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Der Israelit · 1922-11-09 · Heft 45 (9.11.1922) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 45 (9.11.1922)
Date
1922-11-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. fix. 45 »er JSraeltt. S November ISS» auch dir Bibelkritiker die jüdischen Propheten von Amos bis Jeremias als die Träger und das Judentum als den Boden dieser erhabenen Saat an. Spengler will auch das nicht. Die „prophetische" Weltanschauung liegt in der Luft des 7.-5. Jahrhunderts findet in Amos wie in Zarathustra und chaldäischen Psalmdichtern ihre Vertreter, bei letzteren sogar einen wahrhaft christlichen Ausdruck. (Schluß, folgt.) Lorrerpovaenre« ti MrieMtit. Deutsches Reich, tniffeleuropa Im Spiegel flmerihas. IrauKfurt a. M., 20. Oktober. Die amerikanischen Blätter veröffentlichen Berichte und Interviews der von ihren Europaretsen heimgekehrten Vertrauensleute der amerikanischen Judenheit. Von Interesse ist namentlich ein Bericht, den der bekannte Vertreter des Joint, Maris Engelmann, seinem Komitee erstattet. Es heißt darin u. a., daß in den von Engelmann besuchten Gegenden Oft- und Mitteleuropas in weitestem Umfange Wohlstand geheuchelt wird, während sich hinter dieser täuschenden Decke die bitterste Not verbirgt. Engelmann empfiehlt, das System der Landsmannschaften als Träger des Hilfswerkes in Amerika in weitestem Umfange auszubauen, und zwar durch die Erhebung von Jahresbeiträgen. Außerdem plädiert Engelmann für die sofortige Errichtung großer Kletderdepots, aus denen nach dem gleichen System, wie es bisher mit den Nahrur gsmittel-Drafts geschah, den Angehörigen des Mittelstandes Kteider und Wäsche ausaefolqt werden soll. Mit dem allgemeinen Stand des religtösen Lebens und mit t>ex Notlage be§ $Bot)lfaf}zt3* institutionen des d eutschen Judentums befaßt sich ein Interview, das Rabb. Dr. Drachmann veröffentlicht. Großen Eindruck hat auf Dr. Drachmann insbesondere, der Aufenthalt in Frankfurt gemacht. „In Süddeutschland, sagt er, steht die Zitadelle des orthodoxen Judentums, Frankfurt am Main, anscheinend so stark und fest da, wie in früheren Jahrs«. Frankfurt ist ein N-Nttderdarss Zentrum iüdi schen Lebens und mag wohl das Jerusalem Süddeutschlands genannt werden. Eine große Zahl unserer russischen und polnischen Glaubensgenossen haben sich neuerdings in Frankfurt angesiedelt und haben dort ibr eigenes kulturelles Leben aufzubauen begonnen. Ich besuchte dort eine von einem litauischen Rabbi, Schneider, errichtete I e s ch i w o, ein typisch östliches Institut jüdischer Wissenschaft." sülutiott, itt der sie „gegen die Verjudung der Lemberger Universität" Verwahrung einlegte und die Einführung des bisher nur an der medizinischen Fakultät bestehenden Numerus clausus auch an den übrigen Fakultäten, vor allem an der philosophischen, forderte. Da jedoch Ministerpräsident Nowak einer in dieser Angelegenheit bet ihm in Warschau erschienenen Deputation gegenüber die Erfüllung dieser Forderung als vom Gesichtspunkte der politischen Lage in OftcaOzien unerwünscht bezeichntte und in diesem "Sinne den Lemberger Universitätssenat instruierte, berief der Exekutivausschuß der polnischen Studentenschaft für Donnerstag den 26. Oktober eine neuerliche Protestversammlung in die Aula der Universität ein. Nach mehreren heftigen Ansprachen wurde der Zentralregierung wegen ihres den Forderungen der Jugend zuwiderlaufenden Verhaltens die Mißbilligung ausgesprochen und ein allgemeines Verbot der Vorlesungen bis zur Erledigung