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Der Israelit · 1922-12-14 · Heft 50 (14.12.1922) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 50 (14.12.1922)
Date
1922-12-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Weite lt Nr. 49 Menorah. Bon anny Bäume! in Mt-iasch I. Vor dem rnu gereinigten Altäre Matiijah steht Nimm für die Rettung, für die wunderbare. Mein Danlgebet. II. Du halfst uns, weil wir treu den Kampf gefochten Zu deinem Ruhm. Wett wir nicht deine Einheit opfern mochten Dem Heidentum. ffl. Die Menschheit lernte deine Macht begreifen Und ward belehrt: Du kannst allein des Schwachen Woffen schleifen Zum Stegesschwert. IV. Doch allerhöchste Not nur darf entzünden Des Krieges Brand. Nur Gottes Ruhm, nicht eigner, darf verkünden Das Fahnenband. V. Denn nicht den Kampf soll ja dein BöÜ sich küren. Es soll sein Stern Zum Weltensrteden alle Völker führen Vom Streite fern. Vi. Aus feinem Tempel soll ein Flämmcken winken In stetem Schein Das soll den Völkern zu des Sternes Blinken Der Führersein. VII. Wird wohl das reine Oel zur Speisung reichen? Das hier im Kiucr? So weri'g ist'S! O Gott gil's als ein Zeichen! Es sei genug! VIII. Es hat gereicht und hat zu allen Zeiten Das Licht genährt DaS Gottes Friedenslehre zu verbreiten Die Menschheit lehrt. IX. Oft schien dem Krug der Jnha t ganz zu sehlrn, Wenn Leidenschaft Mit wilder Glut verdrängte aus den Seelen Die edle Kraft. X. Doch soh man wieder stets das alte Wunder Vom Wer! cfest * Das; in des Kriegs und in des Streites Zunder Sich fand ein Rest. XI. Und wird ein Tropfen nur ein Licht entzünden In tiefer Nackt: Es wird sich mehren und aus ewig künden Die Got.'eSniacht.! Kinderecke. Aas dem Leben eines Srsßen. n. Am 25. Tamus 1629 wurde Rabbi Heller aus dem Gefängnis der Kommission vorgeführt, die zur Prüfung seiner Schriften und der ganzen Angelegenheit vom Kaiser eingesetzt war. Es waren zumeist Geistliche, die das Hebräische garnicht ooer nur mangelhast beherrschten. Die Anklageschrift hielt sich daher in allgemeinen Anschuldigungen und beschränkte sich dann auf zwei Punkte. 1) Rabbi Heller habe den Talmud über alle Maßen gelobt und empfohlen, wiewohl ihm bekannt sein mußte, daß der Papst, dessen Entscheidungen dem Kaiser heilig sind, die Talmudbücher verbrennen ließ. 2) Rabbi Hcller habe in seinen Schriften ein Sondergesetz für Nichtjuden proklamiert und sich über diese, also über die Christen wie über das Christentum abfällig geäußert. Die Verteidigung fiel dem Rabbi nicht schwer nnd sie dürfte auch recht günstigen Eindruck ge- DtzL JSrEN, macht haben. Was den ersten Punkt betreffe, sagte der Rabbi, so könne man ihm, dem Rabbiner, die Vorliebe für den Talmud wahrlich nicht zum Vorwurf machen und er habe ihn nur den Juden empfohlen, die von den Entscheidungen des Papstes keine Kenntnis haben können. Diese Entscheidungen seien auch nur für die katholische Welt und nicht für die Juden erlassen worden und auch dies nur auf Grund von Mißverständnissen und Verläumdungen, die bald als solche ans Tageslicht kommen würden. Was aber die zweite Anklage anbelange, so seien unter der Bezeichnung „Akum" im Talmud wie in allen rabbimschen Schriften, auch der seinigen, nur die Anbeter von Planeten und