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Der Israelit · 1922-12-07 · Heft 49 (7.12.1922) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 49 (7.12.1922)
Date
1922-12-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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r Mmtmer 24. r 7. Dezemöer 1922. : m Iahrgaug: 17. Kiskttv 5688. herausgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland. An unsere Gruppen! Wie.Sie wissen, sind wir durch unser Statut, verpflichtet, Delegiertentage abzuhalten. In diesem Jahre sollte dieser Delegiertentag Weihnachten stattfinden. Die sich immer mehr verschlechterndh MrMastliche Lage zwingt uns zu der Anfrage, oT überhaupt in der jetzigen Zeit unsere Gruppen einen Delegiertentag w n nschen. Wir können selbstverständlich nicht von uns aus allein die Verantwortung übernehmen, den jetzt in Aussicht 'genommenen Delegiertentag fallen zu lassen und wenden uns deshalb! mit dieser Anfrage an alle unsere Gruppen. Sollten trotzdem unsere Gruppen einen Delegiertentag wünschen, so müßten wir verlangen, daß sich eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern verpflichtet, den Delegiertentag zu besuchen; denn es hätte keinen Sinn, einen Delegiertentag ftattftnden zu lassen ohne die nötige .Änzahl von Vertretern der Gruppen. Wir bitten deshalb, uns 1'. die Frage zu beantworten, ob Ihre Gruppe den Delegiertentag wünscht, 2. im bejahenden Falle, wieviele Mitglieder Ihrer Gruppe an diesem Delegiertentag teilnchmen würden. Daß die Kosten für den Delegiertentag von den Gruppen oder den Delegierten selbst getragen werden müssen, erwähnen wir, trotzdem es selbstverständlich ist, der größeren Klarheit wegen. In Anbetracht der Kürze der Zeit erwarten wir .schnellste Erledigung dieses Rundschreibens, da wir uns ja in unseren Entschlüssen nach den Anworten unserer Gruppen richten müssen. Sollten bis Ende dieses Monats nicht genügend Rnckäußerungen eingelaufen sein, so werden wir die Konsequenzen daraus ziehen müssen. Agudas Msroel-Jugendorgarttsation, Köln Leo Munk Julius Ochs Plenarsitzung des Zentralkomitees der Schlvme Gmvne Moel. Warschau, 30. Nov. Am letzten Sonntag versammelte sich das Zentralkomitee der polnischen Landesorganisation der Ägpdas Jisroel zu einer Plenarsitzung, an der die Vertreter der Provinz in größerer Zahl teilttühmen. Die erste Sitzung fand unter dem Vorsitz des neugewälhlten Abgeordneten Rabbiner Schapira statt. I. M. Lewin begrüßte die Erschienenen namens des Geschäftsführenden Ausschusses und warf einen kurzen Rückblick auf die Mahlen. 'Daß die ursprünglich ins Auge gefaßte Zahl von orthodoxen Abgeordneten nicht erreicht worden sei, liege hauptsächlich an der Zurückhaltung der Agudaortho-i doxie im Wi',Inner Gebiet und in Ostga-' lizien, wo man offiziell im ersten Stadium der Wahlbewegung garnicht herausgetreten sei und auf die Aufstellung eigener Kandidaten verzichtet habe. Abgeordneter Kirschbraun referierte alsdann ausführlich über die politische Lage und über die Stellung der orthodoxen Abgeordneten im Parlament. Nach lebhafter Diskussion, an. der' sich außer dem Vorsitzenden die Herren Rabbiner Morgenstern, Minzberg,Stempel, Dr. Nfpemciewicz, Wieid Lrrr^l^Wal l erst ein, Bia l e r undH e rg e rbekefligten, wgrde' die Bildung eines^poli- , tischen Komitees beschlossen, dem außer den acht gewählten orthodoxen Deputierten und Senatoren noch neun Mitglieder des Zentralkomitees angehören sollten. Tie Art und .Weise, in der die orthodoxe Sejimfraktion mit den übrigen jüdischen Fraktionen zusammenarbeiten solle, wurde genau feftgelegt. Hierauf fand die Wahl von 12 Vertre - lern der polnischen Lan besorganisation zu der in Breslau am 26. T ezember stattsindenden Zentralratssitzung der Agudas Jisroel statt. Don den 12 Gewählten sollen acht unter allen Umständen in Breslau anwesend fein. In der zweiten Sitzung unter Vorsitz des Senators Mendelsohn gelangte ein großzügiger Reorganisationsplan für die praktische Atbeit der Aguda in Polen zur Beratung und Annahme. An der Spitze der Organisation soll ein dreigliedriges Direktorium stehen (Mendelssohn, Deutscher und Bialer), daneben ein Finanzdirektorium ans sieben Personen, und ein Änssichtsrat von fünf Mitgliedern. .Vorsitzender des Geschäftsführenden Ilusschusses wird Rabbiner Schapiro. Der Mindestjahresbeitrag für Mitglieder für das laufende Jahr wird auf 1000 Mark festgesetzt. Das wahre Gesicht des Keren Hajessod. Von Dr. Raphael Breuer. Wer da glaubt — und es gibt viele, die cs glauben der „Keren Hajessod" sei ein herrliches, neutrales Gebilde, das jenseits aller jüdischen Parteien Und ihrer inneren Gegensätze eine Plattform gewähre, auf der sich