Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 34-35 (31.8.1922)
- Date
- 1922-08-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 13. Nr. 84 u. 85. tu Hand arbeiten, um von verhängnisvollen -Schritten zurückzuhalten, die für das Wiohl und Wehe des jüdischen Menschen entscheidend sind, lteberwachung des Lesestoffs, Elternabende und gesellige Unterhaltungen sind Borbcugungs-- und Abweh rma ßr egelung en. /Das beste Erziehungsmittel ist allerdings das einwandfreie, auf dem Boden der Thora fußende Elternvorbild. Auf solchern Boden gedeiht ein charakterfestes Geschlecht, das den Bestand deZ Judentums sichert. Sie von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Ausführungen des Vortragenden hinterließen einen tiefen Eindruck bei den Versammelten und beit Danke Zwo rten des Vorsitzenden an den Referentjen stimmten alle begeistert zu. In der Besprechung! wurden nranchc Punkte noch ergänzt. Landrabbiner Blum weist darauf hin, man solle tticht deutsche Sätze mit jüdischen Buchstaben, sondern nur rein jüdischen .trjrr schreiben lassen, weil sonst die rein indische . Schreibweise in grammatikalischer und orthographischer Beziehung geschädigt würde. In den nun folgenden freien Besprechungen weist Wolff-Aurich auf die Neubearbeitung des ostfriesischen Lesebuchs hin, und regt an, dahin zu wirken, daß unserem Empfinden widersprechende Stücke ausgeschieden und dafür uns sympathische Stoffe ausgenommen werden. Klein- Norden w'rd beauftragt, sich mit der Ostfriesischen Lesebuch-Komnl'ssion in Verbindung zu fetztn und i dieser unsere Wünsche, vorzutragen. A. G o t t s ch a l k - Esens. Am Methodik tili des Talnmdunterrlchtes. Bon Dr. M. Hewirr in Hamburg. Ein gar nicht hoch genug zu bewertendes Verdienst der Aguda-Jugendgruppen ist es, daß sich innerhalb unserer vaterländischen Judenheit in den letzten Jahren die Erkenntnis. von der Wichtigkeit des Lernens durchzusetzen scheint. Jene sind es zweifellos, die den wichtigsten Punkt das Ägudas Jisroel-Programms zu üenmrfUcfjen suchen! wenn sie überall, auch dort luo die Vorbedingungen nicht besonders günstig sind, geeignete cmsrur entrichten unb entsprechende Kurse entführen und so eine umfassettdere Thorakenntnis in den Kreisen der künftigen Träger des Agudagedankens vorbereiten. Das kann gar Feine Frage [eilt, daß ein jeder die Pflicht hat, für feilten Teil nach Maßgabe seiner Kraft uitb Fähigkeit sich zur Verfügung zu stellen und allenthalben der erwachten Thoraliebe Nahrung zuzuführen. 'Dern brauchet! wir gewiß nicht erst an dieser Stelle das Mort zu reden. Darauf möchten wir aber doch verweisen, daß es nicht gleichgiltig ist, wie wir das Gewünschte darzubieten suchen, w e l ch e M ethode wir hierbei wählen. Wie der glimtnende Funke schnell erlöschen kann, wenn ihm nämlich Stoffe ZugMhrt werdeu, die seine Ausbreitungskkraft vernichtett, so kann auch unter Umständen die Begeisterung für das Lernen leicht erlahmen, wenn sie nicht rege erhalten wird oder, was das noch Schlimmere j werden kann, wenn der Lehrer nicht den rechten Weg einschlägt und für feinen Gegenstand nicht zu erwärmen versteht. Ganz gewiß ist es nicht zufällig, daß tutr at(täglicf) beten: 1)252 M' 121 nirrbb 121 T2i2>mi P2r6 Gib uns ins! Herz, zu verstehen und zu erkennen, zu hören; zu lernen und zu lehren, zu bewahren und aus- ' znüben all die Worte der Belehrung aus Deiner; sichre in Liebe." j Verstehen und erkennen und hören (immer wieder und mit imnier gesteigerter Liebe und Begeisterung) muß gewiß ein jeder, der Kenntnisse an andere zu vermitteln bestimmt ist. Für den! Talmudlehrer vollends, für den, der sich be- ' rufen fühlt, xiv) zu unterrichten, sind jene Er- ' fordernisse die