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Der Israelit · 1922-08-03 · Heft 31 (3.8.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 31 (3.8.1922)
Date
1922-08-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 81 3. August 1939 Der JS rsettt geschichtlichen Entwicklung eS im Wesen der jüdischen Religtonsgemetmchaften ebenso wie der christlichen deutschen Kirchen begründet sei, der Not der Armen, Kranken und Waisen ohne Rücksicht auf ihre ReligtonS- und Konseisionszugehörigkeit abzuhelstn; auch andere als christliche Religionsgemeinschaften hätten sich dem christlichen Charakter hinsichtlich der Liebestätigkeit an Bedürftigen anaepatzt . . Die Folgerung, daß zufolge dieser geschichtlichen Entwicklung die Krankenpflege schlecht in nunmehr zu den bestimmungsmäßigen Aufgaben der jüdischen Gemeinde gebäre, konnte auch ohne ausdrückliche Aufnahme dieser Aufgabe in die gesetzlichen oder satzungsrnäßigen Bestimmuttgett getroffen werden, besonders wenn deren Fassung an und für fich schon die Krankenpflege unter die zn verfolgenden Zwecke oufgenommkn Hatte, ohne sie auf die eigenen Glaubensgenossen zu beschränken. Denn, dann bedurfte eS, selbst wenn früher eine solche Beschränkung tatsächlich geübt wäre, nach der Veränderung der Anschauungen zufolge der geschichtlich' n Entwicklung keiner Gesetz- oder Satzungsänderung u Die „Juristische Wochenschrift" bemerkt in einer Fußnote zu dieser Veröffentlichung zutreffend : „Diese in iher Tendenz nur zu billigenden Ausführungen bedürfen nur in dem Punkte euer Ergänzung, welche die sogenannte Anpassung der jüdischen an die christliche Liebestötiqfctt betrifft. Diese Ausführungen sind historisch insofern unrichtig, als die eigene jüdische Auffassung, noch ehe es eine christliche gab, auch die Pflege Andersgläubiger 'verlangte. Man konnte also mit Fug eher von einer Anpassung der christlichen Ideen an die jüdischen sprechen. Noch richtiger wäre es, den Begriff de^ sogenannten christlichen Liebest ätigkeit ein für allemal fallen zu lassen. Die Liebestätigkett ist kein besonderes Kennzeichen der christlichen Kirche, sondern wird von allen Kirchen- und Reltgionsgesellschaften, wie das Urteil ftststeüt, in gleicher Weise geübt. Man spreche also von kirchlicher Llebestätigkeit im Gegensatz zur weltlichen." Voten. ZuSenoettolaungen In linttowib? ZSrestau, 11. Juli. In Kattowitz sind die Judenverfolgungen in den letzten Tagen wieder stärker aufgetreten. Die polnische Polizei vermochte die Ruhe erst nach Abgabe einer Salve in die Luft wieder herzustellen. Die jüdische Fraktion des polnischen Lantages hat eine Interpellation wegen dieser Vorfälle eingebracht. Ungarn. Der Kampf zwilctien Beias und der ungarifdien Regierung- — €in neuer Prozeß- Budapest, 30. Juli. Wegen seiner Renommierrede, in der sich Hejas als „Blitzschlag für Budapest" angekündigt hatte, hatte sich dieser ungarische Patriot vor dem Bezirksgericht gestern zu verantworten. Nach seiner Vernehmung erklärte sich der Gerichtshof für unzuständig, da es sich nicht um eine bloße Uebertretung, sondern um das Verbrechen der Aufreizung zum Aufruhr handelt. Zuständig sei daher der Staatsgerichtshof. Drei der schlimmsten ungarischen Judenmörder steheu zur Zeit vor dem hiesigen Staatsgerichtshof: Dobe, Sipos und Becker. Die Angeklagten hatten zum Zwecke der Erpressung den greisen jüdischen Weinhändler Wolf Landau und dessen Sohn in eine Kaserne verschleppt und den alten Landau solange den furchtbarsten Torturen unterworfen, bis er fich in seiner Zelle erhängte. Die Verhandlung dauert an. gvankvzidj. Vereinigung iüdifdier Akademiker. Slraßvurg, 10. Juli. Die hier unter dcm Namen „Ahawas Reim" bestehende 33. I. A. erstattet ihren Bericht über das zweite Jahr ihrer Tätigkeit. Durch vier regelmäßige Schlimm war dte Vereinigung bemüht, das Thorawiffen ihrer Mitglieder zu