Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1922)
- Date
- 1922-07-13
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 13. Vrr. iS - welcher Weise rabbinische Führer bekämpft. Auf keinen Fall aber würbe sich das Landeskomitee berechtigt fühlen, einem Großen in Israel vorzuwerfen, daß er „durch politische Sonderaktioonen die einheitliche Organisierung der jüdischen Gemeinden hindert: und den friedlichen Aufbau des heiligen Landes aufs schwerste gefährde", wie jetzt die „Jerufalem^OrganisaLion" Rabbi Sonnenfeld und.seinen Freunden gegenüber in ihrer Entschließung zu tun es nicht scheute. Das heißt die Würde der Thora auch in gesetzestreuen Kreisen entweihen. Die betreffende Resolution wurde am 28. Adar von der Mehrheit des Landeskomitees gefaßt. Anwesend waren 4 Rabbiner, oie das Formulieren einer solchen Entschließung nie zugegeben hätten, wenn durch diese auch nur im entferntesten die Würde eines rabbinischen Führers verletzt worden wäre. Uebrigens sollte das Landeskomitee, welches sich aus Vertretern aller Schweizer Ortsgruppen konstituierte, als eine von den Mitgliedern gewählte Körperschaft wenigstens soviel Vertrauen genießen, daß keines seiner OrganisaliöttImttglieder sich unterfängt, auf n i ch t st a t t h a f t e in Wege seine Führer einer „zersetzenden, unverrntrvortlichen Kampfesweise" zu zeihen. Herr Pr. M. Cohn, sowie Herr Rakowsky, der als Präsident der „Jerusalem-Organisation" in Basel für die Veröffentlichung des in Form und Inhalt unberechtigten Mißtrauensvotums gegen das Landeskomitee der Agudas Jisroel in der Schweiz mitverantwortlich gemacht werden müssen, sind beide Mitglieder der Agudas Jisroel-Organisation in Basel. Herr Rokowsky gehört sogar dem Landesverband der Agudas Jisrvel an. Herr Dr. M. Cohn und seine Anhängsr spielen in diesem bedauerlichen Falle die traurige Nolle jener Menschen, die im Kampfe zwischen Pflicht und Neigung schwanken. Die Neigung des Herrn Dr. Cohn und seiner Freunde ging dahin, gegen den guten und konsequenten Willen des Landesverbandes, auf einheitliche Wahrung der Interessen der unabhängigen Orthodoxie in Palästina zu dringen, Sturm zu laufen. Ihre Pflicht wäre es aber gewesen, einig für die Erreichung dieses Zieles mit einzustehen, solange sie noch als Mitglieder der Agudas Jisroelbewegung zur Organisation gezählt werden. Im Interesse der Aufrechterhaltung von Disziplin schon hätte meines Erachtens jedes Mitglied die Pflicht, sich einem Mcwjritätsbeschluß zu fügen, wenn dieser sich auch gleich seiner Privatmeinung entgegenstellen sollte. Auf keinen Fall erscheint aber ein öffentliches Protestschreiben in solcher Form gerechtfertigt. Aus der Art, wie Herr Dr. M. Cohn und seine Anhänger Vorgehen zu müssen glaubten, spricht wenig Sinn für die Pflege für Achdus und Areiwus. Sobald bei den Mitgliedern einer Bewegung die Gefühle der Gemeinschaftszugehörigkcit und Verantwortlichkeit nicht in umfassendem Maße vorhanden sind, mangelt die Voraussetzung, welche jede ersprießliche soziale Tätigt;ir bedingt. Jetzt möchte ich Herrn Dr. Cohn nur iroch an seine Erklärung erinnern, die er anläßlich der Reorganisation der „Jerusalem-Organisation in der Schweiz" am 28. Jjar im „Israelitischen Wochenblatt" publizierte. „Es sei besonders hervorzuheben", lesen wir dort, „daß die „Jerusalem-Organisation" in keiner Weise anderen Organisationen entgegenzutreten beabsichtigt, sie nimmt ihnen vielmehr eine Arbeit ab, der sie sich momentan infolge ihrer politischen oder anderweitigen Inanspruchnahme nicht widmen können und wollen." Nachdem nun die „Jerusalem-Organisation" in geradezu unkorrekter Weise dem berechtigten Vorgehen des Landeskomitees der Schweizer Aguda entgegen zu wirken strebte, stellt sich dieses Versprechen, als eine inhaltslose Redewendung heraus. Man möge bedenken, daß keine Tat, und wäre sie noch so erfolgreich als vollkommen gelf'lM r ~ ~ ■ ■ - —M - - ten kann, wenn sie nach irgend einer Seite hm Lebenswerte schädigt. Wer Agudas Jisroel nicht als die