Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1922)
- Date
- 1922-07-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Gelte 3 Nr. 29 t »er HLraeltt. 20. Juli 1938. Jewish Chronicle nennt das einen „Widerruf de rBalfour-Erklärung", dem Geiste, wenn auch nicht dem Wortlaute nachdieses Dokument sei, wenn die ihm jetzt gegebene Interpretation die ursprünglich beabsichtigte sei, nicht sowohl ein „Werk derUebertreibung, als ein betrügerischer Anschlag, dessen Wirkungen jedem fühlenden Wesen hätten klar sein müssen". Zur Begründung dieser heftigen Anklage gegen die englische Regierung beruft sich das Blatt auf das mehrjährige Schweigen der englischen Staatsmänner zu allen zionistischen Uebertreibungen, auf Herbert Samuels Londoner Abschiedsrede, die den Sinn der Balfour-Deklaration in die Worte nxsn zusammenfaßte, und auf Lord Robert CeeilS scharf geprägtes Wort von der Rückgabe Arabiens an die Araber, Armeniens an die Armenier und Judäas andie Juden. Jewish Chronicle vergißt aber ganz daß schon drei Monate nach dem Beschluß von San Nemo Lord Curzon als Außeminister im Obrrhaufe Erklärungen abgab, die ziemlich genau dem Weißbuch von heute entsprechen und die jedenfalls ernster zu. nehmen waren, als die poetischen und rethorischen Floskeln, mit denen in Volksversammlungen und aus Abschieds banketten die Stimmung gehoben zu werden Pflegt. Entscheidend ist jedoch eine Enthüllung, die vor kurzem „Achad hachm" in der Vorrede zur hebräischen Neuausgabe seiner Werke gemacht hat und die wir in ihrem kurzen tatsächlichen Teil hier wiedrrgeben: „Die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" *) — das ist der Text des Versprechens, das die englische Regierung uns gab. Aber das ist nicht der Text, den die zionistischen Vertreter ihr vorgeschlagen hotten. Sie wollten, daß es heißen solle: „DieWied ererrichtung Palästinas als nationaler Heimstätte des jüdischen Volkes" **). Als jedoch die glückliche Stunde kam, in der die Deklaration von der Regierung verbrieft und gesiegelt wurde, da fand sich darin statt dieses letzteren der oben gebrachte Text. Es war also der Hinweis daraus gestrichen, daß wir kommen, um unser altes nationales Heim von neuem zu erbauen (re). Und zugleich stand statt der Worte „Errichtung Palästinas als nationaler Heimstätte" der Ausdruck „die Errichtung einer nationalen Heimstätte i n Palästina". Die Kundigen begriffen sofort, daß sich dahinter etwas verbarg. Aber einige meinten, hier liege nur eine stilistische Veränderung ohne besondere Absicht vor, und deshalb versuchten sie später einige Male, wenn sich in den VerhandlungenmitderRegierungetneGelegenheit dazu bot, das Versprechen in ihren Text zu übersetzen, als ob sich nichts daran geänderthätte. Aber jedesmal, wen» sie so handelten, *) Englisch: The etablishment in Palesfine of a national home for the Jewish people. **) Englisch: The re-etablishment of Palestine as the national home of the Jewish people. Mischezur Reisezeit Bon A. Mannheimer in Dettelbach. (Schluß). Eine generelle Mahnung der Weisen für, den jüdischen Reisenden lautet: hjsd nptrc nwin *?3, Alle Wege sind gefahrvoll. Draußen bedürfen wir doppelt des göttlichen Schutzes. Man denkt da unwillkürlich an die Steine und Dornen, die ein^ wenig freundlich gesinnte Um- und Mitwelt dem Juden allerwärts und allzeit in seinen Lebensweg streute. Darum wendete der Jude beim Abschied vom lieben Heim das Auge nach oben und verrichtete ein inhaltvolles Reisegebet: -pm rbtTi. „Friedlich dahinschretten" möchte er, sein Ziel erreichen, zum Leben, zur Freude, zum Frieden, unbehelligt von jedem Feind und Wegelagerer, Gunst und Erbarmen finden in den Augen Gottes und aller Menschen-. Ob man in anderen Kreisen wohl ein ähnliches Gebet aufzuweisen hat'? Man rufe sich obige Gedankengänge in die Seele, wenn man die cbronique scandaleuse der TageSpreffe überfliegt und »»an dürste den tiefen Gehalt der "pnn JftBJi et fassen. Der Abschied vom Hause, von Weib und Kind hatte etwas Ergreifendes, Feierliches. Die Zurückbleibenden kleideten ihre, Herzenswünsche in die Segensworte des jüdischen Priesters: „Ti “jro, Gott segne und behüte dich. Cr lasse