erweitern und zu vertiefen. Daneben fanden wahrend des Winters alle 14 Tage Zusammenkünfte statt, die durch wissenschaftliche Bortrage mit anschließender Diskussion für die religiöse Festigung nutzbar gemackt wurden. Besonders bemerkenswert war dt:e öffentliche Veranstaltung der V.J.A., in der Herr Dr. B. Eohn, der bekannte Astronom, die Theorie der Einstetn'schen Relativitäts-Lehre entwickelte. Die Vereinigung besitzt eine Bibliothek, die allerdings noch des Ausbaues bedarf. In feierlicher Weise wurde der 15. Schwat begangen, ein Shmbol für die Hoffnung, daß auch dem in geistig-religiöser Hinsicht so ziemlich dem Winterschlaf verfallenen französischen Judentum eines Tages wieder der Frühling blühen wird. (fBnglattfc. Tlatfi der Benäügung des mandaies London, 26. Juli. Die „Times" veröffentlicht einen Leitartikel, worin sie. sich in ziemlich wohlwollender. Weise sowohl über das Mandat selbst, als über die jüdisch-nationale Heimstätte ünhert. Durch die neuesten Erklärungen der englischen Regierung und durch das Weißbuch seien die früheren Bedenken gegen die Politik der Regierung beseitigt. Das Blatt sagt: Tic Zionistische Organisation hat sich verpflichtet, sich von der Einmischung in die Verwaltung sernzuhalten, und diese Verpflichtung ist ein Gegengewicht gegen die politischen Tendenzen des Zionismus, der begonnen hatte, eine ernste Gefahr darzustellen. Für die Entwicklung eines Zionismus, den man geistig und kulturell nennen luiU, ist Rann, genug getayen. Das Mandat hat jetzt formelle Sicherungen für die Interessen der mohammedanischen und christlichen Landcseinwohner geschaffen und sieht für sie ein Berufungsgericht vor, sollten sie jemals ihre Rechte oder Privilegien geschädigt finden. Das ist zum guten. Es ist jetzt nötig, die britische Verwaltung in Einklang mit der umschriebenen Aufgabe zu bringen. Die Verwaltung muß absolut unparteiisch sein und über allen lokalere .Konflikten stehen, sie muß britisch sein und ihre Ausgabe einzig und allein vom -Standpunkt der Interessen des britischen Reiches ansführen. Unser. Bedenken gegen die hohen jüdischen Beamten in der britischen Verwaltung in Palästina beruht nicht ans Beschwerden gegen Einzelpersonen, sondern ans der Tatsache, vast die Z r o n i st c n in Palästina jüdische A b st a m m n n g nicht als Sache der Religion, sondern als Nationalität betrachten, und es daher für das britische Prestige notwendig ist, das; die Frage der Nationalität (Staatsbürgerschaft) britischer Beamten von den Einwohnern in keiner Weise in Zweifel gestellt werden kann. Im Uebrigen obliegt es allen, die mit dem Experiment, zu depen Ausführung wir nun endgültig verpflichtet sind, zu tun haben, alles in ihrer Macht Stehende zu Unternehmen, um es zum Segen des Landes zu einem Erfolg zu machen, in dem sie Zusammenarbeiten und Frieden halten. Eine neue Aera unter klareren Bedingungen hat jetzt begonnen und ernste Unruhe kann vermieden werden, wenn die Bedingungen genau beobachtet werden. Beachtenswert ist, wie sehr auch für die englische Auffassung das durch den Zionismus herbeigeführte Zurücktreten des religiösen Momentes vor dem nationalen, die Stellung der Juden erschwert', in der Aeutzerung der „Times" tritt gerade dieser Gesichtspunkt so. klar hervor, ivie es bei den Ennnziationen der durch politische Rücksichten gebundenen offiziellen Stellen natürlich niemals der Fall sein kann. AtttevMa. Nulirslien als 6inman8erungssebie!