Organisation auffaßt, >auf deren Basis zu firrden ist, was wir als echte Jehuoim er*** streben und suchen, der hat Sinn und Bedeutung unserer Bewegung entschieden verkannt. Ben Jose p h. NB.: Sollte die wiedergegebene Meinung eine irrige fein, so stehen diese Spalten für eine Entgegnung jederzeit offen. (Anmerkung des RedakttonskomitsLs.) Zürich. Das RedakLionskomitee bittet die Mitglieder unserer Ortsgruppe um gesl. Zusendung von Berichten uno Abhandlungen. Ans der deVegrmg. Frankfurt a. M. Die hiesige Orts- und Jugend- Gruppe veranstaltet anläßlich der AiUvesenheit einiger Führer der polnischen Landesorganisation oer Agudas Jisroel einen öffentlichen Vortragsabend, an welchem nach einer Begrüßung durch Herrn Jacob Ros fenheim, Herr Ratmann Kirfchbraun aus Warschau in einem groß angelegten Vortrage zunächst seinem Bedauern darüber Ausdruck verlieh, daß eres noch nötig habe, für die Gedankenwelt der Agudas Jisroel bei den in Frankfurt weilenden Ostjuden werben zu müssen, während es im eigentlichen Osten selbst eine Selbstverständlichkeit ist, daß der bewußte orthodoxe Jude mit Stolz und Freude zur Agudas Jisroel zähle. Hieraus gab der Redner einen imposanten Üeberblin über die Tätigkeit der polnischen Agudas Jisroel und vertrat energisch den Standpunkt der völligen Selbständigkeit derselben mit Ablehnung des Zionismus, von dessen misrachistischer Fraktion der Redner die Ginsicht erhoffte, daß sie ihren natürlich gegebenen Platz innerhalb der Aguda finden werde. Mit Anlehnung an die Eröffnungsrede von Herrn Rabbiner Tr. Breuer aus der Kattowitzer Tagung schloß der Redner seinen inhaltsvollen Vortrag mit einem begeisterten Apell an die anwesenden indifferenten und lauen Gesinnungsgenossen, ihre Kräfte dem großen Gedanken der Agudas Jisroel zu weihen. Der sichtlich starke Eindruck, den der Redner durch seine Ausführungen auf das Publikum machte, wird sicherlich ferne Folgen im Agudoleben unserer Ortsgruppe erweisen. Hatverstadt. Am 30. Mai fand die ordentliche General-Versammlung der hiesigen Ortsgruppe der Agudas-Jisroel unter zahlreicher Beteiligung statt. Unser verehrter Vorsitzender, Herr Rabbiner Dr. L ch l e s i n g e r berichtete über die Tätigkeit im abgelausenen Jahre und legte dar, daß der Vorstand es zunächst als feine Ausgabe betrachtet habe, die Mitglied er-Beitrüge dem gegenwärtigen Stande des Geldes entsprechend zu erhöhen. Zn üiesein Bestreben fand er fast allseitiges Verständnis und 'Entgegenkommen unserer Mitglieder, wie sich aus dem Bericht des Kassierers ergibt. Für die innere Erstarküng der Ortsgruppe wies er auf eine Reihe von Vorträgen hin, die im Laufe de» vergangenen Jahres gehalten worden waren und die zum Ziele hatten, den Gedanken von der Notwendigkeit der Agudah in unseren Kreisen und insbesondere in den Kreisen der Jugend zu vertiefen. Andere Vorträge hatten zum Gegenstand die Tätigkeit der Agudoh in ihren einzelnen Zweigen zur allgemeinen Kenntnis zu bringen. So referierte Herr Rabbiner Tr. Moses Auerbach über die Ziele und Ausgaben des Keren H a j i s ch u w. Herr Rabbiner Tr. I. Auerbach entwickelte in einem groß angelegten Vortrag das Verhältnis der verschiedenen orthodoxen Organisationen in Deutschland zu einander. Herr Rabbiner Tr. Neuwirth berichtete über seine Reiseeindrücke in der Tschechoslowakei. Der Vortrag unseres Vorsitzenden hatte zum Inhalt, eine Darlegung über die Zeitschrisren-Literatur der Agudoh in den einzelnen Ländern und ihre Bedeutung für die Verbreitung des Agudoh-GedankenS. Herr G. G o l d s ch m i d t hatte einen eingehenden Bericht über die Frankfurter Telegierten-Tagung gegeben. Herr cand. med. Falk Schlesinger aus Berlin hatte über Sozialhygiene im Judentum gesprochen. Herr Rabbiner Tr. Frankl hatte als Einführung in einen allwöchentlich stattfindenden -vyv der Jugendgruppe zwei Vorträge über gehalten. Der Vorsitzende wies aus die Einrichtung des „Spendenbuches" hin, das bei freudigen und ernsten Anlässen den Mitgliedern Gelegenbeit gibt, besondere Zweae der