Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1922)
- Date
- 1922-11-23
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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der 'Spitze dieser MizwauS Mit die WM baS, Ttfovaftubiumä, das Lernen. Wr müssen, erst uns selber segnen^ bevor wir andere segnen. Wie kommt es nurr, daß so viele in unserer Zeit zum Thorulevuen in kein rechtes inneres Verhältnis kommen.können? Das Unverständnis weiter Kreise im heutigen , Judentum für ein hingckendes Thorastudmm erklärt sich daraus, daß der moderne Jude dem Milieu des Judentums sich völlig entfremdet hat. Es gehört wohl heute zum guten Ton, das osteuropäische Judentum wohlwollender zu beurteilen, als man es in der vorzionistischen Zeit gewohnt war, und einem jüdischen Maler der Gegenwart ist eine polnische Schmachtlocke ein danbarerer Vorwurf als die glattrasierte Schläfe eines deutschen Glaubensgenossen. Diese Sympathie fürs Altjüdische ist aber gedankenlos genug, um Mer die Quelle, aus welcher das Anheimelnde dieses Altjüdischen stammt, einfach hinweMsehen. Auch in der alten Zeit gab es eine fremde Kultur, die gar Manchen in das Netz ihrer Reize lockte. Man.hatte aber damals einen feingeschliffenen Sinn für die unsichtbaren Komponenten des Mischen Milieus. Mm gab sich über die Jmponderabilität der Thora keiner Täuschung hin, und wie man schon danmls wußte, daß die Töne einer Orgel musikalisch wertvoller sind, - als die eines Schofars, .ohne sich durch derartige ästhetische Erwägungen zu törichten Schlüssen über die Heiligkeit einer Mizwah verleite:: zu lassen, so wußte man auch, daß eine richtige Wertung des Talmuds! das Herausfühlen seiner Imponderabilien voraussetzt. , Herausgefühlt müssen diese Imponderabilien auch im letzten Abschnitt werden, der von Awaudvh, dem Gottesdienste, handelt. Auch der Gottesdienst m der Synagoge ist etu System von umvägbaren Stoffen. Wir mögen den Gottesdienst so ästhetisch gestalten wie nur denkbar, etwas Absonderliches wird immer übrig bleiben und solchen Leuten, die das Beten für eine sehr überflüssige Sache halten, eine bequeme Handhabe bieten, sich über das ganze synagogale Leben lustig zu machen. Nicht umsonst war die Synagoge in der Jugendzeit der Reform der Hauptschauplatz ihrer Kämpfe. Ja, man kann sagen, daß die Synagoge das einzige Gebiet ist, auf welchem sie dauernde Siege errang. 'Denn ihre ganze Kraft hat sie bier eingesetzt. Mit großem Hmrsinn hat sie die Imponderabilien des überlieferten Gottesdienstes herausgefühlt, um sie zu vernichten. Es ist nicht wahr, daß die Reform das Kleinliche deshalb bekämpfte, tveil es ihr zu kleinlich dünkte, die Zeiten zu überdauern, sondern deshalb hat sies vernich-. tet, weil das. Kleinliche oft mächtiger ist als' das Große, weil die Volksseele sich auch im Kleinlichen abmalt, wie der Sonnenstrahl im Wassertropfen sich ebenso bricht und spiegelt, wie auf den Wellen des Ozeans — und weil' ein Wassertropfen dichter ausgegossen werden kann als das Weltmeer. 'Das' ist der Grund, ' warum sie die Piutim abgeschafft hat, warum ihr die Melodie beim 'Tuchenen ein Greuel ist and warum sie die imponderable Gestalt des! altjndischen ^Schulengehens durch den allzuponderablen BHriff des „andächtigen Zuhörers" verdrängte, rr — Ob es mir gelungen ist, als Ergebnis' unserer kurzen Kreuzfahrt auf dem Meere der Thora das Judentum als ein System von Imponderabilien dem Leser vor., die Seele zu stellen, hängt ganz von seinem Glauben an das Dasein jener kleinen, zarten und feinen Dinge ab, die überall in der Welt umherschwirren. Mit dem bloßen Auge lassen sich diese Dinge nicht wahrnehmen. Nm die-. Imponderabilien - des Judentums zu sehen, bedürften wir eines Mikroskops, das von Gott selbst gefertigt wäre. Die Tatsache aber, daß uns.bei der Offenbarung am Sinai nicht zugleich ein Apparat mitgegeben wurde, um. eine Mizwah im erster:, seinen Weben ihrer Urzelle zu belauschen, beweist, daß die Konstruktion unseres