unerläßlichen Vorbedingungen für das Gelingen feiner Aufgabe." Talmud lehren bedeutet nicht nur Kenntnis von ihn: verschaffen Der Israelit. und das Wissen bereichern, sondern vor allem die Liebe zu ihm steigern und das Forschen in ihm als eine dem gesetzes'treuen Juden gebotene heilige Pfljcht wie als Lebenszweck eines jebett Juden zeigen, daß. der Lernende König David es nachempfinde: TTO« 1K WSW ‘■jmin 'W ")S^2 Wäre nicht Deine Lehre nreine stete Beschäftigung, so wäre ich' bereits in meinen: Elend unterglegangen." Damit ist den: Vertreter talmudischer Disziplinen ein"" bedeutsames Ziel gesteckt und eine gar verantwortungsvolle Aufgabe zugewiefen. Bon ihtn, von feiner Methode hängt es wesentlich ab, behaupten wir, ob feilte Schüler auch in Zukunft aus den: nie versiegenden Jungbrunnen unserer Kraft zt: schöpfen willens bleiben. Ich bin mir tvohl bewußt, daß ich mit diesen Bemerkungen keine nette Weisheit verkünde, ich glaube aber attch tticht zu irren oder zu übertreiben, wetlu ich behaupte, daß die Methode des Talmudunterrichtes unbedingt verbesferungsbe- , dürftig ist. Dabei verhehle ich mir keineswegs die ungeheuren Schwierigkeiten, die bergeshoch sich da auftürmen. Ich weiß es tvohl, daß lvir für unfern Gegenstand eine Methodik nicht habet: nud sie ein jeder Lehrer sich selbst schaffet: muß. Er soll sie sich aber schaffet: und darf tticht planuild nicht wahllos zit 'Werke gehen. Wem: auch der Taltnudtutterricht tvefentlich anders geartet ist wie. jede atidere Unterweisung, ja nach Fort:: und Inhalt, nach Zweck nub Ziel sich mit keilten: Wissensgebiet vergleichet: läßt, so gilt es doch, will mutt die itt Frage stehende Jugend fesseln unb ihr den Gegenstand lieb uttd vertraut machen, die Mittel nub die Methode:: anderer Disziplinen bem Gegenstände dienstbar zu tttachet: und vor allen: [eine Schönheiten ins rechte Licht zu setzet: und ihn beztv. [einet: Jtihalt mit anderen Lehrfächern in Verbindung zu bringen. . (Schluß folgt.) Zn eigener Sache. Wie unsere Mitglieder wissen, haben auf Veranlassung des Bundesvorstandes gesetzesireue Verbände eine große Hilfsaktion zu Gunsten unserer Lehrer uitb Kultusbeamten in die Wege geleitet, um sie zunächst, besonders vor ncD' vor der Gefahr völligeu Zusammenbruches zu schützet:. Mit der Durchführung dieser Aktion ist der Bund gesetzestreuer Gemeinden in Halberstadt betraut worden. Diese Hilfsaktion hat das Mißfallen der „Freien LehrerzeitungB erregt, unb in einer daran sich anschließenden Polemik fliegen einzelne Vorstandsmitglieder des Bundes, die sich besonders um das Zustandekommen verdient gemacht Haben, beruft sich der Leiter des Blattes auch auf die Zustimmung der Jnnalehrer des Zweigvereins des Bundes in Rheinlattd. Wir glauben dem Schriftleiter gerne, daß er von dieser Seite Beifall geerntet hat, schreibt doch .Herr Raphael, Cöln, in einem Artikel: „Auf dein Kriegspfade", itt bem der Vorstand des Bundes seine Seiteuhiebe erhält: „Wir dulden nicht, daß matt heutzutage denjeniget: Kollegien in den Rücken fällt, die klar uitb deutsch und unerschrocken "für die Eingruppierung der. Lehrer eiutreten." Ja, ja, diese Herren find' entschieden, tvas auch unsere bestimmte Forderung ist, für Eingruppieruttg, aber bis dahin genierett sie sich auch tticht, trotz aller Empörung über das „Wohlwollen" diese Art von „Zedokoh" für sich zu erbitten, wie es Herr Raphael i tu N a m e tt s ä tutli ch e r I u ngleh r e r de s Z w eigvereinsRheiuj l a tt d getan hat. Unseren atteu Kollegen, die j leider genötigt waren, Zuschüsse anznnehinen,! können'deshalb diese mutigrn'THerren Juugleh-; rer tticht irrt geringsten imponieren. Der Bundesv o rsta tt d. »efrlfff; SlellenheseHung