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Der Israelit · 1922-12-14 · Heft 50 (14.12.1922) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 50 (14.12.1922)
Date
1922-12-14
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Vrttr S. 9tt. 2b rffl l & t tt U1 14 Dezember 1933 giösen EnÜrnMmg" des Judentums im heiligen Lande auch der entgegengesetzte Gesichtspunkt, die „Besorgnis vor cülzugroßer Ungleichung an eine außerjüdische Umgebung" fortfallen werde. Ahnst du, lieber Leser, was das heißt? Ich will e$ dir an einem Beispiel erklären. Auch liberale Juden halten trotz ihrer „religiösen Entwicklung" an gewissen „religiösen Bräuchen" mit einer bei diesen „entwickelten" Menschen wahrhaft erstaunlichen Treue fest: Sie fasten am Jom Kippur, lassen ihre Kinder be-, schneiden usw. Und ihre liberalen Seelsorger sprechen ihr Amen dazu. Me kommt das? Wie verträgt sich die Beschneidung, das .Fasten am Jom Kippur mit der „religiösen Entwicklung"?, Ist die Beschneidung, vom Standpunkt modern um Denkens uird Fuhlens betrachtet, etwas anderes als — Barbarei? Und das Fasten etwas anderes als Quälerei und Aberglauben? Warum hält das liberale Judentum an religiösen Bräuchen fest, die von seinem Stand-, punkte aus längst zum Untergänge reif sind? Hat es nicht im vorigen Jahrhundert illustre Wortführer des liberalen Judentums gegeben, die mit all diesen Bräuchen gründlich aufräumen wollten, was ihnen auch gelungen wäre, wenn ihnen nicht aus ihren eigenen Kreisen Gegner in den Arm gefallen wären? Warum sind ihnen nun diese Gegner.' in den. Arm gefallen? Warum hat sich das liberale Judentum nicht so entwickelt, wie es nach den ihm eingeborenen Gesetzen der „religiösen Entwicklung" sich hätte entwickeln müssen? Nun, es war die „Besorgnis vor allzngroßer Angleichung an eine außerjüdische Umgebung", die hier retardierend wirkte. Im Erez Jisroel aber, prophezeit uns der Keren Hajessod, da wird der lästige Hemmschuh dieser Besorgnis fortfallen, da wird sich die religiöse lÄrtwicklung völlig ungehindert ausleben können. Denn was bedarf es in Erez Jisroel der Beschneidung und des Jom Kippurs, um ein — frommer Jude zu sein? Das alles sind alte verstaubte Galuth-Bräuche, Diaspora - Requisiten, die der Vergangenheit augehören. Im Palästina der Zilkunft wird „die Unbedingtheit ernster Religiosität der ausschließliche Maßstab alles religiösen Lebens sein." — — Ahnst du, lieber Leser, worum den Aufruf des Keren Hajessod auch eine ganze Reihe von namhaften Vertretern des liberalen Judentums unterzeichnet haben? Es war der „Segen religiöser Ganzheit", der sie lockte. III. Der „Segien religiöser Ganzheit", den sich der Keren Hajessod von einer Verbannung der Thora aus dem Mittelpunkt des künftigen palästinensischen Judentums verspricht, wird im heiligen Lande eine neue jüdische Kultur erstehen lassen, von der der Keren Hajessod ganz freimütig gesteht, daß sie ihren geistigen Inhalt auf dem Wege der „Rezeption fremden Kulturguts" aufbauen wird, was ja. ganz selbftoerstündlich sei, denn „die überlieferte jüdische Bildung gehört ausschließlich der religiösen Sphäre an", und wenn es nun einmal im Erez Jisroel der Zukunst so etwas wie eine als „Selbstzweck betriebene Wirtschaft" und eine „als eigener Wert anerkannte Kunst" geben soll, dann bedarf es doch nicht eines weiteren Nachweises, daß man mit der überlieferten jüdischen Bildung allein nichts Gescheites anfangen kann. Im besten Falle wird dieser alte jüdische Geist in Erez Jisroel als jüdische „Geistigkeit" auferstehen, um den Lieblingsausdruck unserer Modernen zu gebrauchen, als jüdische Abtönung und Formgebung eines seinem ganzen Inhalt nach rein europäisch oder (was freilich erst von der künftigen Entwicklung des orientalischen Kulturkreises abhängt, der sich uoch i» unentschiedener Auseinandersetzung mit dem Oeeideut befindet) vorderasiatisch orientierten Kulturideals. Was sür.ein konfuses T'.ng