn einerseits und Bildung und Lebenserfahrung andrerseits sich in Einklang bringen lasten, sodatz fie sich ergänzen und einander befruchten. Bor allem bet seinen Kindern, die alle ausnahmslos, (der Stolz ihrer jüdischen Umgebung seien. Unvergrffen würden ihm die Dienste bleiben, die er unserer Gemeinde geleistet, der er 32 Jahre mit htngebenbster Aufopferung gebierst, sodatz jetzt fünf Menschen stch in die Erfüllung der Aufgaben teilen mützten, die er allein bewältigt habe. Um 4 Uhr Morgensah man Licht in der Gemeindestnde und oft noch um 2 Uhr nachtS. Die so umfangreiche halachische und allgemein religiöse Korrespondenz erledigte er in vollendetem Deutsch ober klassischem Hebräisch. Und voller Schmerz und unter Selbstvorwürfen mutzien wir uns sagen, daß die wenigsten unter unS gewußt, wer da tu ihrer Mitte weilte, als der Oberrabbiner erwähnte: Wenn Wohlgemuth eine zusttmmende Meinung ausgesprochen, dann war man sicher, daß man tn feiner religiösen Entscheidung nicht gefehlt hatte. Min Schluchzen ging durch die Trauerverfammlung, alS der älteste Sohn, Zahnarzt M. Jfak Wohlgemuth, feine fünf Kinder an die Bahre herantrrien ließ und sie an das Sterben dieses Frommen erinnerte, wie er sie kurz vor feinem Tode gesegnet und sie ermahnt, felsenfest alS Jehudim zu verharren. An daS Sterben dieses GrotzvaterS und an fein Leben sollte» sie denken, dann würden sie gewappnet sei» geget, jeden Angriff der ihaurofeindttlden Mächte. Der zweite Sobn, DistriktSrabbiner Dr. Josef Wohlgemuth, Kttzingen, dankte dem Vater in ergreifenden Worten für all die Liebe, die er den Kindern erwiesen, wie er unter den größten Opfern stch alles versagte, was irdisches Glück bedeutet, nur um ihnen den Weg zu erleichtern, daß fie, ein jeder auf seinem Platze, für Thaurowiffen und Thaurohetltgkett wirken könnten. Für den weiteren Kreis der Familie versuchte der Reffe, Dozent Dr. Josef Wohlgemuth, Berlin, zu zeigen, wie der Grvnd für die Größe deS Verstorbenen im Haute seines BaterS gelegt worden sei, de» RabbtneiS Jefajah Wohlgemuth in Memel und deffen Freundes Rabbi JtSroel Galanter. Dort Haber jenes mantom etngesogen, das ihn überall, wohin er kam, zum Muster eines bewundernswerten Jehudi machte. Unabsehbar war daS Gefolge, das dem Entschlafenen daS letzte Geleite gab. Möge tu der schweren Zeit das nat dieses pnr uns beistehen. n"aiüri. Hamburg, 10. Dez. In der Blüte ihrer Jahre verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit Frau Gita Hamburg. Mit ihr ist eine jener frommen, pflichttuenden und opferwilligen Frauen dahingegangen, deren ganzes Leben eine nxrnap bildet. Als Tochter deS ln Hamburg auch nach seinem Tode geschätzten und verehrten Barntt E manuel, sah sie von Jugend auf echt jüdische Ideale und Lebensziele vor sich. Tie Ge« lehrsamkett und Frömmigkeit des Vaters halten auch ibr Leben geadelt, Ihr vor allem ein unerschütterliches Gottvertrauen eingepflanzt, das allen Schicksalsschlägen, die der Heimgegangenen nicht erspart blieben, trotzen konnte. Wie sie ihren Eltern eine liebevolle Tochter war, so wurde sie ihrem Gatten eine aufopfernde Kameradin, die mit ihm Freud und Leid teilte. Und als ihr vor 1*/, Jahren dieser nach langem Siechtum entriffen wurde, widmete sie ihre ganze Kraft der Er« ztebung ihrer fünf Kinder, die nun ln jugendlichen Jahren auch nach der treusorgenden Mutter beraubt find. Fast Ueber menschliche» hat diese Frau geleistet, um im Kampfe um da» Dasein ihren Kindern Pflege und Erziehung zu geben. Eine überaus große Zahl von Freunden hatte sich eingefunden, um der fo früh Dahingegangenen die letzte Liebe zu erweisen und dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß man das stille Heldentum Gita Hamburgs zu würdigen gewußt habe. Eindringlicher als viele Worte, die nicht im Sinne der Verstorbenen gewesen wären, wirkte, die stumme.Anteilnahme, die ein großer' Kreis von Männern und Frauen an den Taa legtet Maar den schwer gr- »rüsten Kindern Trost und Aufrichtung gewähren, »amtt fie ihr Lebe« im Geiste ihrer Mutter führen können. n*am Säckenbnrg (Ostpr.), 10. ®e§. Atz, langjährige Kantor - ««n fiAnAct kfr iAräntn OlMMiftHb» ' Am Schocher der Wfigen GeAeivde, Herr Fgetftfgevl Frische und «fef&JSv-..