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Der Israelit · 1922-08-03 · Heft 31 (3.8.1922) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 31 (3.8.1922)
Date
1922-08-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Ler SSraelir. Nr. 31 Gstte S ' August 1W2. Sie pekidim und Amarkalim. Offene Anttvort an einen Leser. Bon Mr. Jacob Israel de Haan. Jerusalem, 30. Juni.*) 1. Kein offener Brief. Doch eine offene Antwort, damit sie den gesamten Leserkreis informiert. Hier der Brief: „Hier zirkuliert zur Zeit eine Liste der Pekidim und Amarkalim der Israel. Gemeinden des heiligen Landes mit Sitz in Amsterdam. Diese Liste will. zu Beiträgen aufrufen zwecks Weitererhaltung der Institution, die betrachte! wird 'als unentbehrliches- Lebenselement für die jerusa.-- lcmitische Bevölkerung.' lieber dieses Werturteil find, wie Ihnen ja auch bekannt sein dürfte, die Meinungen recht verschieden. So wird gesagt, daß Familien von Geschlecht zu Geschlecht die Unterstützung dieser Bereinigung erhalten und dadurch selbst zu einem gewissen Wohlstand gelangt sind. Wir selbst können das von hier aus nicht genügend beurteilen und wir erlauben uns daher uns an Sie zu wenden, in der Ueberzengung, daß Ihr Urteil ein objektives sein wird. Und wir fragen sie nun: verdient diese Bereinigung die Unterstützung aller und betrachten Sie es wirklich als Notwendigkeit für Jerusalem, daß diese Bereinigung bestehen bleibt." II. Die Antwort: Jawohl, ich betrach'.e es in Wirklich keit für einen Teil der jerusalemitischen Bevölkerung als Notwendigkeit, daß die Amsterdamfchen Pekidim ihr Werk fortsetzen und erweitern können. Tie Pekidim verdienen die Hilfe aller. Wenn man älter wird, erwachen in einem Gefühle für Tradition und Geschichte. Tie Amsterdamer Pekidim besitzen hier eine schöne, alte Trätition. Sie haben beinahe hundertundzwanzig Jahre die Namen Holland und Amsterdam in Jerusalem hochgehalten. Sic sind das älteste Palästina-Institut. Es würde ein großer Verlust für hier sein, so die Pekidim ihre Arbelt hier aufgeben müßten. Einen sehr großen Teil ihrer Einkünfte erhalten die Pekidirn aus Deutschland. Aber jetzt, da deutsches Geld wertlos geworden ist, müssen sie das gute holländische Geld aufrnsen, um über diese schlechten Zeiten hinwegzukommen. Im Kriege haben die Pekidim Hunderte und abermals Hunderte vor dem Hungertode gerettet. Man soll das nicht vergessen. Das Budget ist in den letzten Jahr immer mehr und mehr eingeschränkt worden. Doch wird mit wenig Mitteln noch viel getan. III. ' Ta sind die Schulen. Schöne, fromme Unterrichtsanstalten. Da ist eine Talmudschule für Aschkenasim. Eine Schule für jemenitische Kinder müßte aus Geldmangel geschlossen werden. Und nun laufen die Kinder auf den Straßen herum. Auch die Subvention, die den Schulen der Bucharischen und Grussischen Gemeinde gezahlt wurden, mußten aus Geldmangel eingezogen werden. Die Schulen wackeln. Bon der Regierung erhalten sie jährlich, hundertfünfundzwanzig Pfund Unterstützung. Aber auch die Regierung hat kein Geld. Und so ist diese Unterstützung bedroht. — Von dein schönen Schulwerk wird nichts übrig bleiben, wenn nicht bald Hilfe kommt. IV. Unser Leser spricht von Verteilung. Tie sogenannte Chaluka. Er hat nichts Gutes davon gehört. Doch glaube ich: zu Unrecht,' was wenigstens die Pekidim