diese jüdische „Geistigkeit" ist, die der Keren Hajessod zunr palästinensischen Asyl der obdachlosen Thora erhebt, zeigt am besten der interessante Widerspruch, irr den,' sich der Keren Hajessod selber verstrickt im Augenblick, wo er dazu übergeht, in das Wesen des jüdischen Geistes hmeinzuleuchten. Einerseits sucht er mit > fast ermiwender Weitschweifigkeit die ,EuroPäisiernng!" des jüdischen Geistes nichzuweisen: im talmudischeu Scharfsinn lebt die „indirekte Einwirkung griechischer Wissenschaft" weiter, die Gedankenwelt des Maimonides ist ein Erzeugnis des Islams, die moderne Kultur hat das jüdische Wesen „bis zur zartesten Innerlichkeit des Selbstgefühls", „bis in den Kern deH Menschentums hinein" ergriffen und was dergleichen, Ergötzlichkeiten mehr sind. Auf der andern Seite schwingt sich derselbe Keren Hajessod ZU folgender Diagnose aus: „Die Eigenart der jüdischen Seele aber, die besondere Richtung jüdischen Fuhlens und Empfindens entstammt . dem Leben jüdischer Religiosität. Als Ergebnis jahrtausendelanger religiöser Tradition hat sich eine Lebensg'esinnung herausgebildet, welche die Stellung zu allen Gütern und Werken beherrscht, die Maßstäbe der Lebensgestaltung bestimmt, in allem Bejahen und Verneinen wirksam ist, auch wo wir uns ihrer nicht bewußt sind. Tiefe .Lebensgesinnung erfüllt auch d i e jüdischen Kreise noch, die dem unmittelbaren Einfluß des religiösen Lebens seit langem entrückt sind. Besonders sichtbar in der Gestaltung von Haus und Familie „ist dieses Ethos doch auch in. allen anderen Lebensäußerungen des Juden dem nüchternen Blick erkenntlich. In ihr bringt das Judentum nach Palästina die Kraft mit, nu§ der eine jüdische Kultur mit eigener Prägung erwachsen kann." Diesen Widerspruch löse, wer kann. Wenn die Thora so mächtig ist, daß sie für einige Zeiten in allen jüdischen Kreisen, auch än solchen, die ihrem unmittelbaren Einfluß entrückt sind, eine aus ihr, der Thora, hervorgehende „Lebensgesinnung" erzeugt, die schlechterdings un- . zerstörbar ist, so offenbart hier der Keren Hajessod einen Respekt vor der Allmacht der Thora, zu dem wir uns in all unserer Orthodoxie ltut mit einiger Skepsis zu bekennen vermögen. 'Denn so richtig es auch ist, was schon die Weisen lehret n: 111LV .12V f3pn 'fc’BK daß auch die der Thora Entfremdeten ihre Abkunft aus einer den Mizwoth geweihter Sphäre nicht verleugnen können, daß auch in ihnen eine Fülle von Mizwoth--Spureu den' Weg bezeichnet, auf dem sie sich von der Thora nach und nach entfernten, so müssen und werden wir uns doch hüten, die „Lebe n s gesi n n u n g " dieser der Thora Entfremdeten als eine nach wie vor von der Thora beherrschte zu bezeichnen. Tenn für uns ist jüdischer Geist etwas! anderes als jüdische Geistigkeit, und jüdische Frömmigkeit etwas anderes'als jüdische Mentalität. Wenn es aber für den Keren Hajessod, der hier offenbar gläubiger ist als wir, eine unzerstörbare religiöse Lebensgesinnung gibt, dann kann doch wahrhaftig die Europäisierung des jüdischen Geistes nicht so radikal umgestaltend gewirkt haben, daß von ihr das, jüdische Wesen „bis zur z a r t e ft e n I n n e rlichkeit des Selbstgefühls", ,„bis in den Kern des M e n s chent it m s h i u e in" ergriffen wurde? In einen ähnlichen Widerspruch verstrickt sich der Kereu Hajessod, wenn er in seinem weiteren Gedankengcmg das Verhältnis deK künftigen Palästina zur Diaspora darstellt. . Einerseits meint er: „Die dem modernen Judentum entschwindende Geschlossenheit patriarchalischer Lebensform kann sich nirgends leichter miederherstellen als in einem Leben, das ganz von dem Gedanken beherrscht ist, alte Bäterüberlieferuugen wieder aufzunehmen und aus den. tiefsten Quellen der Vergangenheit zu schöpfen." Wenn aber das Leben im künftigen; Palästina ganz von dem Gedanken' der Aukunpsung an die religiöse Vergangenheit des indischen Volkes beherrscht sein wird, wie vereinigt sich damit, wenn auf