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Der Israelit · 1922-06-29 · Heft 26 (29.6.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 26 (29.6.1922)
Date
1922-06-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Vste tz Nr. H Der JSräettt SV, Juni IS» setztem Hause) folgender Antrag Lord Jslings- Ions zur Annahme: „Das Mandat für Palästina ist in seiner gegenwärtigen Form dem Hause unannehmbar, weil es die von der Regierung in -er Deklaration vom Oktober ISIS und in einer weiteren Erklärung vom November 1917 der palästinensischen Bevölkerung gemachten Zusagen direkt verletzt und so, wie es jetzt formuliert ist, den Empfindungen und Wünschen der großen Mehrheit der palästinensischen Bevölkerung widersprichtseine Annahme durch den Rat des Völkerbundes sollte daher oufgeschoben werden, bis diejenigen Aenderungen darin vorgenommen find," die den von der Regierung gegebenen Zusagen entsprechen." Der Antragsteller verwahrte sich gegen den Verdacht irgend welcher Feindseligkeit gegen die jüdische Rasse. Er meinte, die zionistischen Bestrebungen seien grundsätzlich unvereinbar mit -er Mandat-Politik, die sich gänzlich auf der treuen Vertretung der Bevölkerungsintereffen aufbaue, während hier einer kleinen Minderheit eine Vorzugsbehandlung widerfahren sollte. Die Artikel 4, 6 und 11 sowie die Vorrede zum Mandat müßten daher geändert werden. B alfour erwiderte in einer groß angelegten Rede, die sich Punkt für Punkt mit den Anklagen des Antragsftellers ausetnandersetzte, und das Märchen von einer jüdischen Herrschaft über die Araber ad absurdum führte. Der Redner ging dann auf allgemeine Gesichtspunkte über und sagte u. a.: Lord JSiington hat erklärt, daß er frei von Vorurteilen gegen die Juden sei, ich persönlich glaube sagen zu können, daß ich keines zu ihren Gunsten habe, aber ihre Stellung in unserer Geschichte, ihre Verknüpfung mit Weltpolitik und Weltreltgion steht absolut einzig da. Es gibt nichts Vergleichbares auf irgend einem Gebiete der Menschengeschichte. Eine kleine Rasse, ein kleines Land im Umfang von Wales oder Belgien bewohnend, niemals über irgendwelche materielle Kraft verfügend, verjagt und vertrieben in jedes Land der Erde, hielt dennoch eine Kontinuität ver religiösen und raffenmähige Zusammenhänge aufrecht, für die wir nirgends sonst eine Parallele haben. Bedenken Sie, wie die Juden jahrhundertelang behandelt worden sind, wie sie der Tyrannei und der Verfolgung unterworfen waren, bedenken «sie, ob unsere Vorfahren aus diesen Inseln und die ganze religiöse Organisation Europas sich nicht von Zeit zu Zeit der größten Verbrechen gegen diese Rasse schuldig gemacht haben. Ich verstehe vollkommen, daß auch auf Setten der Juden viel Uebelwollen und Haß vorhanden gewesen sein möge, und ich weiß nicht, wie eS bei dieser Behandlung anders hätte sein können, «her wenn Sie ans diese Tatsache Wert legen wollen, so vergesien Sie aus der anderen Seite den Anteil nicht, den die Juden an der intellektuellen, künstlerischen, philosophischen und wissenschaftlichen Entwicklung der Welt genommen haben. In dem gleichen Augenblick, da ein Teil von ihnen verfolgt wurde von der Kirche, entwickelten ihre Philosophen Gedanken, die dann von den großen Gelehrten der Kirche in ihren Systemen verwertet worden sind. Und wie im Mittelalter, so ist es jetzt. Und doch — gibt es jemanden hier, der mit dieser Lage zufrieden ist? Sie haben durch die außerordentliche Zähigkeit ihrer Raffe diese Kontinuität aufrecht zu erhatten vermocht, ohne irgend ein jüdisches Heim zu besitzen. Die Folge ist gewesen, daß sie von jeder Zivilisation, mit der sie sich vermischten, als Parasiten bezeichnet wurden. Sehr nützliche Parasiten. Wie dem aber auch sei, geben Sie nicht zu, daß die Christenheit, eingedenk des von ihr geübten Unrechts, wenn sie imstande ist, dieser Raffe eine Möglichkeit zu geben, zu zeigen, ob sie eine Kultur schaffen kann in einem von Unterdrückung freien Heime, daß es