Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1922)
- Date
- 1922-12-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Tritt a Ki si J&er ASrael^ 21. Dezember 1238 als in ihrem Interesse in dem der Allgemeinheit. Wenn diese Zeilen dazu beitragen, daß die Kritik die Größe beider Rabbonim mehr beachten wird, so haben sie ihren nächsten Zweck erreicht Und hoffentlich werden sie über diesen Einzelfall hinaus auf eine Mäßigung des Tones in der allgemeinen Polemik hinwirken. Gerade weil wir eine klare Betonung der bestehenden Gegensätze für notwendig halten, möchten wir immer wieder mahnen, die sittliche Hoheit des sachlichen Kampfes nicht durch Persönliches hinabzuzerren. Das Ziel eines jeden Streites soll nicht Feindschaft sein, sondern Klärung der Ansichten und hieraus erwachsende Verständigung, DW) fiibK. Wochennmdschau. Ser Mrd ln Warschau. Es ist wieder ein Schuß gefallen, der die Welt in Erregung versetzt, nicht allein die polnische Welt, denn alle Umstande und Begleiterscheinungen des tätlichen Attentates an dem neugewähtten Staatspräsidenten der polnischen Mepublik, Gabriel Narutowicz, deuten auf die vierte Internationale, auf die Internationale des Judenhasses hin. Wie der Mord an Erzberger und Rathenau, die Mordversuche an Schetdemann und Harden, so dankt auch diese Bluttat ihr Entstehen der nationalistischen chauvinistischen Demagogie, die hie wie dort Juden und Judentum zum Angriffspunkt nimmt, ihre vergifteten Pfeile aber darüber hinaus gegen die freien Regungen im jungen veugesch'affenen Staatswesen, gegen alles, was mit Freiheit und Liebe, Recht und Gerechtigkeit zusammenhängt, richtet. In Polen haben sich Hetzkaplane, Pogromgeneräle und Katastrophenpolitiker zusammengetan, um das ungebildete Bauernvolk und die von einer Halbbildung verwirrten Köpfe der Jugendlichen geschlossen gegen die Juden wie überhaupt gegen die Minderheiten ins Feld zu führen. Der Geistliche Lutoslawskt, der General Haller, der Politiker Korkanih, sie haben sich solange gegenseitig in die Hand gearbeitet, bis ein blutiges Signal an der sichtbarsten Stelle mit dem letzten Morde in , der Warschauer Kunstausstellung gegeben wurde. Es kann ein Signal nach der einen oder nach der andern Seite, sär die Arbeiter oder die nationalistischen Pogromgarden sein, ein Signal ist es für alle Fälle und unsere Brüder dürften dort trüben Tagen entgegensetzen. Narutowicz ist als „Judenpräsident" gefallen. Wodurch er sich diesen Titel verdient hat, ist nicht ganz erfindlich. Er hat unseres Wissens Tauroh und Mizwoh. Eine Chanukobetrachtung von Willy Wolf in Köln. eine Lampr tft die Mizwoh, „Aber die Tauroh ist das Licht." Raschi erwähnt am Anfänge der Sidroh die aus dem yb stammende Frage: „Weshalb ist der Abschnitt des Leuchters demjenigen der Fürsten angeschloffen? Ais Aharon die Weihe der Fürsten sah, mar er betrübt, daß weder er, noch sein Stamm an ihr beteiligt waren. Da sprach Gott zu ihm: „Wahrlich, dein Teil ist größer als der ihrige, denn du entzündest und pflegst die Lichter". Die Frage des Midrasch ist mithin durch den Umstand veranlaßt, daß die beiden Abschnitte der Fürsten und des Leuchters unmittelbar aufeinander folgen. (4. B. M., Kap. 7 u. 8). Immerhin bilden aber beide Berichte zwei in der Tauroh von einander getrennte Abschnitte. Dagegen schließt der Abschnitt der Fürsten ohne jede Trennung mit einem Berse, der auf den ersten Blick ebenso wenig dem Inhalte dieses Abschnittes entspricht, als die Vorschrift des Leuchters. I I durch sein Vorleben und noch weniger in seiner dreitägigen Amtswirksamkeit keinen Anlaß zu dieser'Ehrung gegeben. Es fti denn, .daß man ihm schon deswegen mißtraut, weil er als akademischer Lehrer in der (L-chweiz, wo verschiedene Nationalitäten friedlich in einem Staatsleben vereinigt sind, möglicherweise seine politischen Erfahrungen gezogen haben könnte. Nein instinktiv, ohne lonkr-ie Bew ise seines Liberalismus in Händen zu haben, haben die Minderheiren, die vor kurzem ein harter Wahlkamps zu einer Front nach außen zusammengefügt hat, für