alle Palästinafreunde zu einträchtigem Wirken zusammensindey können, dem empfehlen wir zu seiner besseren Orientierung, Nicht bloß das offizielle Programm des Keren Hajessod zu lesen, sondern auch die vom Keren Hajessod Berlin heransgegebene Broschüre „Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte"*) zu studieren. Jenes Programm ist bloß Maske. Erst diese Schrift enthüllt das wahre Gesicht des Keren Hajessod. Die Maske ist trefflich konstruiert. K'N Mort steht im Programm des Keren Hajessod, das irgendwie geeignet wäre, die Gefühle orthodoxer Palästinafreunde zu verletzen. Wenn der Keren Hajessod sich uns als das wichtigste Finanzinstrument der jüdischen Palästinakolon'- sation vorstellt, wenn er uns von seiner Absicht in Kenntnis setzt, die geistigen, und materiellen Kräfte der Judenheit der ganzen Welt'zur einheitlichen Mitarbeit am Aufbau des jüdischen Palästinas zusammenzufassen —: warum sollten da nicht auch orthodoxe Juden ihre geistigen und materiellen Kräfte hergeben, um eine Sache zu fördern, die von Haus aus — darüber kann doch fürwahr kein Zweifel bestehen — das Werk und die Aufgabe, nicht einer einzelnen jüdischen Partei, sondern der gesamten Judenheit ist! Ilrid doch Ist dieses Programm nur Maske. Wer das wahre Gesicht des Keren Hajessod . 0!„Der Mederaufbau Palästinas imi Zusammenhang der jüdischen Geschichte" von Julius Gutmann- Berlln als Heft X der Schriften, des , Keren Hajessod herausgegeben vom Keren Hajessod, Berlin. kennen lernen will, der muß feine Broschüre über den Wiederaufbau Palästinas lesen. Ich lade dich ein, lieber Leser, dich mit mir in die Gedankengänge dieser Schrift zu vertiefen. I. Tn hast im Elternhause und in der Schule gelernt, daß das jüdische Volk am Tage der Gottesoffenbarung am Sinai die Bestimmung erhielt, ein „Reich von Priestern" und ein „heiliges Volk" zu sein. Was bist du noch so naiv! Laß dir doch vom Keren Hajessod sagen, daß dem nicht so ist. 'Ter Keren Hajessod weiß es besser. Bis zur Zeit des babylonischen Exils war die Religion bloß ein „Bestandteil" des Volkslebens, allerdings ein Bestandteil, der gewiß schon damals „entscheidend wichtig" war, aber immerhin bloß ein „Bestandteil". Zur „Grundlage" der Mischen Gemeinschaft ist die jüdische Religion erst auf babylonischem Boden geworden und ist es dann geblieben bis in unsere glorreiche Neuzeit, in der für eine religiöse Einheitskultur des Judentums kein Platz mehr ist. Heute ist die Religion auf die im engeren Sinne religiöse Sphäre beschränkt. Heute teilt sich das Leben der Inden in eine jüdische Sphäre religiösen und eine außerjüdische allgemeine llilturellen Inhalts. Heute hat die religiöse lieberzeugnng ausgehört, die unerläßliche Voraussetzung für die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft zu sein. Heute steht dem alten jüdischen Gedanken des Glaubensvolkes das moderne Ideal der Nation gegenüber. Und dieses „neue Ideal eines weltlichen Judentums" hat auch einen „neuen Z i o n s g e d a n k e n " erzeugt, „der dem religiösen Zionsideal zur Seite tritt." Aus dieser vollkommen neuen Situation ergibt sich für den Aufbau Palästinas in heutiger Zeit das folgende Postulat: „Die veränderten geschichtlichen Bedingungen, welche die Umwandlung des Diaspora-Judentums herbe i g e f ü h r t haben, gelten ebensosehr auch für das jüdische Leben, das sich in Palästina entfalten soll. Die Ursa ch e n, w e l ch e d i e S o n d e r u n g d e sr e l igiösen und des nationalen Moments herbeigeführt haben, bleiben auch für das zukünftige palästinensische I u d e n t u m i n K r a f t." Schon ttt diesem Grundgedanken der von ihm herausgegebenen Broschüre hat der Keren Hajessod sein wahres Gesicht enthüllt. Nun haben wir endlich die richtige Antwort auf die Frage: Was ist der Keren Hajessod? Wir können es dem berechtigten Selbstbewußtsein eines jeden Lebewesens zugute halten, wenn der Keren Hajessod sich selbst nicht bloß als ein Finanzinstrument, sondern als das w i ch t i g st e Finanzinstrument der jüdischer Palästinakolonisation bezeichnet. Wir sind es aber unserer eigenen Selbstbehauptung schuldig, die Frage aufzuwerfen, mit welcher moralischen Berechtigung der Kerren Hajessod die Judenheit der ganzen Welt um seine Fahne scharen will. Was soll denn die Maske religiöser Neutralität, mit welcher der Keren Hajessod sein wahres Gesicht verhüllt?'! Wenn in diesem Palästina, das er aufbauen will, das „neue Ideal eines weltlichen Judentums" verwirklicht werden soll, wie kcnm unddarf er behaupten, daß er nicht, im Dienste einer einzelnen Mischest Partei, sondern der gesamten Judenheit stehe? Hat sich denn-

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