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Der Israelit · 1922-12-14 · Heft 50 (14.12.1922) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 50 (14.12.1922)
Date
1922-12-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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— Mmuner SS. - 14. I«z«mv«r 1822. : VIII. JahrglMg sss: 24. Kisk«w 5688. herausgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Zugend-Organisation der Agudas Zisroel für Deutschland. An alle Freunde unserer Schulen in Palästina. Nützet die Chanukatage für unseren Schul-,Fonds! Laßt die Rausch- Ch audesch-Spenden für Tebeth besonders reichlich ausfallen. Wir brauchen besonders für unsere Mädchenschulen Schreibmaterialien, H andarbeitsutensilien jeglicher Art. Wir bitten baldige Zusendung.' Palästina-Zentrale der Agnvas Jisroel Frankfurt. Da» wahre Gesicht des Keren Hajeffod. Wvn Kr. Naphael Breuer. II. Ten Aufruf des Keren Hajessod haben eine ganze Reihe namhafterVertreter des liberalen Judentums 'in Deutschland unterschrieben. Man fragt sich: Wie kommt das liberale Judentum dazu, Bestrebungen zu unterstützend die seine ganze Vergangenheit desavouieren? Worauf be-- ruht diese plötzlich erwachte Paläftinaliebe des Mischen Liberalismus, der sich hundert Jahre lang in völliger Ausmerzung aller an Palästina gemahnenden Elemente des Mischen Lebens in Haus, Gemeinde und Schule nicht genug tun konnte? Sollte das liberale Judentum im Keren Hajessod die berühmte „gemeinsame Plattform" gesunden haben, auf der sich alle „Richtungen" im Judentum zu friedlicher Arbeit zusammenfinden können? Ach nein, das liberale Judentum hat im Keren Hajessod keine „Plattform" sondern^ was für es viel wertvoller ist, ein „Sprungbrett" gefunden, von dem es in kühnem Schwung in das Land seiner Träume zu gelangen hofft. Tenn was das liberale Judentum immer nur zu träumen wagte, der Keren Hajessod wird diese Träume verwirklichen, indem er aus dem geweihten Boden Palästinas die „religiöse Entwicklung" des Judentums, die in der Diaspora an einen toten Punkt gelangt ist, mit neuen nn ge ahnten Impulsen erfüllen wird. Im heiligen Lande wird das liberale und imD-np’1©*!, üa» m Deutschland bei Allen, die noch etwas wie eine Sehnsucht nach echtem Judentum in sich verspüren, längst abgewirtschaftet hat, eine stolze Auferstehung erleben. Tenn lvenn in den europäischen Ländern „die Religion längst aufgehört hat, dem Gemeinschaftsleben seine Einheit und seine Form zu geben" (zu deutsch: die Thora aufgehört hat, das Bindemittel zwischen Jude und Jude zu sein), so kann diese Entwicklung „sich offenbar auf palästinensischem Boden noch schärfer durchsetzen als in der Diaspora" (zu deutsch: so wird mÄn'in Erez Jisroel einen Abfall von Thora und Mizwoth erleben, gegen den alles in Deutschland Erlebte ein Kinderspiel ist.) 'Ties scheint nun zunächst, wie der Keren Hajessod nicht mit Unrecht feststellt, „eine Einbuße der Religion an Kraft und Wirklichkeit zu bedeuten". Und wenn dies nicht nur. so schiene, sondern auch tatsächlich so wäre, dann würden wohl auch die liberalen Herren, denen das Judentum immerhin doch noch auch so etwas wie ein religiöses, Gebilde bedeutet, sich noch einmal überlegt haben, ob sie als ehrliche Menschen in der Lage sind, ihren Namen unter den Ausruf eines Palästinawerkes zu setzen, das berufen ist, einer Einbuße der Religion an Kraft und Wirksamkeit den! Weg zu ebnen. Jedoch zum Glück für das liberale Judentum scheint es nur so. Irr Wirklichkeit wird der Untergang „der geschichtlich gegebenen Form der Religionsgemeinde", durch die allein in der Tiaspora „das Judentum sich nach außen hin abgrenzt", im Sinne der Keren Hajessod-Prophetie durchaus zu verschmerzen sein, wenn einmal „das jüdische Leben auf eigenem Boden und durch eigene Sprache eine natürliche Einheit erhält". „Tie Entwicklung, die sich in der 'Diaspora ungebahnt hat, kann sich darum erst in Palästina in ihren letzten Konsequenzen entfalten. Sicherlich wird das öffentliche Mische Leben Palästinas durch Beobachtung der Sabbath- und Festesruhe und dergleichen den religiösen Forderungen vollauf genügen, aber auch die größte Rücksicht auf alle religiösen Forderungen ändert nichts daran, daß die Religion nicht mehr das Ganze des Lebens umfaßt, sondern ihrerseits zu einem Bestandteil eines umfassenderen nationalen Lebenszusammenhanges wird. Diese Entwicklung, die von außen gesehen eine Zurückdräugung des religiösen Elementes darstellt, gibt der Religion reichen Ersatz für das, was sie ihr nimmt, indem sie das religiöse Leben von allen äußeren Bindungen und - Rücksichten befreit. Tie Sorge für den Fortbestand der jüdischen Gemeinschaft als solcher hört auf, Sache der Religion zu sein, ihr Anliegen ist es nur, dieses