der andern Seite derselbe Keren Hajessod verkündet: „Während in Palästina an stelle der religiösen die na-i tionale Gemeinschaftsform tritt, wird das Diaspora-Judentum religiöse Gemeinschaft bleiben und auch seine innere Kraft aus religiösen Quellen.schöpfen." Auch diesen Widerspruch löse wer kann. — Oder sollte es am Ende gar nicht so schwer sein, diese Widersprüche zu lösen? Wir haben jröen konstatiert, daß und warum prominente Vertreter des liberalen Judentums den Aufruf des Keren Hajessod unterschrieben haben. Diesen Aufruf zieren aber auch eine Anzahl Namen — konservativer Juden. Sollte am Ende der Gedankenstrom des Keren Hajessod nur mit Rücksicht auf diese kouservativen Förderer seines Zweckes ein paar konservativ,Märbte Nebenflüsse in sich aufgerwmmen haben? Dann hätte er freilich nicht bedacht, daß .s leichter ist, widerstrebende M e nschen als widerstrebende Gedanken auf einer gemeinsamen Plattform zu vereinen. Denn im Reiche des Geistes gebietet nicht die „Taktik", sondern die Wahrheit. Die Wahrheit aber, und zumal die jüdische, ist immer eindeutig. Sie löst die Maske des Keren Hajessod und zeigit uns sein wahres Gesicht. Spen-eaWea: Sammelbüchsen. Karlsruhe: Frieda Reicherrbauch 70, Pension Levi 21,80. K l c l: Minjan-Shuagoge 83, dch. Robb. De. Breslauer 401,10 und 374. Kreuznach: Pension Agulnik 60. Nürnberg: dch. S. Feuchtwanger 1456,25. Oldenburg: dch. Lehrer Mehberg 426,50. Rhina: dch. Lehrer S. Oppenheim 904, Mos. Blumenthal 25, Jos. Katz 25, Simson Katz 50, Sam. Klebe II 40, Levi Bacharach 50, M. Wetterhahn 30, Lehrer Oppenheim' (Einsender) 58, Anscher Klebe 7, Trauechaus Klebe 186. S ch tv a b a ch: dch. Rabb. Dr. Mannes 260,75. Sprendlingen: dch. Lehrer Kaufmann 200. W a n d s b e ck: Julius Mehberg 45. Wiesbaden: dch. Felix Goldschmidt 1790. Weilb urgr Leopold Michel 100. W e i n h e i 7n: Ferd. Neu 50. W.: dch. F. 300. Worms: L. Halb re ich 100. Wiesbaden (Reg.-Bez.): Ungenannt 200. Ziegenhain: S. David 230 (ges. Von Lisbet N. Gretel Kaufmann). Marken-Erläs. Ansbach: Distriktsrabbinat 113. Berlin: Hanni Letoinski 200, dies. 475, dies. 2400. B r ü (fcitn u: dch. Rosi Schuster z. Hochzeit Fanni Frank und Simon Ploch 850, Rosi Schuster 250. Cassel: Jngendgruppe 850. E in d e n: Ortsgruppe 250. F i s ch a ch: Ortsgruppe 470. F r a n k f n r t a.' M.: Jngendgruppe (Fritz Straus.) 4000, ders. 800, A. I. Hosmnnn '637,50. Fulda: Josef Stern 566. Gers selb: Lehrer Katz z. d. Hochzeiten Vahlhaus- Rnßbarun, Weinberg-Hermann etc. 810. H albe r st a d t: Senta Seckbach 480, dies. 400. Hers seid: Rahel v. d. Walde, Telegr.-Ablös. 70, H. Wertheim 10. Karlsruhe: Jakob Altmann 1000, deich 1300. K i e l: Rabb. Dr. Breslauer 43. Leipzig: E. Strauß 300. Mainz: JugendHruppe 240. M a n n h e i m: Srgmund Würzburger 150. 21 ürnberg: Rosi Rathaus 300. München: Arthur Feuchtwanger 500, ders. 500. W ü r z b u r g: Erna Ullmann 260. Aguda-Hauptfonv Berlin: Dr. Wilhelm Frehhan u. Frau, Breslau, gratulieren Dr. I. Woh'gemuth z. Verlobung s- Tochter 100. F ürth: dch. Dr. Leo Teitz, Ortsgruppe 140. H a l b e r st a d t: H. Eichelberg dankt Frau Michel- Cassel für frenndl. Ausnahme 50, Fam. Jos. Bachmann 50, Jos. Baer sen. 1000, M. N. 50, Bernhard Frank 1000, Fanr. Bachmann s. günstiges Suckoswetter 50, Fanni Goldschmidts Sornmelbuch 560, Bernhalb Frank, Kappores bei Isaak Meher 170, L. Seckbach, Erew Jomkippnr 500, Lewin 500, R. 50, Rabb. Dr. Auerbach, Thora-- spende 50, Dr. med. Auerbachs Ausrnfspende 50. Dr. E. Hirsch do. 1000, ders. am Srmchas Thora 5000, Fanni Goldschmidts Sammelbuch 1600, G. Ehrentreu 50, Diff. Wertheimer-.Katzenstein 50. Kreuznach: Jacob David dankt Jda Agulr-ik für gute Bedienung 50. i Landsberg: Fr. Paula Bibo 10. Leipzig: Dr. Tzialowski 260. Beranttvortliche Redaklloct Rabbiner Pr. P. Krbn, Dr. S. Ehrmann. — Druck wn »uper 1 Banmbach, Uranffpet a« Masy.

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