betrifft. Vielleicht werde ich später mal über die ^halnka schreiben. lieber die Fehler, die gemacht wurden. Und so weiter. Jedoch bei den Pekidim kann davon keine Rede sein. Vor ungefähr fünfzehn Jahren ist die Arbeit der Pekidim auf neue Grundlage gestellt worden. Es wurde ein festangestellter Vertreter genommen: der Rabbiner I. B. Horovicz. Ader auch diese Vertretung mußte aus Geldmangel ausgegeben werden. Und nun ist nur ein Vertreter für die juristischen und sozialen Angelegenheiten da, der nichts erhält. Und ein Beamter für die Administration. Rabbiner Horowicz hat es stets als seine Aufgabe betrachtet: Gaben an Gelehrte, Alte und Schwache zu geben. Und dann soviel als möglich aufbauendc Wohltätigkeit zu tun. Arbeitsplätze zu gründen. Schüler heranziehen. Noch jetzt besteht so ein, Arbeitsplatz, auf dem Souvenirs aus Hotz und Silber verfertigt werden. Ebenso einer für Gesetzesrollenschreiben. Und die Valuta ist hier hoch. Und in Anlerika können die Thorarollen aus Jerusalem nicht konkurrieren mit denen aus Ländern tieferer Valuta. Düs Chalukawerk oer Pekidim verdient in keinem einzigen Fall Tadel. Von einem sicheren Wohlstand, der dadurch veranlaßt wird, ist keine Rede. Im Ganzen werden noch hundertfünfzig Seelen unterstützt. Und wer es nicht mehr nötig hat, wird von der Liste gestrichen. Geld wird nicht gegeben. Rur *) Uebersetzung ans dem Amsterdamer „Handelsblad". Mehl. Für Mann und Fräu zusammen 2 und % Rottel (1 Rottel ist ungefähr drei K. G.) im Werte von achtzehn Piaster. Ein Kirrd bekommt je nach Alter ein bis zweieinhalb Kilo. Das ist die berüchtigte Chalüka. V. Ten Pekidim gehört der sogenannte Deutsche Platz. Vierzig Wohnungen, auf dem ZionSberge gelegen, für arme Gelehrte. Die Häuser wurden aus verschiedenen Wohltätigkeitsfvnds erbaut. Aach eine Dhnagoge ist da. Es ist hier noch die Luft, die die gute jüdische Bevölkerung einatmen kann. Wenn der Leser, 'der mir schrieb, nur diesen Platz sehen könnte. Wenn alle anderen Leser ihn doch sehen könnten. Aber auch dieser Platz geht dem Verfall zu. Selbst das geringe Geld, das für Unterhaltung und Ausbesserung nötig ist, wird nicht mehr gegeben. Bon diesen: Deutschen Platz ist immer ein guter und erzieherischer Einfluß ansgegangen. Liber ein verfallener Platz erzieht nicht mehr. Die Kinder werden wild. Ihre Ehrfurcht geht verloren. Sie haben halt nicht mehr das Beste, das Jugend uns geben kann: Erinnerung, die uns jahrelang aufrecht hält. Ein einzrger, unsauberer, verfallener Platz kann uns noch über Jahre hinweg quälen. VI. Hier ist ein altes Frauchen Rosenseld. Ach, das arme Frauchen! Sie wohnt aus dem Platz in erneut ganz kleinen Hänschen. Sic selbst ist so kMn. Ihr Gesicht wie ein Aepselchen. Ganz voller Runzeln. Ihre kleinen, zitternden Hände. L>ie wird dem Leser, der mir schrieb, keine Hand geben. Aber auch den anderen Lesern wird sie keine Hand geben. Weil sie eine fromme Iran ist, die Männern keine Hand gibt. Aber wißt Ihr auch, daß dieses alte Frauchen Rosenfeld früher eine reiche Dame war, die von ihrem, Mann ittls Händen getragen^ wurde, damit ihre Füße keinen Stein berühren? Sic lebten in Ungarn. Als sie alt wurden, gingen sie nach Jerusalem, um da zu leben, friedlich und fromm. Der Mann hat eine Stiftung für den Deutschen Platz gemacht, und daher hat die Frau das Recht, lebenslang