sein Angesicht dir leuchten und begnadige dich. Der Ewige wende sein Angesicht dir zu und gebe dir Frieden". Der „Segen" allein macht es nicht- ' fanden sie kn der Antwort der Regierung die Wiederholung des in der Deklaration selbst Enthaltenen. Dies zeigte, daß es sich hier nicht nur um eine Redewendung handelte, die man so oder so formulieren konnte, sondern daß das Versprechen in Wahrheit durch diese Formel begrenzt ist: bis hierher und nicht weiter." Es ist demnach bis zur Evidenz klar, daß nicht nur die kritische Oeffentlichkett, nicht nur die mißtrauische Orthodoxie, sondern vor allem die zionistischen Eingeweihten völlig im Klaren über das Maß des Erreichten waren, und daß sie allein die Verantwortung trifft, wenn statt nüchterner Erkenntnis der — durchaus nicht trostlosen — Wirklichkeit die Nebel einer trügerischen Geula-Stimmung sich über die Gemüter der jüdischen Massen in Ost und West lagerten, wenn das Arabertnm bis zum wilden Hasse gegen den seine Position im Lande angeblich bedrohenden Eindringling entflammt wurde. Die Schwierigkeiten, die durch die politische Unreife der Zionisten, durch die auf Augenblickseffekte eingestellte kurzftistige Rampenpolitik der zionistischen Akteure erzeugt wurden, können — wenn überhaupt — nur auf demjenigen Wege gutgemacht werden, den die englische Regierung und Herbert Samuel jetzt eingeschlagen haben. Die Bulfour-Erklärung, die niemals hätte plakatiert werden sollen, behält ihren moralischen Wert als Bekenntnis eines hochgestimwten Gnstes, wenn man sie im Vertrauen auf den Weltenlenker still in den Lauf des geschichtlichen Geschehens hineinsenkt und inzwischen — im Geiste der Mizwas Jischuw Erez Jisroel ohne politische Nebenabsichten arbeitet. Wie sehr auch, dank dem lärmenden zionistischen Ungeschick, die jüdische Einwanderung nach Erez Jisroel von der gewählten Einwanderungs-Kommission anfänglich erschwert werden mag, die Rücksicht auf das eigene wirtschaftliche Wohl wird die Araber, sobald sie keine politische Unterwerfung mehr befürchten, doch allmählich dem friedlichen Zuzug jüdischen Kapitals und jüdischer Arbeit geneigt machen, und das von England der ökonomischen Entwicklung erschlossene Erez Jisroel wird sehr wohl — nicht durch den politischen Zionismus, fort* dein ungeachtet des politischen Zionismus — der Schauplatz blühenden jüdischen Geistes- und Wirtschaftslebens werden können. Das jüdische Volk, wir sprechen es heute — da gewiß nichts mehr zu verlieren ist — kühnltch aus, bedarf nicht des künstlichen Kitzels nationaler Machtenfaltung oder Pseudostaatlicher Attribute um seinem ihm von Gott zum ewigen Erbe verliehenen Lande Herz und Hand zu weihen. ihm mutz auch der Schutz sich zugesellen und der Frieden. Tiefer Lebensernst, innige Liebe und freudiges Gottvertrauen klingt aus solchem Abschiedsgruße. Prof. Oppenheim har eine solche Szene in seinem Bilde „Der Dorfgeher", feftgehalren. Es mag bemerkenswert sein, daß man der rbs>n “■pvr gerade Verse aus der Geschichte Jakobs anfügte. Uns scheint dies nickt Zufall und Willkür. Spielt doch die ganze und letdvolle Geschichte Jakobs iu ihren Hauptmomenten „unterwegs". Unterwegs mußte er übernachten und träumte von der Himmelsleiter; unterwegs ereilte ihn Laban, traf ihn Esau wieder - unterwegs starb ihm Rachel, kam ihm Josef wegunterwegs fand er diesen Sohn einst wieder, beim Aufenthalt in Aegypten fühlte sich Jakob nur wie unterwegs. Das heilige Land mit der Höhle Machpela war das Ziel seiner Sehnsucht, seines Lebens. »pyo 222b |ö’D ms«, Der Ahnen Geschicke sind ein Wahrzeichen für die späten Enkel. Wir befinden uns auf jahrtausendelanger Wanderschaft — »u brr »uv i3bnn»r inn Dp brr N3^DVD". und werden einst den Weg zurückfinden ins Värerland. Als praktische Verhaltungsmaßregeln dürfen wir folgende Dlahnungen beherzigen, ms: mp DL p'vs' rrb. Man mache nicht allzugroße Schritte, sie rauben uns ein Fünfhundertstel des Augenlichtes; doch auch allzukleine Schrittchen vermeide man, blv 132 2,1p, die Ferse an die große Zehe zu setzen. Solches Getrippel offenbart Stolz und Hochmut, nm nw;. Herumwerfen der Blicke tadelt schon Salomo in feinen Sprüchen (Kap. 6, 17). Wenn