nicht wohlgetan wäre, eine solche Mögllchkett herbeizusührcn? Ich gebe offen zu, daß soweit ich selbst mit dieser Politik etwas zu tun hatte, ich von diesen Erwägungen bewegt worden bin, von denen mein edler Freund in seiner Rede nicht! eine einzige gestreift hat. Ich kann scheitern, ich leugne nicht, öaß eS etu Abenteuer tst; aber sollten wir niemals Abenteuer erleben, sollten wir niemals neue Experimente versuchen? Ich hoffe, Sie, meine Herren, werden nie in diese phantasielose Tiefe versinken. Wenn Experiment und Abenteuer jemals in irgend einem Falle gerechtfertigt waren, so tst es hier, um in alle Länder, in die die jüdische Raffe verstreut worden ist, eine Botschaft zu senden, die ihnen sagt, daß die Christenheit ihr Schicksal nicht vergeffen hat, daß sie nicht uneingedenk ist der Dienste, die sie den großen Religionen der Welt geleistet, am meisten derjenigen Religion, zu der sich die Mehrheit dieses Hauses dekennt; eine Botschaft, daß wir ihnen nach bestem Können die Gelegenheit schaffen wollen, in Friede und Ruhe unter britischer Herrschaft jene großen Gaben zu entfalten, die sie bis jetzt unter dem Zwange der Umstände in Ländern zur Reife bringen mutzten, die ihre Sprache nicht kennen und zu ihrer Raffe nicht gehören. Dies tst das Ideal, dem ich nachstrebe, dies das Ideal, das als die eigentliche Wurzel der Politik zu betrachten ist, die ich zu verteidigen versuche. In der Debatte vertrat Lord Sydenham seine bekannten Ansichten mit großer Entschiedenheit. Der Zionismus werde scheitern, aber der durch ihn angerichte Schaden könne nicht mehr gut gemacht werden. Lord Buckmaster beklagte, daß Balfour mit Idealen operiere, statt mit Tatsachen, und daß er die Behauptung des Antrages über die Unvereinbarkeit der verschiedenen von England abgegebenen Versprechungen nicht widerlegt habe. Die Zionistische Organisation erklärt in einem Communique, sie sei überzeugt, daß die Zufallsabstimmung im Oberhause keine Aercherungen der britischen Politik herbeiführen und daß die heute stattfindende Unterhaus-Debatte die wahre Stimmung deS britischen Volkes offenbaren werde. (Die Unterhaus-Debatte ist inzwischen vertagt, worden. Red.) richtete u. a. über die von ihm. eingeleitetm, bezw. veranlaßten Verhandlungen des Völkerbundes mit der österreichischen Regierung wegen der bekannten Zurückweisung jüdischer Eiubürgerungsgesuche. Die Angelegenheit beschäftigt z. Zt. die juristischen Berater des Foreign Office. Aus dem Berichte erfährt man ferner, daß der Rat des Völkerbundes im Mai entschieden hat, die jüdisch-nationale Autonomie in Litauen und insbesondere das jüdische Ministerium seien keine Einrichtungen, die von den Mtnderheitsverträgen gefordert werden. Trotzdem werde Litauen diese Institutionen, ohne sie in der Verfassung festzulegen, aufrecht erhalten. Wegen der Judenverfolgungen in Persien hat Lord Curzon bei der Regierung in Teheran interveniert. Frankfurter Krrtchte. Die englifdie flilfsahfitm für 8!e fiimgernden in kußlsng. London, 23. Juni. Das hier bestehende Komitee für die Kriegsopfer hat bisher vergebliche Anstrengungen gemacht, um eine wahrhaft wirksame und großzügige Hilfsaktion für die mit dem Tode ringende Bevölkerung der Ukraine ins Werk zu setzen. Die englische Judenheit gibt zwar, aber es sind im Verhältnis zu der ungeheueren Katastrophe geradezu beschämend enge Kreise und kleine Gaben, die bisher dem gewaltigen Rettungswerke sich zuwenden. Auch eine am letzten Sonntag abgghaltene öffentliche Versammlung zeigte leider nur schwachen Besuch. Man glaubte anläßlich der Anwesenheit zahlreicher Mitglieder des Board of Deputies aus der Provinz auf stärkeres Interesse rechnen zu können, wurde aber enttäuscht. Der Chief Rabbl und Dr. Gaster sowie eine Reihe weiterer Redner taten ihr Bestes, um eine Vorstellung von dem in der Weltgeschichte einzig dastehenden Entsetzen zu geben, daß in jenem großen Zentrum jüdischen Lebens herrscht. Einer der Redner meinte, daß die