Agudoh zu bedenken, uno er legte den Versammelten ans Herz, sowie bisher auch rn Zukunst von ihm fleißigen Gebrauch zu machen. Unserem verehrten Vorsitzenden gebührt nicht nur der Dank für die glückliche Anregung zu dieser Einrichtung, sondern auch dafür, daß er ihrer Handhabung mit demselben Pflichteifer und mit derselben Rührigkeit nachkommt, wie der gesamten Führung der Borstandstätigkeit, die in seinen bewährten Händen liegt. Die schönen Resultate, die er infolgedessen damit erzielt hat, lassen uns den Wunsch 13. HulilSLZ nj. -fr-fr-1 immiüirf -;- aussprechen, daß alle Ortsgruppen diese Einrichtung und die hiesige vorbildliche Art ihrer Ausführung recht bald nachahmen. Es konnte mit Genugtuung darauf hingewiesen, werden, daß der Kreis der Mitglieder fast alle umschließt, die auf Grund ihrer Gesinnung zur Agudoh gehören. ' Ter Kassierer, Herr S. Strauß, erstattete den Kassenbericht und konnte mitteilen, baß die Einnahmen aus den Beiträgen der Mitglieder sich auf , 12461 Mk. beliefen.! Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt, und in der Neuwahl wurde der bisherige Vorstand wieberge- , wählt. Als neues Mitglied wurde Herr Dr. C a h n i in die Verwaltung gewählt.! An den Bericht des Vorsitzenden schloß sich eine rege Diskussion an.*- Es wurde aus der Mitte der Versammlung die Anregung gegeben, die finanziellen s Mittel durch Erhöhung der Beiträge zu verstärken. C. Riga« (I. C. B.) Die lettländische Organisation der „Agudas I i s r o e l" beschloß, dem. bekannten Lubawiczer Rabbiner Schneersohn einen besonderen . Hilfsfonds zur Verfügung zu stellen. Ferner beauf- > tragte die lettländische Agudah den Vorsitzenden der - jüdischen Gemeinde in Riga, Herrn Dubin, Geldmittel! für die Erhaltung der Jeschiwah in Rostow zu sammeln. Jerusalem, 3. Tammns. Gemäß der Aufforderung des aschkenasischen Bes Din fand sich : eine ungeheuere Menschenmenge am Crew Rausch Ehaudesch au der W'estmauer ein, um in brüderlichem Mitempfinden um die Errettung? der unglücklichen Brüder und Schwestern im ukrai- ' nifchen Hungerbezirke aus ihren Qualen zu flehen. Nachdem man Tehillim gesagt und Schofar geblasen hatte, gab Rabbiner Benzion Jad- _ ler in erschütternden Worten den allgemeinen Empfindungen Ausdruck, zur Dschnwo ausrufen und zur tatkräftigen Hilfe. Es sind bereits 90 Lstr. der Zentralsammelstelle der Agudas Jisroel in Wien übermittelt worden. Jerusalem. Auch in der palästinensischen Aguda sind die Sammlungen für Sowjet Rußland mit einem warmherzigen Aufruf des Lcmdesvorstandes eingeleitet und haben in Jerusalem und Jaffa schon reichliche Erfolge erzielt. Slobotka. Gegenüber dem systematischen Verleumdungsfeldzug der von gegnerischer Seite gegen unser palästinensisches Organ „Kol Jisroel" geführt wird, ist folgendes Schreiben von Rabbiner M. M. Eppstein, dem weltbekannten Leiter der Jeschiwa Slobotka (Litauen) bemerkenswert. 3. Siwan 5682. An die verehrliche Redaktton des „Kol Jisroel" I e ru s alem. Gott mit Euch Ihr Helden! Aus tiefstem Herzen danke ich Euch für Euer mutiges Eintreten im Kampfe gegen die Enttveiher der Heiligtümer, welche den Sabbath entweihen und verbotene Speisen genießen. Ihr werdet denselben Lohn empfangen, wie Pinchas, der durch sein Eintreten Gottes Zorn beschwichtigte über die Gleichgültigkeit Israels über Simris öffentliche Gottesentweihung. Auch? Ihr seid würdig des Friedenssegens. Ihr steht weiter fest auf Jerusalems Bergen und rufet ohne Unterlaß zum Widerstand gegen diejenigen, welche Lüge und Bosheit verbreiten. Euer Ruf wird alle diejenigen, welche Gottesfurcht in ihrem Herzen erhalten haben, wachrütteln, und wenn Ihr das Eurige tut, dann hoffen wir auf unseren Vater im Himmel, daß er das Seinige tun wird, um die vollkommene Erlösung zu bringen, um die jüdischen Herzen mit jener Wahrheit zu erfüllen, welche nach den Worten des Maimonides das Kämmen des Moschiach darstellt Beiliegend gestatte ich mir, Euch für Eure Zeitung ein Pfund einzuschicken. In Freundschaft! gez. M. M. E-p p st e i n.