Sternen, also die alten Heiden, keineswegs aber Christen gemeint. Man wußte nichts Rechtes auf seine Verteidigung zu erwidern und schickte ihn wieder ins Gefängnis. Zwei Tage später, am 27. Tamus, wurde das Urteil des Gerichtes aus Gutachten der Prüfungskommission verkündet. Eigentlich, so hieß es darin, sollte auf Todesstrafe erkannt werden, der Kaiser habe jedoch in Gnaden geruht, die Todesstrafe in eine Geldstrafe von 12000 Reichstalern zu verwandeln, die ohne Fristgewährung zu bezahlen sei, alle Werke des Verurteilten seien außerdem zu konfiszieren und zu verbrennen. Im Weigerungsfälle habe das Todesurteil in Kraft zu treten. Dieses Urteil traf den Rabbi und alle wie ein Donnerschlag. Eine solche Summe konnte er auch mit Hilfe all' seiner Freunde in Prag und Wien nicht aufbringen. Alles Bitten und Flehen half aber zunächst nichts. Der Kanzler drohte sogar bei weiterer Weigerung, den Rabbi in Prag und Wien öffentlich geißeln zu lassen, um damit eine öffentliche Beschämung der ganzen Judenheit zuzufügen. Aber die Freunde Hellers ließen nicht locker, l esen von Instanz zu Instanz und bewirkten nach vielen Muhen, daß die Geldstrafe auf 10000 Reichtaler reduziert wurde, die in Raten gezahlt werden sollten. Die erste Rate in Summe von 2000 Rhein-Gulden streckte ein Freund des Rabbi, der allbekannte und später geadelte Jacob Bassewi vor, und auch bei den weiteren Zahlungen, die in kurzen Zeilabsiänden geleistet werden mußten, halsen die Freunde tapfer mit. Das verhinderte jedoch nicht, daß der Rabbi sein Letztes veräußern mußte uud vollkommen verarmte. Am schmerzlichsten empfand aber Rabbi Heller die Nebenstrase, die ihn um Ehre und Amt, Würde und Stellung brachte. Es war ihm nämlich mit kaiserlichem Dekret verboten, noch fernerhin eine Rabbtnerftelle in Prag od:r den Landen, wohin die kaiserliche Macht reichte, zu bekleiden. Das war noch der letzte Stoß seiner unversöhnlichen Feinde, die, mir dem gelinden Urteil nicht zufrieden, den Rabbi um Stellung und Existenz brachten. So tritt er nach vierzigtägiger Haft in die Freiheit, gebrochen und extstenzios, bar aller Mittel und Ehrenstellung, mit schwerer Sorge im Herzen um die nächste Zukunft. Zum Andenken an dieses traurige Intermezzo seines Lebens setzt er den fünften Tamus, den Tag, an dem er nach Wien zitiert wurde, zum Fasttage für sich und seine Nachkommen bis ans Ende der Zeiten ein. Er erinnert in seiner Schrift an eine frühere ihm überlieferte Begebenheit in der Gemeinde Prag, die sich an das gleiche Monatsdatum knüpfte. Am 5. Tamus sollten einstens alle Talmudschrtften verbrannt werden. Die Gemeinde war in höchster Bestürzung. In der Nacht sahen aber mehrere der Rabbinen ein übereinstimmendes Traumgesicht, das ihner dir folgenden vier hebräischen Worte vor Augen hielt: Die lainra rrnnn npn nw* Die ersten drei Worte waren aus dem laufenden Wochenabschnitte. Der Hinwes auf Targum veranlaßte zum Nachsehen und da fand man, daß Onkelos den Satz mit den Worten wiedergibt Kn'-ilK^r m’M *n. Man deutete den Traum dahin, daß es ein unabwendbares Ver, ___ 1. Dezexibev isW. hängnis vom Himmel war, in das man sich fügen müßte. Es kam noch hinzu, daß das Wort den Zahlwert 5 ergibt und damit ein Hinweis auf den fünften Tamus