den neuen Präsidenten gestimmt. Auch die Juden. Das wurde dem neuen Mann zum Verhängnis. Schon am Tage seiner Vereidigung gab es kleine Pogrome in Warschau, wie in verschiedenen Städten Neupolens. Posen, Kattowitz und zahlreiche kleine Ortschaften in Pomere'ien haben zu Ehren dieses Tages ihre Solidarität mit dem Mutterlands durch Ausplünderung jüdischer Geschäfte und Verprügelung von harmlosen jüdischen Passanten bekundet. Als aber der neue Mann und auch die hinter ihm stehenden Minderheiten sich von diesem Ausbruch der. künstlich aufgepeitschten Leidenschaften nicht abschrecken ließen, mußte die tätliche Waffe geführt werden, gegen das Judentum, gegen die nationalen Minderheiten, gegen den Mann ih' es Vertrauens, Gabriel Narutowicz. Der Mörder ist ein Professor der Aesthetik und der Mord ist in der Halle der Kunst unter den Wahrzeichen des schöpferischen menschlichen Geistes, in der Mitte eines in andächtiger Kunstsnschauung begriffenen besseren Publikums geschehen. So Hai sie im-?r schon ausgesehen, seit Rom und Hellas, die i-ttsihttik, wenn ihr das einfachere Wort Ethik a:-? Grundlage fehlte. Angesichts der nunmehr geschaffenen gefährlichen Lage, deren Konscq.imzen unabsehbar sind, widerstrebt es uns er. cut zu untersuchen, ob die Politik der jüdischen Minderheit, einschließlich der Orthodoxie, in von jener höchsten Weisheit diktiert war, li: über die Augenblickserfolge der Gegenwart hinaus auch die Zukunft ins Auge saßt. Jedenfalls har auch an dieser Politik die haßerfüllte Ungerechtigkeit der polnischen Nationalisten, die die Minderheiten zu geschloffener Abwehr förmlich zusammenzwanq, den Hauptanteil. Hoffen wir, daß der Schuß, der nun gefallen ist, die besseren, besonnenen Elemente unter den polnischen Parteien aufweckt und sie befähigt, der ungeberdigen Nationalisten Herr zu werden. MMilian Harden als Sekrimer? Wir setzen ein Fragezeichen zu den Worten der Überschrift. Denn die Red e, die Maximilian Harden am letzten Donnerstag in feiner Eigenschaft als Nebenkläger vor dem Schwurgerichte in Berlin gehalten hat, stellt, soweit sie uns im Auszuge vorliegt, zunächst noch kein Bekennen, sondern nur Erkennen dar. Es ist noch nicht gesagt, welche Konsequenzen Maximilian Harden aus dieser ausgesprochenen, der Tragik nicht entbehrenden Selbsterkenntnis gezogen hat oder zu ziehen gedenkt. Harden ist, wie er vor Gericht erzählt, vor 40 Jchren aus dem Judentum zum Christentum übergetreten. Aus tiefster Ueberzeugung, wie er sagt/ in einem Nebel der Selbsttäuschung, wie wir vermuten. Er hatte dann, als er zur Bühne ging,; seinen Namen geändert, und als Maximilian Harden, las müssen wir ihm attestieren, seine Rolle auch und erst recht, als er von der Bühne zurücktrat, gut, übergut gespielt. Schriftsteller von Rang, von originellen Gedanken, von scharf konzen riertem Geiste und eigenem Stile, wußte er, wie selten einer, der Zeit und ihren Wehen eigenen, rechten Ausdruck zu verleihen. Was machts? Für die Welt, wo der Haß dominiert, ist er doch der Jude geblieben, der Isidor Witkowskt von ehedem. Und gegen den Juden, gegen Isidor Wttkowski, war das Attentat geplant, von unreifen Jünglingen, die Harden und seine literarische Tätigkeit kaum kannten, die aber, im Solde Anderer, es als nationale, rettende Tat erachteten, den „jüdischen Schädling" aus dem Wege, zu schaffen. Das ist tragisch, doppelt tragisch für einen Mann wie Harden, der, wie er selbst zugibt, in dreißigjährtger literarischer Wirksamkeit so wenig Anlaß zu dem Verdachte gegeben hat, ein Freund der Juden zu srin, den man zuweilen sogar, ungeachtet seiner politischen Einstellung gegen die Reaktion, für „antisemitisch getauft" halten konnte. Wird der Erkennende zum Bekenner werden? Es ist noch gar nicht lange her, wir glauben, zum Osterfeste d:s vorigen Jahres warS, als wir n der Hrrden'schen „Zukunft" einen Artikel aus der Feder des Herausgebers lesen, in, dem alle Berichte des ,,Neuen Testaments" und der spateren kirchlichen Literatur über „das Zelotentum der fanatischen Pharisäer",bei der