Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1922)
- Date
- 1922-07-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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----- Nummer 15. 13. Juli 1922. h e r <u s g e g e b e n vom , .. ,« .! ■ . ■ „Tn w fl i I VIII. Ilchrgaug 17. Tammus 5683. ^Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland. Inhaltsübersicht Rettet die Hungernden. — Siedlungsarbeit der palästinensischen „Agudas Jisroel." — Nachrichtenstelle der Schweizerischen Landesorganisation der Agudas Jisroel. — Aus der Bewegung. Rettet die Hungernden!! Tie Llguda-Sa mmiu n g in Deutschland hat bis jetzt etwa ly2 A'Mionen Mark erbracht — aber die Zahl Derer, die dazu beigetragen haben, ist nicht nur verschwindend gering, sondern es fehlen auch noch die größten und leistungsfähigsten Kehillos, die meisten Ortsgruppen im deutschen Reiche. Eine Aguda-Ortsgruppe, die in diese m F alle versagt, verdient v e n Vorwurf grausam er Herzens d er h ä rt u n g gegenüber d e tu t h räueuv 0 lle n Aufschrei aus zuckende rn B r u 0 e r - her z en! OrtsgruPPen-Vorstände, versündigt Euch nicht! Verschanze sich keiner hinter der Ausrcoe, man müsse warten bis alle jüdischen Parteien sich zu einer „gemeinsamen Aktion" geeinigt haben. Es ist ein blutiger Hohn auf alles jüdische Empfinden, die Verhungernden, die auf ein Lebensmittelpakel warten, mit jüdischer Politik abzuspeisen! Die „Aguda" war und ist von jeher bereit, in solchen Dingen mit allen Anderen zusammenzuarbeiten, aber sie hielt und hält es sür ein Verbrechen, mit komplizierten parteipolitischen Verhandlungen Zeit p ver lieren, wo jeder T a g d e s Wartens sah rlässigen Menschenmord bedeutet. Möge jede jüdische Gruppe und Partei die arrdere an Sammeleifer zu nbertresfen bemüht sein! Nur geben, geben, geben! Hier ein Brief aus Odessa, der au einen Herrn in Warschau gerichtet ist: Mein lieber Vetter Josef Wahrhaft! Kein Fleisch, kein Stückchen Hering, kein Stückchen Schwarzbrots kein Hemd auf dem Leib, kein Schuh an den Füßen, kein Kissen unterm Kopf, kurz: Wir sind hungrig und durstig, nackt uno barfuß. Wir leben die 24 Stunden des Tages in Pein und Armut und die Kräfte gehen'aus. Ich lebe wie ein Hund an der Kette, von Parnose ist keine Reoe und der Hunger nagt das Mark aus den Knochen. Ich bin schon nichts weiter als ein Sklekett, nicht besser als eine Leiche. Vetter, hör meinen Schrei, das Geschrei eines Menschen, der lebendig! aus Kohlen gebraten wird. Schick mir sofort ein Päckchen Speise, vielleicht wirst Du mich und meine Kinder noch vom Hunger erretten und dafür wird Dich Gott vor aller Not schützen und Dir alles Heil schicken. Simche Grimberg. Nachschrift: Bitte lim. Erbarmen für mich bei all meinen Verwandten und ehemaligen Mitbewohnern im Hause. Glaube nicht, daß ich hier übertreibe, ich könnte im Gegenteil mehr erzählen. Man sollte gllauben, daß angesichts solcher Dokumente, die ja durch eine unendliche Fülle von nüchternen Berichten europäischer und amerikanischer Augenzeugen vor dem Verdachte individueller Uebertreibungen geschützt sind, auch das härteste Herz zum Schmelzen bringen und überall^ in der Welt ein Ausmaß von Opferfreuoe wecken müßte, das oer beispiellosen Größe der Katastrophe entspricht. Man verlange Ausrufe und Spendenlisten vom Gruppenderband der Agudas Jisroel in Halberstadt und überweise größere Zuwendungen an dessen Postscheck-Konto Berlin 18901. SledluWWeit der paWmenMea„Ag«-as Wroel." Am 1. Tammus fand die feierliche Einweihung der von den Aguda - Gesellschaften „Nowe Schaanan" und „Neine Isroel" erworbenen neuen Grundstücke statt. Eine festlich gestimmte Menge füllte die Zugangsstraßen zu den Grundstücken. "Au großen Balken waren Aussorderungeu angebracht, die jeden Vorübergehenden einluden, sich symbolisch an der Jischuw-Arbeit dadurch zu beteiligen, daß er 50 Steine aus der Mitte des Weges persönlich zu den an den Seiten zu bildenden Steinhngeln hinzutrage. Unter einem aus dem Grundstück ausgestellten Zelte begann Oberrabbiner S 0 n - n e n seid zur festgesetzten Stunde seine Ansprache an die Versammlung. Er begrüßte die zahlreichen Teilnehmer, 11. a. auch den Vertreter der B r a nd ei s -G ruppe, Sol Ros e n b l 0 0 m, und drückte in warmen Worten die Hoffnung aus, daß einst alle jüdischen Organisationen, die sich dem 'Aufbau Erez Jisroels widmen, zu der Erkenntnis kommen würden, wie eine wahrhafte Aufrichtung jüdischen Lebens in nuferem Lande, nur auf der goldreinen Grundlage von Thora und Mizwos sich vollziehen könnte. Msdann gab der Ehrensekretär der Jerusalemer Aguda, Herr Moses Blau, einen historischen Ueberblick über die Entwicklung des gesetzestreuen Jischuw im heiligen Lande, woraus Herr Rabb. Benzion Jadler die Bedeutung der Tatsache illustrierte, daß die Jeschiwohkreise sich an der Jischumarbeit in steigendem Maße beteiligten. Für die Jugend gruppe sprach Herr Rafael Katzenelbogen, indem er insbesondere all denen dankte, die in selbstloser, uneigennütziger.