in ihrem Hänschen aus dem Platz zu wohnen. Bis Kriegsausbruch erhielt sie Geld ans dem Geschäft, das ihrem Manne eittst gehörte. Da war sie noch ein reiches Krauchen, das gerne Wohltätigkeit ansübte. Nun hat sie seit Jahren feilt gutes ungarisches Geld mehr gefeheit. Und sie tvürde in des Wortes wahrster Bedeutung vor Hunger gestorben sein, wenu die Vertreter der Petioiui ihr nicht ab und zu was zugesteckt hätten. Zum Beispiel wöchentlich Mehl. Genau genommen dürsten sie es nicht tun. Und ich habe die Pekidim darum ersucht. Das alte Frauchen Rosenseld! Bor ein paar Tagen traf ich sie aus der staubigen heißen Jafsaftraße. So weit weg von zu Hause? „Ja", sagte sie zitternd: „von meinen Freunden Sachs bin ich znm Essen geladen, .... alte Bauern, sie wohnen so weit. Seit ein paar Tagen schon habe ich kaum was gegessen: . . . mm habe ich mich aufgemacht, um bei Freunden eine Mahlzeit einzunehmen. Aber ich kann nicht mehr. ES ist so staubig und so glühend." Und wenn unter Euch Lesern jemand ist, der . . . Er soll .mir nur ruhig schicken. Wir wurden alle mal auf Händen getragen. Und Gott allein weiß, wie das Ende unserer Tage anssehen wird. * VII. Noch ein Werk von ungeheurer geistiger Bedeutung wird durch die Pekidirn unterstützt. Vielleicht hätten die Pekidim das Werk in diesen schweren Zeiten nicht beginnen sollen. Aber es ist nun einmal augesangen worden. Ich denke an die K o u k b e ö <r n z der Mi sch nah und des Talmuds von Rabbiner K a s o w s k h herausgegeben. Darüber kann ntan ausführlich in vem „Jewish Chronicle" vom 26. "Mai 1919 lesen. Nach Ueberwindung vieler Widerstünde ist der achte Teil der Mischnah nun sertiggestellt. Jeder wird begreifen, wieviel Jahre so ein gewaltiges Werk beansprucht. Jeder Sachkundige wird verstehen, was es wert ist, und was es heißt: eine gute Konkordanz der Atischnah und des Talmuds. Haben holländische Bibliotheken und Gelehrte sich dieses Prachtwerk schon angeschasft? Die Herausgabe wird unterstützt von einer Kommission, deren Ehrenvorsitzender Herbert Saniuel ist. Es ist zwar Geld zur Herausgabe gegeben. Doch für die Pekidim bleibt es immerhin eine schwere Ausgabe. VIII. Eine der Einrichtungen, die die Pekidim ,rn besseren Zeiten unterstützt haben, ist das Hospital Schaar ei Zedek: Die Pforten der Gerechtigkeit. Das Spital ist eine Deutsch-Holländische Stiftung. Aber deutsches Geld ist wertlos geworden. Und die Holländer? Erst unlüngs ist eine Aktion in Holland unter Leitung des Herrn S. van der Bergh unternommen worden. Aber es ist mehr nötig. Und wenn man nun schon einmal von Lebensnotwendigkeit spricht Schulen sind letzten Endes keine Lebensnotwendigkeit. Und was dem alten Frauchen Rosenfeld gegeben wird, ist schließlich nur eine Lebensnoüvendigkeit für sie und nicht für die ganze Stadt. Aber das Schaarei Zedek ist eine Nottvendigkeii für die ganze Stadt, ja für Gottes ganzes Land. In der Kriegszeit hat dieses Krankenhaus mehr als 2000 an Flecktyphus Erkrankte gepflegt. Wie der Verwalter Herr Jonas Marx, sein Spital über Wasser I hält, ist ein Rätsel. Ein Teil gibt jetzt Amerika. Aber es genügt nicht und ist nur zeitlich. Das Jnsta ich halten dieses Spitals ist wirklich eine Lebensnotwendig keit für die Stadt. Darum dürfen die Holländer die Pekidim nicht in Stich lassen. Und d»e Spital nicht. Und das