inneren Auges ihm den Einblick in die geheimste Werkstatt erster MizwgH versagt. Es .; —- gibt eine Krankheit, die heißt: Mikrokephalie, Kleinköpfigkeit. Die Mikrokephalen besitzen mitten auffallend kleinen Schädel und zeigen eine als! Blödsinn sich charakterisierende unvollkommene Entwicklung der geistigen Fähigkeiten. Früher wurden sie Affenmenschen genannt, weil man in ihnen eine Zwischenstufe zwischen Mensch unü Affen zu sehen glaubte. Nun denn, Gott gegenüber sind wir alle Mikrophelen. Unser Schädel ist zu klein, um die Erhabenheit seines Wortes fassen zu können. Aus den Höhen des Sinai weht eine scharfe Luft, die wir nicht vertragen. Bleiben wir darum im Dal, am Fuße des Berges. Seien wir Künstler der Resignation und vergessen wir nicht, daß. der Mensch, je größer er ist, desto leichter auf Wahrheit verzichtet, die nur Gott begreift. R. B. Aus der Sewegvng. Frankfurt a. M , 80. Nov. Der Vorstand der hiesigen Z e tr e- E m u ne-J t s ro e l - Gr up p e erläßt einen ausführlich begründeten Aufruf an alle Zetre-Emunc-Jtsroel in Deutschland sich zu einem Verbände zusammenzuschlietzen, um gemeinsam, in enger Fühlung mit der AgudaS- Jtsroel-Jugendorgantsatton die Aguda-Jdeale zu verwirklichen. Wir veröffentlichen den Aufruf, der nach Redaktionsschluß etnging, in nächster Nummer und behalten uns Stellungnahme vor. Frankfurt a. M. Die hiesige Jugendgruppe der Agudas Jisroel beabsichtigt eine neue Besteuerung ihrer Mitglieder, von der zu hoffen ist, daß sie möglichst wenig einbringt: nämlich eine Besteuerung des Loschaun horoh; einer Anregung des Chofez Chajim folgend soll durch Geldabgaben für soziale Zwecke für jedes Loschaun Horagespräch, das Bewußtsein für die Häufigkeit trab Selbstverständlichkeit, mit der dieses Unrecht begangen wird, geschärft werden. Die mit einem entsprechenden Text versehenen „Steuerzettel" a 5, 10 und 20 Mk. sind bei der Jugendgruppe Frankfurt a. M. erhältlich. Wiesbaden. Das hiesige Agudaleben hat ersieuliche Fortschritte zu verzeichnen. Der rührige > Vorstand der Ortsgruppe hat es verstanden, durch eine Reihe Veranstaltungen wissenschaftlicher und geselliger Art unter den Einheimischen und den .Kur- . gästen, neue innerlich interessierte Mitglieder zu gewinnen. Die Gründung einer Jugendgruppe fand im Anschluß an eine Simchas - Thorafeier im Hause des Herrn Deutsch statt. Ein Vortrag, den' Herr Dr. Ehrmann in der Ortsgruppe über die historische Bedeutung der Agudas Jisroel hielt, gab Gelegenheit, zu einer eingehenden Auseinandersetzung mit Vertretern der zionistischen Anschauung. Die eifrige Werbetätigkeit der Wiesbadener Ortsgruppe für die verschiedenen Fonds der Agudas Jisroel dürste auch größeren Gruppen vorbildlich sein. . Warschau. Bekanntlich hat die polnische Landesorganisation aus taktischen Gründen sich damit einverstandenerklärt mit der zionistischen Organisation und dem Misrachk, wie auch mit den nichtji'idischen Minoritäten zu den Sejmwahlen eine gemeinsame Wahlliste aufzuftellen. Hierdurch wurde die Wahl von über 30 jüdischen Sejmmitglledern ermöglicht, zu denen auch die hervorragendsten Führer der Agudas Jisroel zählen. Jerusalem. Herr Rabbiner Jadler, ein rühriges Mitglied der hiesigen Agudagruppe besuchte eine Reihe von Kolonien in Judäa und Galiläa mit der edlen. Absicht, die Beträge für ausgelosteS Maafsec von Landesprodukten dem Hilfsfond für Sowjetrußland zuzuwetsen. Bei dieser Gelegenheit fand er insbesondere in den neugegründeten Kwuzoth erschreckende Zustände auf religiösem Gebiete. So unter anderem e:ne Reitze von aus religiösem. Nlllieu stammenden Arbeitern, welche der Not und der Verführung chrer Umgebung Folge leistend, in den Arbeiterküchen speisten, welche unrituell geschlachtetes Fleisch verabreichen. Es sind nämlich nur in den wenig st en der neuen Arbeiterfiedelungen Schochtim vorhanden. Bei seiner Rückkehr nach Jerusalem erstattete Herr Rabbiner Jodler einen eingehenden Bericht über diese Mißstände. Der Vorstand der