ungerechtfertigte Furcht, das Geld könne seine Bestimmung nicht erreichen, den Erfolg der Sammlung beeinträchtige. Der Sekretär der Federation der ukrainischen Juden versicherte nochmals feierlich, daß jeder Penny ankomme und ordnungsmäßig Quittungen erteilt werden. Die Versammlung beschloß, die Oeffentlichkeit in stärkerem Maße als zuvor über die Loge zu unterrichten und das Publikum zu neuen Anstrengungen anzueifern. Im Mgüstli-Wislkien psrlsmenl. London, 23. Juni. Der Board of Deputies trat am Sonntag zu seiner ersten Vollversammlung nach den Neuwahlen zusammen: er zählt jetzt 232 Abgeordnete. Den Vorsitz führt weiter Stuart Samuel, stellvertretender Vorsitzender ist Lord Rothschild. Der feit Jahren bestehende Vertrag mt der Anglo-Jervish Association wurde trotz zionistischen Widerspruchs erneuert. Von Interesse waren aus dem Berichte der politischen Kommission die Verhandlungen mit dem Home Office wegen der Anerkennung der religiösen Trauungen, der sogenannten „stillen Chuppes", die in der ostjüdischen Bevölkerung Londons in sehr großem Umfange üblich sind und die man sich auch, schon angesichts der vielfach unüberwindlichen juristisch-formalen Schwierigkeiten der gesetzlichen Eheschließung, nicht rauben lassen kann. Es wird wohl ba.zu kommest, daß man für eine rewisse Registrierung und Kontrolle dieser religiösen. Eheschließungen durch eine rabbinische Zentralstelle sorgt. Eine große Debatte entstand über die Förderung des Keren Hajesso d. Es scheint, daß eine große Mehrheit der Dk.putierten dem Keren Hajessod wohlwollend gegemübersteht, sodaß die Prüfung der Frage an das Komitee zurückverwiesen wird. Das auswärtige -(Joint Foreign) Comittee be¬ Agudas Aisroel-Angendgrrr-pe. Sonntag, 2. Juli, gemeinsames Schwimmen bei günstigem Wetter. Treffpunkt: Friedberger Anlage (Uhrtürmchen), 4 Uhr nachmittags. Agndas Iisrsel-Mädchengrttppe- Sonntag, 2. Juli, Ausflug nach Auerbach—Melepokus. Treffpunkt: 8.15 Uhr früh, Hauptportal Hauptbahnhos. Jührertn Irl. Sara Landsberg. Heffeulliche Kersammkung der „Agndas Iisroet" - Ortsgruppe. Anläßlich der Anwesenheit einiger hervorragender agudisttfcher Führer aus Polen veranstaltet die Ortsgruppe am Montag, dm 3. Juli, abends 8 Uhr, in der Ltederhalle eine öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung: „Die Organisation der thoratreuen jüdischen Gesamtheit". Als Redner sind u. a. die Herren Sejm-Abgeordneter Mendelsohn und Ratmann Kirschbraun aus Warschau vorgesehen. herein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina. Bei der letzten Vorstandssitzung deS genannten Vereins wurde an Stelle des verstorbenen Vorsitzendeu, Herrn Rabb. Dr. R. H. Nobel, Herr Rabb. Dr. I. H o r o v t tz, hier, zum Vorsitzenden ernannt. dereinslaien-er. Berel« Mekor Ehali«. Samstag nach Schluß der Synagoge „Dtnim". — 41/» Uhr: „Mikro"; Herr Lehrer H. Reich. — Eine Stunde vor Nacht im Hörsaale Jriedberger Anlage: „Midrasch") Herr Emil Goldschmidt. Sonntagvorm. 9^ Uhr: „Gemoro") Herr R. A. G. Posen. Montag und Mittwoch abend 7 Uhr: „Gemoro") Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Dienstag abend 6 Uhr: „Gemoro") Herr R. A. G. Posen. Donnerstag abend 6 Uhr: „Mischnah") Herr Rektor Falk. Allmorgendlich „Mischnalernen". Allabendlich „Schaß.Lern en"; Herr H. H a lp e r n Agndas Jisroel-Jngendgrnppe. SamStag vorm. 11»/, Uhr: „Schaß"; Herr H. Halp ern. — 11»/, Uhr: flöK »p**; Herr A. Hirschberg. — nachm. 4 Uhr: „Gemoro";^. Herr Dr. Hosrnann. — 3U Stunde vor Nacht: Sidrah-Vortrag des Herrn Dr. Ehrmann. (Damen und Herren). Sonntag vorm., 8 Uhr: „Chumisch mit Raschi" Herr Leopold Oppenheimer. Zabbst-Mfang und Hingang. m? rav- O rtr Anfang Datum AuSgang UhrlMtn. 1922 5682 Uhr Min. Frankfurt a. M. 7 45 l. ü. s 40 Berlin .... 7 30 Juli Tammus 9 33 München . . . 7 15 9 08 Cöl«. 7. 50 9 50 Stuttgart. . . 7 — : 9 26 Breslau . . . S m 9 06 Nürnberg. . . 7 15 9 IS WHmhnrH. , . 8 55 9 55

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