Judentum mit ihrem Geiste zu durchdringen. Die Gesichtspunkte, die bisher in die religiöse Entwicklung von außen her hineingetragen wurden, mögen sie Notwendigkeit der.Anpassung an eine außerjüdische Umgebung oder Besorgnis vor allzugroßer Angleichung an 'sie heißen, fallen hier von selbst fort. Die Unbedingtheit ernster Religiosität darf ivieder der ausschließliche Maßstab alles religiösen Lebens sein. Der Segen solcher religiösen Ganzheit ist vielleicht das Höchste, was das künftige palästinensische Judentum auch der Tiaspora zu schenken hat." Wir wissen also genau, was uns in einem vom Keren Hajessod aufgebauten Palästina bevorsteht: „Der Segen religiöser Ganzheit Wir wissen aber auch, was das für ein Segen und was das für eine religiöse Ganz-- heit ist. „Sabbath- und Festesruhe und dergleichen"? Nun ja, man wird auf „dergleichen" Dinge die größte Rücksicht nehmen, sie werden sich aber darauf gefaßt machen müssen, innerhalb „eines umfassenderen nationalen Lebenszusammenhanges" die Rolle eines „Bestandteils" mit jener bescheidenen Würde zu spielen, wie sie einem „Bestandteil" wohl rnsteht. Unsere nurow ur>d caiö 2'a' weroen cs in dieser bescheidenen Würde zur Vollkommenheit bringen, tvenn sie die Rolle eines „Bestandteils" in der Schule des — Misrachi sich gründlich einstudieren werden. Auch der Misrachi ist ja bloß „Bestandteil" eines „umfassenderen" nationalen Zusammenhanges, und er hat es in der Fähigkeit bescheidener Selbsteinschachtelung zu unübertrefflicher Meisterschaft gebracht. Wie der Misrachi keineswegs das Ganze der zionistischen Organisation umfaßt, so möge sich auch rwnpri lürmr ein für alle Mal aus dem Kopfe schlagen, in Palästina „das Ganze des Lebens" umfassen zu wollen, sich vielmehr glücklich schätzen, wenn im heiligen Lande als offizieller Ruhetag nicht der Sonntag, sondern der Sabbath gilt, auch wenn es vielleicht hier und da einmal Vorkommen sollte, daß dieser Sabbath in Fällen per Kollision mit dem „umfassenderen nationalen Lebenszusammenhange" an seine gottgewollte Bestandteil-Inferiorität erinnert wird. Diese Inferiorität der Thora stellt sich aber nur „von außen gesehen" als eine „Zurückdrängung des religiösen Elementes" dar. Von innen gesehen, kann es im Sinne der Keren Hajessod-Prophetie für die Religion gar nichts schöneres geben, als wenn sie sich um die jüdische Gemeinschaft nicht mehr zu kümmern braucht. „Die Sorge für den Fortbestand der jüdischen Gemeinschaft als solcher hört auf, Sache der Religion zu sein." Wie niedlich ausgedacht! Einer- Mutter wird ihr Kind geraubt. Händeringend beschwört sie den Räuber, ihr das Kind zu lassen. „Was wollen Sie", beruhigt sie der Räuber, „kann es für eine Mutter etwas Schöneres geben, als wenn sie sich um den Fortbestand ihres 'Kindes nicht mehr zu kümmern braucht? Im übrigen können Sie ja Ihr Kind auch aus der Ferne „mit Ihrem Geiste durchdringen". So ganz einfach ist das freilich nicht. Aber da ist eben nichts zu ändern. „Es gibt für die Religion heute nur einen Weg, ihre lebenbestimmende Macht zurückzugewinnen: die Durchdringung der in ihrer Entwicklung völlig selbständigen geistigen und sittlichen Kultur mit religiösem Geist." Wie das nun die Mutter zuwege bringen soll, ihr in fernen Räuberhänden befindliches Kind mit ihrem Geiste zu burchdringen, das bleibt eines der vielen süßen Geheimnisse, die der Keren Hajessod hinter seiner Maske veMrglt. Neben der Sorge für den Fortbestand de» jüdischen Gemeinschaft wird die Religion in einem von Keren Hajessod aufgebauten Erez Jisroel auch noch eine andere Sorge los sein: die Sorge um „die Gesichtspunkte, die bisher in die religiöse Entwicklung von außen her hineingetragen wurden". Bisher wars doch immer so, daß das liberale Judentum mit seiner „religiösen Entwicklung" zwischen zwei entgegengesetzten „Gesichtspunkten" hin und her ' lancieren mußte: zwischen dem Gesichtspunkte der „^Notwendigkeit der Anpassung an eine außerjüdische Umgebung" und dem entgegengesetzten Gesichtspunkte der „Besorgnis vor allzugroßer Angleichung an sie." Wir haben nun bisher immer geglaubt, daß im künftigen Palästina bloß der eine Gesichtspunkt der „Notwendigkeit der Anpassung etc." fortfallen werde und demzufolge — sagen wir einmal — Orgel, .'Tamenchor, Verlegung des Sabbaths auf deu Sonntag und wie all die schönen Dinge heißen, die in der Diaspora aus der eingebildeten „Notwendigkeit *der Anpassung an eine außerjüdische Umgebung" erwuchsen, im künftigen Erez Jis° roel unbekannte Tinge sein würden, und wir waren taru-u nullerg^uetq,, zwu.stnche''Passionen liberaler Juden als erfreuliche . Symp - tome zu begsrüßen. Wir werden nun aber durch den Keren Hajessod belehrt, daß bei der „reli-

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