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Der Israelit · 1922-08-24 · Heft 32-33 (24.8.1922) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 32-33 (24.8.1922)
Date
1922-08-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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«gehe 2. Kr. 17 ist diese. Bestimmung allerdings dahin interpretiert, daß, Palästina den Juden, die dort einzuwandern wünschen, so weit geöffnet sein soll, als es die jeweils wirtschaftliche Lage des Landes erlaube, daß! anjch keinerlei Rechte von dessen Bewohnern beschrankt werden sollen. Vor allem wurde das unkluge Wort zionistischer Führer, Palästina solle so jüdisch werden wie England englisch, in aller Schärfe zurückge-- wiesen. Andererseits tvurde in der Jewish Agency eine jüdische wirtschaftliche Beratungsinstanz für die palästinensische Regierung vorgesehen. Ganz besonders wurde die moralische Bedeutung des Mandates durch die-wundervolle Rede Lord Balsours unterstrichen, in der dieser die Einrichtung des jüdischen Nationalheims als Versuch bezeichnet, .das große, dem jüdischen Volke angetane Unrecht wieder gut zu machen. .Hierin liegt unseres Erachtens die Hauptbedeutung des Malldates, daß, durch seine Annahme der Völkerbund ausdrücklich das jahrtausendlange Unrecht am jüdischen Volke und die Pflicht der Wiedergutmachung anerkennt. .Höchst wahrscheinlich werden im Laufe der Feit die wenigstens prinzipiell gewährleistete freie Einwandermrg und besonders die Einrichtling der Jewish Agency sich auch als sehr wertvoll erweiseir. Wenn die praktische Anwenduilg der Einwanderullgsbestilmnungen sowie der Einfluß, der Jewish Agency auch fast ganz dem Befinden der britischen Regierung überlassen fehl wird, so glauben wir doch, daß, die britischen Instanzen sich in der Regel von Wohlwollen gegenüber der jüdischen Bevölkerung leiten lassen werden. Wir hofseil, daß, die Annahme des Mandates eine Periode des Aufschwunges für Palästina und der allmählich erstarkenden jüdischen Einwanderung bedeuten lvird. Sehr schmerzlich ist uns allerdings die Tatsache, daß in dem Mandate die zionistische Organisation wenigstens vorläufig als Jewish Agency betrachtet wird. Wir erblicken hierin ein schweres Unrecht gegenüber dem großen Teil des jüdischen Volkes, w e l ch e r es ablehnt, in der zionistischen Organist! ti o n s ei ne V c rt r e tun g zu s ehen. Es wäre ein Gebot der Gerechtigkeit gewesen, in der Jewish Agency allen jüdischen Organisationen glcichbcrcchcigtc'it Anteil zu geben, welche an? Wiederaufbau Palästinas mitznarbeiteu entschlossen sind. So sehr wir das Verdienst der Männer anerkennen, die durch ihr diplomatisches Geschick und anstrengende Tätigkeit die Einfügung der jüdischen Rechte in das Mandat erreicht haben, so sehr bedauern wir, daß die Führer der zionistischen Organisation nicht das Interesse des jüdischen Volkes über das ihrer Partei gestellt haben. Die Erfahrung der letzten Jahre hat mehr als genug erwiesen, daß die zionistische Partei unfähig ist, allein Palästina aufzubanen. Hierzu sind die Kräfte des gesamten jüdischen Volkes notwendig, und deshalb hätten die Leiter der zionistischen Organisation die Pflicht gehabt, die englische Regierung zu bitten, in der Jewish Agency eine Gesamtvertretung der für Palästina tätigen Jüdeuheit zu schassen. Leider ist das nicht geschehen. Für ganz besonders bedenklich halten wir es, daß, die Agudas Jisroel, die Sach,- walterin des von der zionistischen Organisation unabhängigen toratrenen Judentums nicht kraft des Mandates ohne weiteres in der Jewish Agency vertraten ist. Bei dem in nur zu weiten Kreisen der zionistischen Beamten Palästinas herrschenden religiösen Radikalismus ist das Gegengewicht einer von den Zionisten unabhängigen Vertretung der Orthodoxie eine unbedingte Notwendigkeit. Zweifellos war es ein schwerer Entschluß, für die agudistischen