-Weise zu dem Gelingen des Werkes beitrugen. Nach einer Schlnßansprache des Herrn Mendel Löw begann man einen Rundgang um die Grundstücke. Der leider zu spät eingetroffene Rabbiner Äbramowitz, zu dessen Ehren man sich noch einmal zur Feststätte begab, feierte in schwungvollen Worten die grundlegende Arbeit der thoratreuen Kreise für Erez Jisroel, die alle Voraussetzungen für die Entwicklung des Landes in opferreichen, jahrzehntelang währenden Kämpfen geschaffen hätten. Zum Schluß ergriff Herr Rosenbloom das Wort, indem er auf die Notwendigkeit brüderlichen Zusammenwirkens aller Gruppen und Parteien auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Erez Jisroel-Arbeit hinwies. Der vor kurzem von „Agudas .Jisroel" gegründete orthodoxe Arbeiter-Bund in Jerusalem. (D'-nn DT?Jrta mJK) hat soeben ein kleines Stück Land von 500 Tiinam in der Nähe Jerusalems aus eigeuer Kraft erworben, über dessen Verwendung noch beschlossen werden wird. Im „Israelitischen Wochenblatt sür die Schweiz" vom 20. Siwan teilt Herr Rechtsanwalt Dr. Markus Cohn (Basel) namens der „Jerusalem-Organisation in der Schweiz" mit: Die Jerusalem-Organisation hat in einer am 2. Jjar 5682 einstimmig vom Zentralkomitee genehmigten Resolution Herrn Oberrabbiner Kook restloses Vertrauen ausgesprochen. Die Resolution hat folgenden Wortlaut: „Tie „IernsaIem Organisatio u" in der Schweiz hat mit tiefem Schmerze von der Resolution des Landcs-Komitces der „Agudas Jisroel" in Zürich vom 26. Adar 5682 Kenntnis genommen, in der für eine das Oberrabbinat in Erez Jisroel bekämpfende Gruppe Partei ergriffen wird, welche durch ihre politischen Sonderaktivnen die einheitliche Organisierung der jüdischen Gemeinden hindert und den friedlichen Aufbau des heiligen Landes aufs schwerste gefährdet. Tie „I e r u s a l e m Organisation" in der Schweiz hält sich für verpflichtet, feierlichst scharfen Protest zu erheben gegen die Bekämpfung von allgemein anerkannten rabbinifchen Führer und Gaonim im heiligen Land und stellt in aller Oeffentlichkeit fest, daß die Judenheit in der Schweiz in ihrer überwiegenden Mehrheit diese unverantwortliche Kampfesweise ablehnt, welche geeignet ist, den Namen Israel unter den Völkern und die Würde der Thora in den nicht gesetzestrcuen Kreisen zu entweihen und eine Trennung im heiligen Lande hervorzurnsen, in einer Zeit, in der: das Streben nach Frieden und Einheit so überaus notwendig ist. ( Bon der Erkenntnis durchdrungen, daß ausschließ-f lich in der Einheit des jüdischen Volkes und seineri Ganzheit die heilige Neubelebuna des jüdischen Volkes auf dem geweihten Boden des heiligen Landes begründet ist, spricht die „I e r n s a l e nr O r g a n r s a t i 0 n" in der Schweiz Rabbi Awrohom Zizchok Kook, dem Oberrabbiner des heiligen Landes und dem geistigen Führer der Wiederbelebung Israels in seinem Lande, volles Vertrauen ans und gibt der unerschütterlichen Hoffnung Ausdruck, daß es ihm vergönnt sein möge, seine heiligen Werke zu vollenden und Würde und Ansehen der Kenesseth Israel im Lande unserer Sehn- . sucht zu mehren." \ Von der Resolution des Landesverbandes 'wurde seiner Zeit auch, in diesen Blättern berich- - tet. Dias nahezu vollständig! erschienene Lanjdeskomitee (merkwürdigerweise fehlten die Ver- 'tretet Basels) bekundete damals Herrn Oberrabbiuer Sonnenfeld Solidarität, als er nnd seine Anhänger sich entschlossen, offen vor aller Welt zu erklären, daß sie die zionistische Leitung (welche die ungebahnten Verständigungsversuche seitens der Agndahzentrale verschiedenfach .ignorierte) nicht als die Vertreter chrer Intern cffeit anzuerkennen gewillt seien. Zugleich sprach!man den Gesinnungsgenossen in Jerusalem tiefes Bedauern aus wegen der Mißhandlungen, die zionistischer Pöbel in der heiligen Stadt ihnen zufügte. Damit hat das Landeskomitee mich nicht im geringsten die Autorität anderer Gaonim in verletzt, geschweige denn in irgend- 192411^1 926243^4