alte Frauchen Rosenseld nicht. Wie es ja heißt: Wohltätigkeit rettet uns vor Verderbnis. ^xnöexedkeT Moschlach. Von Herta Weglein in Karlsruhe. Klein Ellen war wirklich ein frommes Kind. In der ganzen nächsten Umgebung konnte man kein frommeres finden. Nie vergaß Ellen ihr Morgengebet „maudeh ani" und nie ihr Tischgebet. Keinen Abend konnte sie einschlafen, ohne „hamaloch hagaueil“ gebetet zu haben. Sy kam heute ihr sechster Geburtstag, der gerade auf einen Schabbos fiel. Das freute sie am meisten. Aber auch ihre reizenden Geschenke entzückten sie sehr und nicht viel minder ihre Einladung, die sie am nächsten Tage geben durfte. So ging sie denn abends, nicht ohne ihren Eltern nocheinmal gedankt zu haben, frohgemut ins Bett. Nachdem sie gebetet hatte, schlief sie auch sogleich ein. — Da hatte sie einen sonderbaren Traum. Sie sah sich als Dame in einem schönen Gemache. Sie saß in einer Ecke unter Palmen. Sie war sehr erschrocken, denn irrt Zimmer wurde es auf einmal ganz hell, während es draußen doch schon fast tiefe Nacht war. Da kam aber auch jemand zur Türe herein. Eine Riesengestalt, doch mit milden Gesichtszügen. Und mit wohlklingender Stimme sagte er: „Liebe Ellen, sage mir drei deiner Wünsche und sie sollen in Erfüllung gehen." Da entgegnete sie: „Ich habe keinen Wunsch." Aber mit diesen Worten hatte sie gelogen. Sie konnte die Gestalt nicht mehr ansehen und mußte die Augen zu Boden schlagen. Die Gestalt aber sprach: „So war ich Moschiach bin, so wahr hast du Wünsche. Leugne es nicht ab. Es wäre deine erste Lüge." Und „Moschiach, Moschiach", — rief Ellen, — „du kommst nur zu mir. Geh' und beglücke doch alle miteinander, — sie alle warten so sehnsüchtig auf dich. —" „Zuerst deine Wünsche, später komme ich auch zu deinem Volke und werde ihm die seinigen gewähren", ries nun Moschiach. „Gut, erwiderte Ellen, „ich will dir meine Wünsche sagen. Es sind: Gesundheit, Frohsinn und langes Leben meiner Eltern." „Amen" — sagte Moschiach, — „es sind gute Wünsche. Sie werden in Erfüllung gehen." Mit diesen Worten verschwand er. Alles war wieder so wie vorher. Da aber wachte sie auf. Lächelnd stand die Mutter vor ihrem Bettchen. „Nun Ellen, mein Kind, willst du nicht aufflehen. Sieh', schon scheint die Sonne golden zum Fenster herein, und die Vögelchen zwitschern ihr Danklied hinauf in den Himmel, hinauf zum lieben Gott. Stehe nun auch du auf und sprich dein „maudeh ani." „Ach Mama, Muttchen, ich hübe ja so schön geträumt." „Von von was denn mein Liebling", fragte die Mutter. „Vom Moschiach, Mama, denke, vom Moschiach." Als Ellenetn großes Mädchen war, war es als wären die Wünsche wirklich in Erfüllung gegangen. Konnte man sich überhaupt einen heitereren Menschen denken als Ellen? Den ganzen Tag sprang und sang sie. Unermüdlich ging es treppauf, treppab. Ihre Eltern durfte sie noch lange Jahre pflegen. Sie selbst erreichte ein hohes Alter und starb beweint und beklagt. Die Lösung des hebräischen Rätsels in Rr. 89 lautet: (Reis) niK* (Zeder) HN- Richtige Lösungen sandten ein: Arthur Goldberger, Nürnberg- S. Ottmann, Gladbeck t. W.; Hermann Bloch, Wien- I. Süßholz, Bad Ktsstngeri; Markus Gerstel, Wetzlar,- I. H. Tempelhof, Köln: C. Wertheim, Hardheim; H. Stern, Hruschau; Joses Oppenheimer, Frankfurt a. M.

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