Gelnhausen. Die Religionslehrerstelle in Gelnhausen gelangt demnächst zur Besetzung. Nachdem die Ge- _ 81. August 1922. meinde den bisherigen Stelleninhaber in völlig unzureichender Weife besoldet hat und ihn veranlaßte, Vertrüge mit entwürdigenden Bedingungen zu unterschreiben, verhättget: mir die Sperre über diese Gemeinde. Wir ersuchen die Kollegen, erst dattn ihre .Bewerbungen einzureichen, nachdem die Gemeittde dem unterzeichn tteteit Ausschuß die Besoldung :u:d Anstelluttg ihres treuen Beamtet: nach staatlichen Grundsätzen zugesagt hat. Weitere Nachrichtett in dieser Angelegenheit erfolgen an dieser Stelle. Aus Aah und Fern. Nelklinghttnskn, 2. Mg. Am 'Tienstag, den 1. August, fand hier eine Sitzung der Lehrer der den: „Bereit: zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen" attgeschlossenen Gettteittden statt. Der Vorsitzende der Kommission, Herr Rabbiner Dr. Silberb e rg, eröffnet« die Sitzung und begrüßte die erschienenen Kollegen. Er wies in seiner Ansprache darauf hin, daß es von der erstet: Stunde [einer Amtsführung in Westfalen seit: Wuttsch gewesen tvar, die Kollegen zu einer Bespuschung.zusamntenzuführen. Durch beit verspäteteu Zusammentritt des Delegiertentages >var die Einberufung der Lehrerkommission erst jetzt möglich. Er bat die Bersammlung laut § 12 der Vereiusstatuten ztvei Delegierte zun: Delegiertentag zu tvählen. Die Kollegen Sv mm er- Borken und Söffe- Recklinghausen wurden einstimmig gewählt. Nun erhielt Kollege So f so-Recklinghausen das Wort zu seinen: Referat „Wie gestalten wir den Religiousuttterricht interessant und lebensvoll?" Referent wies auf die Anwendung der Methoden der Arbeitsschule auch für den Religiousuttterricht hin, und zeigte an Hand einiger Beispiele die Möglichkeit ihrer Anweuduttg. Er behandelte die Frage ob für den Leseunterricht eine Fibel zu verwenden sei, und legte die Wege, dar, wie es möglich sei, ohne Fibel auszukommen. Für den Chummischunterricht schlug Referent vor, gemäß dem Grundsatz „von: Bekannten nun Unbekannten^ mit demrntp zt: beginnen. Im Anschluß hierat: seien baut: die Vorschriften, die den N21v betreffen, zu behandeln Auf diese Weise sei es möglich, auf beit systematischen Religionsunterricht zu verzichten. Aehnlich seien dann auch die *2'' zu behandeln. Ein dann soll mit der Durchnahme der erzählenden Kapitel von DWK12 begonnen werden. Unentbehrlich sei als das einzig praktische Lehrbuch für den systematischen Unterricht unser Nlb» Insbesondere empfahl Referent die fleißige Uebnng der hebräischen Buchstaben, t:ach Art der Schreiblesemethode. Mit beu Worten „das Beste soll für unsere Kinder gerade gut genug seit:", schloß der Referent seine interessanten Ansführtutgen, an die sich eine rege Aussprache anschloß. Die KoUegett T a tt tt e n b a u tu - Recklinghausen unb Du bl o n - Dülmen ergänzten die Ausführungen des [Referenten durch Beispiele aus ihrer reichen Unterrichtspraxis. Dr. Silbe rbe rg betonte tu längerer Ausführung die Notwendigkeit der Behandlung der Vorschriften im Anschluß ait beu PentnteuchuNterricht, anstatt der systematischen ^Behandlung der einzelnen JtlXE- Es wurdet! dattn noch verschiedene interne Fragen behandelt. Auf allgemeinen Wunsch sämtlicher Kollegen sollen die Zusatninenkünfte häufiger stattfindet:. Die nächste Versamntlung soll s. G. :v. am 22. Oktober in Ahaus abgehültet: werden. .Herr Dr. Silberberg! übernimmt für diese das Theuta „Die Entwicklung des Gebetbuches". Nachdem die Tagesordnung erschöpft tvar, schloß der Borsitzeude die Versatutnlttug mit dem Wuttsch auf gesundes Wiedersehen. Am Abend fanden die Kollegen sich im Hause des Kollegen Tannenbannt zu einem gemütlichen Beisamntensein wieder.