war. Der fünfte Tamus, so schreibt Heller, sei auch für ihn zum Schick, alstage geworden, den seine Nachkommen als solchen fastend begehen möchten. Er unterlasse es aber, so schreibt er weiter, gleich Andern den Tag seiner Befreiung zum Festtage zu machen, da bei den harten ihm auferlegten Strafen dies keine volle Befreiung bedeuten könne und sein gegenwärtiger gebrochener Zustand das Begehen von Freudenfesten nicht rechtfertige. Es sei auch dies der Grund, warum man die Chanukatagr, trotz der glorreichen Siege, nicht gleich Purim zu vollen Festtagen mache, es war die Rücksicht auf die vielen Gefallenen und auf die schwere Trauer von Frauen und Müttern, die sich in die Siegessreude mischte. Wieder traten seine Freunde, an deren Spitze Bassewi und Saul Wahl, der spätere Etntagskönig, für den Rabbi in die Bresche und brachten es schlüßltch fertig, daß das Dekret der Amtsrntsetzung dahin gemildert werde, daß es sich nunmehr auf Böhmen und Oesterreich beschränkte, dagegen blieb es Rabbiner Heller jetzt freigestellt, eine Rabbinerstelle in den anderen deutschen Landen anzunehmen. Auch, wurde die Einziehung seiner Bücher eingestellt und nur die Streichung gewiffer „anstößiger" Stellen aus denselben verfügt. Rabbi Heller hatte aber vorerst genug von den Ländern der Kaiserkrone und zog es vor, nach Polen auszuwandern. (Schluß folgt.) ^unprolog?) In dieses Festes fröhliches Gedränge Bring' ich ernsten Ton aus der Vergangenheit D nn meine Lichtchen, „Moous Zur"»Gesänge Erinnern Euch der Helden alter Zeit. Der Makabäer Brüder nur gedenket. Die unser Volk vom Joch befreit, dann Des Krügleins, dessen Fülle Gott gelenket, Zu weihen Tage acht, so denket dran. Hem' sind im Saale hier gar liebe Gäste, ES ist die Gegenwart, der sie ihr Werk geweiht, Sie wollen für die Kindlein stets das Beste, Zum Wohl der Kleinen sind sie all' bereit, Daß Mägdlein. Büblein ja nicht frieren solle, Daß auch zu Spiel und Scherz nichts fehle dann, Sie scheuten nicht das Müh- und Arbeitsvolle, Die Kinder zu erfreuen, sie dachten nur daran Doch auch die Kinder dankbar ohne Grenz?« Die Großen zu erfreu'« sich ihnen nahen, Versuchen sich in Schauspiel, Versen, Tänzen, Sie haben all ihr Bestes drin getan. Und sollt es nicht so gut gelungen sein, So nehmet übel eS nicht ihnen an, Zu unterhalten Euch bet der Menorah Schein, DuS wollten sie, sie dachten nur daran. Wenn dann vorbei Tanz und Gesang, Wenn zu der langen Tische Reih'n, Zu den Geschenken schon der Ruf erklang, Wenn alle jubelnd sich des Glanzes freu'n, Zuletzt wenn sehensmüde dieser Pracht Im Beuchen weich die Kleinen liegen dann, Sie beten leise wohl in stiller Nacht: „Gott schütz' die Gütigen, Er denke dran". Sara Bon di. •rrm ’jtrpan bx v'vdn.i pa /*:pn rrri runn vKipv nmudv bk 'n bs ,ro2n pDj? :p2fcK o rra hx ,nnjxi jv' ,bw p’p: ,^nx2 pstyj k^> u.i:rr dk .A*n» id 2w 'Kl Kreuznach. E. Agulnik. *) Geeignet zu einer WohltätigkettSvorstellung. Acht ungefähr gleich große Kinder, in weißen, griechischen Gewändern, Goldspangen um die Stirne nebeneinander stehend, in der rechten, erhobenen Hand brennendes Wachskerzchen, so lebende Menorah darstellend. Dame oder größeres Mädchen spricht Prolog dazu.

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