der Angelegenheit beschlossen. Die polnische Jugend will auf diese Weise die Einführung des Numerus clausus erzwingen. Nach der Versammlung stimmten die Anwesenden das Lied der Dichterin Knopnicka: „Nota" an. Es ist abzuwarten, wie sich die Regierung diesem von allen studentischen Gruppen angenommenen Beschlüsse gegenüber verhalten wird, wobei zu bemerken ist, daß ein großer Teil des Professorenkollegiums im stillen mit den Demonstranten zu sympathisieren scheint. Der „Mn?ker Raro" Vacr- Warschau, 4. Nov. Einer der Größten unserer Zeit war Rabbi Jacob Josua, genannt der „Kinzker Raw" der dieser Tage im Alter von 76 Jahren verstorben ist. Aus allen Gegenden strömten die Jünger zu ihm, um aus seinem Wtssensborn zu schöpfen und von allen Seiten wurde er in schwierigen Fragen um religiöse Entscheidungen angegangen. Sein vor wenigen Jahren erschienenes Werk SKT f)P?n gehört zu den populärsten halachischen Werken unserer Zeit. In jungen Jahren war er nmin miö beim „Sochatschewer Rebben" später Rabbiner in Lutomirsk, Gostanin, Konin und zuletzt in Kinzk, von wo aus sein Ruhm über ganz Polen ging. Der Sochatschewer Rabbi pflegte ihn mit Rücksicht auf sein niKpa einen „lebendigen Bücherschrank" zu nennen. Die Beteiligung an der '3V? wac eine gewaltige. Litauen. Auch über München und Berlin berichtet Dr. Drachmann in enthusiastischer Weise. Oestevvetrh. Sinan^nof in 9er öemeinae. Men, 3. November. In der letzten öffentlichen Sitzung des Gemeindevorstands wurde mitgeteilt, daß den für die Monate Oktober, November und Dezember erforderlichen 3000 Millionen Kronen voraussichtliche Eingänge in Höhe von 1850 Millionen Kronen gegenüberstehen werden. Es wurde beschloffen, einen Steuerzuschlag bis zu 300% für das Jahr 1922 einznhebeu. In der Sitzung brachte Herr Wolf Pappenhetm erneut die religiösen Beschwerden der Orthodoxie in eindringlichen Worten vor. Voten. Die Lemberaer 5tu9enten für 9en Numerus clausus. Lemöerg, 29. Oktober. Vor einigen Wochen fand hier, eine Versammlung der jüdischen Universitätsjugend statt, die gegen die neuerliche Zurücksetzung jüdischer Jugend bei den Inskriptionen an den Hochschulen proteftterte. Als Antwort darauf versammelte sich einige Tage später die polnische Studentenschaft und beschloß eine Revergewalligung 9er ITiinaerheifen in Litauen. Kan,ua, 31. Oktober. Die Hauptwahlkomnvssion hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wahlergebnisse durch rücksichtslose Annullierung unbequemer Mandate der Minderheiten im Smne der christlichen Demokraten zu korrigieren. Den Juden hat man von den 6 im Wahlkampfe erlangten Mandaten 4 gestrichen und nur 2 gelassen. Aehnlich ergeht es der fortschrittlichen Reckten, den Polen, Deutschen, Russen und der Arbeiterpartei, sodaß Demokraten und Volkssozialisten 80 % der Mandate für sich in Beschlag nehmen. Falls dieser empörende Rechtsbruch nicht nachträglich korrigiert wird, werden voraussichtlich sämtliche Minderheiten dem Sejm ganz sernbleiben. PogromMmmung in Litauen. Korvtto» 3. November. Litauen hat seit einiger Zeit eine neue Währung, eine Valuta, die sich ungefähr der amerikanischen anpaßt, (die größere Einheit entspricht einem Zehnteidollar). Natürlich brachte diese Neuordnung eine durchgreifende Umwälzung im Wirtschaftsleben und eine furchtbare Teuerung mit sich. Für die jüdische Kaufmannschaft, die sich ganz neu einstellen muß, tritt eine harte Uebergangszeit ein, aus der nur die ganz Starken, Tüchtigen und Beftfundierten heil hervorgehen werden. Nicht minder hart ist - diese Neuordnung für die mittleren und untern Schichten, die fast durchwegs mit dem Dollar ihrer amerikanischen Verwandten ihr kleines Leben fristen und bisher mit den spärlichen Zuwendungen aus Amerika gut durchkommen konnten. Jetzt aber haben sie mit der Dollar- Währung die teueren und immer teuerer werdenden Lebensmittel zu bezahlen. Trotzdem danach die Kosten der Umwälzung in erster Reihe die Juden zu tragen haben, hat im Zusammenhang damit eine Judenhetze eingesetzt, wie man sie nie zuvor ik Litauen kannte, eine regelrechte Pogromagitation, die leider hier und da auch schon traurige Folgen zeitigte. Der Kommandant von Kowno nährt das Mißtrauen gegen die Juden, indem er eine ganze Reihe von jüdischen Geschäften wegen angeblichenPreiswuchers schließen ließ, ungeachtet der vom Kaufmännischen Verbände erbrachten Nachweise, daß für viele Dinge des täglichen Bedarfes in den litauischen Konsumläden die Preise viel höher sind, als bei den jüdischen Kaufleuten. Am meisten wird die Hetze begünstigt vom Finanzminister Petrulis, der dem Vorsteher des jüdischen Handelsverbandes offen ins Gesicht erklärte, er erwarte Po g rom e und würde seinerseits keinen Finger bewegen, um sie zu verhindern. Es ist daher nicht zu verwundern, daß alle dunklen Elemente nun Oberwasser verspüren. Die Zentrale für die Propaganda der Tat ist in Wilkomir, wo die Pogromproklamationen gedruckt werden und von wo aus sie dann über das ganze Land massenhaft verbreitet werden. Unterzeichnet sind die blutrünstigen Aufrufe von einem „geheimen Komitee zur Befreiung Litauens von den Jude." Es ist bezeichnend, daß die Proklamationen, obwohl aus einer Quelle kommend, in drei verschiedenen Faffungen verbreitet werden. Eine nationale bezichtigt die Juden des Bolschewismus, eine andere, die sich sozialistisch gibt, ruft das Proletariat gegen die jüdischen „Kapitalisten und Spekulanten" auf und noch eine dritte wendet sich an das kirchlich gesinnte Volk, daß es sich zum Vollstrecker des Gotteszornes an dem verhaßten Volke mache. — Und die Behörden schweigen oder treffen Maßnahmen, die die Stimmung noch verschärfen. Lettland. Aus Lettlan9. Liöan, 3. November. Unter der rastlosen Arbeit unseres Rabbiners Rabbi Epstein zeigt das orthodoxe Leben der Stadt eine erfreuliche Aktivität. Die von ihm gegründete Schule für Thora und Bildung steht in höchster Blüte und konnte jetzt durch Anfügung neuer Klaffen sich noch erweitern. Vor kurzem haben sich hier die orthodoxen Lehrer in einem Lehrerverband vereinigt und soll auch demnächst eine Orth o doxe Lehre r kon feren z für ganz Lettland einberufen werden zur Beratung aller schwebenden Schulfragen. In D winsk arbeitet die Aguda auf eine bessere Regelung der Koscherfletschverhältniffe hin, mit dem Ziele, das ganze Koscherfletschwesen in die Regie der Kehillo zu nehmen, was aber bis jetzt noch auf große Schwierigkeiten stieß. Auf der letzten Sitzung wurde eine Kommission gebildetdie die Sache energisch in die Hand nehmen soll. Auch die Bewegung zur Hebung des Mittelstandes geht in erster Reihe von der Aguda aus. Es soll eine Lotterte organisiert, Volksbanken und Kreditanstalten eröffnet werden. Es ist erfreulich, daß sich überall in Lettland neues jüdisches Leben bemerkbar macht. Italien. Der italienische Minilterwechsel un9 3as PaMinaman9at. Wow, 1. November. Die außergewöhnliche Aktivität, welche die neue Regierung Mussolini, dank ihrer ganzen Entstehungsgeschichte, ausgezeichnet, macht sich

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