- Aew-V»rk, 14. Juli. Der „Heörew Standard" weist darauf hin, daß jüdische Auswanderer in Australien gute Ausnahme finden. Wie überall, sind es selbstverständlich landwirtschaftlich geschulte Elemente, die die beste Aussicht auf Fortkommen haben, während in den großen Städten die Erwerbsverhältnisse schwieriger find. vom amerikanilcken itefarmiudenfum- Wew-YorK, 7. Juli. Die amerikanischen Reformrabbtner haben in ihrer letzen Jahreskonferenz den kühnen Entschluß gefaßt das Gebetbuch, auch das reformierte, ganz abzuschaffen. Jeder soll im Tempel nach eigener Eingebung beten. Für die Erfindungsgabe der Herren Reformrabbiner eröffnet sich damit ein reiches -Betätigungsfeld. Eine neu. Hilfstruppe mit starker Einbildungskraft hat die Jahreskonserenz gleichzeitig für den rabbinischen Stand allerdings erschlossen, indem sie feierlichst die Zulassung weiblicher Rabbiner approbierte. Man verspricht sich zunächst jedenfalls einen starker Zulauf in denjenigen Reformtempeln, in denen erstmals ein weiblicher Rabbiner die Kanzel besteigen wird. Die Frauen sollen übrigens fortan nicht nur Rabbiner werden können, sondern auch Vorbeter und — Schamoschtm. Düse hemmungslose Entwicklung des amerikanischen Reformjudentums bis znr Farce kann im Grunde nur als erfreulich begrüßt werden. Denn der Gesundungsprozeß, der ja bereits seit einer Reihe von Jahren eingesetzt, und der die Reform doch bereits in weitesten Kreisen diskreditiert hat, wird auf diese Weise sicherlich nur beschleunigt werden. Jüäifcfie Farmer in Amerika- Wew-Norck, 15 Juli. Als die Jüdische landwirtschaftliche und industrielle Hilfsgesellschaft (Jewish Agricultural und industrial Aid Socie/y) in New-I)ork vor 22 Jahren ins Leben gerufen wurde, gab es in den Vereinigten Staaten 216 jüdische Farmerfamilien. Die jetzt in drr Landwirtschaft tätige jüdische Bevölkerung übersteigt die Zahl von 60000; die im Besitz jüdischer Farmen befindliche Anbaufläche belief sich im Jahre 1900 auf 12 029 Acres, heute, wo es in jedem Staate jüdische Farmer gibt, auf über 1000000 Acres im Werte von 100 Millionen Dollars. Im letzten für die Landwirtschaft doch so ungünstigen Jahre wurden jüdischerseits 364 Farmen neugegründet, darunter 190 mit Hilfe von Darlehen der oben genannten Gesellschaft, die zur Information ihrer Glaubensgenossen den „Jewish Farmer", das einzige landwirtschaftliche Blatt der Welt in Jiddisch, veröffentlicht. Die Bille des amerikanifcfien Volkes für Rußland. Washington, 20. Juli. Nach einer Erklärung des amerikanischen Handelssekretärs und Vorsitzenden der amerikanischen Hilfsadministration ARA, Herbert Hoover, hat das amerikanische Volk bereits 59.498.000 Dollar zur Linderung der Hungersnot in Rußland beigesteuert. Davon stammen 177- Millionen allein aus Quellen der ARA. Der amerikanische Kongreß bestimmte die Summe von 19.300.000 Dollar für Roggen- und Weizentransporte nach Rußland und weitere 4 Millionen Dollar für medizinische Hilfe in den Hungergebteten. Das amerikanische Rote Kreuz hat 3.600.000 Dollar für Medikamente gespendet. Das amerikanisch-jüdische Joint Distribution Komitee hat bisher 2.325.000 Dollar in seiner Hilfsaktion in Rußland und in der Ukraine ausgegeben. Aus dem weiteren Bericht Hoovers geht hervor, daß 140 Schiffe mit insgesamt 738.878 t. Lebensmitteln und Medikamenten von Amerika nach Rußland abgegangen seien und daß gegenwärtig 3.250.000 Kinder und 5.300.000 Erwachsene von der ARA-Administration bespeist werden. Die gesamte Aktion der ARA in Rußland und der Ukraine wird von 200 Amerikanern und 80.000 örtlichen Hilfskräften durchgeführt. 15.700 Küchen und Speiseanstalten werden von der ARA in Rußland aufrecht erhalten. Hoover sprach sich über die Aussichten in Rußland recht optimistisch aus. Nach seiner Ansicht kann die Hungersnot kontrolliert und die Abwehraktion geregelt werden, obwohl die jetzige Ernte nicht ausreicht und die landwirtschaftliche Tätigkeit noch lange nicht ihren früheren Stand erreicht hat. Ueber die besondere Lage der Juden im Hungergebiet schreibt Hoover: Das unsagbare Unglück wird wahrscheinlich in oen Städten besonders unter den jüdischen Gemeinden, fortdauern. Als Folge der verstärkten Bevölkern ngsbewegu ngexistieren

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