Führer, ihren Einspruch gegen die einseitige Bevorzugung der zionistischen Organisation im Mandatentwurs znrückzuziehen, als sie unmittelbar fürchten mußten, daß dieser Einspruch den prinzipiellen Gegnern des Entwurfes ein Willkommener Vorwand zur Aufschiebung oder gar Vereitelung der Mandatsbestätigung gewesen wäre. Die Vertreter der Agudas Jisroel haberi ein großes Opfer gebracht. Wir hoffen, daß die Zukunft ihnen Recht geben wird, und daß es sich zeigen wird, daß die Anerkennung der jüdischeil Rechte in dem Mandat ein großer Rahmen sein rvird, iit welchem die Gesamtheit des jüdischen Volkes für Erez Jisroel arbeiten kann und arbeiten wird. Nach wie vor stellen wir die unbedingte Forderung, daß beim jüdischeil Aufbau Palästinas das Gottesgesetz gewahrt lverden muß. Wir wissen, daß diese; Forderung nicht llur von weiten zionistischen Kreisen,! sondern von den allermeisten Juden gebilligt wird, deilen überhaupt die Zukunft Palästinas am Herzen liegt. Die Leitung der zionistischen Organisation muß sich bewußt sein, daß die Anerkennung, die ihr in dem Mandate zuteil geworden ist, für sie eine große Verpflichtung bedeutet gegenüber der jüdischen Gesamtheit. Die Mitarbeit des ganzen Volkes am neuen Ercz Jisroel nruß Ahnen wertvoller sein als die Partei. Wenn dieses der Fall ist, dann muß die zionistische Organisation freiwillig der Gesamtheit des jüdischen Volkes Anteil geben an der Jewish Agency. Die Agudas Jisroel wird es als einen Prüfstein für die augenblickliche zionistische Leitung betrachten, ob diese allen großen jüdischen Organisationen, die für Palästina tätig sind, besonders aber der Agudas Jisroel freiwillig gebührenden Anteil an der Jewish Agency einräumen wird, nicht als untergeordnetem Organ, sondern in voller Gleichberechtigung. Dann kann mit Gottes Hilfe die Jewish 'Agency eine wirkliche Vertretung der jüdischen Interessen in Palästina werden und anstelle des Kampfes die von vielen Männern aller Parteien so heiß ersehnte Zusammenarbeit der jüdischen Gesamtheit sich verwirklichen. Gebe uns Gott die Möglichkeit und Fähigkeit, aus Grund des Mandates in Palästina eine nationale Heimat des Gottesvolkes zu erbauen, als Vorstufe zur baldigen Erlösung aus dem langen Golns. orthodoxer Lhaluzim in Holland. In einer am II. Juni stattgehabten Versammlung der holländischen Oberrab b ittcr war auf Antrag des niederländischen „Misrachi" beschlossen worden, daß die holländische Oberrabbinervereiniguug z u s a m m e n mit den niederländischen L a n d e s o r:g a n i - s a t i o n e n des M i s r a ch i und der A gn - das Jisroel die Initiative ergreifen solle, um westeuropäische junge Leute von streng gesetzestreuer Gesinnung für die Ausübung des Ackerbaues in Erez Jisroel fachmännisch vorzubiloen. Oberrabbiner O n d e r w y z e r in Amsterdam hak sich nunmehr in einem dem Vertreter des „Weekblad" gewährten Interview über die Angelegenheit, die erst aus den Berichten der Presse zur Kenntnis der Agudas Jisroel- Zeutrale gelangte, wie folgt geäußert: Die Stellung, welche die übergroße Mehrheit der holländischen Oberrabbiner gegenüber dem Zionismus und dem Misrachismus einnnnmt und die eine entschieden ablehnende ist, wird durch den gefaßten Beschluß in keiner Weise berührt. Das ZusammeMvirken, dem die Oberrabbiner zugestimmt haben, betrifft ein Gebiet, das außerhalb des Zionismus liegt. Es gilt hier der Förderung der Mizwas Jischuw Erez Jisroel, die in Israel, lange ehe es einen Zionismus g ab, als heilig gegolten hat. So gut wir mit den Zionisten zu philantropischen Zwecken, im Einzelfalle — bei der Kongreß-Demonstration — auch zu politischen Zwecken zusammenwirkten, kann es auch in diesem Falle geschehen, wo es sich um Jischuw Erez Jisroel ohne alle zionistische Theorie handelt. Ueberdies will die Oberrabbiner-Vereinigung auch in dieser Angelegenheit weniger ein Zusammenwirken