- körperlicher Rüstigkeit seinez-Fnfundfiebztgstrn Geburtstag. Herr Laptdes, ein guter n-n, liebevoller Mensch und pflichttreuer Beamter, hat fichalv geistiger. Führer der Sttgeinde große Beliebtheit erworben., «je beste» Wnnsche begleiten ihn in de» Lebensabend. rur.rwß??. Briefkasten. Freund aus Frankfurt. Ihr Brief ist richtig: in unsere H»»d gelangt. Biele» Dank! Eheglück, Hamburg. Wir sind bereit, Ihre Einsendung zu veröffentlichen, sobald S!e unS ermächtigen, Ihren Namen hinzuzufügen. M. Sch. in K. Die Fabrik von Manaffewitz, die wobl die größte ist, gilt im allgemeinen als sehr zu^ verlässig. Im übrigen muß natürlich jeder genau wissen, woher die Mazzo» stammen, bevor er sich entschließt, fie zu benutzen. ES gibt sogenannte MazzoS, die nichts anderes als Ehomez find. M. flS. tn Sch. Abonnement wie gewünscht vorgemerkt. M. F. in N. Abonnement vorgemerkt. S. G. in H. und Andere. Trotz des daraus erwachsenden finanziellen Verlustes erhalten Bolksfchullehrer und Kultusbeamte innerhalb Deutschlands den- Israelit" auch weiterhin z^r Hälfte des Preises. Jauuar-AbonnementSpreis ist am Kopfe de» Blatte»' vermerkt. Die Festsetzung erfolgt von Monat zu Monat. P. A. in K. Da» im Inseratenteile der vorige« Nummer angezeigte Oberhofener PenfionShauS „B,lln Nix" (Thür.), vormals S.Eharig, flehtupterAussicht des Hamburger Verein». Varmizivohfeier. Alfred, Sohn deb Herrn David Mayer und Frau Natalie, geb. Bär, Rosenheim. Literarisches. nnvw Ein neues Werk des Iv« tsa». ES find in diesen KMervtagen 18 Jahren strichen, seitdem der verewigte Preßburger Ober» rabbiner Rabbi S. B. Schreiber y'Jft in Frankfurt a. M. seine reine Seele auShauchle. An dem Orte, wo der Großvater, der *>vlv am geboren ward und die ersten Jugendjahre verlebte, um dann hinauözuztehen und von Preßburg aus die Thora in Israel zu verbreiter^ dort hat der Enkel seine Lebenszeit vollendete Der würdige Sohn, der verehrte jetzige Preßburger Oberrabbiner, hat zur Jahrzeit feine» BaterS durch Herausgabe eines posthumen Werkes .invtp nyr dieseuv ein echt jüdisches Denkmal gefetzt. Der stattliche Band enthält fortlaufende agadifche Erklärungen zu dem Wochenabschnitten und behandelt auch alle gehobenen Momente deS jüdischen Pflichtenlebens. Für die zahlreichen Talmidim deS wegen seiner klaren Denkweise- und seine» großen Wissens schon bet Lebzeiten ungemein verehrt' » Autor« ist die bloße Ankündigung seine»' himerlaffenen Werkes die beste Empfehlung Wir möchten aber doch nicht unterlaffen, eine auf naurr be-- zügltche Erklärung aus dem neu erschienenen ivv hier Wiederzugeben. Die bekannte merkwürdige Zusammenstellung der' beiden Aussprüche deS Rabbi Tanchum (Traktat Sabbar 22 b) daß ein Chanukalicht, wenn es höher alS- 20 Ellen, ^ivv ist, und ferner daß die Grube, in welche Josefs Brüder auf den Rat Rubens Josef hineinwarfen, voll Schlangen und Skorpionen war, erklärt- Rabbi S. B. Schreiber V'Xt folgendermaßen: Das Charakteristische der Chanukaseier besteht darin (wie bereits der Via? bemerkt), daß nicht wie bei Purim die leibliche Errettung Israels gefeiert; wird, sondern die Befreiung von der durch die Griechen Israel bedrohenden seelischen Entartung? der reine Tropfen OelS und die von ihm gespeiste Menorah weisen nicht auf die Makabäertapferkeit hi», sondern aus den die drohende Dunkelheit Israels brechende Lichtfülle, welche von seiner Thora ausgehend die jüdische Nationalseele vor der Affinstlterung schützte Zu den Worten RubenS (Berefchith Kap. 42, 22) r „Habe ich Euch nicht gesagt, versündigt Euch nicht an dem Kinde"?, bemerkt bereits NachmanideS, daß diefe^ Worte nickt vorher erwähnt werden. Nach einem Hinweis de»?VD 2712 find diese Worte so aufzufassen, daß JosefS Brüder schon auf die Anregung Juda» hin beschlossen hatten, Josef nicht zu töten, sondern ihn \u verkaufen, daß aber Rüben fie bat, davon abzu» tehen und ihn lieber in die Grube zu werfe», >enn dort in ver Grube erwarte ihn nur der leibliche Tod, «ährend der Verkauf nach Aegypten die Seele des Jünglings mit Todesgefahr bedrohe. Darauf wie» Rübe« später mit den War«» hin “ttöÄ oata »xmt vkrr «fra «vn« denn größer undschwerwiegender cheint rtnemRubeu dieDünde eine- Htnetnstotzev» »e» jungen Joses in den Pfuhl ägyptischer Verkommen« best alS diejenige eine» Werfen» in die Gchlangrngrnbe. Solehrt un» «üben» DenkangSwrtse da» nämltche «a» die Eigenart der «harmkaftier ist, welche keine üdi^fche ist, wenn fie »war der HaSmanäerfi«yse nnd th»rr^«L4s^tt^ler^Btz^H4rruna , leben kt. aber ba» L icht der Men»,ah ««» >ie sich daran' kn-pfende Rettung des Leben»,unsere»LebenS bew Auge entrückt. Eine Bestätigung dieser Erklärung findet der Herausgeber und Sah» des mv» nw in danMidrafch, wart V m.pwt.b uw* br am m: nhwusmrw : »ubenS Mstnnang drM fich i« «hauukalttht