Verfolgung und Verurteilung des Stifters des Christentums durch die Römer zu einer in der Form mnsterhaften Anklageschrift gegen das Judentum von damals und immer zusammengefaßt wurden, in der blendenden Dialektik und Künstlerschaft der Stilistik und Kombination, deren nur Harden fähig ist. Wer seine hervorragenden Fähigkeiten drei Jahrzehnte außerhalb der Gemeinschaft, zuweilen auch gegen die Gemeinschaft, in dieser Weise verwertet, um sich dann als Vertreter Der Vers lautet: „Und wenn Moscheh ins *wrv kam, mit Ihm zu reden, dann hörte er die Stimme sich zu ihm aussprechend vom Deckel, welcher sich auf der Lade des Zeugnisses befand, aus dem Zwischenräume der beiden Cherubim und sprach zu chm." Ist dieser Vers nun trentwrrgsior dem Abschnitte der Fürsten angeschlossen, so trägt er uns von selbst die gleiche Frage entgegen, weicher Zusammenhang ihn wohl mit die em Abschnitte verknüpft. Als daS Heiligtum bst Wüste errichtet war, traten die Fürsten aller Stämme mit Spondsn und Opfern hervor und bekundeten damit ihre innere Zugehörigkeit zur Tempelwohnung. Der einzige Stamm, der von dieser sinnbildlichen Kundgebung ausgeschlossen blieb, war der Stamm Leot. Als Fürst dieses Stammes galt Aharon. Wis viele prieftertiche Wandlungen vollbrachte Aharon im Tempel und verkörperte in ihnen als Hohepriester Ideale des Judentums! Da mutz der Pflege des Leuchters ein ganz besonderer Gedanke innewohnen, wenn gerade sie dazu erkoren war, die Fürstenspendc de§ Levitenführers nicht nur zu ersetzen, sondern bei tvtiuiti zu überrreffeu. Diesen Gedanken scheint der Bergietch in sich zu bergen, den König Salomo in die Worte kleidet: „Eine Lampe ist die Mizw oh". Was die Fürsten mit ihren Gaben zum Heiligtum führte, war der Anlaß seiner Einweihung. Sie waren sicher in jenen Tagen von edler Gesinnung geleitet und in ihrer vereinten Zahl fand die Gesamrhrit Israe's in ihrer nahen Beziehung zum Heiligtum einen imposanten Ausdruck. Indes fortan kehrte diese Art der GotteLhuldigung nicht wieder. Nur der Stamm Aharons blirb in ständiger Tätigkeit dauernd mit dem Hriligtum rerwachfen und als Kennzeichen seines TempcldtLnstcs tritt diö -em Hohepriester obliegende Pfl ge des Leuchters in die Erscheinung. Schwebt doch über allen heiligen Ge- S röten und Handlungen des Tempels der eins erhebende Gedanke der Mizwoh, dis nach dem Aussprache des weisen Königs eine Lampe darstellt. Eine Lampe ist die Tauroh — und die Tauroh ist das Licht! Tauroh und Mizwoh, Theorie und P:aM, Lernen und Pflichterfüllung — stehen sie nicht wie hier in Salomos Sprüchen auch an unserer Steüe nebeneinander? Ging nicht Moscheh dem oben genannten Verse gemäß ins "ijno um von Gott das Wort der Tauroh zu empfangen; an dieselbe Siätte, an welcher Aharon die Lichter entzündete? Das "Ivw tznn als LestrhouS und zugleich als sinnbildliche Stätte der Mizwohcrfüllrrng, welch Herrticher, das ganze Judentum umfaffenoer Gedanke! Und nun der Umstand, daß auch Moscheh k.ine Fürstenspcnde darbrachte und daß der Vers, in welchem das Schristworl erzählt, wie Moscheh das Wort der Tauroh aus GotieS Mund vernahm, tr?nnungslos dem Abschnitte der Fürsten an gefügt ist, — wie spricht daraus die goldene Wahrheit, daß MoschehS inniges Verhältnis zur Tempelwohnung in der Empfangnahme der Tauroh bestand! Und wenn Moscheh nach der Aufzeichnung des Midrasch A'. -ron mit drn Worten beschwichtigte: „Dein Teil ist u ätzer als derjenige der Fürsten, denn dein ist daS Än^ »den und die Pflege des Leuchters so fand er sich v it Aharon durch daS Band einer gemeinsamen Best -u-nung vereinigt Denn der Inhalt dieser Worte stellt st.h wohl in folgendem Stm e dar: „Du empfindest B.'trübniß, weil du an der Fürstenspende nicht beietli. t bist. Srehe! Auch ich blieb ihr, wie es in Gottes P an lag, fern. Allein, meine Zugehörigkeit zum Heil um ist durch Höheres bestimmt, indem eS mir für di- Dauer zur Lernstätte dsr Tau roh dient. So nbtui du aus deinem Fernfein von der Fürstenspende den mein Wellen an der i GotteSstätie ergänzenden Gedanken, daß du im gleichen