möglich, kehre in die altgewohnte Herberge ein, »vie es 22»38 D7N38 tat. Tritt zum Uebernachten iu eine Stadt ein, wenn noch Tag ist und verlasse auch den Ort erst, wenn es hell ge- Die Geldmittel, die der Zionismus mit diesen Stimularitien und trotz ihrer, nicht für seinen „Keren hajeßod" herbeizuschaffen vermochte, werden leichter, sicherer und reichlicher fließen, wenn nicht eine in politischem Nationalismus und völkerrechtlichem Flitterfchmuck brillierende zionistische „Jewish Agenoy“, sondern alle jüdischen Gruppen, jede in ihremGetste und dem Zuge ihres Herzens folgend, Tag und Nacht Jerusalems in Wort und Tat gedenken. Daß es endlich in Erez Jisroel keine jüdische „Staatsbürgerschaft", sondern lediglich palästinensische Staatsbürger jüdischen Glaubens und jüdischer Nationalität geben soll, muß jeder tiefer Schürfende als einen durchaus weisen und für die Diaspora-Existenz der Juden heilsamen Entschluß begrüßen. Noch winkt uns keine jüdische Staatlichkeit, die Gott allein erbauen kann und wird — der lügnerische Schein aber solchen staatlichen Glanzes wäre das schwerste Unglück, das der in alle Winde verstreuten jüdischen Diaspora begegnen könnte. So erscheint uns denn das englische Weißbuch eine durchaus heilsame Arznei zu sein, die den jüdischen Volkskörper nach jahrelanger zionistischer Betäubung auf den Weg zur Gesundung zu führen vermag. Aber eine neue Gefahr ergibt sich aus der so geschaffenen Lage,, die Gefahr nämlich, daß die nach vollzogener löblicher Unterwerfung nach außen vielfach eingeengte zionistische Expansionskrast sich umso stärker nach innen geltend macht und so — in Erez Jisroel sogar mit Hülfe der staatlichen Organe — eine Aera noch heftigerer Kämpfe im Innern der Judenheit heraufbeschwört. Darüber noch ein kurzes Wort. Wochemundschau. Me SrganisatioiMage in Preußen. Verhältnismäßig reibungslos hat sich vor wenigen Wochen die Gründung zweier preußischer Gemeindeverbände, eines religiös-neutralen unter Führung der Berliner Jüdischen Gemeinde, und eines gesetzestrruen unter Führung von Halberstadt, vollzogen, und es gilt nun in den nächsten Wochen, die nötigen Unterlagen Vonseiten sämtlicher Gemeinden zu beschaffen, die vom Staate gefordert werden, um einen entsprechenden Betrag an Staatszuschüffen in den Haushaltsplan für 1923—24 einstellen zu können. Diese Staatszuschüsse werden zwar verhältnismäßig nicht sehr bedeutend sein, und es ist deshalb einigermaßen worden. H23D DipD2 tidsp bn, Meide gefahrvolle Orte und fordere das Schicksal nicht heraus, pty.y p8 8öp dj 'h, vielleicht erweist man dir kein Wunder. "]b» 8^ 33-0 d»13ö 81NIN3 pwa, Betritt die Straße nicht mit parfümierten Gewändern, dulde aber auch keinen Schmutz auf deinen Kleidern. Besonders stark verübelt wird dies dem n"7i, dem Thoragelehrten- KXöitP n"r “3TD 2”n YT22 bp 22"i, er begeht ein todeswürdiges Verbrechen, indem er in seiner Person die Würde der Thora erniedrigt. Er zeige sich auch nicht in ausfallend geflickten Schuhen, »k'jd >22 bv Riester auf Riester. Die würdige Kleidung verschafft dir Respekt - >82N2v k?iD 832 '8vv> 8!D2, im Heimatsorte tuts der gute Name, in der Fremde müssen es die Kleider machen (Talmud, Sabbat). Menschlich klug handelt der, welcher nie ohne Proviant mitzunehmen, sich auf den Weg macht. ,/r6 “pBJ32 “irrrw 8N2'8b npSc, Sobald du auf die Reise gehst, habe eine Mahlzeit in deinem Gewände. Selbst wenn man die hundert Kürbisse um einen ra erstehen könnte, sollst "du dein Essen bei dir führen (Talm. Pesachim 113 a). Wer ist gefeit gegen plötzlich eintretende Schwäche? Und könnte man nicht auch einem unterwegs Verunglückten mir Speise und Trank zu Hilfe kommen? Gastfreundschaft anzunehmen ist trotzdem gute altjüdische Sitte. Man ist im Talmud jedoch darüber geteilter Meinung, nsn uwi, nur6nxnn Dm» n:,n» W mjr?^ (Berachot lö). Man kann es mit dem Propheten Elisch halten, der sich gastlich bei der Sunamit niederttetz-Äber auch mit Samuelder Gastfreundschaft für seinePerson verschmähte. Jüsbesondere soll es der Gelehrte vermeiden, von einem Unwissenden Gaben anzunehmen. Rabbi Eleasar hat sowohl die Geschenke als die Einladungen des Wlsfürsteri ab-