mit denr Misrachi und der Agudas Jisroel als solchen, als vielmehr die Bildung eines Komitees, in dem Misrachisten und A g u b i st e n vertreten sind. Ans die Frage, ob man sich! von Seiten der holländischen Aguda in der Angetegenheit vorher mit der Leitung in Ost-Europa undin Frankfurt benommen habeerklärte Oberrabbiner Onderwiczer, daß er darüber nicht unterrichtet sei, weil nicht er, sondern Oberrabbiner Hirsch in Zw olle das Präsidium der Agudas Jisroel führe. Die Ausbildung der jungen Leute, bemerkte Oberrabbiner Onderwiczer noch, müsse im jübischen Geiste erfolgen, nicht aber in dem der Zionisten oder Misrachisten. Auf den Elnwand des Interviewers, ob es bei der herrschenden Stimmung der arabischen Bevölkerung nicht gefährlich sei, gegenwärtig Chaluzim natch Palästina zu senden, meinte der Oberrabbiner, daß es wohl noch zwei Jahre dauern werde, bis die jungen Leute ausgebildet seien und daß man gewiß aus eine Besserung der arabisch-jüdischen Beziehungen in dieser Zeit hoffen dürfe. Oberrabbiner Hirsch in Zwolle, der Vorsitzende der holländischen Agudas Jisroel, erklärt in dem genannten Blatte, daß er bisher lediglich eine Anregung der misrachisti schon Organisation in Holland auf gemeinsame Ausbildung von landwirtschaftlichen Pionieren empfangen habe, daß er aber durch Krankheit verhindert war, die Angelegenheit bisher mit seinen Kollegen und der Leitung der holländischen Aguda oder mit der Aguda- Zentrate zu besprechen. Er werde sofort nach seiner Wiederherstellung eine ernstliche Prüfung der wichtigen Frage durch die zuständigen Organe der Agudas Jisroel herbcisühren. Rehr Wahrhaftigkeit. Wir lesen in m Wiener ,,Jüdischen Presse" folgende beherzigenswerte Ausfithrungen: ,,Tie zionistischen Zeitungen strotzen wieder von Uebertreibungen der schlimmsten Art. Reklameüberschristen „Das jüdische Palästina" und überschwängliche Leitartikel bemühen sich, unserer in politischen Dingen immer noch nicht genügend erfahrenen Masse Dinge vorzutäuschen, für die in der realen Politik und in der Welt der Wirklichkeiten keine Spur zu entdecken ist. Das führt zu neuen Enttäuschungen innerhalb des Judentums und — was noch viel schlimmer ist — zu erneutem Haß und Verschärfter Gegnerschaft der Völker und Gemcinschastcn, bei denen der Widerstand gegen den Zionismus sehr leicht zu einem gefährlichen Haß gegen das gesamte jüdische Volk und namentlich gegen die jüdische Bevölkerung des heiligen Landes ausarken kann. Was nützt es, daß der High-Commissioner Herbert Samuel am Tage der Ratifizierung des Mandates in einer offenherzigen Erklärung der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas über die Bedeutung dieser Ratifizierung klaren Wein einzuschenken sich bemüht hat, wenn die Herren Dr. Weizmann und Nahum Sokolow gleichzeitig in einer Art selbstüberhebenden Proklamation „An das jüdische Volk" (als ob „das jüdische Volk" in ihnen jemals etwas anderes gesehen hätte oder in Zukunft erblicken würde, als die Präsidenten der Vereinigten zionistischen Gruppen und Institutionen!) genau das Gegenteil von dem verkünden, was Herbert Samuel im Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit vor Gott und Menschen unzweideutig ausgesprochen hat. Ist auch ' nur ein Splitter von Wahrheit daran, wenn in der zionistischen Kundgebung gesagt wird, der Völkerbund hätte „das Recht des' 'jüdischen Volkes auf die Wiedererrichtung seiner nationalen Heimstätte in Palästina anerkannt"? Ist nicht genau das Gegenteil davon wahr? Hat nicht England diese Formulierung des „.Historical Righl" von vornherein ausdrücklich abgelehnt und bloß eine „Historical Cionnexion" gelten lassen und hat sich der Völkerbund überhaupt je mit der „Wiedererrichtung der nationalen Heimstätte" (also eines jüdischen Palästina) beschäftigt? Bedeutet eine so unverant- 4425

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