Agudas Jisroel beschloß, seinerseits mit allen Kräften dem Uebelstand zu steuern. Des weiteren wandte sich Herr Rabbiner Jadler an Ussischkin, welcher .aus seiner Entrüstung über die geschilderten Zustände rein Hehl machte und versprach, der zionistischen Leitung vorzuschlagen, in ihr, Budget einen Posten zur Anstellung von Schochtim zu übernehmen. (Kanada). Der Agudagedanke ist hier dank der hingebungsvollen Arbeit und Energie von Herrn H. Wolowskt und eines kleinen Kreises seiner Mitarbeiter in Mer Weife verwirklicht worden, welche den etgenqrtigen Verhältnissen inneih -lb der hiesigen jüdischen Bevölkerung ent- WNovember 1983. spricht. Ts war nämlich bis jetzt trotz Lew die j Zahl der hier wohnenden Juden über 45000 beträgt, noch keine offizielle jüdische Gemeinde vorhanden, die einzelnen Landsmannschaften gruppierten sich vielmehr ohne jeden inneren Zusammenhang um ihre Synagogen. Das Schulwesen, die Kaschrus-Jnstituttonen und die sozialen Aufgaben war völlig der privaten Initiative einzelner Interessenten Überlassen. Zn der letzten Zeit stellten sich nun im Schächtwesen derartige Mißstande heraus, daß die einzelnen Vorstände der Synagogen sich veranlaßt sahen, den lang ersehnten Zusammenschluß aller am KaschruS Interessierten zu bewerkstelligen und hiermit den Grundstock zu einem jüdischen Gemeinwesen zu bilden, welches seiner ganzen Struktur nach mit litauischen MtSnagdim, polnischen und ungarischen Chassidim, geborenen Armrikanern und auch Sephardlm — im kleinen ein getreues Bild unserer Weltorganisation darstellt, in welcher über alle territorialen Verschiedenheiten hinweg sich der Thorogetst als brüderlich einigendes Band erweist. SpendMsten: A-rwa,HO«ptf»«d. Brückenau: Frau Clara Hecht spendete der Agudas „Jisroel anl. Jahrzeit für ihren Gatten 1000. Chaloh-Spenden. Darm stabt: Frau Oppenheimer IM, Frau Lorge IM. Grez FiAr»el,F»nvS. Aurich: Lehrer B. Wolfs 500. Berlichingen: Fevdor RobeiH 1000. Berlin: Josef Deutsch 10M, Max Frankel 300, I. Rutzvaum 300, Knrt Compart 100, Siegst. Basch IM, M. Lang IM, NN. 100 Beuthen: Simon Rothmann 10M. Frankfurt a. M.: N. Abrahams 2000, Siegst. Neuverger 2000, Alst. Hirschseld 500, P. M. Aron 500/ A. Rotschild 500, Nathaniel Bier (am Jahrestage s. Vaters) 250, Josef Wohlfarch 150, Isidor Kahn 100, Lehrer Liverhant 100, David Schächter IM, L. Sänger 100, Emil Rosenberg 100. Frei.burg: N. L. Weil IM. Fulda: Hch Herr 5M, Karl Goldschmidt 200. Hannover: Sallh Löwenstein 3M. Haßfurt: Max Neuberger 4M. Helden bergen: NN. IM. Hüttenheim: Karl Mann 200. Kattowitz: L. Wislicki 2M. Bad Kissing en: B. Litzberger 5M. Köln: M. Walter IM. Königsberg: S. Kvpelowitz 500. Grotz-Krotzenburg: Lehrer Emanuel .320. L a n g e n f chw a lb a ch: Katz 200. Mainz: Hugo I. Cahn (anl« d. Geburt seiner . Tochter 250. München: Felix Feuchiwanger 5000. Niede r-Ohmen: Emanuel Frank 10M. Nürnberg: Jakob Beatus 125. S chn e id e m ühl: Rabb. Nobel 200. Schweinsurt: I. Rosenstock 300. Ulmbach: Nutzbaum 1M0. Wachenbuchen: Abr. Schönfeld 300. Würzburg: Sl. Neumann 100. Gelsenkirchen: A. Fröhlich 1000. Mainz: F. G. 500, Dr. Roßmann 500, Stub 2000. Karrschchaudeschspenve. Berlin: 495. Breslau: 125. Cuxhagen: Jugendgruppe 380. Dorndorf: 300. Emden: Ortsgruppe 185. Frankfurt m M.: Dr. S. Oppenheimer 10M, 3790. Fürth: 7220. Karlsruhe: A. J.-J.-Gr. 1210. Mainz: Jugendgruppe 817. Marburg: Selma Gans 1840. Nürnberg: M. Klugmann 2692. Sprendlingen: 150. Keren Hajischnw: Emden: dch. H. v. d. Walde (Sammlung unter den Mitgliedern) 25M. Frankfurt a. M.: dch. Frl. Markus 2M. Hamburg: H. F. 5M, James Pels 10M, Alex. Ellern 1M0, NN. 25M. Niederstetten: Gemeinde (anl. d. Hinscheidens b. Herrn Moritz Weil) 500. Offenburg i. 93.: Gebe. Weil 500. Echnltverk. Frankfurt a. M.: N. >M. Bier (am JahreS- | zeitstage s. Vaters) 250. Wiesbaden: Ortsgruppe 10.000. « Dr. M. Cahn Hans. Mainz:.Hugo I Cahn (anl. d. Geburt s. Tochter Netth) 250. i 9t. M. b. H.r Wiesbaden: Ziepel 250, Eckstein SSL -